Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen
Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen

Lebensplanung, Standorte
dunkles_sternchen
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Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen

Post 1 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen »

Dann und wann überkommt mich der Drang meinen Emotionen Platz zu machen.

Es gibt da auch kein Sättigungsgefühl oder einen Lerneffekt. Ich habe lediglich das Bedürfnis darüber reden zu dürfen. Und ich könnte das heute schon wieder tun. Auch schon gestern oder vorgestern. Wenn ich kleinen Wald hätte, würde ich da jeden Tag reingehen und schreien, nur laut schreien. Vielleicht fühlt man sich danach besser. Man sagt es jedenfalls so.

Viele hier wissen ja mittlerweile, was mich alles beschäftigt und was schief lief während der Transition. Ich will das auch nicht zum x-ten Mal wiederholen. Es ist so, aber ich komm trotzdem nicht drauf klar. Und dann muss ich das auch sagen dürfen. Ich will es sagen dürfen, dass ich nicht drauf klar komme. Am liebsten würde ich es an den Briefkasten kleben. Also einfach auch völlig stoisch das Leben systematisch destruiert, immer in der Hoffnung, dass der Schritt etwas positives bewirken würde. Das wurde dann bürokratisch auch tatsächlich Transition genannt, ich empfand es eher als eine Amputation an Lebensglück. Was hat mich damals nur dazu bewogen? Sehnsucht?

Das Gefühl nach einer OP völlig enttäuscht aufzuwachen begleitete mich nicht nur einmal. Und irgendwann war ich dann auch die Scheiße am Schuh sämtlicher Ärzte ... die nervige, die nie Ruhe gibt. Wieso wächst da keine Brust ... wieso passiert das nicht und jenes, wieso ist die Nase krumm ... die Banane, der Mond ... alles so Fragen, die im Budget nicht enthalten sind und bei denen man lediglich mit der 10g-Haribo-Tüte "Willkommen" auf dem Kissen des Krankenbettes Genügsamkeit in Sachen Empathie zeigen muss. Aber wenigstens haben wir in der Klinik einen Holzfußboden. Geschmack hat man oder nicht. Zeit auch.

:Das Sternchen
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen

Post 2 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

dunkles_sternchen hat geschrieben: Mo 23. Jul 2018, 01:50 ... Es ist so, aber ich komm trotzdem nicht drauf klar. Und dann muss ich das auch sagen dürfen. Ich will es sagen dürfen, dass ich nicht drauf klar komme. Am liebsten würde ich es an den Briefkasten kleben.
Hallo Sternchen,

was hindert Dich ?
Viele Grüße
Vicky

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dunkles_sternchen
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Re: Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen

Post 3 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen »

Das war natürlich metaphorisch gemeint. Ich habe noch keine richtigen Kanäle gefunden, um meinem Unmut Platz zu machen. Sport hilft mir ganz gut, danach fühle mich einfach gut und auch im Kopf stimmt es dann irgendwie besser. Aber generell diese Ohnmacht, dass man im Grund nichts tun kann, ist schon erdrückend. Und dieses Gefühl "überfällt" mich durchaus öfter mal und wenn das dann auf eintönigen Alltag trifft, ist der Lebensmut ganz unten im Keller.
ExuserIn-2019-12-20

Re: Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen

Post 4 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-20 »

Hallo Sternchen,

Ich habe schon viele deiner Beiträge gelesen und finde, dass Du trotz deiner Schwierigkeiten und dauernde Schmerzen verdammt stark bist.
Auch wenn Du es physisch und psychisch nicht aushältst, gibst Du nicht auf!
Natürlich weiß ich nichts aus deiner Vergangenheit, ausser das ein oder andere hier Niedergeschriebene.

Sport zum Auspowern ist ein guter Kanal.
Vielleicht findest Du ja noch was anderes.
Auf jeden Fall drücke ich Dir die Daumen dafür!

Ja, das wollte ich mal gesagt haben :)

Ich wünsche Dir alles Gute und versuch' stark zu bleiben :)

Lg,
Anna (moin)
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Re: Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen

Post 5 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Sport hilft, Cortisol abzubauen und steigert das Wohlbefinden. Ohne die Tragweite der Ereignisse vergleichen zu wollen, erinnert mich Deine Beschreibung an mein eigenes Erleben nach einer Trennung. Mein Leben war total in der Sackgasse, weil ich keine Möglichkeit gesehen habe, an meinen (gefühlt) miesen Lebensumständen etwas ändern zu können. Sport war auch bei mir eine Maßnahme, das Leben erträglicher zu gestalten, aber es war keine Lösung.

Mein Inneres hatte sich irgendwie von der realen Welt getrennt. Ich habe mich nicht mehr richtig wahr genommen. Durch mehr oder weniger Zufall bin ich an ein Buch geraten, dass mir geholfen hat. Es lehrte mich, auf meine Gefühle wahrzunehmen. Ich musste lernen, was gut für mich ist und was nicht. Das konnte ich nicht mehr unterscheiden und habe mich regelmäßig in die falschen Situationen begeben und die falschen Leute kennen gelernt. Im Kern habe ich mein Leben nach anderen Leuten ausgerichtet und nicht nach mir selber.

Um auf einen besseren Weg zu kommen, musste ich lernen, meine Gefühle zu verstehen. Wie fühlt sich eine Situation an, die mir gut tut. Solche Situationen habe ich mir nach dem Aufwachen vorgestellt und dann darauf geachtet, was ich fühle. Um dann im Alltag mir immer wieder die Zeit zu nehmen, meine Gefühle zu beobachten und mit den Gefühlen am Morgen zu vergleichen. Nach und nach lernte ich, die Situationen zu suchen, die gut für mich sind. Umgekehrt geht das auch mit schlechten Gefühlen. Man muss aber vorsichtig sein, dass man nicht "abrutscht". Ich vermute, dass Dir das ganz oft passiert. Ich nenne es die "dunklen Wolken". Dann habe ich sofort die Laufschuhe angezogen und bin eine halbe Stunde gerannt, egal ob Tag oder Nacht, Regen oder Schnee oder Sonne. Danach ging es mir wieder deutlich besser. Und so habe ich mich Stück für Stück aus meinem eigenen Sumpf gezogen. Das hat ein paar Monate gedauert. Mein Körper war wieder fit und ich habe eine Frau kennen gelernt, mit der ich heute glücklich verheiratet bin. Die Entscheidung wieder zu heiraten war für mich dann auch nicht das kleinste Problem. Ich habe mehrfach meine Gefühle befragt und immer wieder die gleiche Antwort bekommen: Ja, es ist richtig. Ich fühle mich gut dabei. Und auch heute, nach mehr als 7 Jahren, die wir uns kennen, gab es zwar Meinungsunterschiede, aber nie den geringsten Zweifel. Ich bin der Überzeugung, dass das Hören auf seine echten Gefühle nur positiv sein kann. Man muss nur lernen, was die echten Gefühle im Unterschied zu vordergründigen, fremd bestimmten Überzeugungen sind. Das konnte ich ein Stück weit lernen.

Soweit meine Geschichte. Vielleicht kannst Du Dir etwas daraus als Anregung ziehen. Die Lösung der eigenen Probleme steckt immer in einem selber. Man muss sie "nur" ausgraben ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen

Post 6 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen »

Das Problem sind ja nicht die Leute oder mein Umfeld. Mein Problem ist mein Körper. Das war er früher ja auch schon. Die Transition und die OPs haben das Problem aber nicht gelindert, sondern drastisch verschlechtert - so schlecht, dass ich bereue mich überhaupt darauf eingelassen zu haben. Ich lese immer überall so tolle blumige Sprüche wie "Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum" ... ja schön. Ich lebe heute einen Albtraum. Viel schlimmer häts eigentlich nicht kommen können. Und mache das mal, stehe mal früh auf und sei immer bereit gegen diesen Albtraum anzutreten.

Ich muss leider immer noch Androcur nehmen. Das macht mich fertig. Antiebslos, depressiv - klar, das Zeug legt das Testosteron völlig lahm. Aber anders geht es eben nicht. Entweder ich nehme das so hin oder bekomme wieder überall dicke Aknepickel und verliere meine Haare erneut. Ich hab es die letzten Monate mit dem Sport auch übertrieben, wollte wieder fit werden nach so langer OP-Pause ... nun habe ich Sehnenprobleme und muss erstmal ruhig treten - nix mit Sport. Seitdem geht es seelisch auch massiv wieder bergab.

Ich sage mal so: Hätte das alles geklappt mit dem Hormonen, den OPs und müsste ich keine Antiandrogene nehmen, würde es mir um Welten besser gehen. Wenn ich mein Spiegelbild irgendwie ertragen könnte. Das wäre ein Traum, sich akzeptieren. Ich habe mich nie gehasst ... aber seit der Transition leide ich unter extremen Selbsthass. Mein Körper ist einfach etwas, worin ich nicht leben will. Das ist eine Zumutung, ehrlich.

Und glaube mir - ich kenne mich und meine Gefühle extrem gut. Vielleicht auch zu gut. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich diesen Körper einfach nicht akzeptieren will. Es geht einfach nicht. Umtauschen geht nicht. Der wird einem so geliefert - andere haben ihn kaputtgeschnippelt, die Hormone haben mich krank gemacht. Ich war die letzten 5 Jahre mehr bei Arzt, als in meinem ganzen Leben ... ich werde sicherlich Wege finde, um am Leben teilzunehmen. Aber glücklich werde ich SO nicht. Der Zug ist echt abgefahren.
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Re: Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen

Post 7 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Ich gebe Dir völlig Recht. Glücklich wirst Du so nicht. Nach diesem Statement wäre meine erste Frage: Willst Du das überhaupt ?

Niemand hat mehr Interesse daran, dass es Dir gut geht, außer Du selbst. Du schreibst:

"Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich diesen Körper einfach nicht akzeptieren will. "

Du beklagst Dich, dass andere/s an der Misere schuld sind, Ärzte, Hormone etc. Ich weiß, Du sagst öfter, dass Du auch Schuld seiest, weil Du es so wolltest (so lese ich es zumindest aus Deinen Worten). Aber es geht nicht um Schuld, sondern Verantwortung für sich selber. Ich kann nicht erkennen, dass Du diese Verantwortung wahr nimmst. Hole Dich gefälligst dort ab, wo Du heute stehst, nicht in der Vergangenheit, nicht bei den Ärzten und auch nicht bei den Hormonen. Aus meiner Sicht geht es bei Deinem "Selbsthass" um ganz etwas anderes. Aber die Lösung findest nur Du selber.

"Der Zug ist echt abgefahren."

Nimm den Nächsten. Er wartet bereits am Bahnsteig. Du musst nur einsteigen. Es ist wirklich nicht einfach, dass es im Kopf "Klick" macht. Vielleicht sind es auch viele kleine "Klicks". Ich denke, es ist ein Perspektivwechsel, der bei Dir einiges ins Laufen bringen kann. Wie heißt die alte Indianerweisheit: Wenn Du auf einem toten Pferd sitzt, steige ab. Ich bin der Ansicht, dass das tote Pferd auf dem Du sitzt, Deine Haltung Dir selber gegenüber ist.

Fang endlich an, gut zu Dir selber zu sein. Auch wenn Du noch nicht voll dahinter stehst. Es gibt hier eine Menge Menschen, die Dich mögen. Das nützt Dir nichts, wenn Du Dich nicht selber magst. Fang mit Kleinigkeiten an: Deine Hände, Deine Nase, Deine Ohren, egal, aber fang endlich an. Und spüre, dass es Dir gut tut, wenn Du Dinge an Dir gut findest. Sage "STOP" zu der Stimme, die sagt, es sei alles Scheiße. Sage ihr, dass Du Herr in Deinem Haus bist und nicht diese Stimme und dass es ab jetzt aufwärts geht. Verjage diese Stimme und erobere Deinen Körper.

Das mag für Dich komisch klingen, aber Dein Körper ist gut so, wie er ist. Du brauchst diesen Körper, der Dir scheinbar Probleme macht, um Deine echten Probleme in den Griff zu bekommen. Und wenn die Sehnen Probleme machen, sagt Dein Körper, dass Du nur versuchst, Dich mit Sport abzulenken. Da macht er nicht mit. Frage, was Dein Körper braucht, damit es ihm gut geht, statt immer nur auf ihn einzuschlagen. Dein Kopf und Dein Körper können wunderbar miteinander auskommen. Sie willen ständig miteinander kommunizieren. Miteinander, nicht gegeneinander.

Sternchen, Du bist ein toller Mensch. Du brauchst das nicht zu verstecken ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen

Post 8 im Thema

Beitrag von ulla »

Bedanke mich nochmal ,für letzten Beitrag von Vicky_Rose.
Klar müssen Kopf und Körper zusammen harmonieren,nur so sind wir in unserem Leben erfolgreich!
Sollten uns optisch auf unseren Stärcken besinnen,dabei unsere Schwächen (wo auch immer im Leben)geschickt überspielen.
Kleider machen Leute,gilt auch für uns.Wenn wir uns geschickt stylen,wird manch eine Biofrau auf uns neidisch werden.
Meine damit Frauen,die sich selbst auch anstrengen,gut herüber zu kommen.
Glaube Brüste alleine,machen uns eher kaum zur Frau.
Nur das Gesammtbild zählt,ist meine Meinung!
Dieses kann auch erreicht werden,ab Gr.44 und ab Schuhgr.43.Selbstvertrauen ist dabei sehr wichtig.
Deshalb immer vorteilhaft sich kleiden.Das was jedem Typ von uns auch steht.
Ulla
Exuser-2019-01-04
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Re: Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen

Post 9 im Thema

Beitrag von Exuser-2019-01-04 »

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 24. Jul 2018, 06:49 ...
Du beklagst Dich, dass andere/s an der Misere schuld sind, Ärzte, Hormone etc. Ich weiß, Du sagst öfter, dass Du auch Schuld seiest, weil Du es so wolltest (so lese ich es zumindest aus Deinen Worten). Aber es geht nicht um Schuld, sondern Verantwortung für sich selber. Ich kann nicht erkennen, dass Du diese Verantwortung wahr nimmst. Hole Dich gefälligst dort ab, wo Du heute stehst, nicht in der Vergangenheit, nicht bei den Ärzten und auch nicht bei den Hormonen. Aus meiner Sicht geht es bei Deinem "Selbsthass" um ganz etwas anderes. Aber die Lösung findest nur Du selber.
...
Hallo, dunkles_sternchen,

ich hatte auch schon überlegt, Dir etwas ähnliches zu schreiben, aber besser und freundlicher als Vicky_Rose hätte ich es eher nicht schreiben können...
Solange man die Verantwortung für sich selbst anderen überlässt (den Ärzten, den Medikamenten und und und), hat man (fast) kein Recht, stets über die eigene Misere zu jammern. Es sieht für mich auch nicht danach aus, als würdest Du aktiv an der Lösung arbeiten, denn sich über Sport zu treiben Endorphine einzuschütten ist ja keine Lösung.

Leider weiß ich, von was ich hier rede - 2 oder 3x habe ich in einem Tiefpunkt festgesessen, aus denen zu entkommen ich absolut keinen Weg gesehen habe. Und doch, ich habe einfach mein Leben (Arbeit, Familie) weitergelebt, um den Laden am Laufen zu halten, und irgendwann, ich habe das zuerst garnicht mitbekommen, waren die dunklen Wolken nicht mehr zu sehen. Beim nächsten Mal (einige Jahre später: wieder dunkle Wolken, keine Sicht) wusste ich bereits, dass sich geduldiges Warten (wie beim ersten Mal) auszahlen würde, und so war es auch.

Aber ich gebe zu: geholfen hat es mir auch, mit einer vertrauten Person über meine Befindlichkeiten sprechen zu können, aber die Verantwortung für mich selbst habe ich stets bei mir selbst gesehen (als ob ich es zulassen würde, daß jemand anderes mein Leben in die Hand nimmt und damit macht, was er will....).

Ach ja, ich hasse Sport (Endorphine habe ich nie "geniessen" können...), aber in den letzten Monaten meditiere ich regelmässig (auf meine Art; ich schaue an die Decke und sortiere meine Gedanken) - es hilft!

Bitte betrachte diese Ausführungen nicht als Kritik, sondern nur als ein mögliches Gedankenspiel!

Viele Grüße, Sasha
dunkles_sternchen
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Re: Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen

Post 10 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen »

Danke zunächst für die vielen Tipps ... wobei ich ja mit dem Thema ursprünglich nur dem Bedürfnis nachgekommen bin etwas zu schreiben.

Ich halte solche pauschalisierten Ferndiagnosen auch immer für etwas gefährlich. Und wenn ich "einfach nur etwas machen müsste", hätte ich es doch schon längst getan. Im realen Leben gestalten sich aber solche Dinge immer sehr komplex.

In meinem Fall weiß durch die vielen Sitzungen und Therapiestunden, dass vieles aus meiner Kindheit Schatten wirft. Und wenn man nie Liebe wirklich erfahren hat, wird man auch im späteren Alter Probleme haben Liebe zu geben und zu zeigen. Als Kind war ich nie gut genug, habe trotz guter Noten immer Kritik geerntet, wurde stets auf meine Fehler hingewiesen und meine Hobbys war ja sowieso immer alle bescheuert. Von anderen wurde ich gemobbt und als bekloppt abgestempelt. Mir wurde jahrelang als Kind eingetrichtert, dass alles, was ich tue irgendwie nicht reicht oder Mist ist. Das sind tiefverwurzelte Verhaltensweisen in mir. Selbstkritik ist ja sicher ganz hilfreich, aber bei mir wurde es irgendwann Selbsthass. Ich habe von Kindesbeinen auf gelernt nichts an mir zu mögen. Mir wurde das quasi täglich gezeigt und gesagt ...

Solche tiefsitzenden Dinge schaltet man ja nicht über Nacht ab oder durch bisschen Meditieren. Ich arbeite da mit professioneller Hilfe dran, aber "solche Kinder" sitzen zu Hauf bei den Psychologen - was man als Kind lernt, trägt man in sein Leben und das kann man nicht abschalten. Für die Dinge die passiert sind, gebe ich den Ärzten nur eine Teilschuld. Letztlich war es ja mein Wunsch und dafür hasse ich mich. Ich wusste es sicher damals nicht besser und habe das getan, was alle TS tun - trotzdem bereue ich es zutiefst. Und das, was ich mir damit angetan habe, will und kann ich mir nicht verzeihen. Ich habe damit meine Gesundheit ruiniert und das spüre ich halt täglich, durch Schmerzen und andere Unzulänglichkeiten.

Der Sport ist und wird mein Mittel sein da zumindest einen kleinen Zugang zum Körper zu finden. Ich habe Jahre gebraucht, um den Sport für mich so zu entdecken und das macht mich glücklich - wenn ich sportlich aktiv sein kann, wandern, radfahren, joggen ... ich hatte es auch mit Mediation versucht. Kann ich nicht. Da rumliegen oder sitzen ... ich kann am besten beim Sport abschalten, das tut mir gut, dem Körper und dem Geist. Gerade ist halt schwierig, aber es wird ja wieder irgendwann gehen. Die letzten Monate habe ich damit riesen Fortschritte gemacht.

Wie gesagt, lieb gemeint die Ratschläge, aber ich habe bereits meine "Mittelchen", wie ich damit umgehe - auch wenn es für 100% nie reichen wird. Dafür ging einfach zu viel schief. Und da ich keine Maschine bin, habe ich mal bessere, mal schlechtere Momente. Ohne Sport sind es definitiv schlechtere.
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Re: Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen

Post 11 im Thema

Beitrag von Karla »

Hallo Sternchen,
fast alles ist ja schon gesagt, ein paar kleine Anmerkungen noch:
Hast Du schon Alternativen zu Androcur versucht (andere Präparate)?
Käme Schwimmen für Dich infrage?
Kannst Du auf andere sportliche Aktivitäten umsteigen, solange, bis die Sehnen sich etwas erholt haben?
Da Du Deinen Körper nicht umtauschen kannst, solltest Du ihn gut behandeln und fordern, aber nicht überfordern.
(0 auf 42km in 4 Wochen geht schief - hab ich beim Training auf den Halbmarathon dann auch gemerkt, als das Bein nicht mehr mitspielen wollte)
Der abgefahrene Zug und das tote Pferd wurden ja schon besprochen:
Ich hab mir vor kurzem ein T-Shirt zugelegt mit dem Spruch:

Don't look back and ask "why?"
Look ahead and say: "why not?"

(Das Shirt kam nicht aus der Herrenabteilung)
... und ab und zu darfst Du Dich hier auch mal ausheulen!
Fühl Dich einfach mal virtuell gedrückt!

LG Elly
Ein Leben ohne Möps(chen) ist möglich, aber sinnlos. (frei nach Loriot)
dunkles_sternchen
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Re: Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen

Post 12 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen »

Elizabeth hat geschrieben: Di 24. Jul 2018, 16:15 Hast Du schon Alternativen zu Androcur versucht (andere Präparate)?
Ja, ich habe quasi alles probiert, was am Markt ist. Zum Schluss was es wieder Androcur. Durch das viele Probieren wurde es nur schlimmer und ich verlor fast alle Haare damals. Ich habe mich im Nachgang so geärgert, dass ich es nicht einfach so gelassen habe.

Elizabeth hat geschrieben: Di 24. Jul 2018, 16:15 Käme Schwimmen für Dich infrage?
Als Sport ja, körperlich nicht. Über die Scham kann ich mich nicht hinwegsetzen. Mental wäre das eine Folter. Und das muss ich mir nicht antun.

Elizabeth hat geschrieben: Di 24. Jul 2018, 16:15 Kannst Du auf andere sportliche Aktivitäten umsteigen, solange, bis die Sehnen sich etwas erholt haben?
Ich mache ja Physio. Ist keine große Ausdauer, Abnehmen geht so auch nicht, aber ich bleibe dran. Bisschen radlen geht schon mal. Muss ich jetzt durch, bringt nichts.


Du, ich behandel meinen Körper fast schon zu gut. Das hat er eigentlich in keinster Weise verdient. Ich hatte halt vor der Transition so diese Sehnsucht in meinem Körper auch etwas ästhetisches zu sehen. Der Körper einer Frau ist halt sehr ästhetisch, das will die Natur so. Die Haut, die Haare, Rundungen ... der Mann ist eher so das Arbeitsgerät, stark, sehnig ... eben Leistung. Mein Körper hat aber keine Ästhetik im femininen Sinn, er kanns auch mit Hormonen nicht. Wir habens ja versucht. Ich kann daher durchaus damit leben, dass er Leistung bringt. Keine Spitzenleistung, aber eben im kleinen Rahmen, für mich. Gesundheit eben, Fitness - dann sage ich zu mir, du bist zwar nicht hübsch, aber fit für dein Alter. Das ist doch auch was Wert. Das funktioniert für mich.
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Re: Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen

Post 13 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen »

Kati_nx hat geschrieben: Di 24. Jul 2018, 16:34
dunkles_sternchen hat geschrieben: Di 24. Jul 2018, 15:17 ... ich hatte es auch mit Mediation versucht. Kann ich nicht. Da rumliegen oder sitzen ...
Das ist der häufigste Grund warum die Meisten frühzeitig aufgeben, sie denken sie könnten es nicht - selbst ich war so jemand, aber jetzt weiß ich es besser. Aber gut, wenn das nix ist, dann ist das eben nix.
Nee, habe das tatsächlich unter professioneller Anleitung gemacht über viele Monate. Es ist einfach nicht meins. Ganzen Tag am Schreibtisch und dann auf der Couch meditieren. Mein Körper will Bewegung.
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Re: Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen

Post 14 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen »

So, heute mal wieder einer der Abende, wo ich denke: Scheiße alles. Warum haste das gemacht ...

Wie gesagt, man kann immer viel reden. Und dann noch mehr reden. Und die Woche drauf wieder. Ändert ja nichts. Ich bereue meine Transition und was damit einher ging und das wird niemand auf der Welt revidieren können. Das ist passiert und ich werde ewig darunter leiden, weil ich jeden Tag davon betroffen bin - in Form von Schmerzen, schlechtem Aussehen, etlichen Handicaps. Das kann man einfach nicht mal eben ausblenden oder so. Geht einfach nicht.

Life sucks. Fertig.
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Re: Umgang mit schlechten Erinnerungen und Erfahrungen

Post 15 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hi Sternchen,

ein paar Deiner Punkte sehe ich grundsätzlich anders. Über Schmerzen, Aussehen und Handicaps kann ich nichts sagen. Ebenso wenig über das, wie es sich entwickeln wird.

Aber:
dunkles_sternchen hat geschrieben: Fr 27. Jul 2018, 01:29 Wie gesagt, man kann immer viel reden. Und dann noch mehr reden. Und die Woche drauf wieder. Ändert ja nichts.
Doch, jedes Reden ändert ein klein wenig. Aber letztlich steht die Motivation im Mittelpunkt. Warum willst Du reden ? Suchst Du eine Lösung oder geht es ums "Jammern" ? Wo liegen Deine Schmerzen, im körperlichen oder im seelischen Bereich ? Was schmerzt am meisten ?
dunkles_sternchen hat geschrieben: Fr 27. Jul 2018, 01:29 Ich bereue meine Transition und was damit einher ging und das wird niemand auf der Welt revidieren können. Das ist passiert und ich werde ewig darunter leiden, weil ich jeden Tag davon betroffen bin - in Form von Schmerzen, schlechtem Aussehen, etlichen Handicaps.
Stimmt, deine Transition kannst Du nicht revidieren. Ich denke, ob Du ewig darunter leidest, kannst Du beeinflussen.
dunkles_sternchen hat geschrieben: Fr 27. Jul 2018, 01:29 Das kann man einfach nicht mal eben ausblenden oder so. Geht einfach nicht.
Auch da stimme ich Dir zu. Aber kannst Du Deine Einstellung nicht ändern ? Ich meine das im Sinne von "Scheiße gelaufen, aber ab heute mache ich mein Leben besser". Der Blick zurück, wie z.B. "ach, ich hab's versaut, das wird nie wieder" dürften wie eine enorme Bremse wirken. Mach die Bremse los, wird diese Gedanken über Bord. Fang mit dem einfachsten an, aber fang an. Häng' Dir einen Zettel an den Spiegel auf dem steht, "Mir geht es jeden Tag etwas besser". Und immer wenn Du ihn siehst, nimmst Du es Dir fest vor. Oder mach irgend etwas anderes. Z.B. wenn Du hier schreibst, schreibst Du in jeden Beitrag auch etwas positives.
dunkles_sternchen hat geschrieben: Fr 27. Jul 2018, 01:29 Life sucks. Fertig.
Oder doch lieber Jammern ? Es ist wirklich so, dass Du die Wahl hast. Es ist nicht einfach und es geht nicht schnell. Aber irgendwann ist es soweit, dann kannst Du Deine dunklen Wolken hinter Dir lassen. Ich bin überzeugt, Du hast die Stärke dazu.
Viele Grüße
Vicky

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