Zweifel
Zweifel - # 3

Lebensplanung, Standorte
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Inga
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Zweifel - oder besser Unsicherheit

Post 31 im Thema

Beitrag von Inga »

Hi,

ich frage mich, ob "Zweifel" das richtige Wort ist, was mich bewegt. Ich finde "Unsicherheiten" trifft es besser.

Da ist der jahrzehntelang gelebete Zwang, Mann zu sein, als Mann zu funktionieren. Dem nacheifern und doch immer wieder zu scheitern, damit sich glücklich, innerlich zufrieden zu fühlen.

Jahrzehntelang wolllte ich funktionieren als richtiger Mann. Nicht als Macho. Aber als Mann. Und ich fühlte mich unzufrieden. Es schien als ob ich funktionieren wollte, eine Pflicht, einen Anspruch erfüllen wollte, der gar nicht zu mir gehört. Meine Idendität ist anders. Da sind auch die weiblichen Seiten in mir, die ich jahrzehntelang ignoriert, unterdrückt, nicht wirklich wahrhaben wollte. Die aber stärker gelebt werden möchte.

Ja, ich schaue mir auf der Straße die Frauen an und frage mich öfters: Will ich so sein wie diese? Und ich finde ich will nicht. Nein, ich möchte nicht andere Frauen in ihrerer Erscheinung kopieren. (Erst recht nicht so eine achtizigjährige, wie sie mir immer wieder begegnen. Doch dem werde ich mich im Laufe der Jahre nicht wehren können. Das ist er das Äletwerwerden, was mich auch verunsichert) Ich möchte mich selber ausdrücken. Da bin ich vielleicht anders als viele andere Menschen. Und da bin ich eben ein Vertreter für die gelebte Vielfalt in unserer Gesellschaft. Da bin ich mit meiner Art ein Teilchen davon. Andere Menschen sind anders.

Doch dies bischen anders sein, will immer mehr anerkannt werden. Von mir selber, den Menschen um mir, von der Umwelt, von der Gesellschaft. Für mich ist es, vom Staat in der Idendität als Mensch des dritten Geschlechts anerkannt zu werden und ich hoffe, dass das Gesetz dafür bald fertig wird. Für mich ist es auch, mich mehr als _Frau zurecht zu machen, aus freien Stücken wählen zu können, mehr Frauenkleidung zu tragen, mehr,in der Körperproportionen am Busen und Po öfters als Frau zu erscheinen. Ebenso am Kopf im Gesicht wo Bekämpfen des Bartschattens und Schminken hilft und bei den Haaren, wo es die Perücke macht. Damit fühle ich mich anders, besser. Da bin ich halt anders als andere Menschen.

Ich staune über mich, was sich unerwartet so plötzlich entwickelt. Für mich ist in den letzten Wochen um das bischen zwischen den Beinen einiges in Bewegung gekommen, was ich jahrelang bis vor einigen Monaten nicht vermutet habe. Ich konnte gut damit leben. Bis vor einigen Wochen. Es war wie eine Erleuchtung. Das typisch männliche will ich nicht mehr. Sperma, Samen erzeugen, bedeutet mir nichts, ist mir Stress den loswerden möchte, ekelt mich genaugenommen an, mag mich nicht mehr zu dessen Erzeugung beitragen. Ich könnte es los werden, wenn ich könnte. In dem Moment, als ich diese Sehnsucht spürte, hatte ich ein Gefühl von tiefen Frieden und Freiheit in mir. Dass da zwischen den Beinen das Körperteil da ist,stört mich an sich nicht. Zum Wasser lassen kann es recht praktisch sein und soll ruhig da bleiben. Auf lebenslange Hormoneinnahme will ich mich nicht einlassen. Anders als jahrelang geglaubt steuer ich nun doch darauf zu, mir über eine OP Gedanken zu machen, wenn auch eher mit kleiner Lösung.

Was will ich schreiben? Unsicherheiten gehören zu unserem Lebensweg, wenn wir anfangen uns zu entdecken. Und ja, unsere Idenditäten wandeln und entwickeln sich und sind wahrscheinlich nie richtig fertig. Aber aufregend schön finde ich das alles schon.

Liebe Grüße
Inga
dunkles_sternchen
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Re: Zweifel

Post 32 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen »

Ich hatte schon mehrmals angedeutet, dass die Transition maßlos überbewertet ist. Sicher, es mag da Ausnahmeerscheinungen geben. Genau die sieht und findet man dann im Internet und orientiert sich fälschlicherweise daran. Ich habe das auch irgendwie - irgendwo getan. Nicht ausschließlich, aber es hat mich beeinflusst. Und natürlich - wie sollte es anderes sein - bin ich halt keine Ausnahme. Noch nie gewesen. Bis auf mein gesundheitliches Pech ... aber das ist was anderes.

Ich hatte immer innigst davon geträumt eine Frau, ein Mädchen zu sein. Ein Körper so "zerbrechlich" wie ich auch. Ich weiß nicht, der Körper einer Frau ist eben auch irgendwo Ästhetik - der Mann ist irgendwie Physik, Mechanik. Das soll ja auch so. Und dann bin da ich, weder Mechanik, noch Ästhetik. Ein Sack voller Zellen, die irgendwie so durch die Welt laufen. Klasse. Die Hormone haben das keineswegs besser gemacht ... man nimmt dann irgendwie an Stellen zu, wo man nie etwas haben wollte. Schaut einfach unmöglich aus.

Wenn man dann immer liest ... Bikinifigur, Sommer, neue Mode ... da muss ich immer lachen. Ich habe keine Bikini. Wozu? Ich habe auch keine hohen Schuhe oder sowas. Natürlich träumte ich damals davon. Bringt aber nix. Auch wenn ich eher klein bin und unauffällig, aber sowas passt eben nicht zu mir und ich kanns auch nicht. Und als ich heute so alte Bilder wieder fand, dachte ich auch: Es war einfach viel Gedöns und Träumerei. Ich wäre genauso glücklick+unglücklich, wenn ich nichts damals getan hätte. Das, wovon man träumt ist doch unerreichbar. Immer.
Nicole Fritz
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Re: Zweifel

Post 33 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo,

ich melde mich noch einmal, da ich eine große Dunkelziffer bei denen vermute, die nach der Transition unglücklich sind. Wer endlich zufrieden ist, möchte das natürlich gerne Teilen wie Sona in dem Video und viele hier im Forum. Wer unglücklich ist zieht sich aber meistens zurück.

@Dunkles Sternchen: Deine Selbsteinschätzung post OP erinnert mich an das, was ich als Mann immer in Spiegel sah: Einen hässlichen, alten, fett gefressenen und versoffenen Körper ohne Seele, der irgendwie nur so vor sich hin vegetiert. Das habe aber immer nur ich so gesehen. Von anderen hörte ich: Du bist doch ein attraktiver Mann, warum machst Du nichts daraus? - Jetzt endlich habe ich, (noch?) ohne Hormone und OP, etwas daraus gemacht. Und: Bikini geht auch ohne die Figur dafür, wenn man selbstsicher genug ist und nicht viel darum gibt, was andere sagen oder denken. Nur: wenn das Bild im Spiegel, das man nur selbst so wahrnimmt, nicht passt ...

Unter dem vorstehenden Aspekt erscheint es mir unbedingt ratsam eine Transition langsam Schritt für Schritt anzugehen: Erst einmal einige Zeit vollständig in der Rolle des anderen Geschlechts leben, dann Hormone und erst ganz zum Schluss die OP, wenn man sich sicher ist, dass einen dieser Weg wirklich glücklicher macht. Aber: Da ist diese Erwartung, dass nach der Transition alles viel besser ist, und das ständige sich Outen müssen im Praxistest wird zum Spießrutenlaufen. Nach der Transition ist es aber meistens nicht wirklich endgültig vorbei mit dem Outen. Aber genau dieser Punkt wird meiner Meinung nach gerade bei Selbsthilfegruppen oft nicht deutlich genug angesprochen. Und ich habe dann den Eindruck, dass ich mal wieder als "Hobby-Transvestit" nicht kompetent bin.

LG Nicole
Exuser-2019-01-04
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Re: Zweifel

Post 34 im Thema

Beitrag von Exuser-2019-01-04 »

Hallo,

ich bin der Meinung, daß man manche Erfahrungen im Leben selber durchleben muß, um mitreden zu können und/oder ansatzweise zu verstehen, was andere "Betroffene" bereits an Erfahrungen gesammelt haben. Speziell die Transition ist sicher so eine Erfahrung, die man nur selbst erleben kann.

Man kann hier nur für sich selbst entscheiden und die Erfahrung selbst erleben oder nicht. Was hilft es gerade in diesem Zusammenhang, wenn man sich von Berichten und Ratschlägen anderer (mit/ohne HT und/oder GAP, postiv oder negativ) leiten ließe?

VG Sasha
Tatjana_59
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Re: Zweifel

Post 35 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 »

Nicole Doll hat geschrieben: So 17. Jun 2018, 09:41Unter dem vorstehenden Aspekt erscheint es mir unbedingt ratsam eine Transition langsam Schritt für Schritt anzugehen: Erst einmal einige Zeit vollständig in der Rolle des anderen Geschlechts leben, dann Hormone und erst ganz zum Schluss die OP, wenn man sich sicher ist, dass einen dieser Weg wirklich glücklicher macht.

LG Nicole
Ich bin auch der Meinung das eine langsame Transition sehr sinnvoll ist.
Ich war zeitweise soweit mich selbst zu überholen. Meine Frau bremste mich aus, da wir den Weg zusammen gingen. Ich nächste Schritte erst immer nach ihrem OK ging.
Somit dauerte meine Transition bis zur Op sechs Jahre.
Das war gut so, ich habe natürlich alle Outingphasen hinter mir, fünf Jahre vor der Op ausschließlich als Frau gelebt. Ich kann sagen ich bin wirklich glücklich.
Ich rate jeder/m es langsam angehen zu lassen, sich selbst zu finden.
Auch wenn ich hier genau deshalb schon ziemlich blöd angeredet wurde von einer Userin, die meinte weil es für sie der beste Weg ist alles innerhalb nullkommanichts über die Runden zu bringen müssen andere das auch so machen.
Das ist bei den meisten der falsche Weg.
Das sind unter Umständen genau die von denen man dann nichts mehr liest weil sie den falschen Weg gingen und oder mit dem Leben als Frau überhaupt nicht klar kommen, glücklich sind. Sei es weil die Erwartungen andere waren, sei es weil sie weil sie nicht hundert Prozent als Frau durchgehen oder sonst was.
Wenn das Selbstbewusstsein nicht stimmt ist alles sehr schwer.
Dein Beispiel Nicole mit dem Bikini fand ich super.
Auch mich scherte es damals einen Dreck was andere denken oder sagen. Ich fühlte mich wohl darin.

LG Tatjana
Der Kopf denkt und gibt Rat.
Das Bauchgefühl gibt Rat.
Doch das Herz spricht, höre auf dein Herz!
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Re: Zweifel

Post 36 im Thema

Beitrag von Michi »

Tatjana_59 hat geschrieben: So 17. Jun 2018, 11:23 Ich rate jeder/m es langsam angehen zu lassen, sich selbst zu finden.
Auch wenn ich hier genau deshalb schon ziemlich blöd angeredet wurde von einer Userin, die meinte weil es für sie der beste Weg ist alles innerhalb nullkommanichts über die Runden zu bringen müssen andere das auch so machen.
Das ist bei den meisten der falsche Weg.
Hallo Tatjana,

ich stimme dir zu. Ich denke, dass ebenso, wie ein Kind über Jahre in die Rolle Frau/Mann hinein wächst und sich dabei finden muss, kann man nicht von heute auf morgen die Geschlechterrolle wechseln und erwarten, dass das reibungslos läuft. (Ausnahmen bestätigen die Regeln.)

Dazu kommt noch, dass man von den beiden eiligen Damen "Euphorie" und "Optimismus" hinterher, nach der schnellen Transition, meist nicht mehr viel hört. Ich habe einen solchen Fall in Leipzig, von dem ich seit etwa einem Jahr nichts mehr gehört habe. Zugegeben, wir haben keinen engen Kontakt, aber sie ist seit einem Jahr nicht mehr in die Rosalinde gekommen. Sie hatte sich das Geld für eine Reise nach Thailand plus OP-Kosten zusammengespart, und wohl ihre ganze Hoffnung in diese Aktion gesetzt.


Liebe Grüße
Michi
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Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Zweifel

Post 37 im Thema

Beitrag von Aria »

Ich finde auch, dass es nur zu manchen wirklich passt die Transition in 1-2 Jahren komplett durchzuziehen. Das mögen eventuell die sein, die es von klein auf extrem schwer hatten. Die mit schweren Depressionen u.a. kämpfen mussten, suizidale Versuche hinter sich haben und ab der Pubertät einfach sehr stark darunter leiden, einen Körper zu bekommen, den sie psychisch total abstossen.
Aber wenn man erstmal 30 Jahre damit leben gelernt hat und nur langsam aufwacht, dann ist die langsame Transition (mind. 3-4 Jahre) auf jeden Fall die bessere Wahl. Ich konnte nach jedem kleinen
Schritt, den ich machte, sagen, ja, okay das war gut, jetzt geht's weiter. Ich habe mir die Schritte ganz bewusst in ganz kleine Einheiten geteilt. Nicht, weil ich vorher schon um das Problem wusste, nein,
einfach weil ich dadurch die Möglichkeit hatte, leichter die Stopptaste zu drücken, wenn ich fühlte, dass das nicht der richtige Weg ist.
¡no lamento nada!
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Re: Zweifel

Post 38 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen »

Tatjana_59 hat geschrieben: So 17. Jun 2018, 11:23 Ich bin auch der Meinung das eine langsame Transition sehr sinnvoll ist.
Ich war zeitweise soweit mich selbst zu überholen.
Ich habe mir da sehr viel Zeit gelassen. Die GaOP hatte ich erst nach drei Jahren HRT ... das ist ja auch nicht die Frage. Ein Ergebnis kann man aber immer erst bewerten, wenn es existiert. Alles andere ist doch nur Spekulation. Hätte mir jemand vor 6 Jahren gesagt: Hier so siehste nachher aus und du hast u.a. dann chronische Schmerzen im Intimbereich, hätte ich mich doch im Leben nicht dafür entschieden. Wer macht sowas?

Das weiß aber vorher nicht. Niemand hat eine Glaskugel und kann dir sagen wie eine Hormontherapie verläuft, wie man drauf anspricht und wie die GaOP läuft, verheilt ... heute war ich mit einer (Cis-)Freundin unterwegs, wo ich dachte boa, hat die schöne Haut, leicht gebräunt ... einfach schön fraulich, die ist 7 Jahr älter. Ich werde gar nicht mehr braun, wie früher, sondern bekomme rote kleine Flecken und Pigmentstörungen auf der Haut - sowas hässliches. So muss ich dann raus. Ich bestehe nur noch aus Baustellen und Krankheiten, sitze ständig beim Arzt oder futter Pillen. Mich kotzt das an, ganz ehrlich. Ich war mein ganzes Leben gesund - und jetzt? :|

Und bisschen gescheit siehst eben auch nicht aus - weder oben, noch unten. Ich war immer schlank, machte und mache täglich(!) Sport - aber ich kriegs net mehr runter. Keinen Hintern, aber einen Bauch. Mich stört das extrem, weil es nicht ansatzweise irgendwie weiblich wirkt. Wenn Mädels mal 10kg mehr drauf haben, sitzt das Fett am Gesäß und an die Hüften - darauf warte ich seit über 6 Jahren. Das sieht dann halt auch bisschen gescheit aus und da hätte ich auch kein Problem paar Kilo mehr zu wiegen. Aber so doch nicht ...

... für mich is das alles ein medizinisches Rundum-Desaster. Sorry, wenn ich da so frei bin. Ich bin 200% enttäuscht und fühle mich jeden Tag schuldig, obwohl ich es nie hätte besser machen können. Es war absolut richtig es zu versuchen, kneifen kam nie in Frage. Heute muss ich damit leben und versuche einfach das beste draus zu machen. Mein Psychologe hat sich jedenfalls gefreut, dass ich wieder halbwegs stabil bin und "die Rasierklinge weg gelegt habe". Immer was! (gitli)
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Re: Zweifel

Post 39 im Thema

Beitrag von dunkles_sternchen »

Es gibt einfach Menschen, die extrem gut auf Östrogene ansprechen. Das ist vor alle genetisch bedingt. Und wenn man dann noch gute Voraussetzungen hat - sprich jung ist, kein sehr maskulines Gesicht hat, Körperbau usw. - sind da streckenweise einfach super Ergebnisse drin. Das findet man ja zu Hauf im Internet, weil die Masse ja auch groß ist. Die 80-90%, die irgendwie nur mittelmäßig abschneiden, sieht man selten.

Ich möchte denen nicht unterstellen, dass die nicht glücklich sind. Ich sage nur, dass man u.U. die Vergangenheit erkennt und das vor allem auch Männer da eher zurückhaltend sind und "normale" Lebensentwürfe schnell dran scheitern. Es geht nicht darum jemand zu deklassifizieren. Ich hatte für mich aber klare Vorstellungen: und die hießen normal als Frau leben - ohne bunte Fahne, ohne Sternchen-Gedöns ... einfach wie alle anderen. Für einen solchen Wunsch liegen die Messlatten aber entsprechend hoch und irgendwie habe ichs net so wirklich erreicht. Einfach mal bedenkenlos in ein Schwimmbad geht nicht, und auch viel Bekleidung fällt einfach flach mit der Figur. Turnschuhe habe ich damals auch getragen - das war nicht der Gedanke dabei.

Es ist dann halt so ein Mix - man hat was geschafft, aber wirklich gut ist nichts. Und so einen ollen, faulen Kompromiss musste man vorher ja auch leben. Irgendwas geht halt immer nicht und ich bin das so leid.
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Re: Zweifel

Post 40 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Was mir hier auffällt sind äusserungen wie "du wirst nie eine richtige Frau sein", "was die anderen in mir sehen", "was andere über uns denken", "ob ich dann der gewünschte Mensch werde".
Irgendwie hat das für mich etwas von "Doktor, nimm Hormone und Skalpell und mach mich Frau!".
Lange Zeit habe ich oft über Passing gehört, was man(n) da alles macht und versucht. Ich war der festen Überzeugung das wäre nötig um eine Frau zu sein.
Ist es aber nicht.
Irgendwann habe ich erkannt dass das ja immer die Definition anderer ist.
Wie werde ich von anderen gesehen, erkannt, gelesen?
Sorry, aber wenn ich Frau bin steckt das in mir drin. Ich definiere mich nicht durch den Eindruck, den irgendwelche (meist sogar völlig Fremde) anderen von mir haben, sondern dadurch wie ich fühle. In dem Moment, als ich das erkannte, war meine Trasition oder mein "Frau werden" abgeschlossen.
Ganz sicher sehe ich nicht aus wie man sich eine Frau vorstellt und von irgendwelchen (auch meinen eigenen) Schönheitsidealen bin ich genau so weit entfernt wie von dem Restaurant am Ende des Universum. Trotzdem gibt es - wenn auch selten - Cis-Frauen, die noch hässlicher sind als ich.
GAOP, Hormontherapie und Brustaufbau sind für mich nix was mich zur Frau macht. Sie helfen mir nur etwas besser zurecht zu kommen.
Es gibt Frauen, die mit einem Penis leben können. Ich kam damit schon nicht zurecht als ich noch glaubte ein Mann zu sein.
Es gibt Frauen, die ohne oder mit sehr kleinen Brüsten zurecht kommen. Ich nicht.
Was die Neovagina betrifft habe ich nur diese eine Chance etwas von dem zu bekommen, was die Natur mir vorenthalten hat. Die kann gut gelingen oder schlecht, aber nichts an meinem "Frau sein" ändern.
Ähnliches gilt für die Hormontherapie. Sie kann mich nicht weiblicher machen, aber sie ist in meinen Augen einen Versuch wert mein Leben angenehmer zu machen. Schließlich möchte ich ein halbes Jahrhundert Testosteron nicht einfach so hinnehmen.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...
Inga
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Re: Zweifel

Post 41 im Thema

Beitrag von Inga »

Hi, Dunkles Sternchen,

etwas kurz gefasst: Bei allen Veränderungsbemühungen für ein gewünschtes körperliches optimales Bild sollte man bzw. frau vor Augen halten, dass viele Frauen mit ihrem Körper hadern und ihn nicht für optimal fraulich genug halten, trotz aller Tricks mit Kleidung und Kosmetik. Warum eigentlich sollten wir es in unseren Trans*-Kreisen erwarten, dass es anders sein könnte?

Wir setzen uns doch nur unter einen Erfolgsdruck, der - wenn er nicht eintrifft - zu entsprechend großem Katzenjammer führt.

Das kann nicht Sinn der ganzen Sache sein.

Liebe Grüße
Inga
Anja
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Re: Zweifel - oder besser Unsicherheit

Post 42 im Thema

Beitrag von Anja »

Moinsen,
Inga hat geschrieben: Sa 16. Jun 2018, 23:47 Auf lebenslange Hormoneinnahme will ich mich nicht einlassen. Anders als jahrelang geglaubt steuer ich nun doch darauf zu, mir über eine OP Gedanken zu machen, wenn auch eher mit kleiner Lösung.
Das Eine geht nicht ohne das andere. Wenn du die OP irgendwann machen solltest, fällt das Testo zu einem großen Teil weg. Würdest du dann keine Hormone zuführen, würden deine Knochen mit der Zeit brüchig, du würdest eine Osteoporose ausbilden. Du müsstest im Anschluss schon künstliche Hormone zuführen, ob Testosteron oder Östrogen bleibt dann dir überlassen. Aber eine GaOP oder eine Orchiektomie gehen nicht, ohne dann im Anschluss lebenslang Ersatzhormone zuzuführen...

Grüße
die Anja
Fällt der Apfel weit vom Stamm, kommt wenigstens mal Sonne dran!
Ha-Fem

Re: Zweifel

Post 43 im Thema

Beitrag von Ha-Fem »

Hallo Laila-Sarah,

mit Interesse habe ich Deinen Beitrag hier gelesen.
Es stellt sich mir die Frage, ob Dir nicht eine Transition zu mehr Zufriedenheit und Glück verhelfen könnte.

Lass mich hier des besseren Bezugs halber aus Deinem Beitrag zitieren:

"Ich war schon immer ein lockerer, gewitzter Mensch, der das Leben auf die leichte Schulter nimmt. Seit dem ich aber Gedanken an Transition etc. hatte wurde ich durch die Erkenntnis, das mir sehr viel Unrecht im Leben widerfahren ist immer bitterer und irgendwann auch maßlos egoistisch. Das ging dann so weit, dass meine Welt an meiner Nasenspitze anfing und am Popo aufhörte. Ich muss gestehen, diese Bitterkeit und Egoismus steht mir nicht und mein Umfeld kriegt den Fett ab für den sie nichts kann."

Mir erging es vor einigen Jahren ähnlich. Ich war hochgradig unzufrieden, leicht reizbar und mein Denken drehte sich eigentlich nur noch um den Wunsch, doch (wie) eine Frau zu sein. Irgendwie haderte ich ganz einfach mit meinem eigenen ICH. Warum nur war ich als Mann geboren? Ich lief wie mein eigener Schatten neben mir her, war unleidlich und ganz einfach rundum "von der Rolle". Der Leidensdruck hatte mich voll erfasst.
Lange Gespräche mit einem befreundeten Arzt folgten und die Diagnose lief darauf hinaus, dass ich transsexuell war. Die Hormontherapie folgte und nahezu schlagartig wandelte sich meine Unzufrieden in eine "Rundum-Zufriedenheit". Ich war plötzlich ausgeglichen, zufrieden und ganz einfach angekommen.
Wie weit man die Transition treibt, kann sicher individuell sehr unterschiedlich sein. Schau einfach mal in mein Profil und in meinen Vorstellungsbeitrag.
Ich will Dir natürlich keinen Rat geben. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Aber vielleicht einen Hinweis darauf, was sein könnte und wie man es ggf. ändern könnte.
Liebe Grüße
Ann-Katrin
Exuser-2019-01-04
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Re: Zweifel

Post 44 im Thema

Beitrag von Exuser-2019-01-04 »

Ha-Fem hat geschrieben: Mo 18. Jun 2018, 14:02 Lange Gespräche mit einem befreundeten Arzt folgten und die Diagnose lief darauf hinaus, dass ich transsexuell war. Die Hormontherapie folgte und nahezu schlagartig wandelte sich meine Unzufrieden in eine "Rundum-Zufriedenheit". Ich war plötzlich ausgeglichen, zufrieden und ganz einfach angekommen.
Hallo,

ein klein wenig klingt das ja doch schon wie ein ein Verkaufsprospekt. Wenn die Probleme des Leben wirklich SOO einfach zu lösen wären, gäbe es nur glückliche Menschen auf der Welt. Nun ist aber jeder verschieden, ja einzigartig. Wie soll da ein "Patentrezept" funktionieren? Ich habe da große Zweifel...

Nichts für ungut, ich möchte keineswegs jemandem zu nahe treten!

Sasha
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Re: Zweifel

Post 45 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hallo Ha-Fem,
Ha-Fem hat geschrieben: Mo 18. Jun 2018, 14:02 Es stellt sich mir die Frage, ob Dir nicht eine Transition zu mehr Zufriedenheit und Glück verhelfen könnte.
Danke für deine Anteilnahme und die tollen Tipps. Tatsächlich kann Laila zu diesem Zeitpunkt nichts richtig ausschließen. Ich weiß nur, dass ich vielleicht noch etwas Zeit brauche. Am meisten Angst habe ich (Mitte 40) von dem gesteigerten Krebsrisiko bei der HT. Sie ist in meiner Familie eh besonders hoch. Ich hab schon fast ein Los wo keine Niete drin sein darf. Da fürchte ich mich noch ein Los dazuzuholen. Desweiteren die üblichen Bedenken wegen evtl. Verlust der Ehe und inkl. Kinder und evtl. bei Job etc. Aber wer hat diese Bedenken nicht. Ich habe es auch Vicky gesagt. Ich kann euch sehr gut verstehen. Ich bin nicht abgeneigt nur im Zweifel und Angst. Diese gilt es zu überwinden.

VlG
The trick is to keep breathing

I have big dreams and a small world in between
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