Redezeit! Austausch- und Nachrichten-Portal für intergeschlechtliche und transsexuelle Menschen, Crossdresser, nonbinä¤re Menschen, Feministinnen, Luder, Hexen
ascona hat geschrieben: Sa 9. Jun 2018, 14:27
Skurril ist auch , wenn man ohne Not ein neues Wort erfindet, das englisch klingt, aber nur in deutsch existiert, wie "Handy". Aber das ist ein Beispiel für ein neues Wort, das sich durchgesetzt hat. Damit ist das ok.
Der "Hän di koi Schnur?"-Witz fiel mir auch sofort ein
Und Sprache wird auch nicht "von oben" verordnet. Die deutschsprachigen Staaten können zwar Regeln erlassen, diese haben aber keine Gesetzeskraft. Kein_e Bürger_in kann also zur Anwendung verpflichtet werden und deswegen kann z. B. ascona dass auch weiterhin mit "ß" schreiben. Der Bundestag hat 1998 übrigens eine Resolution verabschiedet, der zufolge die Sprache dem Volk gehört. Verbindlich wird dies nur für Behörden und andere juristische Personen des öffentlichen Rechts. Dazu gibt es dann eine Verwaltungsvorschrift und wegen einer solchen konnten wir den Gap bei uns auch nicht so verbindlich einführen, wie wir das gerne getan hätten. Die amtliche Schreibung, statt des Gap also die Nennung der weiblichen und männlichen Form, musste weiterhin möglich bleiben.
Ich war gestern erst auf einer Fachtagung zum Thema "Antidiskriminierungsarbeit in Zeiten des Rechtsrucks". Da ging es in einem der Workshops zum Thema "LSBTI und Antidiskriminierung" auch um die Ehe für alle (wo wir - nebenbei bemerkt - gelernt haben, dass diese noch lange nicht für alle gilt - ist aber ein anderes Thema) und nachdem das Gesetz verabschiedet wurde haben viele Stimmen gesagt, dass es jetzt aber mal gut wäre. Wenn man sich daran gehalten hätte, dann gäbe es vermutlich kein Urteil zur Dritten Option und überhaupt keinen Fortschritt. Die Abschaffung des TSG wäre dann auch nicht mehr durchsetzbar, denn: "Jetzt muss ja auch mal gut sein!" Ich glaube, eine solche Haltung verhindert Fortschritt, egal um welches Thema es gerade geht.
Hawadehre
Svetlana
As gitt halt nix Bessers wäi wos Guads!
Däi owapfölzer Bärlinerin
Arjana hat geschrieben: Sa 9. Jun 2018, 18:59
@Jaddy
Ich verstehe deine Einwände, sie sind z.T. auch berechtigt, aber ich habe nur widergegeben, was "Normalos" denken, mit denen ich zu tun habe.
Die Mehrheit kommt - bisher - scheinbar - kaum mit der Genderthematik in Berührung, jepp.
Die Mehrheit kam aber auch - bisher - scheinbar - kaum mit gleichgeschlechtlichen Ehen in Berührung oder dem Adoptionsrecht oder Organspende oder Abtreibung oder Depressionen oder Autisten oder Menschen mit Behinderungen - oder Geflüchteten. Das liegt zum Teil an der Häufigkeit der Betroffenen in der Bevölkerung, zum anderen aber auch an der Präsenz in den Medien.
Aber ganz viele haben eine Meinung zu den Themen und in den meisten Fällen ist die eher progressiver und aufgeschlossener als die großen Parteien sie umzusetzen bereit sind.
Vielleicht ist Deine Meinung von Deinen Mitmenschen etwas zu negativ - oder Deine Umgebung nicht mehrheitsrepräsentativ.
Die gleichen Themen hätten aber vor 20 Jahren noch andere Ergebnisse gebracht. Die positiven Veränderungen kamen nicht automatisch, sondern durch Sichtbarkeit(1). Das Beispiel Homosexualität ist da prima, aber auch die Paragraph 218-Kampagne, letztens #Metoo.
Ich bin also recht optimistisch, dass mit mehr Sichtbarkeit von Genderdiversität auch die Offenheit der Cis-Mehrheit zunehmen wird. Und wie es der Zufall will: Genau um die Sichtbarkeit soll ja erhöht werden mit so Dingen wie "m/w/d" und "*".
Vielleicht trauen sich dann mehr von "uns", bei blöden Sprüchen, Ausgrenzung, etc. Contra zu geben, damit die Menschenfeindlichen ncht mehr für Meinungsführer gehalten werden.
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(1) Musst Du mir nicht glauben, gibt's auch in wissenschaftlich:
"A Meta-Analytic Test of Intergroup Contact Theory" https://www.researchgate.net/publicatio ... c_Findings
Eine Metastudie, die 515 Studien zum Thema ausgewertet hat. Ergebnis: Kontakt mit marginalisierten Gruppen löst Vorurteile ihnen gegenüber auf. <loriot>Ach!<loriot>
Möglicherweise ist der Beitrag zu spät, um noch Beachtung zu finden, sei's drum:
1. kann ich Svenjas Beitrag )Post 5 nur vollinhaltlich zustimmen. Sie hat es auf de Punkt gebracht, warum diese Diskussion - aus meiner Sicht - verrückt ist.
Danke übrigens an Anne-Mette für die Eröffnung des Gesprächsfadens und das Einstellen des Links zum Artikel.
2. fand ich den Inhalt des Artikels selbstentlarvend! Um es mal ganz, ganz aggressiv und ordinär zu formulieren: die Schreiber haben nach meinem Eindruck nicht mehr alle Tassen im Schrank! Beispiel gefällig? Unter der Zwischen-Überschrift "Die Argumente sind falsch" behaupten sie, die Erkenntnis, Genus habe nichts mit Geschlecht zu tun (und eine andere Erkenntnis) seien f a l s c h. Zum Artikel-Ende wird diese Erkenntnis jedoch als Idealisierung eines Zustands dargestellt.
Ja, was denn nun, falsch oder Ideal? Ich ziehe daraus den Schluß, daß bei den Schreiberlingen irgendein (Femin-, Gender-) oder sonstiger -ismus den Platz eingenommen hat, den (hoffentlich!) früher der wissenschaftliche Sachverstand innegehabt hatte. Zudem kreide ich den Wissenschaftlern (?) an, daß sie nicht, wie eine wahrscheinlich Nichtlinguistin Arjana, den naheliegenden Gedanken zumindest einmal zu erwägen, daß eine große Anzahl kleiner Erfolge am Ende ein großer Erfolg sind.
Ihren Hinweis auf Orwell'sche Ausmaße finde ich übrigens sehr passend. Es gibt, oder gab, bei einer deutschen Uni einen Professor, der sich als geschlechtsneutral verstand (anby, gell?). Schön und gut, wenn das sein individuelles Bedürfnis ist, aber (extra für dich geschrieben, Jaddy) seine Haltung, Emails und sonstige Post - auch von Studenten, die eine generische Anrede beinhalteten, zu ignorieren, halte ich, wiederum mit Verlaub, für krank. Er(sie/es hätte sich vielleicht mal fragen sollen, ob die Studenten für ihn, sie, es das waren oder eher umgekehrt...
3. Eine Anmerkung zu deinen Diskussionsbeiträgen, Jaddy (ich verzichte auf liebe oder lieber, da ich befürchte, mit beidem, da generisch vorbelastet, bei dir ins Fettnäpfchen zu treten): Deine Auslassungen im Post 15 zu Arjanas "ja, aber..." Formulierung halte ich, mit Verlaub, für ebenso diskriminierend, wie du die Alltagssprache auf Nicht-Cis'ler empfindest. Sie ist nach meiner Wahrnehmung ausgesprochen perfide, da sie insinuiert, Arjana habe nichts anderes als genau deine erläuterte und nebenbei inkriminierte Geisteshaltung.
4. Ich finde immer wieder interessant, wie dünnhäutig doch gerade die Apologeten einer "genderneutralen" Sprache reagieren können: Svetlanas Anschuldigung, Ascona sei in ihrem Post 10 ("Wer von "Genderstern" redet oder schreibt, zeigt damit nur, daß er oder sie der deutschen Sprache nicht mächtig ist") anmaßend gewesen. Svetalans Argument: schließlich habe sich selbst der Rat für die deutsche Rechtschreibung mit dem Thema befaßt.
Ach, Svetlana, das ist also ein Argument? Ich hielt solch Repliken bisher stets für Formal- und damit für äußerst schwachbrüstige Argumente. Welchen argumentativen Wert soll der Hinweis, obiger Rat beschäftige sich damit, haben?
Zeigt nicht die Historie, daß selbst- oder fremdernannte sogenannte Experten schon sehr oft den größten Unsinn verzapft haben? Waren es, nur als pars pro toto, etwa keine Germanisten, Linguisten etc., die im Dritten Reich die Brutalisierung und Entmenschlichung der deutschen Sprache "wissenschaftlich" unterfüttert haben?
Und, nebenbei: vielen Dank auch für den generösen Hinweis, Arjana dürfe weiterhin das "ß" benutzen in "daß", da die "dass"-Schreibweise nicht gesetzlich normiert sei. Nur ein kleiner Hinweis in diesem Zusammenhang: "daß" ist lediglich veraltet und drückt, wie bei mir, die Ablehnung dieser verunglückten "Rechtschreibreform" aus, die Nichtverwendung des "ß" an der richtigen Stelle, z. B. "gleichermaßen" statt "gleichermassen" (s. Jaddys Post 15) ist jedoch schlicht und ergreifend falsch.
Das war's erst einmal mit meinen Gedanke zum Thema. Vielleicht liest es trotz der verstrichenen Zeit noch jemand,
viele Grüße,
Yvette