Das habe ich mir seit meiner Kindheit gewünscht, einmal zu erleben, was Frausein wirklich bedeutet. Genauer gesagt, ich habe mir gewünscht, beliebig wechseln zu können, ohne dass irgendjemand daran Anstoß nimmt.
Heute ist das anders. Ich halte es mit einem Zitat von Budda:
Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.
Buddha
Wir nehmen die Welt nur durch unsere Sinnesorgane wahr. Einen anderen Kontakt gibt es nicht. Und was wir mit unseren Sinnesorganen aufnehmen, wird im Gehirn gefiltert, ausgesiebt und bearbeitet und bewertet. Wir können die Welt nicht anders verstehen als sie unser Gehirn abbildet. Die Steuerung unserer Gedanken ist unsere wahre Freiheit. Oder anders gesagt, meine Silikonbrüste sind ein Teil von mir, wenn ich will, dass sie ein Teil von mir sind. Damit kann ich die Welt formen, die sich in meinem Kopf abbildet. Was unterscheidet also diese geformte Welt von der durch Sinnesorganen wahrgenommenen Welt ? Aus meiner Sicht letztlich nichts. Ich muss es nur wollen.
Was mich beschäftigt ist die Frage, wo liegen die Grenzen der Formbarkeit ? Gibt es etwas "fest Verdrahtetes", an dem ich nicht rütteln kann, z.B. die Frage, ob ich mich als Mann oder Frau fühle ? Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass ich auch da ein gewisses Maß an Einfluss habe, aber ich falle immer wieder in meine "Grundstellung", beide Geschlechter in mir zu tragen, zurück.
Insofern stellt sich für mich nicht (mehr) die Frage, wie ich mich als körperliche Frau fühlen würde. Ich kann mich Kraft meiner Gedanken als körperliche Frau verstehen. Wie sich andere Frauen fühlen, ist für mich unerheblich. Es zählen nur meine Gedanken. Gedachte oder wahrgenommene Empfindungen unterscheiden sich dabei nicht. Die resultierenden Gefühle sind echt. Und wenn sie sich gut anfühlen, sind sie richtig für mich. Sie sind mein Maßstab.
Wir sind gewohnt, zwischen der realen und der eingebildeten Welt zu unterscheiden. Das macht viele Menschen, die starke Einbildungen haben, zu psychisch Kranken. Aber sind sie es wirklich ? Viele sicher nicht. Aus der Sicht des eigenen Gehirns, gibt es diese Unterschiede nicht. Gewohnheiten im Denken führen zu Gewohnheiten im Handeln. Überwindet man die Gewohnheiten (z.B. die Sichtweise, dass der eigene Körper an die Form gebunden sei, die man wahrnimmt), erweitert sich das Spektrum der eigenen Möglichkeiten in ungeahnter Weise. Jedes Kind macht das im phantasievollem Spiel. Als Erwachsener legt man das ab, weil Regeln das einem scheinbar schwer machen. Aber wenn wir einen Roman lesen, der uns gefällt, können wir uns in eine andere Person hinein versetzen und ein anderes Leben leben. Warum soll das nicht auch mit einem anderen Geschlecht gehen ? Dass das andere nicht so wahr nehmen, macht unsere eigene Wirklichkeit nicht schlechter.
Es kommt darauf an, ob wir uns durch die Wahrnehmung anderer kontrollieren lassen ?