Realität oder Euphorie?
Realität oder Euphorie? - # 2

Lebensplanung, Standorte
Aria
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Re: Realität oder Euphorie?

Post 16 im Thema

Beitrag von Aria »

Delfinium hat geschrieben: Do 5. Jul 2018, 19:49
Aria hat geschrieben: Do 5. Jul 2018, 19:37
Delfinium hat geschrieben: Do 5. Jul 2018, 10:41 Das ist leider wahr, ich hasse es teilweise eine Frau zu sein, war gestern auch depri deswegen, hab geheult und war sehr emotional. Ich hasse das und will am liebsten einfach als Junge leben können, aber das geht nicht. Es war unaushaltbar als Junge zu Leben also hast du Recht damit dass es ein Zwang ist und es nur eine Frage der Zeit ist bis wir uns diesem Zwang bzw. Unserem wahren Ich beugen.

Ich werde immer doof angemacht von wegen "du wolltest doch Frau werden" wenn ich mich über die viele Dinge beklage die mich seitdem ich so lebe verrückt machen... Klar ich hatte eine Wahl zwischen Unglücklich bis ans Lebensende zu sein, mich aber warscheinlich früher umbringen oder einfach Ich zu sein.

Viele außenstehende verstehen nicht dass wir so geboren wurden, als Frau und man leider nichts tun kann außer sich irgendwann dem ganzen zu beugen, wenn man vor hat ein halbwegs erfülltes Leben zu führen.
Was hasst du denn am Frau sein? Und was wäre dir am Mann sein lieber?
Kurz gesagt der Sexismus, Minderwertigskeitskomplexe, schnelle Reizbarkeit, erhöhte Emotionalität, sich oft als Sexobjekt zu fühlen und weniger Wert als ein Mann zu sein und oft auch diskriminiert zu fühlen als Frau... solche grundlegenden Dinge einfach. Villeicht habe ich einfach andere Erfahrungen gemacht als du, aber diese ganzen Dinge hasse ich und wünschte es würde ohne gehen...

Als Mann könnte ich fast alle Punkte streichen... so war es zumindest vor dem Leben als Frau und Hormoneinnahme.

Das heißt jetzt nicht dass ich Zweifel habe oder so, ich bin 100%ig eine Frau nur sensible Menschen wie ich werden da schon etwas empfindlich bei manchen Dingen und fühlen sich schnell Unwohl.
Verstehen kann ich das alles. Aber einfach so zu sagen: Das bringt es halt mit sich, als Frau, finde ich zu banal. Denn es ist ja nicht jeder Mensch gleich. Gibt ja auch Bio-Frauen, die sich z.B. mit Minderwertigskeitskomplexen, schneller Reizbarkeit und erhöhter Emotionalität rumschlagen müssen. Das sind halt Charaktereigenschaften, die sich je nach Geschlecht mehr oder minder ausprägen, denke ich. Demnach ist es nicht primär am Frau sein fest zu machen, sondern etwas, das schon immer in dir war aber nun halt stärker in den Vordergrund rückt.
Natürlich habe ich auch meine Erfahrungen gemacht. Und viele waren anders als gedacht. Ich hatte dazu ja auch schon mal einen Thread erstellt. Über die - für mich erstaunlichste - habe ich ja bereichtet. Aber es waren auch weitaus unschönere dabei. Dinge, die man sich zwar vorstellen kann und sie auch schon von Frauen erzählt bekommen hat, aber am eigenen Leib zu spüren, ist schon was anderes. Aber es ist alles auszuhalten, bzw. wiegt nicht auf, was als Mann schlecht war. Über einiges muss ich sogar manchmal lachen. Ich finde es z.B. schrecklich und amüsant zugleich, dass ich mich zu einer Kaufsüchtigen (Mode etc) entwickelt habe. Früher eher Einkaufsmuffel, heute kann es nicht lange genug dauern. Das sind aber wirklich angenehme Nebenwirkungen, die mich dennoch nerven.
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Re: Realität oder Euphorie?

Post 17 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hi Tina,
fühle ich mich auch immer mehr als Mann bei mir angekommen.
so habe ich auch einmal gedacht, aber heute bin ich mir da nicht so sicher. Ich unterscheide zwischen Rolle und Geschlecht. Ich kann mit meinem männlichen Körper ganz gut leben, doch gewünscht habe ich es mir nie. Wäre ich als Bio-Frau geboren, würde ich mir wahrscheinlich nicht wünschen, einen männlichen Körper zu haben. Ich akzeptiere wie es ist und mache meine gewünschten "Adaptionen" nach Bedarf. Das ist für meine psychische Hygiene notwendig. Den Mann betone ich fast nie. Eigentlich nur beim Tanzen und auf Hochzeiten und selbst da beneide ich manchmal die Braut ... ;-).

Was das Rollenverhalten betrifft, sehe ich mich in Teilbereichen typisch Mann und in anderen Bereichen typisch Frau. Es gibt Menschen, die sehen in mir einen eindeutigen Mann und andere einen ungewöhnlichen Mann. Ich glaube, das hat aber mehr mit den betrachtenden Personen als mit mir zu tun. Man sieht, was man sehen möchte. Mich selbst betrachtend, bin ich vielleicht eine "männliche" Frau mit dem Körper eines Mannes. Oder so ähnlich.

Insofern kann ich heute weder von Realität noch von Euphorie sprechen, wenn ich en femme bin. Natürlich ist es etwas besonderes und damit auch schön. Die früher vorhandene Euphorie hat sich mehr zu einer Art Normalität entwickelt, die aber (noch ?) nicht alltäglich ist.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Realität oder Euphorie?

Post 18 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hallo Vicky,
Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 6. Jul 2018, 09:03 Hi Tina,
fühle ich mich auch immer mehr als Mann bei mir angekommen.
so habe ich auch einmal gedacht, aber heute bin ich mir da nicht so sicher. Ich unterscheide zwischen Rolle und Geschlecht. Ich kann mit meinem männlichen Körper ganz gut leben, doch gewünscht habe ich es mir nie. Wäre ich als Bio-Frau geboren, würde ich mir wahrscheinlich nicht wünschen, einen männlichen Körper zu haben. Ich akzeptiere wie es ist und mache meine gewünschten "Adaptionen" nach Bedarf. Das ist für meine psychische Hygiene notwendig. Den Mann betone ich fast nie. Eigentlich nur beim Tanzen und auf Hochzeiten und selbst da beneide ich manchmal die Braut ... ;-).

Was das Rollenverhalten betrifft, sehe ich mich in Teilbereichen typisch Mann und in anderen Bereichen typisch Frau. Es gibt Menschen, die sehen in mir einen eindeutigen Mann und andere einen ungewöhnlichen Mann. Ich glaube, das hat aber mehr mit den betrachtenden Personen als mit mir zu tun. Man sieht, was man sehen möchte. Mich selbst betrachtend, bin ich vielleicht eine "männliche" Frau mit dem Körper eines Mannes. Oder so ähnlich.

Insofern kann ich heute weder von Realität noch von Euphorie sprechen, wenn ich en femme bin. Natürlich ist es etwas besonderes und damit auch schön. Die früher vorhandene Euphorie hat sich mehr zu einer Art Normalität entwickelt, die aber (noch ?) nicht alltäglich ist.
Su sprichst mir quasi aus der Seele und das hätte von mir sein können. Bis auf eine Sache:
Es gibt Tage und Situationen, da bin ich sogar regelrecht froh und dankbar, ein biologischer Mann zu sein, denn es schafft mir z.B. bei Arbeitsituationen den nötigen Gehör um Probleme erfolgreich zu meistern und dessen bin ich mir sehr bewusst. Meistens hat die ganze Sache mit eindeutig mit praktischen Situationen zu tun.

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Re: Realität oder Euphorie?

Post 19 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hallo Tina,
ChrisTina73 hat geschrieben: Do 5. Jul 2018, 20:29 Hallo Deli,

Kurz und knapp: Für mich ist es eine Art "Euphorie". Nicht negativ gemeint, auch wenn ich mit meiner Meinung nicht grad gut ankomme. Ich hab für mich gelernt, das für mich daraus zuziehen, was mir gut tut. Für alles andere kann ich auch weiterhin mein "mann-sein" leben, sogar durchaus sehr selbstbewußt, was mir vorher bisher fehlte. Aber seitdem ich es annehmen kann, mich in manchen Momenten bereichert, fühle ich mich auch immer mehr als Mann bei mir angekommen.

Lieben Gruß

Tina

Auch dir kann ich in Bezug auf folgende Sache recht geben:

Seit dem ich mir immer mehr die weibliche Seite eingestehe und nicht versuche es ständig bewusst oder unbewusst zu unterdrücken, hat auch der männliche Part immer weniger Schuldgefühle und Selbstzweifel. Win-Win?

Bei mir hat aber der M-Part eher mit eher praktischen-, alltäglichen Sachen und der F-Part mehr mit alldem Zeugs zu tun womit man sich wohl- und besser fühlt. Sex ist momentan noch eher eindeutig beim M-Part aber ich kriege auch erste Zweifel ob es immer so bleiben wird. Abwarten.

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Re: Realität oder Euphorie?

Post 20 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hi,
ChrisTina73 hat geschrieben: Fr 6. Jul 2018, 21:01 Ich entwaffne damit die Vorurteile, die mich evtl. treffen könnten oder mir begegen, einfach, weil ich mir das Recht rausnehme, das zu leben, was mir gut tut, auch auf der körperlichen Ebene, wenn mir danach ist.
Ja, genau da liegt der Hund begraben und ich meine es nicht einmal auf irgendwelche Sexualität bezogen: Warum dieses ultrabinäres Denken. Mann darf dies und jenes und sieh so und so aus. Frau darf dann wiederum andere Sachen und hat so auszusehen. Da hat Jaddy mich eindeutig mit dem Enby Virus infiziert und ich beziehe dies nicht auf das Aussehen. Da lege ich immer noch Wert stimmig eindeutig eingliederbar zu sein. Einerseits gefällt es mir besser so und andererseits macht es für die anderen auch alles leichter. Aber in der emotionalen und in der intellektuellen Ebene, sprich in meinem Denken und Fühlen nehme ich mir mittlerweile alle Mischformen heraus. Es ist halt doof wenn du für eine Sache dein gesamtes Leben davor wegschmeißen muss. Zu der Vorgabe: "Hier verzweigt sich der Weg und du must dich für eine der Straßen entscheiden und beide führen zu verschieden Städten?" Sage ich: "Ich habe mir einen Teleporter gebaut und kann hin und her beamen. So what *Stinkefinger*"

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Re: Realität oder Euphorie?

Post 21 im Thema

Beitrag von MaraE »

Deli hat geschrieben: Di 3. Jul 2018, 13:23 Hallo alle Miteinander,

nun war ich schon häufiger als Girl Jennifer unterwegs, und je öfter ich es mache desto öfter möchte ich es auch machen.
Früher, also bevor ich aktiv das crossdressen anfing, dachte ich mir ich kann mich mit dem Mann-Sein doch ganz gut arrangieren, diese Aussage zweifle ich nach und nach immer mehr an, da ich einfach auch merke, dass ich als Girl glücklicher unterwegs bin. Deswegen mache ich mir derzeit auch viele Gedanken um mich ob ich nicht vielleicht eher trans bin.
Ist das nur eine gewisse "Anfangseuphorie"? Kann da jemand relaten? Bzw es halt nachvollziehen?
Hallo Deli,

ich kann ganz gut nachvollziehen was Du schreibst, ich bin grad in einer ähnlichen Situation, irgendwie fühlt sich das Frau-sein bei mir einfach gut und vor allem richtig an. Wenn ich mich als Frau vor dem Spiegel sehe habe ich das Gefühl, dass dies mein wahres Ich ist und ich immer so sein sollte.

Bis jetzt kann ich noch ganz gut als Mann leben, da der Leidensdruck im Moment nicht besonders extrem ist und die Ängste vor einer Veränderung noch bedeutend größer sind. Aber ich glaube, daß es bei mir früher oder später auf ein Leben als Frau hinauslaufen wird. Ich fühle mich eher als Frau denn als Mann auch wenn ich dieses Gefühl nicht wirklich beschrieben kann.

Wie Du siehst, bist Du nicht die Einzige der es so geht.

Liebe Grüße

Mara
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Re: Realität oder Euphorie?

Post 22 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hi Tina,

C.G.Jung hat mir auch schon öfters mit seinem Anima-Animus-Prinzip geholfen, Dinge zu akzeptieren. Allerdings stolpere ich immer wieder über die Frage was Weiblichkeit als archetypisches Prinzip sein soll. Egal auf welcher Ebene ich es betrachte, ich finde kein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal bzw. widerspruchfreie Beschreibung. Jeder Versuch zu einer solchen Beschreibung läuft immer wieder auf eine kulturelle Differenzierung hinaus. Wie will man über etwas reden, was scheinbar klar aber doch nicht greifbar ist ?

Am letzten Wochenende hatten wir in unserem Wohngebiet eine gemeinsame Grillfeier. Dort ist mir wieder einmal sehr deutlich geworden, dass es scheinbar mindestens zwei Erlebniswelten in mir gibt. Die Vorstellung hier en femme zu erscheinen, erschien mir völlig absurd. Hier ist es das "äußere Leben" das dominiert. Du beschreibst das auch für mich sehr gut, wenn Du dann von einem Rückzug vom äußeren Leben in ein inneres Leben schreibst, in dem die Frau dominiert. Auch der Loslösung vom Sexuellen kann ich folgen, was nicht bedeutet, dass das Sexuelle dadurch verschwunden ist. Das Leben ist eher wie eine große Blumenwiese, auf der man bald dieses und dann wieder jenes betrachtet und genießt.

Ich habe durch Zufall ein Buch in die Hände bekommen, dass sich mit der der Kraft der weibliche Urinstinke beschäftigt (Die Wolfsfrau von Clarissa Pinkola Estés ). Zuerst dachte ich, das sei eher esoterisch, war aber mehr psychologisch. Ich fand es sehr spannend, aber sie macht mMn einen großen Fehler, weil sie das, was sie beschreibt, nur als weibliche Eigenschaften betrachtet. Ich sehe das, was sie beschreibt von universaler. Im weiblichen Prinzip wird mMn viel zu sehr mystifiziert. Dadurch werden Männer von Teilen der eigenen Erlebniswelt ausgegrenzt. Wenn Frauen die eigene Erlebniswelt als Weiblichkeit betrachten, ist es deshalb noch lange nicht exklusiv Frauen vorbehalten. Und damit wird diese weiblichen Eigenschaften zu einer nicht mehr vom Männlichen trennbaren Größe. Weiblichkeit wird, wie schon das Männliche in früheren Zeiten, zum Machtfaktor. Insofern wird klar, dass Menschen, die für sich beide Sichtweisen in Anspruch nehmen, auf Widerstand stoßen müssen. Was Frauen seit ca. zwei Jahrhunderten mit der Emanzipation erkämpften, müssen Männer in vielen Bereichen erst noch leisten.

Ich denke, dass es eine innere Welt gibt, die nur der jeweiligen Person sichtbar ist. Hier dominiert ein "Ich", dass unabhängig und selbstständig auf der Basis von Talenten, Eigenschaften, Interessen, etc. existiert. Ob Geschlecht an dieser Stelle eine Instanz ist, ist für mich offen und eine spannende Frage. Ich tendiere dazu, dass das nicht oder nur sehr begrenzt der Fall ist. Jedenfalls ist das innere Geschlecht nicht mit dem vergleichbar, was in der äußeren Welt mit Geschlecht bezeichnet wird. Das innere Geschlecht drückt für mich eher eine Stimmungslage aus, die auf meinem Ich beruht.

In der inneren Welt gibt es keine Regeln und Normen. Diese gibt es in der äußeren Welt. Sie machen uns fähig zu interagieren und ein sozialen Verband aufzubauen. Es wird zwischen innerer und äußerer Welt Übereinstimmungen und Differenzen geben. Dazwischen liegen Filter, die entscheiden, was von der inneren Welt nach Außen dringt und was von der äußeren Welt aufgenommen wird. Je mehr Übereinstimmungen vorhanden sind, um so mehr fühlen wir uns in der Welt zuhause.

Bezogen auf Trans, wie ich es verstehe, bedeutet es, das meine innere Erlebniswelt im Gegensatz zur Außenwelt steht. Ich kann jetzt versuchen die Außenwelt so anzupassen, dass sie mein Innenleben akzeptiert. Ich oute mich und wirke auf andere Menschen ein. Das kann zu Widersprüchen mit der Außenwelt führen, da die Sichtweisen unterschiedlich sind. Die Konfliktebene liegt im Außen. Ich fühle mich missverstanden.

Oder ich kann mich auch in mein Innenleben konzentrieren. Hier können die gleichen Widersprüche auftreten, aber die Konfliktebene liegt jetzt in meinem Inneren, da die Außenwelt nicht involviert ist. Ich bin verzweifelt, da ich keine Möglichkeit sehe, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten. Die Konsequenz wäre z.B. die "Stubentranse". Die Außenwelt der Stubentranse ist die eigene Wohnung. Die Rückmeldung durch die Ersatz-Außenwelt ist der Spiegel.

Welche Rolle spielt hierbei der Körper ? Er trennt Innen- und Außenwelt, ist aber auch gleichzeitig die Verbindung. Über die Sinne werden die Signale der Außenwelt aufgenommen und gleichzeitig ist er ein Medium, mit dem das Innere mit dem äußeren kommuniziert. Wenn der Körper nicht in der Lage ist, das auszudrücken, was ich im Inneren fühle, habe ich einen Konflikt. TS versuchen dieses Medium durch eine GaOp so anzupassen, dass er passt. Da wir aber nicht nackt herum laufen, verwenden wir Kleidung als Körperersatz oder Körperergänzung. Manchen reicht es, die Gefühlswelt durch Kleidung auszudrücken. Hier ist der TV/CD angesiedelt. Da Kleidung mit einer Kodierung durch Normen und Regeln einhergeht, erklärt das die enorme Bedeutung von Kleidung sowohl für den Einzelnen wie auch Außenstehende.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Realität oder Euphorie?

Post 23 im Thema

Beitrag von MaraE »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 9. Jul 2018, 10:55 C.G.Jung hat mir auch schon öfters mit seinem Anima-Animus-Prinzip geholfen, Dinge zu akzeptieren. Allerdings stolpere ich immer wieder über die Frage was Weiblichkeit als archetypisches Prinzip sein soll. Egal auf welcher Ebene ich es betrachte, ich finde kein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal bzw. widerspruchfreie Beschreibung. Jeder Versuch zu einer solchen Beschreibung läuft immer wieder auf eine kulturelle Differenzierung hinaus. Wie will man über etwas reden, was scheinbar klar aber doch nicht greifbar ist ?
Hallo Vicky,

Ich würde Dir in diesem Zusammenhang das Buch "Die Macht der inneren Bilder" von Gerald Hüther empfehlen. Laut Hüther sind diese inneren Bilder Visionen und Vorstellungen wie die Welt beschaffen ist und wie man sich darin zurecht findet. Die Erfahrungen die wir im Laufe des Lebens machen werden im Gehirn als innere Bilder verankert. Diese inneren Bilder gibt es nicht nur für Aktivitäten die man erlernt hat (z.B. Fahrradfahren) sondern auch für die Gestaltung von Beziehungen zu andernen Personen, etc.

Diese inneren Bilder existieren auch nicht nur individuell sondern es gibt diese auch in Gesellschaften, da diese ja auch Erfahrungen machen und sich weiterentwickeln und sozusagen in Form von Werten und Normen in der Gesellschaft verankert werden. C.G. Jung nannte dies kollektives Gedächtnis bzw. kollektives Unbewusste. Nach meinem Verständnis kann man die Archetypen von Jung auch als innere Bilder bezeichnen.

Prinzipiell sind auch Konzepte wie das "Weibliche" oder "Männliche" solche inneren Bilder. Diese haben sich im Laufe der Jahrhunderte mit unserer Geschellschaft entwickelt und festgesetzt. Für mich entsprechen diese Konzepte Ansammlungen von Verhaltensweisen oder auch Erwartungen wie sich eine Frau oder ein Mann verhalten sollte, sprich die sozialen Rollen der Geschlechter.

LG Mara
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Re: Realität oder Euphorie?

Post 24 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo Mara,

vielen Dank für den Hinweis. Ich kenne Gerald Hüther persönlich und finde seine Ansichten sehr anregend. Diese "inneren Bilder" sind etwas, was ich sehr gut nachvollziehen kann, aber sie sind nicht reflektiert. Wir haben sie irgendwann auf- und angenommen, vielleicht mit anderen Bildern vermischt und so ein persönliches Inneres Bild entwickelt, das vor dem Hintergrund eines gesellschaftlichen steht.

Mit meiner Frage ziele ich genau auf die nicht vorhandene Reflexion über diese inneren Bilder. Jeder weiß diffus, was Weiblichkeit/Männlichkeit ist, aber wenn man sie definieren soll, wird es schwierig. Da es keine scharfen Grenzen gibt, sind die Begriffe nicht wirklich greifbar. Und genau da liegt ein wichtiger Punkt ihrer Wirkmächtigkeit. Man lässt die Begriffe im Diffusen der inneren Bilder, macht aber sein Denken und Handeln von den Bildern abhängig und nicht von einer Reflexion.

Als Transmenschen hintertreiben wir diese Bilder. Wir verhalten uns nicht konform, was zu inneren Spannungen der Menschen führt, die damit nicht zu tun hatten. Wie sollen sie mit den Begriffen männlich/weiblich umgehen ? Entweder stimmt etwas mit den Transmenschen nicht oder mit ihren inneren Bildern. Das erklärt die Ablehnung von Transmenschen. Aus meiner Sicht bietet die Reflexion über die Begriffe männlich/weiblich einen anderen Ansatz, neue Einsichten zu gewinnen die und zu Anpassungen der inneren Bilder führen, was ebenfalls die inneren Spannungen wieder abbaut. Das Ergebnis wäre Akzeptanz.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Realität oder Euphorie?

Post 25 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt »

Wie hier schon richtigerweise geschrieben wurde....man entscheidet sich nicht Transmensch zu sein, wie man entscheidet ne Tüte Lakritz zu kaufen. Mit der Zeit wirst Du selbst merken, ob Du es bist oder nicht. Wenn das Leben als Mann für Dich unerträglich wird, bist Du spätestens dann an einem Punkt, wo es auch nicht mehr um ein gesichertes Einkommen und eine heile (Schein) Welt geht...dann geht es nur noch um Deine psychische und physische Gesundheit und alles weitere ergibt sich von selbst.

Liebe Grüße
Michelle
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Re: Realität oder Euphorie?

Post 26 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 18. Jul 2018, 08:21...Jeder weiß diffus, was Weiblichkeit/Männlichkeit ist, aber wenn man sie definieren soll, wird es schwierig...
Ich denke jeder definiert - in einem gewissen Rahmen - für sich selbst was männlich und was weiblich ist.
Dadurch, dass man mit einigem Probleme hat und nach anderem Sehnsucht zeigt sich dann mit der Zeit wo man sich einordnet...
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

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Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...
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