Hallo Mondenkind,
Partnerschaft war auch gestern ein wichtiges Thema bei der SHG. Also lasse ich die Eindrücke daraus in das Nachfolgende einfließen, ohne auf irgendwelche Details einzugehen. Irgendwie aufmunternde Worte finde ich nicht. Es bleibt ein Versuch einer (Selbst-)Analyse. Aber vielleicht hilft es ja trotzdem.
Das Problem bei uns CD, TV oder NB ist wohl, dass wir - bei einem mehr, bei dem anderen weniger - im weiblichen Geschlecht irgendwie hinten herum über die heterosexuelle körperliche Liebe als Fetisch die bisher fehlende Liebe zu uns selbst entdeckt haben. Wenn ich an meine früheren Partnerschaften mit Frauen zurück denke, war ich nie in der Lage für die Partnerin mehr als ein körperliches Verlangen zu empfinden. Die bei befreundeten Pärchen oft üblichen "Beziehungskisten" mit ewigen Streitereien und Diskussionen waren für mich immer absolut unverständlich - vermutlich weil ich, aufgrund der fehlenden Liebe zu mir selbst, keine Liebe empfinden konnte, die über das rein Körperliche hinaus geht.
Als CD / TV haben wir nun - oft extrem verspätet - die Liebe zu uns selbst entdeckt. Wie ist es aber mit der Liebe zur Partnerin? Hier kommt es wohl zu einer starken Konkurrenz mit der Frau, zu der wir selbst geworden sind. Da haben wir uns ja oft eine richtig gut aussehende Traumfrau zusammen gebastelt - siehe die vielen Fotos hier im Forum.
Kommen wir nun zurück zu meinen Partnerschaften. Da hatte sich immer die Frau in den Mann verliebt, dessen Rolle ich verbissen und unglücklich zu spielen versuchte, bis sie schließlich erkannte das ich diese Liebe nicht erwidern konnte. Die Beziehung endete, und mir blieb wieder nur mein "Fetisch".
Du schreibst, dass du ein besseres Selbstwertgefühl und damit eine stärkere Liebe zu dir selbst entwickelt hast. Daraus ergibt sich auch eine stärkere Fähigkeit zur Liebe zu deinem Partner, die er aber nicht ausreichend erwidern kann. Bei ihm ist gerade die Liebe zu sich selbst als Frau erwacht. Ich denke, hier muss sich nun aus einer zunächst rein körperlichen Liebe zu sich selbst als Frau, die sein Selbstwertgefühl gestärkt oder überhaupt erst geweckt hat, nach und nach eine echte Liebe zu sich selbst entwickeln - wie auch immer sich das anfühlen mag, ich bin da nach etwa einem Jahr selbst noch nicht so weit. Aber erst dann kann es, so denke ich, eine echte Liebe zur Partnerin geben.
Offensichtlich geht mit der weniger oder nicht mehr gespielten Männerrolle des Partners auch das Gefühl verloren einen Mann zu haben, der einen liebt. Ich vermute, eine echte Liebe hat es da nie gegeben. Dazu ist jemand ohne ausreichendes Selbstwertgefühl nicht fähig. Aber es hat sich wohl für dich so angefühlt. Und so ähnlich muss es bei meinen gescheiterten Partnerschaften auch gewesen sein.
Bei mir kommt jetzt der Wunsch nach einer Partnerin immer stärker auf. Ich möchte endlich der Einsamkeit entfliehen, in die ich mich als Mann geflüchtet habe. Aber welche Frau kommt mit dem klar, was ich vorab versucht habe zu erklären? Mit einer immer nur gespielten Männerrolle kann es jedenfalls auf Dauer nicht funktionieren. - Und ich WILL es auch einfach nicht mehr! - Also wünsche ich mir, dass man mich so liebt, wie ich wirklich bin.- Und dann kann ich nur hoffen, dass es mir irgendwann auch gelingt, diese Liebe ehrlich zu erwidern.
So weit also die Problematik aus der Sicht eines CD, TV oder NB. Da hat es eine Jahre oder Jahrzehnte dauernde (Selbst-)Täuschung gegeben, die nun mit dem Outing zur
Ent-Täuschung bei der Partnerin wird. Welchen Weg es da heraus gibt, weiß ich nicht. So wie es sich aber für die Partnerin früher einmal angefühlt hat, wird es jedenfalls nie wieder sein.
Liebe Grüße
Nicole