Hi Daniela,
FallenMycraft hat geschrieben: Mo 7. Mai 2018, 16:52
Auch eine interessante These, dass wir im "Normalzustand" eher geschlechtslos unterwegs sind. Du hast recht, die meiste Zeit denke ich gar nicht darüber nach. Wenn wir uns jetzt aber selbst betrachten, um zu bestimmen ob wir nun gerade eher gefühlt weiblich oder männlich unterwegs sind, muss doch erst mal definiert sein, welche Charakterzüge überhaupt Geschlechtertypisch sind.
Und da diese Definitionen, zum Glück, nirgendwo festgeschrieben sind, unterscheiden sich diese natürlich auch von meinem Gegenüber. Von daher hast du schon recht. "Lebe einfach so wie du dich fühlst."
Ich habe nicht "wir" geschrieben, sondern "ich". das muss Jede/r bei sich selber suchen. Ich kann nur für mich selber schreiben. "Geschlechtertypisch" ist etwas, wonach ich schon lange suche und nicht gefunden habe. Es gibt ja so viele Kriterien. Vom Körperbau, Hormonstatus, Verhalten ... was auch immer. Es taugt nichts zur eindeutigen Kennzeichnung. Aber ich meine, man kann Geschlecht auch nicht komplett "dekonstruieren". Das was üblicherweise als Mann oder Frau bezeichnet wird, scheint mir eine soziale Konstruktion zu sein, wie sie Simone de Beauvoir beschreibt. Aber es ist eine Quintessenz in mir, das mich, zumindest zeitweise, weiblich
fühlen lässt. Aber das bekomme ich nicht zu fassen. Da ich gelernt habe, dass meine Gefühle gut und richtig für mich sind, erlaube ich mir, darauf zu vertrauen und einfach auch Frau zu sein.
Im übrigen will ich nicht recht haben, sondern ich will mich mit anderen austauschen. Sind andere meiner Meinung, freue ich mich über die Bestätigung, sind sie anderer Meinung, freue ich mich auch, denn ich kann etwas Neues lernen...
Im übrigen, wann ist man überhaupt trans*?
Geniale Frage. Die muss ich mir merken. Mal sehen, wie meine Frau darauf reagiert ...
Durch diese Schublade blicke ich noch nicht ganz durch. Muss ich für den Mitgliedsausweis einen dauerhaften Geschlechterwechsel anstreben oder ist eine Teilzeitfrau auch abgedeckt?
Ich denke, das bestimmst Du selber. Oder möchtest Du Dich von anderen in eine Schublade stecken lassen ?
In der Situation, in der ich mich als Daniela fertigmache, möchte ich mich natürlich auch dem weiblichen Geschlecht irgendwie zugehörig fühlen.
Dann tue es doch. Es ist Deine Entscheidung.
Vielleicht liegt das Gefühl der fehlenden Authentizität,...
Habe ich bei mir auch schon vermutet. Doch in jüngster Zeit wird mir immer deutlicher, dass es für mich nicht darum geht. Es geht mir eher um Fragen wie Selbstrespekt, Anerkennung meiner Selbst, Selbstliebe. En femme vor dem Spiegel stehen, finde ich Klasse. En femme sich vor die eigene Frau zu stellen und zu sagen, "ich bin eine Frau" ist schon eine andere Nummer. Hier zeigt sich, ob man sich seiner sicher ist. Authentizität verstehe ich eher im Zusammenhang mit der Art, wie ich mich zeige.
Ich merke, wie ich mit zunehmenden Verständnis der Zusammenhänge immer mehr in die Enge komme. Nehme ich meine innere Wahrheit ernst, muss ich Veränderungen in meinem Leben zulassen. Auf der anderen Seite, bin ich aber auch noch nicht so weit, konsequent die Veränderungen umzusetzen. Hier sind bei mir noch einige Ängste im Spiel. Aber letztlich zwingt mich diese Zwickmühle zu entscheiden, wie ernst ich es mit meinem Leben meine. Ich habe den Eindruck, wir sitzen in einem sehr ähnlichen Boot.