Trillian hat geschrieben: Do 1. Feb 2018, 15:20
Ich habe ein gewaltiges Problem damit meinen Angehörigen weh zu tun und sie wieder einmal zu enttäuschen - und war mit der gewaltigsten Enttäuschung die ich bis jetzt zusammen bekommen habe. Ich habe meine Eltern in jedweder Hinsicht enttäuscht. Keine Enkel, keine Frau, kein Geld, kein gar nichts. Aber Lust den Rest meines Lebens weiter zu lügen hab ich auch nicht. Das ist meine innere Zerrissenheit: Womit richte ich den geringsten Schaden an?
Hallo Trillian,
das mag etwas nassforsch und verharmlosend klingen, aber bei solchen Selbstzweifeln zitiere ich immer gerne den seelig F. J. Strauss:
http://www.handelsblatt.com/politik/deu ... 78162.html
Ich kann mich daher den anderen Beiträgen nur anschließen: wer sein Leben nur nach den (vermeintlichen oder tatsächlichen) Wünschen/Anforderungen/Vorstellungen/Forderungen Anderer ausrichtet, hat sich praktisch schon aufgegeben - denn man/frau wird es NIE allen recht machen können!
Natürlich will man Menschen, die einem nahe stehen, nicht enttäuschen, das ist doch klar! Diese Rücksichtnahme ist honorig, aber sie darf nie und nimmer in eine Selbstaufgabe und Preisgabe des originären Rechts auf Selbstbestimmung und eine autonome Lebensführung münden! Es geht ja nicht darum, dass Du irgend jemandem schaden willst, sondern Dir lediglich das Recht "heraus nimmst", Du selbst zu werden, was Dir eben nach eigenem Bekunden bisher verwehrt war. Und NIEMAND - keine Eltern keine Geschwister, keine Gesellschaft - darf sich anmaßen, Dir dieses Recht streitig zu machen! Ohne allzu pathetisch werden zu wollen, aber das zuzulassen hieße, die wichtigsten Errungenschaften der Aufklärung preis zu geben: einst bestimmten Papst, Kirche, Kaiser und Fürst über das private Lebensglück, heute ist das einzig dem autarken Individuum und seinem persönlichen Lebensplan vorbehalten! Es war ein harter, verlustreicher, langer Kampf des sich emanzipierenden Bürgertums, sich diese "Privileg" zu erstreiten, und daher sollten wir es niemals wieder erlauben, dass
andere Menschen bestimmen können, ob wir ein glückliches, befriedigendes Leben führen "dürfen" oder nicht! Man kann, ja man MUSS seine Eltern und Geschwister lieben und ehren - aber das bedeutet nicht, ihren Normen auf ewig sein eigenes Schicksal unterzuordnen!
Lass' nicht zu, dass Menschen, die - egal, aus welchen Gründen! - Deinen Weg zur Selbstwerdung nicht akzeptieren können oder wollen, Macht über Dich und Dein Lebensglück erlangen: Alle Macht, die diese Menschen über Dich haben, haben sie einzig allein deshalb, weil DU sie ihnen zubilligst!
Ja, es mag sehr traurig und schmerzhaft sein, wenn dies am Ende bedeutet, dass sich geliebte Menschen von einem abwenden. Aber Verlust, Schmerz, Trauer sind elementare Bestandteile der menschlichen Existenz; Selbstverleugnung, Unterdrückung des eigenen Ichs, Aufgabe der Identität sind es nicht,
dürfen es nie werden!
Daher lass' auch mich Dir zurufen: BLEIBE KONSEQUENT, BLEIBE STANDHAFT; BLEIBE ...
DU!
LG N.