Wie habt ihr "es" bei eurem ersten Outing gemacht?
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Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Stefanie
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Wie habt ihr "es" bei eurem ersten Outing gemacht?

Post 1 im Thema

Beitrag von Stefanie » So 31. Dez 2017, 14:17

Wenn ich mir eure Beiträge so durchlese, hat sich die Mehrheit irgendwann mal getraut, sich im näheren Umfeld (Familie, Freunde, Kollegen) zu offenbaren. Und viele von euch haben zuvor bestimmt Unsicherheit, Bammel und Zweifel gehabt, es aber dann doch durchgezogen.

Was mich interressieren würde: wie habt ihr das mit eurem ersten Outing denn gemacht? Es wird wohl keiner zu seiner Frau oder zu den Eltern einfach so nebenbei gesagt haben "Ach, ähm, übrigens, da fällt mir ein, ich trage gern Kleider." Und kaum ein Gegenüber wird dann gesagt haben "Ja und?"

Nachdem meine Ehe am Scheitern war und meine Frau eine Auszeit haben wollte, war ich natürlich erst einmal allein in der Wohnung. Meine Leidenschaft zum Tragen weiblicher Kleidung, zuvor schon latent und als inniger Wusch vorhanden, aber unterdrückt und kaum ausgelebt, hat sich dadurch endlich Freiräume geschaffen. Schon nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass ich irgendwie freier, glücklicher, ausgeglichener bin, wenn ich nach einem harten Arbeitstag, an dem ich meinen Mann zu stehen habe, einen Ausgleich darin finde, mir nach Feierabend Frauensachen anzuziehen, mich darin anders zu bewegen, sanfter und entspannter zu sein. Und wie schön es doch sein kann, an einem verregneten Sonntag zuhause mal von früh bis spät ein schönes Kleid anzuhaben und einfach anders sein zu dürfen. Aber es spukt immer im Hinterkopf: das darf keiner erfahren! Irgendwann kommt dann aber der Moment, wo man nicht mehr anders kann, wo das Versteckspiel frustriert, wo es raus muss, wo das Bedürfnis mit jemandem drüber zu reden einfach zu groß wird. Reden mit einer echten Person, die einen kennt, nicht irgendjemand aus einem anonymen Internet-Chat oder dergleichen. Ich wohne auf dem Land, in der tiefsten oberbayerischen Provinz. Hier kennt jeder jeden, einige Leute sind so konservativ und katholisch, dass es sogar dem Papst peinlich sein dürfte. Und hier im Haus wohnt ausgerechnet noch eine der "Dorfratschen". Also alles andere als Idealbedingungen.

Nun hatte ich immer ein eher gutes Verhältnis zu meiner Mutter; vor allem seit mein Vater verstorben war; meine Eltern hatten sich schon lange vorher auseinandergelebt und waren geschieden, das Verhältnis zu meinem Vater war stets gespannt. Und meine Mutter hat seit jeher einen Schlüssel für meine Wohnung, sie kann und darf jederzeit rein. Hin und wieder bringt sie einfach mal einen Kuchen, einen Brief an mich, der noch ans Elternhaus adressiert ist usw. Und da hatte ich freilich die Befürchtung, dass sie mich einmal in meiner weiblichen Kleidung erwischen könnte. Es lag also nahe, wenigstens meine Mutter (damals 61, ich gerade 40) endlich mal einzuweihen, zumal sie schon gemerkt hatte, dass ich seit der Trennung etwas zurückgezogen und still geworden war. Lange habe ich überlegt, das Für und Wider abgewogen, und bin dann zu dem Entschluss gekommen, es zu tun. Wie sie reagieren würde - keine Ahnung. Aber lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Ich war das Verheimlichen gründlich leid. Aber wie sagt man's überhaupt? Direkt mit ihr zu reden, da hat mir der Mut gefehlt.

Schließlich hab ich mich hingesetzt und einen Brief geschrieben. Ich habe mir viel Zeit dazu gelassen, fast zwei Wochen. Immer wieder ruhen lassen, wieder druchgelesen, hier was gestrichen, dort was ergänzt, nicht zu lang, nicht zu kurz. Dabei hatte ich auch irgendwie das Gefühl, den Brief nicht nur an meine Mutter, sondern auch an mich selbst zu schreiben. Vieles wurde mir erst bei der Fassung in geschriebene Worte so richtig bewusst. Teilweise habe ich beim Schreiben tatsächlich nervös und fast ängstlich gezittert, zweimal sogar geweint. Schließlich hatte ich etwa vier Textseiten beinander, alles so geschrieben, dass das Eigentliche zwar erklärt war, aber bewusst so, dass Fragen offen blieben. Vordergründlich sachlich, aber auch so, dass auch meine Emotionen zwischen den Zeilen herauszulesen waren. Und mit einer Schlusszeile, sie möchte mich doch bitte vorbehaltlos und ungeniert nach allem fragen, was sie dazu wissen wollte.

Dann hab ich ihr den Brief ausgedruckt, in einen Umschlag gesteckt und morgens in meiner Küche hingelegt an einem Tag, wo ich wusste, dass sie untertags vorbeikommen würde, um ein paar Geschirrteile abzuholen. Als ich abends heimkam, war der Brief weg. Und es gab kein Zurück mehr. :|

Wie habt ihr das denn beim "ersten Mal" gemacht?

Liebe Grüße
Stefanie

... und euch allen ein frohes neues Jahr!
*

ExUserIn-2018-08-04
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Re: Wie habt ihr "es" bei eurem ersten Outing gemacht?

Post 2 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2018-08-04 » So 31. Dez 2017, 15:05

Hallo Stefanie,

für mich waren die ersten Outings auch sehr schwierig. Rückblickend habe ich es damals nur hingekriegt, weil ich dringend Menschen brauchte, die mir in meiner Situation zur Seite stehen. Bei meinem ersten Outing, damals noch in Frankreich, war ich frisch verliebt in eine Arbeitskollegin und sie auch in mich. Gleichzeitig wusste ich, dass ich keine neue Beziehung starten konnte, ohne ma chérie meine Vorahnung (das ich trans bin) zu offenbaren. Ich glaube, den ersten Vorstoß habe ich in einem Lokal in Montmatre gemacht, bei einem Fünf-Gänge-Menü, und natürlich waren wir beide nicht mehr nüchtern. (drink) (moin) Zum Glück hat mein Outing meine Partnerin nicht abgeschreckt. Im Gegenteil, sie ist selbst bisexuell (was ich damals nicht wusste) und mag androgyne Männer (früher großer David Bowie-Fan). Dadurch war die erste Hürde nicht so hoch.

Mein zweites Outing war bei einer guten Freundin in Deutschland. Sie arbeitet als Radiomoderatorin, und genau wie in Paris habe ich mich auch ihr bei einem Restaurantbesuch offenbart. Ich hatte mir diese Freundin ausgesucht, weil ich relativ sicher war, dass sie kein Problem damit hat, dass ich trans bin. Hatte sie auch nicht. Unsere Freundschaft hält bis heute und ist seit meinem Outing enger denn je.

Das Outing bei meiner Familie kam dann erst ein halbes Jahr später. Meine Eltern sind sehr konservativ. Ich wollte mir absolut sicher sein, dass ich transitioniere, bevor ich sie einweihe. Schließlich wollte ich sie nicht belasten. Und ein Outing kann man ja auch schlecht zurücknehmen…. Ich habe nicht alle gleichzeitig informiert, sondern zunächst mit meinen Bruder gesprochen, dann mit meiner Mutter und ganz zum Schluss im Beisein meiner Mutter mit meinen Vater. Mein Vater hatte wie zu erwarten die größten Probleme mit meiner Transsexualität. Aber heute geht er sehr gut damit um. Unser Verhältnis war nicht immer einfach, aber inzwischen hat es sich durch meine Offenheit verbessert. Insgesamt glaube ich, dass sich meine Offenheit sehr positiv auf mein gesamtes soziales Umfeld ausgewirkt hat. (smili)

Negative Erfahrung habe ich nur mit einem befreundeten Pärchen gemacht, das mit meinem Outing gar nicht klar kam und danach immer mehr auf Distanz ging. Der Mann ist leider ziemlich unflexibel, und der Frau geht Solidarität zu ihrem Partner über Freundschaft. Es war eine traurige Erfahrung, aber bei solchen Eigenschaften konnte ich wenig machen. Naja, vielleicht ändert sich auch das noch irgendwann.

Liebe Grüße, viel Erfolg und dir auch ein frohes neues Jahr!

Daenerys

Lea92
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Re: Wie habt ihr "es" bei eurem ersten Outing gemacht?

Post 3 im Thema

Beitrag von Lea92 » So 31. Dez 2017, 15:21

Bei mir ist es vielleicht etwas ungewöhnlich, da ich mich geoutet hab, bevor ich überhaupt angefangen hab. Aber auch bei mir waren die ersten Outings nicht ganz einfach. Ich hab guten Freundinnen gesagt, dass ich mich zwar als Mann wohl fühle, aber auch eine ausgeprägte weibliche Seite habe und mich auch gerne mal als Frau kleiden würde. Und ein Freund (damals dachte ich noch eine Freundin, er ist ein Transmann), zu dem ich heute leider keinen Kontakt mehr habe, hat mir vor ziemlich genau zwei Jahren ermöglicht, dass ich mal was von seinen Sachen anprobieren könnte. Ich hab gemerkt, dass das zwar etwas ungewohnt ist, aber ich mich auch irgendwie damit wohl fühle. Und ein halbes Jahr später hat mir dann eine Freundin geholfen, mein erstes eigenes Kleid zu kaufen. Mittlerweile bin ich seit anderthalb Jahren dabei und fühle mich wohl, wie ich bin. Eben Mann und Frau zugleich.
Körper ganz Mann, Kopf halb Mann, halb Frau, doch auch eine halbe Frau braucht auch Freiheiten und will sich gelegentlich mal zeigen.

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Re: Wie habt ihr "es" bei eurem ersten Outing gemacht?

Post 4 im Thema

Beitrag von MichiWell » So 31. Dez 2017, 16:46

Hallo Stefanie,

eine Universallösung wird es nicht geben. Du musst immer deinen eigenen Weg finden, und auch das bei jedem Menschen aufs Neue. Allerdings wirst du mit der Zeit etwas Übung haben. :wink:

Zum Outing bei meinen habe ich hier schon etwas geschrieben. Anlass war ein ungeplanter Einzug ins Krankenhaus.

Als ich 2010 eine neue Frau kennenbgelernt hatte, habe ich ihr bereits nach 2 Wochen von Michi erzählt. Das hatte ich mir bereits bei einer Fernbeziehung nach Berlin in 2009 vorgenommen, aber leider zu lange aufgeschoben, und ich wollte mich einfach nicht mehr verstecken müssen - zumindest vor der Frau die ich liebe. Wie schon in 2009 wollte meine neue Freundin mit mir zum Fasching gehen. Also habe ich meine Verkleidung als Vampirlady vor ihr mit zittrigen Händen ausgebreitet, und angefangen zu reden ...


Liebe Grüße
Michi
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Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie. Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.

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Re: Wie habt ihr "es" bei eurem ersten Outing gemacht?

Post 5 im Thema

Beitrag von Mina » So 31. Dez 2017, 17:12

Huhu,

Bei wars meine Liebste welche mich geoutet hat.

Jetzt fragt man sich vielleicht...hä? Wie jetzt?

Von Vorne.
Es war ein Wochenende und ich sollte als Testmodell für ein Motiv eine Netzstrumpfhose anziehen. Also eigentlich waren es Netzstrümpfe mit angenähtem Halter. Meine Liebste ist ja sehr bunt in ihrer Kunst.
Jedenfalls machten mir das Motiv und ich machte keine Anstalten meine Garderobe zu wechseln, ganz im Gegenteil, ich setzte mich erstmal in die Küche und trank etwas während sie das Equipment zurückräumte und die Bilder sicherte.
Ich saß einfach und genoss diesen Moment. Eine Weile später kam sie dazu, lächelte mich an und fragte: Gefällt Dir das?
Prompt von mir: Ja!

Wir redeten den ganzen Abend und es war klar das Mina (damals noch Namenlos) willkommen ist.
Es folgten Wochen der Expansion, ich konnte soviel für mich probieren und experimentieren. Sie half mir, lernte mir das Professionelle Schminken und zeigte mir alles über die kleinen Tricks beim Thema Look.

Es dauerte nicht lange, ob meiner beiden Geschlechter, das ich meine Alltagskleidung mischte und auch raus ging.
Meine Nachbarn haben es dann irgendwann Abend bei einem Sitin zuhause bei uns erfahren und gingen so normal damit um das ich Sicherheit bekam.

Und mittlerweile wissen es alle, Familie Freunde und Kollegen.
Schwierigkeiten hatte ich bisher keine.

Gestern war ich im Bremer Nachtleben unterwegs mit Freunden. Ein wilder und schöner Abend. Ich hab weder doofe Blicke bemerkt noch fühlte ich mich unwohl. Es war einfach wunderschön. Auch die Barkeeper in meiner Stammkneipe (eine Rock’n’Roll szenekneipe) lächelten mich an und spendierten mir erstmal einen Kurzen. (Mag ich eigentlich nicht, aber der musste einfach)

Danach fuhren wir mit dem Taxi nachhause und der Taxifahrer, wohl abendländischer Herkunft fragte meine Liebste: Ist diese hübsche Frau ein Mann? Wegen der Stimme? :lol:

Meine Liebste: nein, sie ist beides. Mein Mann und meine Frau!

Taxifahrer zu meiner Liebsten: Dann bist Du die glückslichste Frau der Welt!

Der Abend war unbezahlbar. Es lohnt sich zu outen und raus zu gehen. Wirklich.

Die Welt ist so schön und bunt, wenn man bereit ist seinen Weg zu gehen. )))(:
Ziel: Human being -> Ist Dein Ziel erreicht, war es zu niedrig angesetzt -> Der Weg ist das Ziel!

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Re: Wie habt ihr "es" bei eurem ersten Outing gemacht?

Post 6 im Thema

Beitrag von Nicole Doll » So 31. Dez 2017, 18:04

Hallo Stefanie,

mein erstes Outing war Ende letzten Jahres bei meinem Cousin, mit dem ich in guter Nachbarschaft lebe (ich koche für ihn mit und wir essen gemeinsam). Meine Eltern sind schon länger verstorben und zu meinen alten Freunden hatte ich den Kontakt abgebrochen. Mein Frauenkleider-Fetisch hatte inzwischen merkwürdige Züge angenommen. Ich wollte mich in eine lebende Gummipuppe verwandeln. Zu dieser Zeit stöberte ich bereits als Gast hier im Forum herum. Meinem Cousin erzählte ich einfach, was mit mir los ist - und so ganz verstanden hat er es wohl bis heute nicht.

Im Frühjahr erkannte ich, dass mehr hinter meinem Fetisch steckte. Ich meldete mich hier im Forum an und ging ein paar mal en femme einkaufen. Dafür zog ich mich jedes mal in der Behindertentoilette der Simmerner Globus-Marktes um - bis mir das zu blöd wurde. Seit dem zeige ich mich auch in meinen Dorf als Frau. Seit Anfang Herbst bin ich nur noch en femme unterwegs. Direkt darauf angesprochen hat mich bisher nur ein Nachbar. Die anderen Grüßen einfach nur höflich, was ich natürlich freundlich erwidere. Sonst hat es im Dorf bisher Begegnungen mit Gesprächen nur auf einem Spaziergang und in der Kirche gegeben.

Einem Pärchen, das zu meinem alten Freundeskreis zählt, schickte ich im Sommer einen Brief mit einem Foto als Nicole. Kurz vor Weihnachten kam dann die Antwort. Nun gibt es auch mit weiteren alten Freunden wieder Kontakt per Email. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Und dann wäre da noch mein Modellfliegerverein. Wie ich es damit gemacht habe, ist hier zu sehen. Eine Antwort habe ich bisher noch nicht erhalten - falls sie denn jemals kommen wird.

Meine Verwandtschaft, zu der ich ebenfalls jeden Kontakt abgebrochen habe, weiß immer noch nichts von Nicole - jedenfalls nicht von mir.

Bei mir war das Outing also ziemlich einfach - und trotzdem sehr schleppend. Wenn keine Kontakte bestehen, ist da zwar keine Angst, dass sie kaputt gehen könnten, aber auch kein großes Interesse an einem Coming Out.

LG Nicole
Jeder glaube an was er will. - Also sprach Zarathustra.

heike65

Re: Wie habt ihr "es" bei eurem ersten Outing gemacht?

Post 7 im Thema

Beitrag von heike65 » So 31. Dez 2017, 18:28

Also, meine Frau weiss meine feminine Seite seit wir uns vor fast 34 Jahren kennengelernt haben, da musste ich mich nicht outen, ok das Femmine nahm mit der Zeit immer weiter zu, aber stets mit ihrem wissen. Unseren Kindern gegenüber habe ich mich geoutet wie ich meinte sie wären reif dafür, das verlief im einzelgespräch mit den beiden, aber ohne grosse Erklärungen, einfach frei raus, du ich muss dir was sagen, es wird dich zwar überraschen aber ich habe eine starke feminine Seite, also wundere dich nicht wenn eines Tages Papa als Frau vor dir steht, und ausserdem stehen Mama und Papa auf SM, also nicht wundern wenn Papa mal blutige striemen aufm Arsch hat, die Piercings haste ja eh schon gesehen. Dann gab's noch ein bisschen Smalltalk wie ich mich gegenüber ihren Freunden verhalte, thats it.
Bei meiner Mutter war das ähnlich, hab sie angerufen das meine Frau und ich mal mit ihr sprechen müssen, sie hatte Zeit, war zu dem Zeitpunkt 76, nach der üblichen Begrüsssung haben wir uns hingesetzt, die ersten Worte waren: Du Mutter ich muss dir was sagen bevor du es vielleicht von anderen erfährst, ich bin transsexuell.


Ich bin also keine Freundin von langen Abläufen für irgendwelche weichgewaschene Erklärungen.

Liebe Grüsse

Heike

Andrea aus Sachsen
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Re: Wie habt ihr "es" bei eurem ersten Outing gemacht?

Post 8 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen » So 31. Dez 2017, 23:32

.
Ich habe mich auch zuerst bei meiner Mutter geoutet und hier davon berichtet: viewtopic.php?f=6&t=4120
Wenn auch da alles bestens schien, bereitete es meiner Mutter später aber doch Probleme, als meine weibliche Seite einen immer größeren Raum einnahm.
Stefanie hat geschrieben:
So 31. Dez 2017, 14:17
Als ich abends heimkam, war der Brief weg. Und es gab kein Zurück mehr.
Ich hoffe, du berichtest noch, wie es weiterging.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen

ExuserIn-2018-09-04
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Re: Wie habt ihr "es" bei eurem ersten Outing gemacht?

Post 9 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-09-04 » Mo 1. Jan 2018, 02:41

Ich kann mich garnicht erinnern wann mein erstes outing war. Ich weiß nurnoch dass ich zu fast jedem den ich kannte hingegangen bin und gesagt habe "Ich will ein Mädchen werden!" Ich bin damit so offen umgegangen dass es fast alle wussten . Es war auch nicht sonderlich schwierig, etwas was man schon 10 Tausend mal gemacht hat wird irgendwann zum Kinderspiel ;)

Mich jetzt zu outen dass ich früher mal ein Junge war fällt mir viel schwerer...

Ich würds an deiner Stelle einfach sagen "Mama ich trag gern Frauenkleider" oder bei ner guten Freundin.

Stefanie
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Re: Wie habt ihr "es" bei eurem ersten Outing gemacht?

Post 10 im Thema

Beitrag von Stefanie » Mo 1. Jan 2018, 19:54

Also gut... Ihr wolltet ja wissen, wie es weiterging, nachdem meine Mutter den Brief mitgenommen hatte.

Zuerst einmal gar nicht. Entgegen ihrer Gewohnheit hat sich meine Mutter nämlich die nächsten Tage still verhalten. Es kam sonst etwa zweimal in der Woche einfach mal ein Anruf, aber jetzt herrschte auf einmal Schweigen. Auch ein Antwortbrief kam nicht. Nach zehn Tagen hab ich dann meinen Mut zusammengenommen und dann doch noch selber zum Telefon gegriffen. Nach dem üblichen Begrüßungs- und Schönwetterblabla hab ich dann vorsichtig gefragt, ob sie denn meinen Brief gelesen hätte.

Hatte sie. Und weiter? Sie hat vernehmlich geseufzt und dann gemeint, da könne man ja nichts machen, das wär dann halt so. Aber solange ich kein Problem damit hätte und mit meiner Neigung klar käme, hätte sie auch keine Schwierigkeiten damit. Sie wäre aber ziemlich überrascht und verblüfft, weil sie sowas nie von mir gedacht hätte. Allzuviele Gedanken schien sie sich aber nicht gemacht zu haben.

Nun wisst ihr ja aus eigener Erfahrung, dass sich die Menschen, denen man solche Neigungen anvertraut, letztlich in drei Gruppen einteilen lassen. Die einen lehnen sowas rigoros ab, die anderen nehmen es halt schulterzuckend hin und tolerieren es, die dritte Gruppe ist aufgeschlossen und entgegenkommend. Meine Mutter gehört zur zweiten Gruppe, mit ansatzweise erkennbarer Tendenz zur dritten. Dennoch hab ich ihr gesagt, dass ich gern mit ihr drüber reden wollte. Ich habe sie einige Tage später dann besucht, und dann haben wir geredet, lange geredet, bis spät in die Nacht. So lange wie seit Jahren nicht mehr. Das muss uns beiden gutgetan haben, denn ihr ist dann doch die Bemerkung rausgerutscht, sie wäre ja für mich da, wenn ich Hilfe brauche. Allerdings hat sie kein Interesse dran bekundet, mich mal in meinen "anderen" Kleidern sehen zu wollen. Und so blieb es erst einmal beim bloßen Bescheidwissen.

Ihr Hilfeangebot habe ich dann einige Zeit später angenommen. Schon viele Jahre hatte ich mir nämlich sehnlichst gewünscht, ein richtiges schönes Dirndl zu haben. Genaugenommen war das schon ein Jugendtraum von mir. Ist ja kein Wunder, wenn ich schon in diesem bayerischen Umfeld groß geworden bin. Ich hatte in diversen Online-Shops gestöbert, und da waren mir die etwas umständlichen Größenangaben und Abmess-Punkte relativ unklar. Und so hab ich dann ein paar Wochen später, als die Sache schon in Richtung Totschweigen abzudriften drohte, meine Mutter wieder angerufen und ihr gesagt, wie sehr ich gerne ein Dirndl haben wollte, und ob sie mir beim Abmessen und Größenbestimmen helfen könnte. Tatsächlich kam sie ein paar Tage später mit ihrem Maßband vorbei, und bald drauf wusste ich, welche Größe ich brauche und habe mir eines bestellt.

Nun bin ich tagsüber nicht daheim, und da ich nicht wollte, dass meine recht neugierige Nachbarin, die immer alles als erstes weiß, ein für mich bestimmtes Postpaket annimmt, dessen Inhalt womöglich zu erraten war, hab ich mein erstes Dirndl an meine Mutter schicken lassen. Es kam dann auch zu ihr, aber nicht in einem Karton, sondern in einer grauschwarzen Tüte. Von außen war kaum was erkennbar. Als ich die versiegelte Tüte dann bei ihr abgeholt habe, hat meine Mutter durchblicken lassen, dass sie das Dirndl später auch mal sehen wollte.

Zehn Tage später, an einem Sonntag, war es soweit. Ich werde diesen Tag nie im Leben vergessen, als meine Mutter kam und mich zum ersten Mal im Dirndl gesehen hat. Sie hat mich eher nüchtern und sachlich "begutachtet" und bemerkt, das Teil würde mir ja ganz gut stehen, aber dass es schade sei, dass Männer halt leider keine Taille haben wie eine Frau. Aber ich hätte Geschmack und das Dirndl wäre recht hübsch. Wie sie mir später gesagt hat, hätte sie gar nicht bemerkt, dass ich vor Glück fast geweint hatte. Jahrelanges, jahrzehntelanges Verschweigen und Verheimlichen war sozusagen mit einer rosa Blase endlich geplatzt, und es war gut gegangen. Ein Gefühl, dass viele von euch sicher auch kennen. (smili)

In der Folgezeit hat sie mich dann sonntags daheim immer öfter in Frauenkleidern gesehen, nicht immer im Dirndl oder in einem Landhauskleid, sondern auch mal in einer Bluse oder einem kuschligen Damenpulli zusammen mit einem Rock und passenden Strümpfen. Bald war das für sie so normal, dass sie es nicht weiter kommentiert und nichts mehr dazu gesagt hatte, wenn ich mal was neues anhatte. Es war klar, dass es ihr wegen ihrer sehr konservativen Erziehung (bis heute) schwerfällt, über meine Neigung mehr als nötig zu sprechen. Schade.

Ein halbes Jahr später hab ich mich dann bei meiner Schwester geoutet. Allerdings nicht mit einem Brief. Wir sehen uns nicht allzu oft, da sie weiter weg wohnt. Als sie an einem Feiertag allein bei mir zu Besuch war, hab ich sie einfach überrascht, als ich mal in die Küche bin zum Tee aufbrühen und in den paar Minuten, bis der Tee fertig war, kurzerhand mein Lieblingsdirndl angezogen habe. Es folgte ein großes Erstaunen und ein einstündiges Gespräch. Und ein wenig mehr Aufgeschlossenheit als bei meiner Mutter. Auch das war im Nachhinein betrachtet ein wunderschöner Moment für mich.

Tja, so ist das gewesen...

Leider hat sich seither kaum etwas bewegt. Meine Mutter akzeptiert meine Neigung zwar, allerdings eher so "wenn's unbedingt sein muss, dann mach's halt". Aktive Unterstützung gibt es nicht, drüber sprechen will meine Mutter auch nicht so richtig. Von sich aus schneidet sie das Thema niemals an. Hin und wieder fange ich aber von meine Seite aus vorsichtig damit an. Einmal hat sie mich dabei etwas ungeduldig angegangen und gemeint "Müssen wir denn da immer wieder drüber reden?" So etwas tut weh, sehr weh, was ich ihr dann auch gesagt habe. Allerdings, vor etwa einem Jahr, hat sie mir ohne langes Betteln und fast schon mit Freude die Schürze von einem Dirndl etwas gekürzt, da sie eine Nähmaschine hat und damit auch umgehen kann.

Mehrfach habe ich durchblicken lassen, dass ich mir ein klein wenig mehr gewünscht hätte. Ich akzeptiere natürlich, dass es ihr schwerfällt, über meine weibliche Seite und das Crossdressing zu reden, aber genau das wäre mir eben wichtig. Als ich ihr vor gut drei Jahren angedeutet habe, dass ich mir einen weiblichen Vornamen zugelegt hätte, hat sie abgeblockt und gesagt, den solle ich mal lieber für mich behalten. Von Stefanie weiß sie also bis heute nichts. Das soll sich mittelfristig ändern, und das ist schon auch mit ein Grund, warum ich mich nach lägerer Zeit des bloßen Mitlesens hier angemeldet habe. Ihr scheint alle sehr nett zu sein, und viele der Beiträge hier machen mir Mut.


Liebe Neujahrsgrüße nochmal an euch alle aus dem bayerischen Oberland.

Stefanie

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Re: Wie habt ihr "es" bei eurem ersten Outing gemacht?

Post 11 im Thema

Beitrag von lexes » Mo 1. Jan 2018, 21:25

Stefanie hat geschrieben:
So 31. Dez 2017, 14:17
Wenn ich mir eure Beiträge so durchlese, hat sich die Mehrheit irgendwann mal getraut, sich im näheren Umfeld (Familie, Freunde, Kollegen) zu offenbaren. Und viele von euch haben zuvor bestimmt Unsicherheit, Bammel und Zweifel gehabt, es aber dann doch durchgezogen.
War bei mir nicht ganz jugendfrei ,...also nicht weiterlesen wenn Ihr schnell rot werdet , bin nur ehrlich.

Ich hab das schon gemacht seit ich 12 bin ( also Crossdressing ) => das war vor meiner ersten richtigen Freundin

bei den ersten beiden Beziehungen habe ich öfter heimlich Ihre Sachen getragen ... war aber zu "cool" um was zu sagen.

Bei der dritten hatte ich´s satt ... Sie war ohnehin anders .... sehr offen , gerade was das Thema "Schlafzimmer" angeht.

Wir hatten unseren Freitag stets besagtem Zimmer reserviert...

ich hatte mir vorgenommen es ihr zu sagen , besser gesagt zu zeigen....

Fotos von mir gab´s mehr als genug ... habe auf dem Rechner einen Ordner mit einer Sammlung von 20 Bildern angelegt

Ich hab´ihr gesagt das ich ihr was zeigen wolle das mir wichtig sei ... wir haben es dann einfach stehend am Schreibtisch gemacht während die Bildershow lief...

Sie hat darauf glücklich und offen reagiert und direkt gefragt ob sie mich mal schminken darf ........ der Rest ist Geschichte.

MichiWell
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Re: Wie habt ihr "es" bei eurem ersten Outing gemacht?

Post 12 im Thema

Beitrag von MichiWell » Mo 1. Jan 2018, 22:24

Hallo Stefanie,

vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht. Das konnte ich sehr gut alles mit- und nachfühlen. (smili)

Mir steht das Gespräch mit meiner Schwester noch bevor. Kann man zwar schlecht planen, aber ich möchte es schon gerne in naher Zukunft hinter mich bringen.


Liebe Grüße
Michi
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Lalilaluna
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Re: Wie habt ihr "es" bei eurem ersten Outing gemacht?

Post 13 im Thema

Beitrag von Lalilaluna » Mo 1. Jan 2018, 23:38

Hallo Stefanie, hallo Rest der Welt ;)

ums "trauen" gehts bei mir ja eher nicht, als "Immer-und-überall-Dauerfrau" :D Spätestens wenn die Hormone mal eine Zeitlang wirken ist es ja zu sehen -- und da ist hoffentlich nimmer so lang hin ... Deswegen musste ich irgendwann mal anfangen. Nein, nicht in der Familie, erst hab ich es meinen besten Freundinnen erzählt. Ja da war ich noch voll unsicher wie sie reagieren werden :? Aber sie habens alle super aufgenommen, naja eine davon war es ja auch, die mich immer wieder angeschoben hat und die ja eigentlich dran "schuld" ist, dass ich jetzt endlich so weit bin wie ich bin :)

Danach ging paar Monate nicht wirklich was weiter, irgendwie wars für mich noch nicht sooo drängend, und so wirklich sicherer in der Frage "wie sag ich es dem/der/..." war ich auch noch nicht geworden. Ein paar Bekannte kamen in der Zeit schon dazu, viele warens bis vor ein paar Wochen allerdings noch nicht. Ich merkte nur, wie es langsam Zeit wurde, in ein paar Tagen schaffe ich ja schlecht alle, und ich wollte auf jeden Fall, dass es alle wissen, die mir wichtig sind, bevor ich mit der HET anfange.

Dann kam also der Dezember, und da war es gleich dreimal eine größere Gruppe. Naja oder sollte es sein -- das erste Mal bei der Weihnachtsfeier im Schachverein ging wohl nicht so wie gedacht, einigen sind ja nicht mal meine lackierten Fingernägel aufgefallen oder die Schuhe mit Absätzen. Und ich hatte gedacht da kommt vllt was -- nee so gut wie nix :( Da muss ich wohl nochmal -- die Lehrerin in mir würde jetzt wohl "durchgefallen" sagen :P

Ein paar Tage drauf im Kirchenvorstand hab ich es dann am Schluss der Sitzung einfach gesagt -- jaaa da war ich schon nervös, das erste Mal vor so vielen Leuten, und dann ist es auch noch was "Offizielles". Aber auch da kamen entweder positive Reaktionen oder von einigen garnix -- was erst mal auch nix heißt, ich konnte danach auch nicht mit allen reden, auf nur mal kurz hatte ich nämlich keine Lust, aber die, mit denen ich gesprochen habe, haben es ganz normal oder sogar richtig positiv aufgenommen. So als sinngemäßes Zitat "wenn wir hier nicht Toleranz leben, wo dann?"

Dann kam "meine" Photogruppe, naja eben die aus der Gruppe, die an diesem Tag da waren ;) Da hab ich wieder Lust gehabt bissle weiblicher zu kommen, und habs auch erst am Schluss gesagt. Wieder war alles gut -- einer hatte sich sowas sogar schon gedacht, als ich so reinkam, und meinte nur, er finde es total stimmig :) Jaaa mir gings da schon soooo gut (smili)

Wovor ich allerdings immer noch Angst hatte war, wie die Familie reagieren würde. Ich war ja nach Weihnachten ein paar Tage bei meiner Mutter, und meine beiden Brüder waren zumindest zeitweise auch da. Ob ich es da ansprechen sollte? Meine beste Freundin hatte mir ja gleich am Anfang schon angeboten da mitzukommen, in der Weihnachtszeit wäre das allerdings nix geworden. Aber wie es so geht, mit meinem jüngsten Bruder habe ich ein paar Tage vorher telefoniert und er hat wie fast jedes mal gefragt wie es mir geht. Und vllt weil er diesmal Zeit hatte (was leider meistens anders ist) hat er eben nachgefragt, warum es mir so gut geht, und nicht lockergelassen. Naja, dann hab ich es ihm eben gesagt. So bissle was hat er wohl auch schon geahnt, auf jeden Fall hats ihn jetzt nicht soo überrascht. Wenn ich das vorher gewusst hätte ...

Jaa und dann hab ich es auch noch meiner Mutter gesagt. Und ich hätte echt nie gedacht dass sie es so gut aufnimmt, ihre erste Reaktion war auch "das denke ich mir schon länger" oder so ähnlich :) Und sogar als ich erzählt habe, dass ich eine Hormontherapie vorhabe, war alles gut. Jaaa ich bin soooo froh dass alles gut ist (he)

Die Tage muss ich es noch meinem anderen Bruder (von dem ich echt nicht weiß wie er dazu steht) und meinem Papa (der auch schon was ahnt ...) erzählen. Und im Frühling noch den Kollegen im Wengert, dann hab ich es mehr oder weniger geschafft. Sooo viel kann jetzt ja nimmer passieren.

Wenn mir irgendwer im Mai oder Juni gesagt hätte, dass ich bis heute keine einzige negative Reaktion bekomme, ich hätte den oder die wohl für verrückt erklärt. Aber es ist wirklich so :) Ich muss allerdings dazu sagen, dass nicht nur ich ein "verrücktes Huhn" bin, sondern auch fast alle meine Freundinnen und viele andere, die ich kenne. Das machts einfach viel leichter als wenn es konservativ denkende Menschen sind. Obwohl frau auch die nicht unterschätzen sollte ;)

LG von einer sooooooo glücklichen Lalilaluna ))):s

Ulrike-Marisa
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Re: Wie habt ihr "es" bei eurem ersten Outing gemacht?

Post 14 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa » Di 2. Jan 2018, 00:41

Grüß Gott Stefanie,

vor ca. 6 Jahren habe ich an einem Januarabend meine rau davon erzählt, wie ich mich fühle und was meine Beweggründe sind, dass ich mich nicht mehr als Mann fühlen kann. Das hat wie eine Bombe eingeschlagen, Unverständnis, Wut Verzweiflung waren die ersten Äußerungen meiner Frau nach 33 Jahren Ehe damals. Von Ehebetrug war die Rede usw.. Aber sie hat auch gesagt, dass sie immer schon meine weibliche Seite erkannt hat und auch schätzt, aber als Frau leben, das war zu viel für sie. Ich hatte in den Monaten zuvor mein Leben anhand neuer Informationen aus dem Internet neu bewertet und meine Bestimmung als Frau erkannt, was mein ganzes Leben vorher schon immer im Hintergrund vorhanden war, aber nie ein ernsthafter Gedanke geworden war. Es war einfach keine Zeit, in der man über so etwas geredet hätte. Ich habe dann Ulrike-Marisa für mein Leben zugelassen und da gab es kein Zurück mehr für mich - das habe ich dann meiner Frau gesagt. Nach vielen Diskussionen haben wir eine Kompromiss gefunden, wie ich damit und mit ihr zusammen unser Leben weiter gestalten kann. Wir haben beschlossen, weiter zusammen zu bleiben in gegenseitiger Achtung und Zurückhaltung. Ich trage DW, BH und Schmuck jeden Tag, habe lange Haare, aber sie möchte mich nicht im Rock im Hause sehen und im näheren familiären und dörflichen Umfeld. So trage ich im Winter Strumpfhosen zu einem langem Hemd... So gibt es immer Mittel und Weg, Probleme zu umschreiben und erträglich zu machen.
Dirndl habe ich im Pöcking in der Schule bei meine Klassenkameradinnen bewundert, nun rage ich sie, wenn es die Gelegenheit ergibt. So bleibt manches anders im Leben und es gibt fast immer einen Weg.

Liebe Grüße, Ulrike-Marisa :wink:

ChrisTina73
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Re: Wie habt ihr "es" bei eurem ersten Outing gemacht?

Post 15 im Thema

Beitrag von ChrisTina73 » Di 2. Jan 2018, 00:58

Frohes Neues Jahr (fwe3) ,

ich hab mich da nach meiner inneren Stimme, also ganz im Vertrauen nach meiner inneren weiblichen Seite gerichtet (Frauen wissen ja bekanntlich oft um die "Gabe" der Intuition), wobei ich da sagen kann, das die "Mutter" oder auch Partnerin, die oft stellvertretend ja den Bereich im Manne auffüllt, die größte Herausforderung darstellt. Ich hab für mich herausgefunden, das man den Menschen genug "Raum" geben sollte, das ganze für sich einzuordnen, und anzunehmen. Da bedarf es für mich erst mal nur wenige Worte und kein 300 Seiten Manusskript und die offene Signalisierung, auf die Fragen, die evtl. aufkommen, klar zu antworten, denn auf die 2-3 Monate länger sollte es nicht ankommen, bis man sich auch im äusserlichen "präsentiert", wenn man schon Jahre vorher damit verbracht hat, es "im Rahmen" auszuleben. Letztendlich müssen wir aber auch akzeptieren, wenn unser Gegenüber mit gewissen Themen überfordert ist und sich abgrenzt bzw. ganz klar definiert, wo für ihn die Grenzen sind. Und da allen voran die Eltern, die letztendlich auch nur Menschen sind.

Nach etwas holprigen Start im Sommer diesen Jahres, in erster Linie durch Gespräche, wenn es sich ergab (denn das "normale" Leben läuft ja auch weiter) war der Dezember sehr wirksam und gipfelte gestern enFemme auf einer Silvester Party, womit ich schon einen meiner Vorsätze fürs Jahr 2018 umgesetzt hab und direkt ins neue Jahr mit rübergenommen habe. Es war eine schöne Party mit vielen spontanen lustigen Momenten, aber auch Augenblicken, die mich tief berührt haben und mir zum ersten mal das Gefühl vermittelten, bei mir angekommen zu sein. Und ich weiß jetzt, wohl dosiert auch öffentlich gelebt bereichern diese Tage mein Leben ungemein, das es zu schade wäre, wenn sie selbstverständlich und zur "Routine" verkommen würden.

@Mina: bin ja schon ein wenig "neidisch" auf Dich, aber ich freu mich auch von ganzem Herzen für Dich. Und ich fühle diesen Augenblick im Taxi mit Dir und hoffe, das auch Deine Liebste in den Genuß dieser "magischen" Augenblicke kommt und Du zur richtigen Zeit die richtigen kleinen Worte dafür findest (flo)
Und ich weiß, das es für mich auch nicht mehr weit ist ;)

LG

ChrisTina
Der Weg hinein scheint für viele rückblickend der Schwierigste, aber auch nur, weil sie den Weg heraus noch nicht gefunden haben...

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