Jazorina
Jazorina - # 2

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
Lorelai74
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Re: Jazorina

Post 16 im Thema

Beitrag von Lorelai74 »

Schöner neuer Teil. Man darf gespannt sein wie es weitergeht und was hinter dem Systemzusammenbrzch steckt.
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Drachenwind
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Re: Jazorina

Post 17 im Thema

Beitrag von Drachenwind »

So, ich halle Folgen in einem Ritt gelesen und sie hat mir sehr gut gefallen.
Es schreit schnell nach weiteren, neuen folgen.
Für eine selbst gebastelte Geschichte schreibst Du sehr gut und sie ist
flüssig lesbar. Hab als keine Bedenken wegen deiner Schreiberei und mache
einfach weiter.
Einen kleinen Fehler hat deine Geschichte, die Fortsetzungen sind immer
viel zu kurz.
Renée
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Re: Jazorina

Post 18 im Thema

Beitrag von Renée »

Lorelai74 hat geschrieben: Mo 30. Jul 2018, 10:46 Schöner neuer Teil. Man darf gespannt sein wie es weitergeht und was hinter dem Systemzusammenbrzch steckt.
Hallo,
natürlich geht es weiter.
Was hinter dem Zusammenbruch steht? Ehrlich. Ich habe gerade noch kein endgültiges Szenario dafür. Ich finde es ist für die Geschichte aber auch nicht relevant.
Vielleicht fällt mir noch eine abgedrehte Idee ein und baue sie in eine späteres Kapitel ein.
Ich brauchte einfach einen Anfang. Da ich mich privat und dienstlich viel mit Computertechnik autonomen Systemen beschäftigte, war das für mich ein realitätsnahes Szenario und auch Gefahr der Zukunft. Wir werden immer abhängige von der Technik. Die eingangs beschrieben Meldung "keine Verbindung zum Server" ist bei uns im Büro ein tägliche Meldung. Wir arbeiten heute schon nur noch in virtualisierten Systemen. D. H. Der lokale PC ist nur noch für die ein und ausgabe zuständig. Stürzt der Server ab ist der PC nur noch eine wertlos Hülle.
Liebe Grüße
Renée

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Re: Jazorina

Post 19 im Thema

Beitrag von Renée »

Drachenwind hat geschrieben: Mo 30. Jul 2018, 17:25
...
Einen kleinen Fehler hat deine Geschichte, die Fortsetzungen sind immer viel zu kurz.
Hallo Drachenswind,
Ich versuche die anderen Folgen etwas umfangreicher zu gestalten. Ich lerne noch. Ansonsten freue dich im Laufe der Woche auf eine kurze Geschichte. Und in der Kürze liegt die Würze.
Liebe Grüße
Renée

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Lorelai74
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Re: Jazorina

Post 20 im Thema

Beitrag von Lorelai74 »

Hally Sycorax,

es hat sich so gelesen als hättest du den Background etwas tiefer geplant und da käme noch was.. ist aber für die Geschichte wirklich nicht so wichtig.

Ja, ohne Technik geht fast nichts mehr.. und vielfach merken wir gar nicht wie sehr sie uns beeinflusst.

VLG
Lorelai
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Re: Jazorina

Post 21 im Thema

Beitrag von Renée »

7. Wieder Zuhause

Simon/Félicie war jetzt die zweite Woche im Internat und sie hatten sich gerade fürs Ballett umgezogen. In diesem Moment kam die Rektorin zu ihnen und verkündete, dass Simons Mutter auf dem Weg zur Schule sei. Er zog eilig seine eigenen Sachen an und alle drei gingen zum Rektorat. Dort wartet tatsächlich seine Mutter. Vor Freude rannte er sie fast um. Noch als er seine Mutter umarmt hatte, platzte es aus ihm heraus. "Mama ich will hier zur Schule gehen."
"Wie jetzt? Das geht doch nicht. Das ist doch eine Mädchenschule. Oder?", entgegnete diese völlig überrascht.
"In deiner Schule hast du doch auch sicher Freunde, die du wieder sehen möchtest oder?" argumentierte die Rektorin.
"Na, so richtige Freunde habe ich dort nicht. Jetzt weiß ich auch warum ich den Namen Simone nicht mag, einige aus der Schule nennen mich immer so, dass find' ich echt ätzend.", meinte er zu Luisa gewandt.
Sie nahmen alle in der kleinen Sitzgruppe platzt und die Rektorin erzählten Simons Mutter wie es dazukam, dass Simon im Internat wohnen konnte und er selber die Frau vom Jugendamt überredet hatte, bleiben zu dürfen.
"Ich habe den Eindruck, Simon hat sich hier sehr wohl gefühlt. Auch wenn er seine Eltern wirklich sehr vermisste. Aber, ich denke alle weiteren Einzelheiten sollte er selbst erzählen. Simon! ", sie sah ihn auffordernd an und wartet darauf ob er etwas sagt.
Seine Mutter sah ich an und meinte, "Was sollte ich denn noch wissen?"
Simon sah aus dem Fenster und konnte seiner Mutter nicht ins Gesicht sehen. Er hatte Angst ihr zu erzählen wie er die Tage im Internat verbracht hatte — als Félicie, und konnte sich nur mit Mühe Tränen zurückhalten. Er verfluchte die Rektorin. Wie konnte sie ihn bloß so bloßstellen.
"Ich denke Simon deine Eltern sollten auch den Rest der Geschichte erfahren."
Er schaute weiter aus dem Fenster. Seine Mutter beugte sich zu ihm und sah ihm ins Gesicht. "Was ist hier passiert?", fragt sie und sah jetzt die Rektorin fragend und ängstlich an.
"Dann erzähle ich es, ok? Denn ich bin der Meinung, dass es sehr wichtig für dich ist, dass deine Mutter davon erfährt wie du hier gewohnt hast, aus eigenem Antrieb."
Simon haderte mit sich, ein Teil wollte es rausschreien der andere wollte sich in das Sofapolstern verkriechen.
"Die meiste Zeit war nicht Simon unser Gast, sondern ich sag mal, seine Zwillingsschwester."
Nun war es raus. Wie konnte dir Rektorin das jetzt verraten? Simon wäre am liebst unsichtbar geworden. Und wartet auf eine Reaktion seiner Mutter. Doch statt etwas zu sagen, zog sie ihn sanft zu sich und drückt ihn. Und atmete tief durch. "So, Zwillingsschwester, hat die auch einen Namen?"
"Félicie." Antwortet Simon leise.
"Vielleicht ist es nur eine Phase oder ein Schutzmechanismus um mit der Situation klar zu kommen, aber ich denke es ist für Ihr Kind eine wichtige Erkenntnis gewesen."
Die Rektorin gab Simons Mutter noch ein Pad mit dem medizinischen Bericht des Krankenhauses und von Frau Dr. Raabe welche ihn im Internat regelmäßig nach Ihm gesehen hatte.
"Verabschiede dich bitte, wir werden jetzt nach Hause fahren." Simon war hin und hergerissen. Er wollte nach Hause und doch bleiben. "Simon verstehe mich bitte. Wir haben fast zwei Wochen nach dir gesucht und schon gedacht wir sehen dich nie wieder. Es war die Hölle. Lass uns bitte fahren, dann sehen wir weiter. Ok?" Der Junge nickte. In der Zeit war Luisa zum Zimmer zurück gerannt. Sie stiegen in das Auto und da kam Luisa mit einer Tasche zurück und gab sie und ihre Telefonnummer Simon. Dieser musste hoch und heilig versprechen sie anzurufen. Das Auto konnte zum Glück autonom Fahren, denn Simons Mutter war viel zu aufgewühlt um es selbst zu steuern. Selbst fahren war in den letzten Jahren sowieso immer mehr aus der Mode gekommen war.
"Du hast dich dort echt wohlgefühlt was? Und wusstest nicht mehr wo du wohnst? Und du willst dort wieder hin? Und wir haben schon gedacht du bist einfach wegegelaufen." Simon nickt. Die Mutter atmet tief durch. "Was sind das für Sachen, die Luisa gegeben hat?"
"ich hatte doch nur diese und die waren dreckig und da waren wir gemeinsam einkaufen."
"Und dann haben sie dich gezwungen in Mädchensachen rumzulaufen? Wie konnte sie das nur zu lassen?"
"Nein. Naja am Anfang hatten sie nicht anderes. Und zumindest sie glaubten am Anfang ich sei echt ein Mädchen. Die Jeans und das Bluse waren ok. Aber die Sachen hier, habe ich mir alle selber ausgesucht. Wirklich." Er zitterte innerlich. "Ich"¦ Ich"¦ ähm", stotterte Simon und flüsterte. "ich fand es schön. Ist das schlimm?"
"Ich weiß es noch nicht. Auf jeden Fall sehr überraschend." Kam es sehr bedenklich. "Und dich haben alle Félicie genannt?" Wieder ein kurzes Nicken. "Weißt du noch? Du hast ich mal gefragt wie du heißen würdest, wenn du ein Mädchen geworden wärest, Es war - Félicie."
"Deshalb fiel er mir einfach so ein und ich fühlte mich gut dabei." und freute sich. "Nur Luisa, die Rektorin und die Ärztin wussten wer ich bin. Für die anderen war ich einfach Félicie."
"Ärztin?"
"Die vom Internat. Ich konnte nur aus dem überfüllten Krankenhaus, weil die Rektorin nachweisen konnte, dass mich ein Arzt jeden Tag checkt. War ok. Dr. Raabe ist cool. Sie hat mich aber beim ersten Mal so komisch geguckt als ob sie was ganz Neues gesehen hätte. Na ja, es tauchte wahrscheinlich nicht jeden Tag bei Ihr ein Jung dort auf.".
"Und wie sollen wir die jetzt nennen Simon oder lieber Félicie."
"Simon. Félicie ist für das Internat, falls ich da noch mal hinkomme." antwortet er gedrückt. Seine Mutter kommentierte dies mit dem Hinweis, dass das nicht mehr passieren wird, sah dabei aber auch Simons traurigen Blick, war aber fest entschlossen diesen zu ignorieren.
Auf der Fahrt erzählt sie, warum es eine Weile gedauert hat bis die Nachricht über einen Jungen ohne Erinnerung bei der Polizei ankam und dort mit den, wieder per Hand geschrieben, Vermisstenanzeigen abgeglichen werden konnten. Er war froh wieder Zuhause zu sein. Am Nachmittag kamen sein Vater von der Arbeit und seine kleine Schwester aus dem Ferienhort. Beide waren überglücklich Simon endlich wieder zu sehen und gespannt, zu hören was passiert war. Bis auf die Details mit Félicie wiederholte er die Geschichte nochmal. Er war sich nicht sicher, wie diese Geschichte weitergehen soll. Und dankte seiner Mutter, dass sie nichts weiter dazu sagte. Bis jetzt. Nach dem Abendessen ging Simon schweigend in sein Zimmer. Es war eigenartig. Er vermisst Luisa sehr. Im Bett sah er sich auf seinem Tablet Fotos an und schrieb ihr eine Nachricht. Die Blockade von der Frau Dr. Hoffmann gesprochen hatte, schien komplett weg zu sein. Jetzt war ihm auch klar, was er im Krankenhaus vermisste, seine Schultasche und seine Smartwatch am Armgelenk. Hätte er die gehabt, wäre er sicher noch am gleichen Tag wieder zu Hause gewesen. Er dachte an die neuen Freunde, die er in den letzten zwei Wochen gefunden hatte und war glücklich, dass es so gekommen war. Da öffnet sich langsam die Tür und seine Mutter kam herein. Sie setzte sich zu ihm auf das Bett und sah die Bilder. Bis auf die Ereignisse nach der Schule konnte er sich wieder an alles erinnern. Simons Mutter sah die Tasche mit den Sachen die Luisa ihm gegeben hatte und packte sie aus.
"Das sind schöne Sachen. Und die hast du dir alle selber ausgesucht?", stellte sie fest und dachte an die gedrückte Stimmung am Ende der Rückfahrt.
"Luisa hat mir ein paar Tipps gegeben, was zusammenpassen könnte, aber ansonsten ja. Ohh cool, Sie hat die Leggings und das Shirt mit eingepackt, super die hat sie eigentlich für sich gekauft." und strahlte über das ganze Gesicht.
"Hier sind ja sogar Ballettschuhe und ein Trikot" Stellte die Mutter erstaunt fest. "Luisa hatte doch heute Morgen auch sowas an. Wollte sie -, wolltet IHR da gerade hin, als ich kam?"
Simon nickt, ""˜ wollten gerade zum Tanzen."
"Dann magst du Ballett?"
Wieder nickt Simon leicht.
"Warum hast du nie etwas gesagt?"
"Ich habe mich nie getraut und gehoffte Florise geht tanzen. Und dann dachte ich, ihr erlaubt es sowie so nicht, weil das nichts für Jungen ist oder sowas. Da habe ich heimlich geübt mit YouTube-Videos."
Seine Mutter schwieg, überlegte eine Weile, schaute sich die Sachen an und meinte dann, "Aber wir haben doch nie so etwas gesagt. Du hättest einfach zu uns kommen können. - Ok, da frag mich jetzt!"
Simon blickt seine Mutter mit großen Augen an. "Darf ich zum Ballett?"
"Ja. Wenn es dir so ernst ist, aber bitte als Tänzer, ich weiß sonst nicht wie ich das einer Tanzschule erklären soll. In dem engen Trikot sieht doch jeder auf den ersten Blick, dass du kein Mädchen bist. Ok?"
"Ok. Frau Beljajew hat in den letzten zwei Wochen nichts dazu gesagt." Er lachte und dachte an die Zeit im Tanzsaal.
"Möchtest du vielleicht die Schlafsachen aus dem Internat anziehen?" fragte Sie, selbst von ihren Worten überrascht.
"Darf ich wirklich?"
"Klar. Hätte ich sonst gefragt?"
"Danke, du bist toll Mama.", sagte er. Nach der Fahrt vom Internat nach Hause war er sich nicht sicher ob seine Mutter ihn so akzeptieren konnte. Er konnte sein Glück nicht fassen. Er konnte weitertanzen und auch die Mädchensachen tragen, wenn es ihm gefiel. Das heißt jetzt aber auch der Rest der Familie muss es erfahren. Das wurde ihm mehr und mehr bewusst. Aber eins nach dem andern.
"Seit wann gefallen dir die Mädchensachen so? Erst seitdem Unfall oder schon vorher?"
"Ich fand die Gymnastikschuhe der Mädchen schon immer toll und war ganz neidisch darauf, wenn die die Mädchen meiner Klasse zu Ihren Turnstunden anhatten. Auch die Gymnastikanzüge finde ich echt fetzig. Ich finde es einfach schön. Die Jungensachen sind immer so trist und dunkel. Einfach langweilig. Am interessantesten fand ich einen Gymnastikanzug und Leggings aus deinem Katalog letztes Jahr. Der war violett mit schwarzen Punkten oben wie ein Shirt und das Unterteil wie ein normaler Body aber nur violett. Den fand ich echt Klasse. Und Florise sieht in ihren Kleidern auch immer so süß aus. Anfangs im Internat habe ich die Sachen nur angezogen, weil nichts anderes da war, dann fing es an mir zu gefallen. Ich konnte sagen, dass es keine anderen Klamotten gab und gekannt hat mich dort auch keiner. Also war es einfach mich zu überwinden und die Sachen weiter anzuziehen. Es war dann ein echt schönes Gefühl. Und keiner hat komisch geguckt. Vor allem Luisa hat mir Mut gemacht und nicht einmal darüber gelacht. Die ist echt Klasse. Ich hoffe wir sehen uns wieder."
"Willst du jetzt lieber ein Mädchen sein?"
"Die Outfits sind schön, aber dafür gleich ganz zum Mädchen werden, nein ich glaub das will ich nicht. Ab und zu mal Félicie sein, wäre cool. - Darf ich das?", fragte er zögernd.
"Ich denke das ist Ok. Auch wenn mir der Gedanke nicht einfach fällt. Aber vielleicht hilft mir die große Félicie auch mal in der Küche so wie es der kleine Simon schon mal ganz gerne getan hat. Große Schwestern sollen auch einen guten Einfluss auf die kleinen Geschwister haben. Hatte ich mal gehört. Aber Hauptsache du bist glücklich und wieder da. Wir habe uns wahnsinnige Gedanken gemachte." Beim Rausgehen dreht sie sich nochmal um. "Da werde ich eurem Vater von den neuen Interessen unseres Jungen berichten. Oder möchtest du das selber machen? Und deine Schwester wird sich auch wundern." Simon schüttelte den Kopf. Durch die offene Tür hörte er wie seine Mutter sich mit dem Vater unterhielt. Florise musste auch unter sein. Er überlegte und entschied sich auch runter zu gehen. Er war froh, dass seine Mutter den Anfang machte, so war es für ihn einfacher weiterzuerzählen. Florise sprang jubelnd durchs Wohnzimmer, weil sie es toll fand jetzt gelegentliche eine große Schwester zu haben. Sein Vater hörte dagegen nachdenklich zu, schwieg aber. Vor der Familie im Sommerkleid aufzutreten, traute er sich jetzt aber nicht. Die Verwandtschaft wollte auch noch wissen wie es Simon geht und so gab es noch diverse Telefonate. Es wurde sehr späte bevor alle in den Betten waren. An Schlaf war für Simon gerade nicht zu denken. Luisa hatte auch schon zurückgeschrieben und einige der Fotos der letzten zwei Wochen geschickt. Diese schaute er sich lange an und träumte.
Eine Woche später flog Luisa mit ihren Eltern in den Urlaub nach Fuerteventura, wo sie Verwandte besuchten. Luisas Mutter war Spanierin. Die Familie hatte dort ein Ferienhaus. Die Kinder telefonierten täglich und erzählten sich was sie den ganzen Tag gemacht haben. Luisas Eltern willigten ein, dass diese die letzten Tage der Ferien statt im Internat bei Simon verbringen konnte. Zu Hause genoss er die gelegentlichen Ausflüge in die Mädchenwelt. Stöberte heimlich in Mutters Schrank. Bis auf ein Abendkleid trug diese ehre Hosen, so war die Neugier schnell befriedigt und das Thema durch. Kurze schwarze Radler hat er schon länger Zuhause getragen, doch jetzt kamen auch Caprihosen und die Ballettschuhe dazu. Er war froh und sehr glücklich darüber hier seinen neuen Kleidungsstill ausleben zu können. So übten zwei Ballerinen in Simons Zimmer an einer selbstgebauten Ballettstange. Florise versuchte die Übungen dann auch nachzumachen, da waren sie zu dritt. So vergingen die Ferien wie im Flug. Bevor das neue Schuljahr anfing, brauchten die Kinder neue Sachen für die Schule und auch Luisa hat Geld für neue Sachen bekommen und war froh diese nicht allein kaufen zu müssen. Simons Mutter und kleine Schwester kamen natürlich auch mit. Zufällig trug Luisa die gleichen Sachen wie damals als sie mit der Rektorin einkaufen waren. Dieser Umstand machte Simons Mutter stutzig. "Luisa, ich habe die ganze Zeit überlegt ob wir uns schon mal gesehen haben und jetzt wo ich dich in diesen Sachen sehe, bin mir sicher, dass es irgendwann in der Stadt war, kurz nach dem Simon verschwand."
"Ja, kann sein, wir waren damals ein paar Sachen für Simon einkaufen."
"Ihr wart zu dritt, nicht wahr? Simon habe ich nicht gesehen, aber irgendetwas fiel mir bei euch was auf. Das Base Cap von Simon."
"Sie hatten ihn gesehen aber nicht erkannt, war halt Félicie.", und deutete lachend auf Simon. "Und Sie waren die Fraum die uns beobachtet hatte. Ich fand das schon eigenartig, aber ich dachte mir nichts dabei. Schon komisch."
"Ich bin tatsächlich 20 m an meinem Sohn vorbeigerannt und hab ihn nicht erkannt. Ja, das ist wirklich verrückt. - Sag einfach Ida zu mir, sonst fühl ich mich so alt, wenn du andauernd "šSie"˜ zu mir sagst und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass du jetzt zur Familie gehörst." So gingen sie einkaufen Schulsachen, neue Klamotten im Allgemeinen. Wenn sonst Kinder die Augenverdrehen und stöhnen, wenn der Einkaufsbummel etwas länger dauert, so strapazierten diese diesmal die Geduld der Mutter. Alles was irgendwie interessant war, wurde begutachtet und bewertet und kommentiert und ggf anprobiert. Simon wandelte seinen früher eher einfarbig gedeckt Stil zu farbig und das ein oder andere Teile war dann auch aus der Mädchenabteilung ohne, dass man es sofort sah. Als Abschluss zum Einkaufen ließ sich Simon noch Ohrlöcher stechen und kaufte sich von seinem Taschengeld zwei paar Ohrstecker. Ein paar die er als Junge tragen konnte und natürlich war ein Paar für Félicie dabei, kleine goldene Herzchen mit roten Glitzersteinen. Da wollte auch Florise nicht nachstehen und drängelt so lange bis die Mutter zustimmte. Sie versprach auch das Geld dafür aus Ihrer Spardose zurück zu zahlen.
Liebe Grüße
Renée

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Lorelai74
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Re: Jazorina

Post 22 im Thema

Beitrag von Lorelai74 »

So sehr schön..
Ein Wende und ein Ende?
Oder geht es weiter ?
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Renée
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Re: Jazorina

Post 23 im Thema

Beitrag von Renée »

(smili) Geht weiter.
Es braucht aber noch etwas Zeit.
Liebe Grüße
Renée

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Re: Jazorina

Post 24 im Thema

Beitrag von Renée »

Eigentlich habe ich die Geschichte soweit fertig, dass es einen schönen Abschluss gibt. Aber wie das nun mal so ist, es kommen mir immer mal wieder Ideen etwas zu verändern oder zu ergänzen, bzw. ein Kapitel ist noch nicht rund. Dann gibt es auch noch andere Projekte die immer mal wieder nach vorn drängen.
Liebe Grüße
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Re: Jazorina

Post 25 im Thema

Beitrag von cora »

hey,

Dann lass sie doch so, und setzt einfach ein

ENDE

Darunter...

(is besser als dann irgendwo einen Break zu machen wenns nicht passt.)

VIELEN DANK FÜR DIESE SUPER GESCHICHTE ;)
lg Cora
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Re: Jazorina

Post 26 im Thema

Beitrag von Ruby1992 »

Eine echt schöne Geschicht bin schon auf die Fortsetzung und das Ende gespannt
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Re: Jazorina

Post 27 im Thema

Beitrag von Renée »

8. Ein neues Schuljahr

Der erste Schultag stand an und alle machten sich für den neuen Arbeits- oder Schultag fertig. Als Simon sich verabschieden wollte, hielt seine Mutter ihn noch mal an und deutet auf seine Ohren. "Du hast die Herzchen-Ohrstecker noch drin. Weiß du das? Ich denke die solltest du rausnehmen." "Oh, ja", meinte er nur und machte sie gekonnt ab. Er hatte sie die letzten Tage getragen und gar nicht mehr daran gedacht, sie gegen seine anderen Stecker zu tauschen.
"Ich habe nichts dagegen, wenn du sie trägst, aber in der Schule wirst du damit sicher aufgezogen. Tu dir das nicht an, bitte!" Simon nickte nur und steckte die Stecker in das kleine Schmuckkästchen, in denen er sie gekauft hatte. Diese hatte er dafür schon bereitgelegt und packte sie in den Rucksack.
"Willst du sie wirklich mitnehmen?"
"Als Glücksbinger." Meinte er, umarmte seine Mutter zum Abschied und ging zur Schule.
Mit dem neuen Schuljahr bat er seine Mutter mit Ihn fürs Balletttraining anzumelden. Nach zwei Probetrainings stand es fest wo er hin wollte. Nun mussten Sie neue Ballettsachen kaufen, denn in den Mädchensachen sollte er hier nicht tanzen. Sie gingen wieder in das Tanzsportgeschäft in dem Félicie schon ihre Sachen gekauft hatte. Simon sagt der Verkäuferin was er brauchte, diesmal mit viel mehr Selbstbewusstsein und zielsicher. Sie gingen zu einem Kleiderständer und die Verkäuferin suchte ihm eine schwarze Leggings und ein weißes Jungentrikot in seiner Größe raus. "Warst du schon mal hier?"
"Nein.", log Simon.
"Du erinnerst mich aber an jemanden. Ja, die Rektorin der Jazorina - Schule war vor einiger Zeit hier mit zwei Kindern. Oder? Aber nein, das kann nicht sein, es ist eine reine Mädchen-Schule, aber eins der Kinder sah dir ziemlich ähnlich. Sie sah süß aus in ihrem Kleid und den neuen Ballettsachen."
Simon konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Erst als die erste richtige Tanzstunde vorüber war, schrieb er Luisa von seinem Unterricht und wie sehr es ihm Spaß macht. Seine Eltern machten sich Sorgen um ihn, weil sie mitbekommen habe welche Rowdys in der Schule und in seiner Klasse unterwegs waren. So überredeten sie ihn dazu Aikido —Kurs weiter zu besuchen. Seine Mutter unterstützte ihn bei seinem Kleidungstill. Sein Vater hatte da aber mehr Probleme und machte sich echt Gedanke, wie es weitergeht. Da Weihnachten schon in Sichtweite war, fragt dieser was er sich wünschte. Und es schien Simon, dass sein Vater sehr erleichtert war, als er meinte "Lego Mainstorms V7 Baukasten, das wäre ein klasse Geschenk. Und es kommt hoffentlich keiner auf den Gedanken mir Barbies zu schenke. Die stehen schon bei Florise nur im Schrank." Insgeheim hoffte er natürlich auf Geldgeschenke. Das führte unweigerlich zur nächsten Herausforderungen — Klamotten für Félicie oder das neue 3D Upgrade für den Monitor.
Die Schule begann unspektakulär ohne nennenswerte Änderungen. Ein Lehrer war immer noch krank und es fiel Unterricht aus.
Liebe Grüße
Renée

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Re: Jazorina

Post 28 im Thema

Beitrag von Renée »

9. Fuerteventura

Mit Simons Verschwinden war in den großen Ferien natürlich nicht mehr an den lang ersehnten Familienurlaub zu denken. Es blieb aber auch nicht aus, dass Luisa groß und breit ihren Eltern berichtete, was sie in den ersten Ferien-Wochen erlebt hatte. Sie bearbeitet ihre Eltern so lange bis diese einwilligten Simons Familie das Ferienhaus für die Herbstferien zu überlassen. Natürlich mit dem Hintergedanken selbst dort hin zu kommen und ihre Großeltern zu besuchen. So holte Simons Familie den Urlaub nach. Er packte seinen Koffer und überlegte was er alles mitnehmen will und kann. Bis dahin trat Félicie nur sehr dezent und zuhause auf, aber im Urlaub sollte sich das ändern. So nahmen die Jungensachen nur den kleineren Teil des Koffers ein. Seine Mutter schaute herein und wollte kontrollieren ob auch alle wichtigen Sachen eingepackt waren. Sie staunte nicht schlecht über die Zusammenstellung. Sie bat ihn darum bei der Hin- und Rückreise sichtbar als Simon mitzukommen, nicht dass beim Einchecken Missverständnisse auftreten und vielleicht zu peinlichen Situationen. Er versprach es ihr. Für die Übergangszeit in Deutschland hat er nur seine Jungensachen und wer weiß wie kalt es bei der Rückreise werden würde. Da kommen Félicies dünne Kleid, Leggings und Shirts sicher nicht zum Tragen. Morgens früh um 4 Uhr ging es los, der Flieger ging um 8 Uhr. Es war sehr frisch draußen und Zwiebellook angesagt mit den dicken Outdoor-Schuhen. Simon hielt sich an die Abmachung, nur die Ohrstecker ließ er sich nicht nehmen. Die Eltern hatten zwar gehofft, die Kinder schliefen im Auto wieder ein, doch weit gefehlt. Diese waren so aufgeputscht, dass an Schlaf nicht zu denken war auch später im Flieger nicht. Am Flughafen trafen sie Luisa welche von der Rektorin bis zum Einchecken begleitet wurde. Pünktlich zur Mittagszeit landeten sie. Wo es in der Heimat frisch war, war es hier brüllend heiß. Zum Glück ging es schnell in das klimatisierte Auto. Über teilweise sehr schmale Straßen kamen sie zu einem einzelnen alten Gehöft. Luisas Großeltern warteten schon mit einem Mittagssnack auf sie. Leider sprachen diese nur wenig Deutsch und so musste Luisa immer übersetzen. Das ärgerte Simon und er nahm sich vor spanisch zu lehren und nervte Luisa damit ihm dabei zu helfen. Das eigentliche Ferienhaus lag an einem kleinen Hang hinter dem Hauptgebäude.
Beim Essen hörte Simon von der Oma den Namen "Félicie" und er schaute fragend zu Luisa. Die grinste und zeigte auf Simon. "Meine Oma fragt gerade wo Félicie ist. Sie hat wohl nicht verstanden, dass du das bist und gedacht drei Mädchen im Haus zu habe. Sie hat sich aber auch gewundert warum du diese Ohrringe trägst. Ich habe es versucht zu erklären, aber ich glaube du musst es ihr zeigen." Simon nickt und lächelte nur. Er hatte zwar schon die dicken Schuhe am Flughafen gegen seine TEWAs getauscht aber die lange Cargohose und das Star-Wars-T-Shirt trug er noch. Die Kinder bekamen ein gemeinsames Zimmer, aber nur unter der Bedingung, dass sie es nicht zu bunt trieben, wenn es Zeit zum Schlafen war. Simon packt alle Sachen in den Schrank. Luisa macht einfach nur den Koffer auf und wühlt nach den Sachen, die sie gerade brauchte. Dann zog er sich um. Sommerkleid, weiße Ballerinas und die Haare ordnete Luisa mit ein paar Haarspangen neu. Das Ergebnis quittierte der Vater mit dem Satz, "Schatz wir haben ein Zauberzimmer hier. Ich habe eindeutig gesehen wie Simon dort reingegangen ist und jetzt kommt dort eine junge Dame raus." Etwas unsicher kam diese aus dem Zimmer, aber fasst sich dann, dreht sich einmal, so dass das Kleid, welches sie am Anfang im Internat gekauft hatten, etwas hochflog und meinte, "Hallo, hier ist Félicie, ich komm jetzt öfter vorbei." und lachte und blickt verlegen nach unten. Luisa zog sie aus dem Haus und wollte sie unbedingt ihren Großeltern vorstellen.
Der Opa lächelte nur aber die Oma schüttelt den Kopf und fragte warum er so was tue. Sie konnte es nicht verstehen.
Am folgenden Morgen machten die Kinder sich auf den Weg zu einem Geocache in den Bergen hinter dem Anwesen. Sie kamen zu einem Geröllfeld wo sich die kleine Box verstecken musste. Félicie, wieder in Kleid und Sandaletten, konnte sich nicht bremsen und kletterte die Felsen hoch um an die Koordinaten weiter ran zu kommen. Ihre Sandaletten waren aber eindeutig zu glatt für die Kraxelei. Sie suchte einige Zeit an Stelle, aber es fand sich einfach nichts. Die anderen beiden riefen ihr zu es bleiben zu lassen und wieder runter zu kommen. Sie setzte sich auf einen der großen Steine, schaute runter und war sauer. So ein leichter Cache sollte sich doch nicht so schwer verstecken können. Aber auch ihr macht jetzt die Mittagssonnen zu schaffen. Ok. Abbruch der Maßnahme und Rückzug. Langsam stieg sie das Geröllfeld hinab. Fast war es geschafft, doch auf dem letzten großen Brocken rutschte sie weg und konnte sich nicht mehr halten. Sie merkte wie sie in eine Spalte stürzte nicht tief aber hart. Schmerzen durchzogen ihr Bein und die Brust. Luisa und Florise sahen nur wie Félicie in der Spalte verschwand. Sie starten wie erstarrt auf die Stelle in den Felsen. Da sprang Luisa los und Florise rief immer wieder "Simon." Erleichtert sah diese wie der Sonnenhut wiederauftauche und fluchte. Félicie stemmte sich hoch und Luisa half ihr aus dem Loch. So was Blödes aber auch. Sie hatte sich das Knie und das Schienbein aufgeschlagen und es blutete. Das Kleid hat es auch erwischt. Florise hatte Tränen in den Augen. Unten angekommen, setzten sie sich alle erstmal auf den Boden und atmeten durch.
"Mensch ich habe dir doch gesagt, das sieht hier anders als sonst. Was machen wir jetzt?", fragte Luisa verzweifelt.
"Langsam zurückgehen natürlich.", antwortet Félicie bockig. Sie versuchte aufzustehen aber es tat verdammt weh.
Da hörten sie Schritte. "Hallo kann ich euch helfen? Das sieht aber gar nicht gut aus. Darf ich mir das ansehen?"
"Nein. Danke, alles gut, geht schon.", antwortet Félicie und sah den Mann an, der sie da gerade angesprochen hatte. Wo kam der so schnell her? Irgendwas passte da nicht zusammen. Es war nicht direkt ein ungutes Gefühl, aber wohl war ihr nicht. Ihr ging etwas Eigenartiges durch den Kopf. Félicie hat gerade das Bedürfnis einen großen Bogen um diesen fremden Menschen zu machen, war sich aber auch sicher als Simon wäre sie damit locker umgegangen. "Kommt lasst uns gehen.", sagt sie und hofft stärker zu klinge als sie sich gerade empfand. Auf Luisa gestützt humpelten sie los, aber die Wunde blutet noch und es lief langsam das Bein runter.
"Das sollte wenigstens verbunden werden. Hier hintern ist eine kleine Kapelle dort könnt ihr euch ausruhen und eine Erste Hilfekasten habe ich dort auch."
Luisa dreht sich um und fragt nach dem Namen.
"Die Kapelle kenne ich, ich war dort schon. Dort gibt es eine Straße und deine Eltern können uns abholen.", flüsterte sie den anderen zu.
"Mensch wir sollen mit niemanden mitgehen oder was annehmen. Das bläuen uns unsere Eltern immer wieder ein.", legte Florise verängstig ihr Veto ein.
"Ja, aber so schaffen ich das auch nicht."
Alle schwiegen. Der Mann wartet immer noch dort wo er sie angesprochen hatte. Da meldet sich Félicie SmartWatch. Ihre Eltern waren dran und wollten wissen wann sie endlich zurück sind. Schweren Herzens erzählte sie was passiert war und sendet ihren Standort weiter. Luisa beeilte sich die Kapelle zu erwähnen. Ihr Opa bestätigte, dass es nicht weit weg sei und wies die Kinder an, wenn es geht dort zu warten. Also kehrten sie um und folgten dem Mann, welcher in einiger Entfernung vorausging. Es war wirklich nicht weit, aber mit dem lädierten Bein fühlt es sich an wie eine Ewigkeit. Félicie betrachtet mit Sorge die Smartwatch am Felssturz war das Funksignal noch gerade so da, aber hier kurz vor der kleinen Kapelle war Funkstille. Nur eine kleine schmale Treppe, eine alte Holztür und das kleine Holzkreuz auf einem winzigen Türmchen ließen erahnen, was hier war. Luisa wirkt aber sichtlich entspannter. Die Treppe lag noch im Schatten und sie setzten sich dort hin. Florise jammert, weil sie Durst hatte, aber das hatten sie alle. Der Mann war verschwunden, taucht aber aus einer kleinen Felsnische wieder auf. In der eine Hand eine Wasserflache und in der andern ein Verbandskasten.
"Darf ich mir nun das mal ansehen?", fragt dieser.
Mit dem Wasser aus der Flasche reinigt er die Wunde. Félicie bis die Zähne zusammen den es brannte. "Ich mache auf die Wunde etwas Schwedenkräuter drauf. Das wird nochmal brennen, sollte aber die Heilung etwas beschleunigen. Las den Verband einige Zeit drauf, Ok!" Das Zeug kannten sie schon von ihrer Oma. Diese schwor darauf. Ihre Allzweckwaffe für alles und jedes Wehwehchen.
"Tapferes Mädchen. Sah schlimmer aus als es ist. Da hast du Glück gehabt. Was habt ihr dort in den Felsen gesucht, verwunschen Frösche?" Versucht den Mann die Stimmung etwas zu heben.
"Nee "˜n Geocache." Kam nur die kurze Antwort.
"Dort oben, wohl kaum. Aber jetzt begreife ich auch warum dort schon mal jemand rumgeklettert ist. Der Felsen ist vor zwei Monaten abgestürzt nach einem ziemlich heftigen Regenguss."
Luisa fragt etwas auf Spanisch. Aber der Mann antwortet auf Deutsch. "Nein ich bin kein Spanier, sondern komme aus Deutschland. Ich habe mir hier oben die kleine Hütte wieder aufgemöbelt und wohne dort seit einiger Zeit. Ich brauchte mal meine Ruhe. So beweg mal das Bein. Geht der Verband so?"
Félicie stand auf und biss wieder die Zähne zusammen. Der Verband war in Ordnung. Dafür schlug jetzt ihr Durst voll durch. Schon eine blöde Idee so ganz ohne was zu Trinken hier durch die Gegend zu wandern, aber so lange sollt das auch gar nicht dauern.
"Danke." Bedankt sie sich artig. "Darf ich?" und deutet auf die Wasserflasche. Der Mann nickt nur.
"Hey, ich auch." Meldet sich jetzt Florise zu Wort und rempelt Félicie an. Diese zuckt dabei zusammen und blufft die kleine Schwester an, dass sie aufpassen soll.
"Hey, ganz ruhig. Das hat sie bestimmt nicht mit Absicht getan und ich habe noch mehr Wasser. Ihr müsst euch nicht streiten. Aber so wie das aussieht hat nicht nur dein Knie was abbekommen. Tut es dort auch weh?" und deutet auf Félicies Rippen. Diese nickt nur und fasst sich auf die Rippen wo sie an den Felsen geknallt war.
"Las mal sehen." Sie überlegt und zog das Kleid etwas hoch. Sie wollte selber wissen was ihr dort wehtat. Der untere linke Rippenbogen wurde langsam blau aber es blutet nicht.
"Hast du heute Morgen in die falsche Schublade gegriffen?" Fragte er nur noch. Sie wusste nicht was er meinte. Da fiel es ihr ein. Das einzige was von Simon über war, war der Slip. Daran hatte sie gar nicht gedacht.
Sie entschied sich so zu tun als hätte sie die Frage nicht gehört. Die Sonne wanderte weiter und so geriet die Treppe langsam in die volle Mittagssonne. Die Mädchen beschlossen daher in die Kapelle zugehen und auf die Eltern zu warten. Sie setzten sich auf die Bänke und warten. Luisa ging aber vor zum Altar und kniet sich hin und schaute zu dem Heiligen hoch. Die beiden anderen sahen ihr verwundert zu. Als sie wieder zurückkam, fragte Florise sie leise was sie getan hat.
"Ich habe mich bei unserem Schutzengel bedankt, dass nichts Schlimmeres passiert ist und gebeten, dass wir bald abgeholt werden. Man gut, dass du diesmal nicht wieder das Gedächtnis verloren hast."
"Dann hättet ihr mir diesmal aber sagen können wer ich bin."
"Na klar, Ich hätte dir erzählt du bist Félicie, meine beste Freundin und bist nur körperlich ein Junge. — Na manchmal habe ich schon das Gefühl, das würde dir ganz gut gefallen." Félicie schaute Luisa nur sprachlos an und überlegte, was sie darauf antworten soll. Nach einer gefühlten Ewigkeit hörten sie ein Auto den staubigen Weg herauffahren. Sie bedankten sich kurz bei dem Mann für die Hilfe und fuhren zum Haus zurück.
Wie es zu einem ordentlichen Sommerurlaub gehört, ging es auch baden. Nun schwankte Simon zwischen Badeanzug und Badehose? Simon oder Félicie? So stand er vor dem Schrank und überlegte. Luisa nahm die Entscheidung ab und drückte ihm den Bikini in die Hand und lachte über das ganze Gesicht. "Das passt besser zu dir und außerdem dachte ich nur Frauen stehen vor einem vollen Kleiderschrank und wissen nicht was sie anziehen sollen."
"Nein, ich weiß gerade nur nicht was ich heute lieber bin. Ok, dann Bikini." Darüber ein weites weißes Shirt und rosa Capri-Hose und denn Strohhut. Die Haare wurden mit ein paar Spangen gebändigt. So fuhren sie an eine der kleineren verstecken Buchten. Die Eltern hatten sich mittlerweile daran gewöhnt ihr ältestes Kind mal so mal so zu sehen. In der Bucht entspannten alle einfach nur. Es war wirklich sehr ruhig. Dafür war der Abstieg auch extrem anstrengend. Die Sonne sorgte dafür, dass am Abend bei allen deutlich zu erkennen war welche Badesachen sie trugen.
Einig Tage später ging es am späten Nachmittag nach einer ausgedehnten Wanderung in die nächste Stadt zum Abendessen. Diesmal war Simon ganz Simon in Outdoor-Sachen. Der Absturz in den Bergen war ihm eine Lehre, bzw. Sein Vater bestand bei allen auf festes Schuhwerk. Sie suchten sich einen großen Tisch im Schatten eines alten Baumes und warteten auf den Kellner. Luisa beobachtet Simon wie dieser versonnen auf eine Frau am Nachbartisch blickte. Sie versuchte ihn mit einem Wink aus seinen Gedanke zu holen. "Was guckst du so?"
"Die Frau dort, sie kommt mir bekannt vor. Ich weiß nur nicht wo her." Er zeigt auf eine Frau am Nachbartisch, sehr kurze Haar, hoch geschlossenes langes einfarbiges blaues Kleid
"Das bildest du dir sicher nur ein."
"Nein, jetzt habe ich es. Die Narbe am Arm, der Mann der uns oben an der Kapelle geholfen hat. Bei dem sah es genauso aus."
"Ja, aber das war ein Mann."
Simon funkelt sie mit einem Blick an, der sagen wollte und Simon war damals Félicie.
"Was ist. Du denkst doch nicht das war diese Frau. Hmm." Sie sah ihn an und überlegt. Ohne etwas zu sagen ging sie hinüber und sprach die Frau an. Simon folgt ihr langsam.
"Ich glaube nicht, dass wir uns kennen." Hörte er nur. Jetzt konnte er sie aber besser sehen und war sich sicher.
"Aber ich bin mir sicher. Ihre Narbe dort habe ich oben bei der kleinen Kapelle gesehen, auch wenn dies jetzt unter etwas Schminke versteckt ist." Die Frau griff unbewusst an die Stelle. Und schaute die Kinder an.
Er zog seine Hose etwas höher und man konnte die Wunde sehen. "Sehen Sie, die es ist fast weg."
"Nein, ich denke wir kennen uns nicht.", wand sie sich demonstrativ ab.
"Trotzdem, Danke noch mal für Ihre Hilfe.", meinte Simon, der spürte, dass er zwar recht hatte, aber nicht erwünscht war.
"Das ist ein und dieselbe Person, da bin ich mir sicher, auch die stimme passt.", raunte er Luisa auf dem Weg zu ihrem Tisch zu.
Sie bestellten Ihr Essen und die Eltern fragt nach warum sie mit der Frau gesprochen hatten. Auf seine Erklärung hin meinte sein Vater nur er solle es dabei belassen. Doch dann bemerkte er wie die Frau ihren Tisch verstohlen beobachtet. Nach dem Essen sprangen die Kinder auf und rannten zu dem Brunnen auf dem Markplatz und spritzten sich gegenseitig nass. Das ging so lange gut bis Florise ausrutsche und ihre Hose patsch nass war. Luisa begleitet sie zum Tisch und Simon blieb alleine am Brunnen.
"Félicie oder Simon." Er schreckte hoch. Wer kannte ihn hier unter beiden Namen? Die Frau aus dem Restaurant stand vor ihm und schaute verunsichert in die Gegend. "Was denkst du, wer ich?"
"Keine Ahnung. Ich fand das vorhin aber echt doof."
"Entschuldige bitte. Ich war nur überrascht, dass du mich erkannt hattest. Und dann waren deine Sachen doch kein Fehlgriff. Dein Name ist Simon, stimm `s? Deine Schwester hat dich oben in den Bergen so gerufen, als du abgestützt bist."
"Ja, aber manchmal halt auch Félicie. Und du?", kam es herausfordernd von ihm.
Lächelnd reichte sie ihm die Hand und antwortet, "Jona. Und das immer."
"Bist du Frau oder Mann?"
"Mich hat die Natur mit beiden ausgestattet und meine Eltern hatten mir zufällig einen Namen geben, der dazu passt. Auch wenn ich lange überlagt habe warum gerade dieser."
Er schaut Jona an und wusste nicht was er sagen sollte, außer "Schöne Kleid, steht dir."
Jona bedankte sich für das Kompliment und verabschiedet sich. Sie wussten beide nicht so recht wie sie mit der Situation umgehen sollten.
Im Geocaching-Portal war der alte Cache mittler Weile nicht nur deaktiviert, sondern durch verschieden Hinweise vom Reviewer auf "Archiviert" gesetzt wurden, weil der Owner sich nicht gemeldet hatte. Simon nahm sich vor noch einmal zur Kapelle zu gehen. Zum einen wollte er Jona wieder sehen zum anderen einen neuen Cache verstecken. Als er ankam war Jona, wieder in der Outdoor-Kluft wie beim ersten Mal und strich die kleine Tür der Kapelle. Sie unterhielten sich eine Weile und Simon kam auf den Cache zusprechen. Jona hatte auch schon eine Idee für ein Versteck. Vor der Kapelle stand jetzt eine kleine Bank. Dort drunter war Platz für eine kleine Dose. Jona versprach, so lange es ging ein Auge auf den Cache zu habe.
Als Dank für die Hilfe luden die Eltern Jona am letzten Abend zum Essen ein. Auf einem Quad aber in einem knielangen blauen kurzärmligen Kleid mit buntem Muster kam sie die Auffahrt des Anwesend hochgefahren. Die Eltern bedankten sich noch einmal ausgiebig für die Hilfe. Die Großeltern hatten eine Auswahl an spanischen Spezialitäten vorbereitet. Auf der Terrasse unter einem Dach aus Weinblättern wurde gegessen. Nach dem unvermeidlichen Smarl-Talk frage Ida wie Jona hierhergekommen sei. Diese erzählt wie eigentlich gesichert Verhältnisse in einen freien Fall übergingen. Verriet allerdings keine Details. Um zu sich zu kommen, nahm Jona die verblieben sieben Sachen und zog sich hier in die Einsamkeit der spanischen Inselwelt zurück.
Félicie fiel auf wie Jona unbewusst bei der Erzählung an die Narbe an der Hand fasste. Jetzt wusste diese auch was ihr Jonas Person oben in den Bergen so irritierte — Das Gesicht war weder sehr aus geprägt weiblich noch männlich und passte irgendwie nicht diesem Cowboy-Look. Das Kleid stand Jona viel besser, fand Félicie.
So verging der Abend und der Urlaub war vorbei. Am Morgen wurden die letzten Sachen gepackt.
Auf dem Rückflug ging ihm einiges durch den Kopf und so fragte er Luisa leise, "Kommt der Name Navarro im Spanischen eigentlich häufiger vor?"
"Ja, wieso?"
"Na, unsere Rektorin heißt doch auch Navarro oder?"
"Stimmt." Antwortet diese mit einem verschmitzten Lächeln.
"Warum lachst du so?"
"Nichts weiter"
"Doch, komm erzähl! Gehört die Rektorin zu deiner Familie?" Luisa wendet sich ab. Simon ahnte, dass er offensichtlich nicht so falsch liegen konnte und bohrte weiter.
"Ja. Sie ist meine Tante, also sie war die Frau meines Onkels. Also, so gesehen, gehört sie nicht mehr dazu. Zufrieden? Aber erzähle das bitte nicht weiter. Vor allem in der Schule soll das niemand erfahren. Bitte!" schaute sie flehend Simon an. Dieser versprach es niemand zu verraten.
"Sie und meine Mom sind aber immer noch gute Freundinnen. Und ich glaube meine Mom war stock sauer auf ihren Bruder, als er meine Tante verlassen hatte, aber das ist schon lange her. Da meine Eltern häufig unterwegs sind und ich nirgendwo richtig zuhause war, da hat meine Tante den Vorschlag gemacht, ich soll zu ihr kommen. Seitdem passt sie auf mich auf. Gut, dass mit dem Tanzen war mir da noch nicht so klar. Ich mach es gerne, aber ein Pferd wäre mir lieber. Die beiden Wochen als du da warst, haben mir aber richtig Spaß gemachte."
Auf dem Flughafen treten sich ihre Wege dann wieder. Nicht ohne, dass jeder dem anderen noch ein Abschiedsgeschenk machte. Luisa bekam einen kleinen Hasen mit einem Herzchen auf dem Bauch geschenkt und Simon ein hellblaues Armband.
Liebe Grüße
Renée

Wenn jemand zu Dir sagt "Das geht nicht". Denk daran, es sind seine Grenzen, nicht Deine.
Lorelai74
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Beitrag von Lorelai74 »

Seufz...
So so schön!!!
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Renée
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Re: Jazorina

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Beitrag von Renée »

10. Workshop

Nach den Ferien ging das Leben seinen gewohnten Gang.
Kurz vor Weihnachten rief Luisa aufgeregt an. Ihre Tante hatte ihr gesagt, dass mit dem nächsten Schuljahr nicht nur Mädchen auf die Schule dürften. So werde es neue Klassen geben, und in den neuen Flügel einziehen. Simon sollte sich gleich um einen Platz bewerben. Seine Eltern waren damit nicht wirklich einverstanden, akzeptierten aber seine Entscheidung, auch weil er in der Schule nun noch mehr Schwierigkeiten hatte, da leider die anderen Jungs mitbekommen hatten, dass er zu Ballett ging und Ihn deswegen aufzogen. Dafür hatte er aber einen besseren Draht zu den Mädchen, die meisten bewunderten Ihn dafür. Hinzu kam noch, dass in der Klasse meist sehr unruhig war, er sich so schlecht konzentrieren konnte, selbst wenn er wollte. Die neue Klassenlehrerin hat die Schüler besser im Griff als der alte Lehrer, es war aber trotzdem immer noch schwierig.
Es wurde Kalt und Weihnachten stand vor der Tür und Kinder wachsen nun mal, also waren für beide neue Wintersachen fällig. Ida schwante schon, dass Simon sich dieses Jahr nicht mit Hemd und Hose zur Weihnachtfeier zufriedengeben würde. Florise hatte schnell ein hellblaues Long Shirt mit großen Wendebild aus Pailletten und passende weiße Leggings gefunden. Er lief aber sichtlich gelangweilt durch den Diskounter. Zu den fälligen Wintersachen konnte er sich noch hinreißen lassen, aber ein festliches Outfit für die Feiertage fehlte noch. Der Vater lief in der Zeit auch sichtlich gelangweilt als Kleiderständer getarnt mit der Familie mit. Am folgende Wochenende ging es in eins der Outlets, Ida wollte zu ihrem Lieblingsstore. Die Preise waren hier trotz Outlet immer noch hoch. Wenn sie bisher immer alleine hier her ging — die Kinder verschwanden in der Regel auf dem nahgelegenen Spielplatz und der Vater daddelte auf dem Handy — so hatte sie diesmal Gesellschaft. Simon kam mit. Man konnte ihm förmlich das glänzen in den Augen ansehen. Begeistert stöberten sie gemeinsam im Laden. Bis Simon die Kinderabteilung fand. Ida machte sich keine Ilusionen, dass sie diesmal nicht nur mit einem Teil an die Kasse gehen würde. Das war ihr persönliches Limit. Schon sah sie Simon mit einem Kleidungsstück in der Umkleide verschwinden. Gespannt folgte sie ihrem Kind. Wenig überraschend ging Simon in die Umkleide und Félicie kam heraus. In einem Langen dunkelblauem Kleid mit verschieden großen Ornamenten in unterschiedliche blau und lila-Tönen und einem Gesicht, dass sagen wollte — "haben wollen". Leider war es auch noch eins aus der neuen Kollektion, also noch nicht herabgesetzt wie ihre Bluse. Sie sah sich Ihr Kind an — einmal Dreh bitte — und dachte sich so, wenn ihr Sohn schon zu Weihnachten im Kleid auftritt dann mit Still und chic. Also ging beide zur Kasse. Ida kramte in ihrem Portmonee und suchte vergeblich ihre Kundenkarte. Die Verkäuferin suchte nach dem Namen und so wurde der Rabattbonus auch ohne Karte gutgeschrieben.
Als Simon zu Weihnachten in dem Kleid die Weihnachtsgeschenke auspackte gab es natürlich Fragen von den Großeltern. Simon antwortet knapp, es gefalle ihm einfach besser als Hemd und Hose und nein er denke nicht daran zum Mädchen zu werden. Ihm gefallen diese Sachen halt. Seine Eltern hatten ihm tatsächlich den Großen Lego-Kasten geschenkt und von den Großeltern bekam er Sachen, welche erfahrungsgemäß nie passten, weil sie Oma mal wieder in ihrem Schrank vergessen hatte und sowie so nie sein Geschmack waren. Trotz Idas hinweisen blieben die Oma beratungsresistent. Florise traf es da besser. Ihr gefielen die Sachen wenigsten und passen taten sie auch noch. Aber beide bekamen noch Geld. Simon jubelte es reichte für das Monitor Upgrade wie auch für ein paar Sachen für Félicie.
Silvester war geplant, dass eine befreundete Familie kommen sollte, leider war eins der Kinder mal wieder krank und so feierten sie alleine.
In den kurzen Halbjahresferien durfte er zu Luisa ins Internat und auch dort übernachten. Da Jungs das eigentlich noch nicht durften, reiste er gleich als Félicie an. Es machte ihm viel Spaß dort ganz Mädchen zu sein. Als sie am Sonntagabend im Internat ankam, wartet schon Luisa gespannt auf ihre Freundin. "Du siehst super aus.", stellte sie erfreut fest. Félicie trug eine grau Leggings darüber einen schwarz-weiß karierten kurzen Rock, einen weißen Rollkragenpullover, eine kurze schwarze Lederjacke und weiße Turnschuhe. Als sie im Zimmer waren, nahm Luisa Félicie den Koffer aus der Hand und platzte fast vor Aufregung.
"Hast du auch Jungensachen mit?"
"Hä? Nur die Sachen, die ich letzten auch mit hatte und meine Slips. Die finde ich bequemer als eure. Was soll die Frage?"
"Ok. Ich habe mir etwas ausgedacht um es etwas interessanter zu machen. Bis deine Eltern dich wieder abholen, will ich nur Félicie hier sehen."
"Das war doch schon klar."
"Naja. So richtig. Ich meine.. ähm, es ist ein Test wieviel Mädchen in dir steckt. Ich denke das ist auch kein Problem für dich."
"Was willst du, Luisa?", fragte Félicie verwirrt.
"Ich möchte, dass du in diesen Ferien hier komplett als Mädchen gehst also auch die Slips und nur in Kleidern, Röcke, Blusen, Stumpfhosen. Und keine Jeans, Turnschuhe oder so was. Also so ein richtiges Mädchen - Mädchen."
"Ok. Was soll das bringen. Ich denke, ich gehe hier die ganze Zeit schon gut als Félicie durch."
"Es ist ein Spiel, wenn du es durchhältst bekommst du auch etwas Besonderes."
"Aha und was?"
"Lass dich überraschen."
"So, Mädchen-Mädchen? Ich habe aber gerade meine Bügelperlen vergessen. - Und muss ich auch so rum Zicken?"
"Ok, ich glaub darauf können wir verzichten, es soll doch Spaß machen."
Félicie überlegte kurz, "Ich würde ja den Vorschlag machen, dass du dann den Jungen gibst, aber dafür fehlen mir die Sachen."
"Nee, so war das auch nicht gedacht. Außerdem tauschst du doch gern die Rollen."
"Das dachte ich mir schon. Dann gelten für dich aber die gleichen Bedingungen wie für mich. Dann mach ich es. Mal sehen wie das wird."
"Ok. Ich denke, das wird toll.", freute sich Luisa sichtlich und drückte Félicie. "Dann lass die ganzen Simon-Sachen im Koffer. Zum Glück habe ich noch neue Slips, die kannst du haben." Sie packten den Koffer aus und Luisa bestaunt die Kollektion, "Da brauchst du gar nicht so viel von mir. Wo hast du das alles her?", kramte im Koffer rum und begutachtete die Auswahl der Kleider und Shirts.
"Eine Kollegin von meiner Mutter hat ihr viele der Sachen günstig verkauft. Das ist total genial. Ich denke, da habe ich schon gewonnen.", grinst sie.
"Nee, nee so einfach kommst du mir nicht davon. Dann ziehe mal die Turnies aus und ab in den Koffer damit.", befahl Luisa.
"Jawohl.", antwortet Félicie und tauschte diese gegen schwarze Ballerinas mit violetten Ziernähten. "Cool, dass Chiara nichts dagegen hat, dass ich hier übernachte. Wer weiß eigentlich noch von Simon?", fragte sie unsicher.
"Keiner weiter. Außer die die es sowieso schon wissen."
Beim Auspacken holte Félicie ein rotes Kleid mit breiten Trägern raus, "Warum sollte ich das eigentlich mitbringen und die schwarze Stumpfhose?"
"Frau Beljajew hat sich etwas einfallen lassen und neben dem klassischen Tanz auch noch was Peppiges eingebaut, und es sollen auch Aufführungen dazu kommen. Sie meinte irgendwas von Werbetrommel rühren oder sowas. Und für unseren Workshop sollen wir es auch bereithalten. Ich denke das ist für die Aufführung am nächsten Sonnabend. Und schau mal. Ich habe meine Mutter endlich soweit, dass sie mir Nagellack erlaubt." Luisa präsentiert freudestrahlend ihr rosaglitzernden Finger. Félicie war das schon aufgefallen. Selbstredend wurden ihre Nägel auch noch am gleichen Abend lackiert.
Für diese eine Woche Ferien hatte Frau Beljajew tatsächlich etwas Besonderes vorbereitet. Es sollte nicht wie sonst einfaches Balletttraining geben, sondern eine Choreografie mit verschieden Tanzrichtungen und einer Aufführung am Ende der Woche. Damit blieben diesmal auch mehr Schülerinnen als sonst im Internat. Das erkannt Félicie schon beim Frühstück in der Mensa. Sie war stolz der Tanzlehrerin zu zeigen, was Simon in den letzten Monaten in der Ballettschule gelernt hatte. Bei so vielen, wurden Gruppen nach dem jeweiligen Leistungsstand gebildet. Zu ihrer Ernüchterung wurde sie der Eingangsklasse zugeteilt und Luisa eine höher. Da half kein Diskutieren. Insgesamt gab es drei Gruppen, soviel wie Tanzsäle vorhanden waren. Die Gruppe wurde von Antonia geleitet. Diese kannte sie schon von ihrem ersten eher unfreiwilligen Aufenthalt hier in der Schule. Sie hatten aber auch bei Frau Beljajew und einem Lehrer, bei dem sich Félicie den Namen bis zu Letzt nicht merken konnte. Jeden Tag gab es zwei Blöcke. Am Vormittag wurde die Choreographie einstudiert, am Nachmittag Standard oder Latein. Dafür wurden Paare gebildet. Félicie hatte gar nicht erst die Chance sich zu entscheiden, sie wurde gleich für den Part des Jungen ausgewählt und hatte Isabell als Partnerin. Sie tauschten trotzdem mal, aber schnell wurde beiden klar, dass es andersrum besser war.
Irgendwann bat Frau Beljajew Félicie in ihr Vorbereitungsraum.
"Setz dich bitte. Ich habe gerade ein Problem", sprach sie ruhig aber mit deutlicherem Akzent als sonst. Ein Zeichen dafür, dass sie etwas bewegte. "Und ich weiß gerade nicht wie ich anfangen soll. Soweit ich weiß sind drei Jungen, die logischer Weise nicht von dieser Schule sind, angemeldet. Ich habe aber nur zwei gesehen. Es fehlt aber auch niemand. Wir kennen uns schon, und daher es will mir nicht in den Kopf, dass du der dritte sein könntest." Sie war immer noch sehr ruhig und freundlich aber Félicie erwartet noch auf den großen Knall. "Also bitte, eine ehrliche Antwort. Bist du dieser Junge, der wie ich dann zugeben müsste, täuschend echt als Mädchen auftritt?"
Félicie überlegte ob sie es leugnen sollte. Eigentlich hatte sie diese Situation in irgendeiner Form kommen sehen. Sie schaute die Frau gegenüber selbstbewusst an und nickte kurz.
"OOOOk. Dann versuch es mir mal kurz zu erklären.", fordert sie Félicie lächelnd auf.
Diese holte tief Luft und erzählte wie es dazu kam. Die Lehrerin saß in ihrem Stuhl und hört aufmerksam zu. Am Ende blieb sie eine Weile still und schaute Félicie ruhig an.
"Also entweder du hast eine blühende Fantasie oder das kann einfach nur wahr sein und das hoffe ich für dich, sonst bist du hier gleich draußen. Kann das außer, Luisa und der Rektorin, noch jemand bestätigen? Die Rektorin hat gerade Urlaub, die kann ich also nicht fragen und wenn du das mit Luisa ausgeheckt hast, dann er zählt die nur die gleiche Räubergeschichte."
Félicie fiel nur die Ärztin ein. Nach einem kurzen Telefonat stand Frau Dr. Raabe im Büro und begrüßte Félicie freundlich und bestätige das Geschehen in den großen Ferien damals.
"Ja, ich kenne Félicie, bzw. Simon. Die offizielle Anmeldung lautet auf Simon. Er hat aber darum gebeten hier wieder als Félicie herkommen zu dürfen auch weil Jungs hier offiziell noch nicht wohnen dürfen. Ich habe mich mit dem Kind mehrmals unterhalten und festgestellt, dass es nicht gespielt oder einfach nur Ausprobieren ist. Ich bin keine Psychologin aber ich bin überzeugt, dass es das Beste für das Kind ist, ihre Art einfach zu akzeptieren. Oder hatte es irgendwelche Probleme gegeben? Ist Félicie hier aufgefallen? Negativ meine ich?"
"Nein, nur die Statistik hat nicht gepasst, sonst wäre es mir wahrscheinlich nicht aufgefallen, außer vielleicht ungewöhnliche die Beule im Trikot.", stellte Frau Beljajew fest.
Félicie erzählte noch von der Bewerbung für das nächste Schuljahr. Frau Beljajew gab zu, dass sie die Angelegenheit verrückt fand, aber auch faszinierend. Sie versicherte, dass sie die Bewerbung unterstützt, wenn Félicie weiter so fleißig mitmacht. Hatte aber gehofft die Klassen mit Jungs etwas aufgelockert zu können. Frau Raabe lächelte, "Ach ich würde das noch nicht abschreiben, irgendwas sagt mir, dass diese junge Dame dort ganz schnell zu einem Tänzer wird, wenn man sie oder ihn nur machen lässt. Oder?" Félicie bejahte das und war erleichtert, dass ihre düstersten Befürchtungen nicht eingetreten waren.
Félicie war die ganze Zeit Félicie und auch Luisa ließ auch die Jeans und Turnschuhe im Schrank und beide tauschten gegenseitig die Sachen durch. Es war aber doch hart, sie wäre gern draußen etwas rumgetobt so als Ausgleich, aber die Ballerinas, die Sie hier nur hatte, waren für die Jahreszeit eindeutig zu kalt für einen längeren Ausflug. Sie war nahe dran sich wenigsten die Turnschuhe aus dem Koffer zu nehmen, wollte aber auch die Wette nicht verlieren. So nährte sich der letzte Tag. Die Generalprobe war sehr anstrengend aber alle freuten sich schon auf den Auftritt. Dieser war ein großer Erfolg. Viele Eltern waren gekommen neben Félicies Familie auch die Eltern von Luisa. So lernten sich beide Familien persönlich kennen. Als beide wieder im Zimmer waren, mussten die Sachen gepackt werden, aber Félicie bekam ihren Koffer nicht auf. Das Zahlenschloss war verstellt. Luisa grient schon die ganze Zeit und gab den Hinweis auf das Geburtsdatum. Félicies erster Versuch scheitert aber und war total verwirrt. Luisa erklärte, dass sie nicht Simons Geburtstag, sondern den von Félicie nehmen sollte und das wäre der Tag an dem Simon im Internat zu Félicie geworden war. Tatsächlich ging der Koffer auf. Darin fand sie eine selbstgefertigte Geburtsurkunde. Félicies Geburtsurkunde. Luisa erkläre das sie den Test mit Bravour bestanden hatte. Mit Freudentränen in den Augen umarmte diese ihre Freundin. Unter Urkunde lagen noch zwei Freundschaftsarmbänder.
Liebe Grüße
Renée

Wenn jemand zu Dir sagt "Das geht nicht". Denk daran, es sind seine Grenzen, nicht Deine.
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