Es geht um unsere Würde
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Drachenfrau
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Es geht um unsere Würde

Post 1 im Thema

Beitrag von Drachenfrau »

Guten Morgen zusammen,

ich wurde auf etwas Interessantes aufmerksam gemacht:

Gerald Hüther, Thema Würde

https://www.wuerdekompass.de/projekte/aufruf-zur-wuerde

Es ist etwas, das Menschen sehr gerne für sich vergessen.

Ganz liebe Grüße, Ulla
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Jenina
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Re: Es geht um unsere Würde

Post 2 im Thema

Beitrag von Jenina »

Hallo,

also ich weiss nicht was ich davon halten soll. Eine Ersatzreligion? Ein hilfloser Ausbruch humanistischen Gutmenschentums? Ein Lesezirkel im Grundgesetz? Aufruf zur Innenschau? Zurück zu was auch immer?

Für mich ist es Geschwurbel, ohen jeden konkreten Inhalt und ohne erreichbares Ziel. Und wenn ich dann noch diese völlig ahistorischen Dummheiten lesen muss:
Ein sehr anschauliches Beispiel für die Folgen der Bewusstwerdung der eigenen Würde: ist der von den meisten Menschen völlig unerwartete Zusammenbruch des DDR-Regimes in Ostdeutschland.

Niemand hätte sich Mitte der 1980er Jahre vorstellen können, dass es innerhalb der nächsten Jahre zu einem völligen Zerfall, zur völligen Auflösung der von den damaligen Machthabern geschaffenen und aufrechterhaltenen Strukturen kommen könnte. Eingeleitet und in Gang gesetzt wurde diese Entwicklung durch eine wachsende Anzahl von Bürgern, die nicht länger bereit waren, sich als Objekte staatlicher Vorgaben und Repressalien behandeln zu lassen. Die sich ihrer Würde als Menschen bewusst zu werden begannen. Die sich montags in den noch einigermaßen geschützten Räumen der Kirchen versammelten und ihre Würde anschließend mit Kerzen in den Händen und dem Ruf "Keine Gewalt" auf den Straßen und Plätzen ihrer Städte zum Ausdruck brachten. Diesen friedlichen Demonstrationen sich ihrer selbst bewusst gewordener Bürger hatte der autoritäre Machtapparat der damaligen Regierung nichts entgegenzusetzen. Und als von dieser Bewegung eine ständig wachsende Anzahl von Bürgern erfasst wurde und "Wir sind das Volk" zu rufen begann, zerfielen die von den Machthabern geschaffenen Lenkungs-, Herrschafts- und Kontrollstrukturen. Repressive Systeme verlieren offenbar ihre Kraft und beginnen sich aufzulösen, wenn die bis dahin unterdrückten, kontrollierten und in Abhängigkeit gehaltenen Menschen ihre Subjekthaftigkeit wiederentdecken und sich nicht länger wie Objekte behandeln lassen.
Da kann ich nur sagen: wenn man keine Ahnung hat - einfach mal den Mund halten!

Jenina
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Exuser-2019-01-04
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Re: Es geht um unsere Würde

Post 3 im Thema

Beitrag von Exuser-2019-01-04 »

Jenina hat geschrieben: Di 27. Mär 2018, 07:57
Für mich ist es Geschwurbel, ohen jeden konkreten Inhalt und ohne erreichbares Ziel. ....
....
....
Da kann ich nur sagen: wenn man keine Ahnung hat - einfach mal den Mund halten!
Hallo,

mit Bezug auf https://www.wuerdekompass.de/projekte/aufruf-zur-wuerde vertehe ich nicht ganz, was daran Geschwurbel sein soll. Und dass, wer keine Ahnung hat, einfach mal die F... halten soll, ist auch mein Standpunkt. Aber was habe ich denn dann möglicherweise nicht richtig verstanden???

Ich beschäftige mich mit Gerald Hüther schon fast 2 Jahrzehnte lang und schätze seine Expertise als Gehirnforscher sehr. Er vertritt manchmal unbequeme Standpunkte, die so manchen Unverständigen durchaus provozieren mögen, doch hat er in sehr Vielem mehr als Recht.

Den im Eingangspost genannten LInk halte ich für unterstützenswert.

Sachliche Gegenargumente sind mir sehr willkommen!

Sasha
Jasmine
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Re: Es geht um unsere Würde

Post 4 im Thema

Beitrag von Jasmine »

@ Drachenfrau,
Danke für den Link. Ich finde ihn sehr interessant und lesenswert.
Liebe Grüße Jasmine
Ulrike-Marisa
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Re: Es geht um unsere Würde

Post 5 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin zusammen,

es geht im Grunde doch darum, dass sich jeder Mensch seiner eigenen Würde und Daseinsberechtigung gewiss sein soll und andere Menschen würdevoll so behandeln sollte, wie er selbst behandelt werden möchte.; kurz achte deinen Nächsten, wie du selbst geachtet werden möchtest - und das als Lebensgrundsatz für unser gemeinschaftliches Zusammenleben. So habe ich den Text verstanden.

Grüße, Ulrike-Marisa :wink:
Silke61
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Re: Es geht um unsere Würde

Post 6 im Thema

Beitrag von Silke61 »

Ich finde den Text zwar eloquent aber leider ohne jede wirkliche Erkenntnis.
Natürlich spricht er ein Thema an, das wichtig ist und die Menschen seit Ewigkeiten (zumindest seit den alten Griechen, vermutlich aber viel länger), zeigt aber eben gleichzeitig auch, daß er es nicht verstanden hat.
Er tut so, als würden die kontingenten Dinge dieser Welt (Wohlstand, Wissen...) mit dem, was er (meistens) "Würde" nennt in Konkurrenz treten bzw. damit verwechselt werden. Aber genau das ist eine zwar verbreitete aber eben auch unhaltbare Unterstellung.

Ich habe mal eine recht gute Definition von Würde gelesen, die wenn ich mich recht erinnere auf Platon zurückgeht. Demnach ist Würde das, wofür jeder nur und auschließlich selbst verantwortlich ist. Etwas eingängiger kann man das auch als "authentisches Leben" bezeichnen.
Das häufige Mißverständnis dabei: Es wird nicht gesehen, daß das Streben nach einem solchen authentischen Leben nicht im luftleeren Raum geschieht. Es geschieht vielmehr mit und durch all die kontingenten Dinge dieser Welt. Der Fehlschluß ist dann schnell: "Oh der/die strebt nach Geld, also ist ihm/ihr Geld wichtiger als alles andere, also auch wichtiger als die eigene oder fremde Würde".
In Wirklichkeit streben die meisten Menschen nicht wirklich nach Geld (o.ä.) sondern nach "Glück" und dafür ist eine gewisse Grundausstattung an materiellen (und immateriellen) Gütern durchaus hilfreich. Ab einer gewissen Sättigung läßt sich das Glück aber nicht mehr wirklich steigern, was sicher manche Menschen zu spät bemerken, was wiederum zu dem genannten Fehlschluß beiträgt. Ich denke aber schon, daß die meisten Menschen spätestens in Krisenzeiten auf das zurückgeworfen werden, was wirklich ihre Würde ausmacht.

Kurz: das Problem ist nicht, daß irgendjemand das Problem nicht sehen würde, sondern daß es dann immer noch schwer ist, weil jede(r) mal an einen Punkt kommt, wo ich ganz bei mir aber eben auch ganz allein bin. Natürlich sind Freunde oder manchmal auch Therapeuten wichtig aber letztlich können auch die mir nur helfen, wenn ich ganz bei mir bin, eben authentisch. Gerade hier im Forum sehe ich an den vielen Erlebnisberichten wie hart das sein kann. Dabei hilft dann kein Geschwafel, als ob wir darüber, daß wir zum Mars fliegen wollen nicht wüßten, worauf es ankommt. Das weiß jeder der schon einmal eine echte Krise durchlebt hat, also vermutlich jeder.
Hüther weiß das natürlich auch, wenn er davon schreibt, sich nicht zum Objekt machen zu lassen oder ähnliche Allgemeinplätze. Hallo? Gibt es hier irgend jemanden dem das eine neue Erkenntnis ist?
Und natürlich sind die Versuche vor ihm alle in die Hose gegangen. Sie haben den Leuten nur mit ihren Normen ein schlechtes Gewisssen gemacht und dann mit ihrem Energieverbrauch den Planeten geplündert. Hallo? So übel das alles ist, damit haben wir unsere Würde verloren? Mal ganz davon abgesehen, daß der Hinweis auf den geplünderten Planeten ja wohl genau das schlechte Gewissen erzeugen soll, das vorher so daneben war.

Und ja, mich regen solche Texte, wie der verlinkte auf, weil sie suggerieren als brauche man nur eine Art Kompaß, also letztlich wieder ein Werkzeug, das der Autor womöglich praktischerweise auch gleich bereitstellt und wir finden unsere Würde wieder. Alles Quatsch. Es ist viel einfacher und zugleich viel schwerer.

Nichts für ungut, mußte mal raus.
LG
Silke
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Re: Es geht um unsere Würde

Post 7 im Thema

Beitrag von Drachenfrau »

Guten Morgen,

danke für eure Antworten, mit denen ich gar nicht gerechnet habe.
Ja, Gerald Hüther begleitet Denies und mich auch schon einige Jahre und wir haben sehr gute Impulse von ihm bekommen.
Es ist mir wichtig an meine Würde zu denken und da spielt auch das Thema Selbstwertgefühl mit hinein.
Wenn ich mir hier so manchen Beitrag anschaue und wie viele sich nicht hinaus trauen, sich nicht trauen ihr Leben auf den Kopf zu stellen, Angst davor haben, die Nase aus der Komfortzone zu strecken, mal das Unbekannte wagen, damit sie um jeden Preis das Leben verpassen, welches sie ausschöpfen könnten und neu verstehen, dann tut es doch gut, mal daran erinnert zu werden, dass es im Leben auch noch etwas anderes gibt, als Leid und Schmerz zu erleben.
Ein würdevolles Leben ist auch ein mutiges Leben.

@ Jenina: du hast es gelesen, für dich als Müll empfunden, dann einfach in den Abfalleimer damit, auslehren und gut. Danke für deine Meinung.

Viele Grüße,
Ulla
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Re: Es geht um unsere Würde

Post 8 im Thema

Beitrag von Jenina »

Drachenfrau hat geschrieben: Di 27. Mär 2018, 11:10 ...
@ Jenina: du hast es gelesen, für dich als Müll empfunden, dann einfach in den Abfalleimer damit, auslehren und gut. Danke für deine Meinung.
...
Liebe Ulla und andere,

ganz so einfach ist es eben nicht. Der Herr Hüther meint es sicher gut und es ist als Anregung zum Nachdenken über solche Themen wie Achtsamkeit, Nächstenliebe, Selbstbewußtsein und dergleichen humanistische Ideale schon gut. Es ist ja auch der erste Grundsatz im Grundgesetz und daher berechtigt, dass einem Jeden in Erinnerung zu rufen. Aber es ist Klebstoff für die freien Gedanken.

Nur leitet sich daraus eben fast gar nichts ab. Für mich persönlich höchstens. Ich soll mein Leben überdenken. Ich soll etwas ändern. Gut und schön. Aber das ändert eben nichts. Der Herr Hüther hat die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt darauf an, sie zu verändern. Habe ich schon öfter geschrieben - nach dem berühmten Mann, der dieses Jahr seinen zweihundertsten Geburtstag hat - und das sollte man auch beachten. Würde schön und gut, aber wie soll man in Würde leben in einer würdelosen kapitalistischen Welt? Was dort steht ist ahistorisch und unpolitisch, doch die Welt ist nun mal leider in der Realität viel viel härter weil ökonomisch, kriegerisch und schlimmeres.

Ich denke hier wie Silke, vielleicht noch radikaler. Es ist ja auch nur mein Gedanke zu einer scheinbaren Bewegung, die nichts bewegen wird weil sie, wie Silke richtig schreibt, kein wirkliches Ziel hat. Aber ich möchte auch, dass man es sich nicht zu leicht macht nur wenn etwas so wunder-wunderschön klingt.

Jenina
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Laila-Sarah
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Re: Es geht um unsere Würde

Post 9 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hallo liebe Jenina,
Jenina hat geschrieben: Di 27. Mär 2018, 12:25 Ich denke hier wie Silke, vielleicht noch radikaler. Es ist ja auch nur mein Gedanke zu einer scheinbaren Bewegung, die nichts bewegen wird weil sie, wie Silke richtig schreibt, kein wirkliches Ziel hat. Aber
im Grunde genommen gebe ich dir recht, dass dieser Artikel keine Lösungen bietet. Bedenke aber das jeder kleine Reminder seinen Sinn hat oder zumindest nie schadet. Wenn jetzt einer zum x-Male schreibt "Make love, no war" dann ist es eigentlich auch eine Multiplikation mit 1, denn es wird nichts ändern. Die Menschen haben seit Millionen von Jahren eine perfektionierte Tradition sich für alle möglichen scheinheiligen Gründe die Köpfe einzuschlagen, aber es schadet auch nichts wenn man sie daran erinnern möchte, dass es auch anders gehen könnte.

VlG
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I have big dreams and a small world in between
Exuser-2019-01-04
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Re: Es geht um unsere Würde

Post 10 im Thema

Beitrag von Exuser-2019-01-04 »

Liebe Jenina,
liebe Silke,

ich verstehe Euch so, daß Eure Kritik an dem Text letztlich darauf abzielt, ihn für inhalts- und ziellos zu halten. Das ist in Ordnung.
Eure Anmerkungen sind recht ausführlich und beinhalten eine Reihe von Aussagen. Ich habe versucht, einen über das bereits Bekannte hinausgehenden Sinn in diesen zu finden, doch ich benötige ganz offenbar Eure Hilfe dabei, Erfolg beim Finden zu haben.

Kennt ihr Gerald Hüther bzw. seine Bücher?

In freudiger Erwartung,
Sasha
Silke61
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Re: Es geht um unsere Würde

Post 11 im Thema

Beitrag von Silke61 »

Lieber Sasha,

ich bin mir nicht sicher, ob ich Deine Frage richtig verstehe. Suchst Du Sinn in meinem Beitrag und findest ihn nicht?
Wenn ja, werde ich vermutlich auch damit scheitern, wenn ich noch mehr Worte mache. Nur so viel: Ich meine in dem verlinkten Text ein Muster zu erkennen, das ich für schlimm halte: Die Welt ist ja ach so oberflächlich und sie hat nur auf mich gewartet, der endlich den Menschen den Weg zeigt, ihre Würde zu finden.

Und nein, ich kenne weder Gerald Hüther noch seine Bücher, will auch gern glauben, daß er seine Qualitäten hat und vielleicht auch richtig gute Bücher geschrieben hat, die ich nur nicht kenne. Der Text, über den wir hier sprechen, gehört aber für mich sicher nicht dazu.

Grüße
Silke
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Re: Es geht um unsere Würde

Post 12 im Thema

Beitrag von Jenina »

Liebe Sasha,

nein, ich kenne Herrn Hüther nicht und auch nur das was man auf der Website finden kann. Mag sein, dass er tolle Bücher geschreiben hat. Ich hoffe mal, dass sie etwas mehr Inhalt haben als das ich gelesen habe und über eine so allgemein-moralische, manchmal schon fast esoterische, Weltsicht hinausgehen.

Wenn das der Gerald Hüther ist, von dem die Wikipedia schreibt, dann sehe ich meine Meinung bestätigt. Es wäre wohl besser gewesen er wäre in Jena geblieben, das hätte dem Realitätssinn gut getan.

So wie Du in den Aussagen von Silke und mir für Dich keine Aussagen ableiten kannst, so ergeht mir mit den Aussagen von Herrn Hüther. Ich erkenne keinen Sinn darin - leider... :cry:

Vielleicht noch mal ganz hart: Wer nur von einer schöneren Welt träumt und von der wundersamen Verbesserung des Menschen, wird dies bestimmt nicht erleben. Es geht um die radikale Veränderung der Gesellschaft, die die dort angesprochenen negativen Einflüsse auf unser Leben zwingend hervorruft. Philosophie zum Selbstzweck ist wie Selbstbefriedigung - sie wird nie gesunde Kinder haben. Oder wie der weise Herr Adorno schön sagte: "Es gibt kein richtiges Leben im Falschen."

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Re: Es geht um unsere Würde

Post 13 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

Jenina hat geschrieben: Di 27. Mär 2018, 15:21
Es geht um die radikale Veränderung der Gesellschaft, die die dort angesprochenen negativen Einflüsse auf unser Leben zwingend hervorruft. Philosophie zum Selbstzweck ist wie Selbstbefriedigung - sie wird nie gesunde Kinder haben. Oder wie der weise Herr Adorno schön sagte: "Es gibt kein richtiges Leben im Falschen."

Jenina
Jenina, in fast jedem deiner Beiträge landest du spätestens im dritten Satz bei Marx, Adorno oder Marcuse oder anderen linken Vordenkern des letzten Jahrhunderts, was die Inhalte und das Gesagte aber m.E. aber keinesfalls aufwertet. Hat dir schon einmal jemand gesagt, dass Sätze wie die da oben nicht nur dümmlich klingen ("Philosophie zum Selbstzweck ist wie Selbstbefriedigung"), sondern auch eine Zumutung für andere Menschen hier im Forum darstellen, die möglicherweise keine sozialistische Kaderschulung durchlaufen haben und deshalb eine diametral andere Auffassung vom Sinn und Zweck von Philosophie, Kunst und Wissenschaft vertreten?

An meiner (westdeutschen) Universität habe ich mal gelernt, dass es sich dabei um freie, das heißt vor allem wertfreie Bereiche handelt oder handeln sollte, also um Zonen die der Politik und dem politischen Kampf oder dem politischen Zweck entzogen sind. Was hier zählt, ist das bessere Argument oder der empirische Beweis, und auch der nur bis zum Beweis des Gegenteils. Sobald Politik mitspielt, wird daraus aber Agitation und Propaganda, im deutschsprachigen Raum gab's das zur Genüge 33-45 und später.

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Re: Es geht um unsere Würde

Post 14 im Thema

Beitrag von Marielle »

Guten Abend zusammen,

Das hat ja mal wieder was. :-)
Es geht um die radikale Veränderung der Gesellschaft, die die dort angesprochenen negativen Einflüsse auf unser Leben zwingend hervorruft.
Absolut richtig.


Die Frage ist nur: Wie macht man das? Bedeutet Radikalität in diesem Zusammenhang die radikale Normierung sinnvollen gesellschaftlichen und individuellen Handelns oder meint sie die Deskription des Sinnvollen durch radikale Gestaltung des eigenen Handelns, als sinnvolles Handeln, ad exemplum?

Ersteres wird nicht funktionieren. Aus derartigen Versuchen sind auch schon Onkel Karls Ideen (leider) schwerstbeschädigt wieder herausgekommen. Letzteres, und dafür diente wohl auch das Beispiel mit der im Westen weit verbreiteten Sicht auf das Ende der DDR, kann wenigstens funktionieren.


Kein halbwegs bei Sinnen seiender Mensch kann bestreiten, dass die Menschheit als Ganzes nicht sinnvoller handelt, als eine Horde Hefezellen im Most; sämtliche Lebensgrundlagen werden in maximal dämlicher Flatratementalität und absoluter 'Bin doch nicht doof'-Irrationalität verkonsumiert und damit sowohl das eigene Ende beschleunigt herbeigeführt, als auch der verbleibende Weg dahin sich selbst vermiest.

Die Umsetzung sinnvoller Konsequenzen dieser trivialen Erkenntnis scheint, als kurzfristige Kulturleistung der ganzen Spezies, jedoch unmöglich (Überforderungseinwand). Schon die Gegenrede der Hefe, die sich immer nur mit den vermeintlichen Zumutungen sinnvollen Handelns, alternativ auch mit der Ursachenzuschreibung an Andere (wahlweise Essigbakterien, Neger, Moslems oder Trans*-Leute), nie aber selbstreflexiv mit den zugrundeliegenden Zuständen befasst, zeigt, dass Einsicht in die Zusammenhänge rückwirkender Systeme vielleicht den Ratten, nicht aber der Hefe und ganz sicher auch nicht dem Kollektiv der Menschen gegeben ist.

Es wird daher zunächst an Einzelnen hängen, diese Kulturleistung beispielhaft zu erbringen, um die gesellschaftliche Normalität in Richtung eines sinnvollen Handelns zu verschieben und damit für die 'Übriggebliebenen' eine Aussenseiterposition zu schaffen, aus der sie heraus wollen (Herdentrieb) und sich im besten Fall dieser Normalität anschliessen. In diesem Sinne kann man Hüthers Initiative vielleicht für naiv halten; oder man hält sie für einen der vielen kleinen Steinchen, die am Ende einen Berg ausmachen.

Habt es gut

Marielle
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
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Re: Es geht um unsere Würde

Post 15 im Thema

Beitrag von Drachenfrau »

Hallo Marielle,

danke für deine Zeilen.
Sie beinhalten mit anderen Worten, was ich im Sinn hatte zu schreiben. Ich hätte es nicht besser ausdrücken können.

Viele liebe Grüße,
Ulla
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