Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?
Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen? - # 2

Lebensplanung, Standorte
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Anja
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Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Post 16 im Thema

Beitrag von Anja » Fr 8. Dez 2017, 11:33

Moinsen Jaddy,

das liegt wohl letzten Endes in der Hand des Arztes.
Rechtlich gesehen ist es eine Grauzone. Was ist z.B. wenn durch die Medikamente ein Leberschaden eintritt und die Krankenkasse feststellt, das Hormone ohne Indikation verabreicht worden sind? Für ein Ersatzorgan geht der "Schaden" schnell in die Zigtausende, ganz zu schweigen von der Lebensqualität... Spätestens wenn die Krankenkassen viel Geld in die Hand nehmen müssen, gucken die dann nämlich mit der Lupe nach, ob sie was finden um sich drücken zu können.
Für mich stellte die HT ohne Indikation nur ein Lückenschluss dar, denn ich war zu diesem Zeitpunkt schon in psychologischer Behandlung und die Indikation nur eine Frage der Zeit.
Bis zur Indikation habe ich mir die Hormone allerdings auf Privatrezept (also als Selbstzahler) verschreiben lassen.

Die Testoblocker wirken massiv auf die Psyche, wenn sie massiv eingesetzt werden. Ich habe mit einer niedrigen Dosis angefangen (und inzwischen auch schon etwas reduziert) und hatte keinerlei (unerwünschte) Nebenwirkungen. Die Wirkung auf die Psyche wird durch einen starken Testo-Abfall ausgelöst. Wenn man es langsam "runterdrückt" kann man solchen Problemen aus dem Weg gehen. Ich habe knapp 4 Monate erstmal nur Östrogene genommen, dadurch sinkt allein schon der Testo-Wert und der "Hammer" durch die Blocker bleibt aus. Ich habe mit 12,5mg/Tag angefangen (aus Kostengründen). Wenn ich die nicht selbst hätte bezahlen müssen, hätte ich mit 5mg gestartet.
Manche Endos sind der Meinung, man müsste das Testosteron erstmal "runterkloppen" und geben zuerst 50mg und reduzieren dann schrittweise. Ich würde genau den umgekehrten Weg empfehlen. So langsam wie möglich reduzieren bis man in einem guten weiblichen Bereich angekommen ist...

Theoretisch wäre es natürlich auch möglich ohne Testoblocker, allein durch die Östrogene einen niedrigen Testo-Wert zu erreichen. Aber keine Ahnung wie lange dann sowas dauert. Da es von Mensch zu Mensch sehr verschieden ist ist immer auch ein bisschen rumprobieren dabei...

Grüße
die Anja
WER WILL FINDET WEGE. WER NICHT WILL FINDET GRÜNDE.

Jaddy
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Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Post 17 im Thema

Beitrag von Jaddy » Fr 8. Dez 2017, 11:47

Ah, danke für die Informationen. Ich vermute mal - ohne medizinische Detailbildung - dass für "ein bisschen weiblicher" bzw. "etwas weniger männlich" wie bei Marlin oder mir tatsächlich niedrig dosiertes Östrogen reichen würde.

Anja
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Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Post 18 im Thema

Beitrag von Anja » Fr 8. Dez 2017, 12:06

Hallo Jaddy,

vermutlich ja. Da sich der Hormonhaushalt wie ein Regelkreis verhält. Jeder Mensch (egal ob männlich oder weiblich) hat ja beide Hormone im Blut. Östrogen und Testosteron. Führt man von Außen Östrogen zu, reduziert der Körper das Testosteron, damit der Gesamthormonspiegel im Blut gleich bleibt. Wie gesagt, keine Ahnung wie lange der Körper für diese Regelung braucht. Das hängt ja auch davon ab, wie weit man mit dem Testo runter möchte. Ob solche "Zwischenlösungen" wie der Wunsch nach Androgynität die Kasse übernimmt, ist fraglich...
Bin gespannt was Marlin dann weiteres zu berichten hat.

Grüße
die Anja
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Marlin
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Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Post 19 im Thema

Beitrag von Marlin » Fr 8. Dez 2017, 12:17

Hallo,

Vielen Dank für eure Beiträge.
Testoblocker stehen für mich erst mal nicht zur Debatte. Ich hoffe auf eine Therapie mit Pflastern oder Gel. Die Dosierung sollte die Ärztin bestimmen. Auch hier denke ich, dass es besser ist mit niedrigen Dosierungen zu beginnen und sie ggf. später zu steigern.

Bei der Formulierung „Ein bisschen weiblicher“ finde ich mich nicht unbedingt wieder. Mein Körper soll/darf sich schon verändern. Ich habe nichts dagegen, wenn sich bei mir eine Brust bilden würde, die auch sichtbar wäre. Ich würde mich darüber sogar freuen. Dass ich trotzdem mein Leben als Mann verbringen möchte, ist ein ziemlicher Spagat. Gerade deswegen möchte auch sehr vorsichtig mit den Hormonen beginnen.
Was die Ärztin mir tatsächlich verschreibt, welche Hürden sie sieht oder ob sie die Therapie sogar ganz ablehnt, werde ich dann Ende Dezember sehen. Alles andere ist jetzt Spekulation.

Jaddy
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Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Post 20 im Thema

Beitrag von Jaddy » Fr 8. Dez 2017, 13:40

Anja hat geschrieben:
Fr 8. Dez 2017, 12:06
Ob solche "Zwischenlösungen" wie der Wunsch nach Androgynität die Kasse übernimmt, ist fraglich...
Sobald jemand mit biologisch-medizinisch eindeutiger Geschlechtszuordnung aufgrund der seelischen Verfassung (analog zu Trans*) eine Personenstandsänderung zur dritten Option durchbekommt, wird das Thema werden :)

Ich rechne da schon mit großem Spaß, wenn Kassen und andere versuchen, dieses sehr breite Spektrum irgendwie leistungskatalogfähig zu normieren.

Geedi
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Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Post 21 im Thema

Beitrag von Geedi » Fr 8. Dez 2017, 16:21

Hallo Marlin,
ich habe bei einigen deiner Ausführungen mich wieder erkannt. Auch ich habe mich der Rolle Mann unterworfen und gelebt.

Bin selber in der Situation äußerlich doch eher als Mann gesehen zu werden. Bin ja 192cm groß, Vollbart und habe eine kleines Wohlstandsgeschwür. Ich trage seit Jahren Damenunterwäsche und inzwischen auch schon mal Rock, hab mich auch schon mal raus getraut.

Was deine Outen anbelangt bist du weiter. Meine Frau weiß das ich Rock trage und versucht mein Empfinden, irgendwo zwischen Mann und Frau zu sein, zu verstehen. Fällt ihr nicht leicht. Meine Kinder wohnen nicht mehr bei mir, ich muss mich outen, geht kein Weg dran vorbei, nur wie weiß ich nicht.

Mit dem Thema Brüsten beschäftige ich mich auch, leider hab ich kaum Brust. Etwas altersbedingt vielleicht, aber nicht wirklich, etwas aufbuschenden BH lässt sich da etwas machen . Die Silikon Brüste sind eine mögliche Alternative, aber da fühle ich irgendwie Unbehagen, nicht meins und nicht natürlich. Da geht es mir wie dir.
Ich warte auf deine Erfahrungen mit der Frauenärztin. Da ich auch in Nord Hessen lebe wäre das dann ja für mich ein leichtes diese ebenfalls zu kontaktieren.

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Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Post 22 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2017-12-27 » Fr 8. Dez 2017, 16:29

Marlin so wie die Gesetzeslage momentan aussieht könnte das schwierig werden. Du wirst kaum einen Arzt finden der dir ohne Indikation die Hormone verschreibt. Das du Hormone nehmen möchtest ist das Eine , als Mann weiter leben das Andere. Beides zusammen wird schwierig , wenn die HRT richtig gemacht wird ohne Blocker , nur mit Östrogen und progesteron wird sich wenn du Glück und Geduld hast dein Körper Richtung weiblich verändern. Wenn dein Genital ruhiger wird möchtest du das ? Willst du als Frau angesprochen werden ? Irgendwann kann das passieren ?
Vielleicht brauchst du noch zeit und versuchst die gesellschaftlichen Erwartungen zu erfüllen als Mann . Die HRT zeigt dir dann schon ob der Weg richtig ist oder nicht.

Grüße Uta

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Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Post 23 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2018-09-04 » Fr 8. Dez 2017, 17:53

uta hat geschrieben:
Fr 8. Dez 2017, 16:29
Willst du als Frau angesprochen werden ? Irgendwann kann das passieren ?
Das kann schneller passieren als man denkt, ohne make up, ohne frauenklamotten mit bartstoppeln im gesicht wurde ich schon als frau angesprochen. Dabei habe ich schon nen dicken Pulli angezogen um meine Brüste zu verstecken, weil ich indem Moment als Junge wahrgenommen werden wollte, was wie man sieht nicht geklappt hat :D Die Hormone haben nen riesen Einfluss und wenn man weiter als Mann leben möchte sollte man sich das gut überlegen.

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Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Post 24 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2017-12-27 » Fr 8. Dez 2017, 18:36

Delfinium , letztes Jahr im Blaumann auf Arbeit Schiebermütze auf rennt eine Frau am Zaun lang und ruft ach jetzt machen schon Frauen so eine schmutzige Arbeit hach.
Da wurde mir heiß und kalt ich war ja noch nicht geoutet als" Mann " unterwegs .

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Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Post 25 im Thema

Beitrag von Saari » Fr 8. Dez 2017, 20:21

Ich bin unten herum männlich, aber oben rein weiblich.
Wie soll ich den damit umgehen?
Ein Outen gegenüber Dritten bringt nur unnützen Erklärungsbedarf.
Den Busen kann ich nicht mehr verstecken.

Christine DarkJoker
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Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Post 26 im Thema

Beitrag von Christine DarkJoker » Sa 9. Dez 2017, 10:27

uta hat geschrieben:
Fr 8. Dez 2017, 16:29

Vielleicht brauchst du noch zeit und versuchst die gesellschaftlichen Erwartungen zu erfüllen als Mann .
Blöde frage aber warum muss man die Erwartungen der Gesellschaft erfüllen, was intressiert es die überhaupt?

Also ich bin da auch sehr Neugierig drauf was bei dir raus kommt Marlin. Da ich mit so ein gedanken auch spiele bzw drüber nachdenke. Zu mir ich hab ohne Hormone kleine Ansätze vom Brust. Und ja es kann passieren das man als Frau angesprochen wird und? Es ist doch egal, ich muss da immer etwas schmunzeln. Mir tun in so einer Situation immer die Person leid, wenn sie es merkt oh doch ein Mann.

Liebe Grüße Christine
Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten

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Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Post 27 im Thema

Beitrag von ChristinaF » Sa 9. Dez 2017, 14:16

Hallo Marlin,

Hormone können jederzeit von jeder Hausärztin/jedem Hausarzt verschrieben werden. Dazu benötigst du keine extra Pschostunden oder Gutachten.
Auch die Blutuntersuchungen können von deinem Hausarzt übernommen werden. Der schickt sie, wie Endos auch, in ein Labor und die Ergebnisse werden mit dir dann besprochen.
Voraussetzung dafür, so finde ich es, ist jedoch, dass ein gegenseitiges Vertrauen vorhanden ist.
Mit dem Brustwachstum ansich, ist´s nicht abgetan. U.a. werden/können bei längerer Hormoneinnahme auftreten:
Veränderung der Psyche
Starke Reduzierung deiner Körperbehaarung - ausser Bartwachstum
Zunahme an Hüften und Po
Verfeinerte Haut
Sehr starkes Empfinden und Reagieren auf Kälte
Schrumpfen deiner Genitalien
usw. u.s.f.
Daher würde ich an deiner Stelle genau überlegen und in dich kehren, welchen Weg du wirklich einschlagen willst.
LG
Christina

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Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Post 28 im Thema

Beitrag von Jaddy » Sa 9. Dez 2017, 14:45

ChristinaF hat geschrieben:
Sa 9. Dez 2017, 14:16
U.a. werden/können bei längerer Hormoneinnahme auftreten:
Veränderung der Psyche
Starke Reduzierung deiner Körperbehaarung - ausser Bartwachstum
Zunahme an Hüften und Po
Verfeinerte Haut
Sehr starkes Empfinden und Reagieren auf Kälte
Schrumpfen deiner Genitalien
Prima. Offenbar keine negativen Folgeerscheinungen dabei :)

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Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Post 29 im Thema

Beitrag von Marlin » So 10. Dez 2017, 12:05

Hallo liebe Gemeinde,
vielen Dank für eure Antworten!
Da ist einiges dabei, wozu ich gerne Stellung nehme:
  • Ich möchte als Mann weiterleben. Sollte ich tatsächlich Hormone von der Ärztin verschrieben bekommen, dann werde ich die Veränderungen natürlich genau beobachten. Im Moment gehe ich nicht davon aus, dass ich sie über einen sehr langen Zeitraum nehmen werde. Wenn sich mein Äußeres so verändert, dass ich als Frau angesprochen werde, dann ist es halt so. Aber dann bin ich wahrscheinlich über mein Ziel hinausgeschossen. Ich möchte, dass mein Körper zu meinem Empfinden passt. Und dazu gehören in einem gewissen Maß eben weiblich Formen. Ich habe eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wo dieses Maß liegt.
  • Ich stimme ChristinaF zu: Mit Brustwachstum ist es nicht getan. Hormone wirken nicht nur auf den ganzen Körper, sondern auch auf die Psyche. Daher bestehen auch heute noch viele Ärzte auf eine Begleitung durch einen Psychologen.
    Für mich gilt hier: Genaue Selbstbeobachtung ist extrem wichtig. Wenn es zu unerwünschten Wirkungen kommt, werde ich sofort abbrechen. Dankbar bin ich meinen Freunden dafür, dass sie mir Halt und Feedback geben. Da ich auch sehr sicher bin, was ich will, werde ich es ohne psychologische Unterstützung angehen. Das ist aber meine ganz persönliche Entscheidung!
  • Starke Reduzierung deiner Körperbehaarung - außer Bartwachstum: Erwünscht.
  • Zunahme an Hüften und Po: Gerne. Ich hoffe, dass mir dann bestimmt Klamotten besser passen. Im Rock habe ich doch sehr dünne Beine. Und das sieht in Kombination mit meinem Bauch etwas komisch aus. Daher gerne auch Zunahme an den Oberschenkeln.
  • Verfeinerte Haut: Gerne.
  • Sehr starkes Empfinden und Reagieren auf Kälte: Damit muss ich dann leben. Aber das würde ich in Kauf nehmen.
  • Schrumpfen deiner Genitalien: Da ist nicht viel zum Schrumpfen :oops:
    Im Ernst: Das stört mich überhaupt nicht. Auch eine Abnahme der Libido würde mich nicht stören. Obwohl das wohl eher eine Nebenwirkung von Antiandrogenen ist. Hier geht es mir ja nicht darum, einen Fetisch zu bedienen. Außerdem meine ich gelesen zu haben, dass in vielen Fällen die Libido nach Absetzen der Hormone wieder zurückkommen kann.
  • Ärzte haben Behandlungsfreiheit. Es kann also jeder Arzt Hormone verschreiben. Ob das ein Arzt auch tut, steht auf einem ganz anderen Blatt. Ich denke, das hängt ab von ihrer persönlichen Einstellung, Erfahrungen auf dem Gebiet, „sich absichern wollen“, Weiterbildungen, usw.
    Dass ich das alles nicht über die Krankenkasse laufen lassen will, ist bestimmt hilfreich.
  • Thema Outing: In meinen vier Wänden will ich mich nicht mehr verstellen. Ich trage da Strumpfhosen und Rock. Wenn ich Besuch bekomme, dann ziehe ich mich nicht mehr um. Oder nur in Ausnahmefällen. Bisher sind alle Besucher gut damit klar gekommen.
    Draußen trage ich keine Röcke. Nur, wenn ich im Haus mal in den Keller muss, dann ziehe ich mich nicht extra um. Allerdings habe ich da bisher auch nur einmal einen Nachbar getroffen. Reaktion: Keine.
    Meine Sillies trage ich manchmal wenn ich einkaufen gehe. Reaktionen hat es darauf noch nie gegeben. Leider kann ich sie nicht länger als 2-3 Stunden tragen, weile es bei mir dann anfängt zu jucken.
Natürlich werde ich hier berichten, wie der Besuch bei der Frauenärztin ablief.
Eine Frage an alle: War jemand von euch in einer ähnlichen Situation und war als Mann beim Frauenarzt? Wie lief das Gespräch / die Untersuchung ab? Was wurde alles untersucht?

Liebe Grüße
Marlin

Nicola
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Pronomen: alles ausser er
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Re: Ich bin ich - aber wie soll ich damit umgehen?

Post 30 im Thema

Beitrag von Nicola » So 10. Dez 2017, 19:11

Hallo Marlin,
ich nehme seit 2 ½ Jahren Hormone, ohne Testoblocker. Nach 9 Monaten wurde ich das erste mal als Frau angesprochen, obwohl ich weder richtig rasiert war noch speziell weiblich gekleidet. Ein wichtiger Faktor um weiblich gelesen zu werden sind sicher auch Haare und Frisur, mein Haare sind Schulterlang und der Haarwuchs ist nicht mehr so dicht. Ein wesentlicher Punkt ist auch das Alter, ich war schon über 50 als ich mit der HET begann, wenn du mit 20 oder 30 Jahren beginnst, kannst du sicher mehr erreichen, ich habe gesehen dass du auch gegen die 50 gehst. Was sich alles verändert ist sehr individuell, meine Körperform hat sich wenig verweiblicht und meine Brüste haben nach zwei Jahren nochmals einen kleinen Wachstumsschub gehabt, so dass sie bei eng anliegender Kleidung leicht sichtbar sind. Ich bin jedoch eher schlank gebaut und wiege bei einer Körpergrösse von 1,85 70 Kg, wenn ich etwas mehr auf den Rippen hätte, wären die Fettumverteilung wahrscheinlich etwas stärker ausgefallen. Die Haut ist feiner geworden und die Körperbehaarung ging zurück, ich hatte jedoch vorher schon eher wenig Körperhaare. Dann kommt natürlich noch die veränderte Gefühlsebene, die ich sehr angenehm empfinde.
Auch wenn ich mich als non-binär bezeichne, fühle ich mich mehr auf der weiblichen Seite und es ist mir lieber, wenn ich als Frau gelesen werde, von daher beabsichtige ich nicht die HET ab einem gewissen Punkt abzubrechen, damit ich nicht zu weiblich wirke. Meine Sillis habe ich jedoch schon über ein Jahr nicht mehr getragen, da ich sie unbequem finde und mir unnatürlich damit vorkomme, über meine langsam grösseren werdenden Busen freue ich mich jedoch sehr.
Ich gehe auch zu einem Frauenarzt der mir mein Psychologe empfahl. Er hat die Prostata abgetastet, mich gefragt ob in der Familie jemand schon eine Thrombose gehabt hat, Blut genommen, mich nochmals aufgeklärt was sich alles verändern kann und gesagt dass ich die HET jederzeit abbrechen könne. Ich habe im erklärt das ich mich als non-binär bezeichne und mein Psychologe, den er kannte, eine kurze Mitteilung schicken würde. Diese hat er noch nicht erhalten, was ihn jedoch nicht davon abhielt, mir das Rezept für die Hormone gleich mitzugeben.
LG Nicola

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