Ich grüße Euch!
Danke Anja, dass Du den Artikel reingestellt hast. Ein wahrlich (immer noch) hochaktuelles Thema. Gerade auch im Zusammenhang mit der MeToo Kampagne, in der die Geschlechterrollen wieder einmal kontrovers diskutiert werden.
Ich finde Seidels These sehr zutreffend, nämlich dass die meisten Männer sich noch in einem Gefängnis aus sehr vielen Gitterstäben, auf engsten Raum befinden, nicht einmal einen Ausbruch je richtig geprobt haben, während sie neidvoll, verunsichert und eifersüchtig auf die immer bunter und größer werdende Welt der Frauen blicken.
Bei allem, was sowohl Seidel, als auch ich aufführen würde, welche "Schuld" die Dreibeiner selbst tragen, sollten wir aber auch endlich mal die tieferen Ursachen dieser engen Gender-Rollen diskutieren: Wer sind denn die primären Werte-Vermittler bei den Jungs? Wer erzieht uns auch in Zeiten von teilhabenden Vätern noch immer PRIMÄR? Welche Rollenangebote dürfen denn Kids, die zufällig Männlein sind, auch heute noch überhaupt in Erwägung ziehen? Wer prägt denn die entscheidenden ersten 5-6 Jahre im Leben eines Jungen?
Die Frage ist einfach zu beantworten: Bio-FRAUEN, sowohl im familiären Umfeld, in der KiTa / im KiGa, in der Schule, in der Öffentlichlkeit, in den Medien, in der Werbung, ... Und diese Rollenklischees sind nicht viel anderers, als vor Hundert Jahren, um es mal zuzuspitzen. In den letzten Jahren ist sogar eine RÜCKWÄRTSbewegung zu beobachten,wenn Mann mal von punktuellen Erfolgen in den Minderheiten Szenen absieht.
Hört doch mal modernen, emanzipierten junge Frauen (so zwischen 18 und 38) genau zu, was sie sagen, was sie schreiben, wie sie sich "den Mann" vorstellen ... Da kann Man(n) schnell den Eindruck bekommen, dass ALLES, was sich die BioMädels erobert haben, alles was sie sich zu eigen machten und in das Frauen-Selbstverständnis integriert haben (wohlgemerkt ZU RECHT!), fast schon eifersüchtig und energisch als GIRLS FIRST & ONLY betrachten, ja verteidigen.
Das nimmt teils schon groteske Formen an: Als ich unlängst in eine der Dating Shows eines Privatsenders zufällig reinzappte, wo sich eine ganze "Horde" von attraktiven Mädels dieser Altersgruppe, junge Männer "vorführen" lässt, die sich in Einzel-Testimonials kurz vorstellen, von Beruf, Interessen, Hobbies und Leidenschaften, bis hin zu Kleinigkeiten, war auch ein sehr sympathischer, gut aussehender, selbstständiger, eloquenter Jeans-Boutique-Besitzer dabei, der in einem Nebensatz erwähnte, dass er seit Jahren nur noch Damenjeans tragen würde, allein wegen der besseren Passform und dem SKINNY-Sitz.
Ob Ihr es glaubt oder nicht, das reichte aus, dass sich einige der "anspruchsvollen Ladies" schlagartig GEGEN den armen Kerl entschieden, mit Worten wie: "Das geht ja gar nicht! Mit so jemanden müßte ich ja Angst haben, dass er auch meine Hosen anziehen will!"
Wenn also schon solche Lächerlichkeiten heute noch eine so massive Ausschluss-Kriterien / Abwertungs-Dynamik entfalten, wie ist es erst dann bei Gefühlen, tiefen Emotionen, Verhaltensmuster und Sehnsüchten der vermeintlichen Partner?
Und da möchte ich Seidel teilweise widersprechen: Das alles ist nicht in erster Linie eine Frage der tabuisierten männlichen Sexualtität, das umfasst IMHO weit mehr Facetten und Bereiche des generellen MANN_SEINS in unseren ach-so-toleranten Gesellschaften. Weder können Männer mit Männern über all diese Fragen offen reden, leider sind aber auch die Frauen, mit denen das möglich ist, wahre Perlen in einem Meer von Ignorantinnen und neuen-alten Rollen-FortschreiberInnen.
Was meint Ihr? Hab ich es mir jetzt mit allen BioFrauen hier verschüttet?
Cheers!
Eure Ronda