ich bin seit mehreren Jahren immer wieder mal in unterschiedlichen Foren unterwegs, um meine persönlichen Fragen zu klären und herauszufinden, was "mit mir los ist".
Das Ganze geht nun schon über dreißig Jahre so und es wird immer schwieriger "einfach so weiterzumachen", wie bisher.
In der Zwischenzeit habe ich versucht herauszubekommen, ob es "einfach nur ein Fetisch" ist, "eine Phase" oder etwas "Größeres".
Vor etwa zehn Jahren habe ich meiner Frau gebeichtet, dass ich eine starke Crossdresserneigung habe und das ich diese seit meiner Pubertät mit mir herumtrage.
Das musste ich (für mich), da wir uns zu dem Zeitpunkt mit dem Thema Hochzeit und Familienplanung beschäftigten und ich nicht mit einem solchen Geheimnis in die Ehe starten wollte.
Das war für meine jetzige Frau nicht gerade das tollste und sie hat sich auch mit allem dagegen gesträubt, aber letztendlich eingesehen, dass das ein Teil von mir ist.
Solange sie nicht damit in Kontakt kommt, war es von ihr aus tolerierbar.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich ehrlich geglaubt, dass es sich um nicht mehr als Crossdressing handelt und ich nicht irgendwann einmal mehr möchte, als das. Weit gefehlt ...
Wie es sich herausstellte, war diese Offenbarung der Anfang von einem größer werdenden Problem.
Meine Frau verhielt sich mir gegenüber zunehmend reservierter, wenn es um Nähe und Zärtlichkeiten ging, bis hin zu monatelanger Abstinenz im Bett.
Dazu muss man sagen, dass wir nie wie die Karnickel waren
Aber es war eine deutliche Abkühlung zu bemerken.
Mehr schlecht als Recht kam ich in den Jahre dazu, meine Weiblichkeit auszuleben. Besonders nachdem wir unsere zwei Töchter begrüßen durften.
Zeitgleich bemerkte ich mehr und mehr, dass ich mir mit dem Crossdresser etwas vormachte, denn eine Gewissheit machte mir unaufhaltsam bewusst, dass ich nicht nur zeitweise in die Welt der Weiblichkeit abtauchen kann.
Alle männlichen Merkmale meines Körpers wurden zunehmend unangenehmer. Der Blick in den Spiegel sorgt zunehmend für Frustration.
Nicht weil das ws dort zu sehen nicht attraktiv ist, sondern weil es nicht dem entspricht, wie ich mich eigentlich fühle.
Es war klar dass ich Transident/Transgender bin.
Diese Gewissheit brachte allerdings keine Erleichterung, sonder verkomplizierte mein Gefühlsleben noch weiter.
Mir war klar, dass unsere kleine Familie wie ein Kartenhaus zusammenbrechen könnte, wenn ich meinen wahren Ich folgen würde.
Und so verheimlichte ich es über die Jahre und stopfte aufkeimende Hoffnung zurück in einen Gefühlskloß, tief in meinem Inneren.
Alles hat sich irgendwie festgefahren und der Alltag überschattete alle persönlichen Träume, Wünsche und Bedürfnisse.
Es verging nicht ein Tag in den letzten Jahren, an dem ich nicht darüber nachdachte, wie meine persönliche Transition verlaufen könnte.
Welche Schritte zu gehen wären, welche Hormone die richtigen wären, wer mit meiner Entscheidung das kleinste und größte Problem hätte, wie sich ein "Outing" an meinem Arbeitsplatz auswirken würde u.s.w.
Alles lief immer und immer wieder in meinem Kopf durch und in keiner Version kam ein Happyend mit mir als Frau im Kreise meiner Familie, an der Seite meiner Frau vor.
Es war so frustrierend und schwer zu sehen, dass ein Monat nach dem anderen verstrich und damit auch die Chance auf eine möglichst einfache Angleichung meines Ichs an mein Äußeres.
Bis zu diesem Wochenende.
Ein Paket unter vielen traf ein, mit dem einen Unterschied, dass an diesem Tag meine Frau mich direkt fragte, ob das alltägliche Schuhe wären, oder "andere Schuhe"?
Das tat sie sonst nie und in der Regel hat sie von meinen kleinen Käufen zwischendurch nicht viel mitbekommen, nun war es anders.
"Wann willst Du die denn anziehen?", "Wie viele Schuhe hast Du jetzt? 10 Paar?", "Warum kaufst Du Dir immer wieder Dinge, die du nicht anziehen kannst?" diese und weitere Fragen waren alle berechtigt und von mir kaum vernünftig zu beantworten.
Sie bohrte weiter und weiter und versuchte Antworten zu bekommen, die ich ihr nicht geben konnte oder wollte.
Bis sie die entscheidende Frage stellte:"Würdest Du lieber eine Frau sein?"
Wahrscheinlich habe ich zu lange gezögert, wollte natürlich nicht lügen und zur Vermeidung einer Antwort war die Frage einfach zu direkt.
Und so kam es, dass wir in einem tränenreichen Gespräch meine Gefühle auf den Tisch brachten.
Es tat so gut den Ballast der Jahre abzuwerfen und offen und ehrlich mit meiner Frau zu sprechen.
Zeitgleich war klar, dass nun die Büchse der Pandorra geöffnet wurde und es kein zurück mehr gibt.
Meine Frau war in diesem Moment so wahnsinnig offen und ehrlich mit mir, verständnisvoll und warmherzig!
Ich war so stolz auf sie und so dankbar.
Aber sie hat auch klar gemacht, dass sie sich eine Zukunft an der Seite einer Frau nicht vorstellen kann und das eine Entscheidung in diese Richtung wahrscheinlich in einer Trennung enden würde
Ganz besonders liegen uns natürlich auch das Wohl unserer zwei Töchter am Herzen, für die ich weit mehr tun würde, als mir gut täte.
Wir brauchen jetzt erst einmal Zeit um das sacken zu lassen, aber im kommenden Jahr wird eine Entscheidung fallen müssen, wie es weitergeht.
Auf jeden Fall werde ich mir eine Gruppe und Therapeuten suchen müssen, um mit allem klar zu kommen.
Ein Satz meiner Frau war für mich sehr besonders:"Das ist doch so kein Leben für Dich. Wie willst Du so glücklich sein?".
Sie hat so Recht, nur habe ich die Befürchtung, dass ich ein Glück gegen ein anderes tauschen müsste
LG, Michaela