Nicoles Galaxie
Nicoles Galaxie

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Nicole Fritz
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Nicoles Galaxie

Post 1 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo allerseits,

immer wenn ich hier etwas über mich schreibe, verteilt sich das kreuz und quer durch alle Themen hier im Forum. So langsam blicke ich da selbst nicht mehr durch. Ich sollte also endlich einmal Ordnung dort hinein bringen - vielleicht in der Form eines Tagebuchs.

Als Mann habe ich kein Wort heraus gebracht, wenn ich über mich etwas schreiben sollte. Über eine Person, die man nicht leiden kann, schreibt man nichts - und wenn doch, dann vielleicht irgend welche fiesen Sachen. In meinen Romanen wurde so aus mir ein Drachenreiter und aus meiner Mutter eine Elfe, die den Menschen Rache geschworen hatte, Kriegerin wurde und einen bösen Plan in die Realität um zusetzten versuchte. Später fand ich mich dann in der Tochter des Drachenreiters wieder, was meine Wandlung schon wieder spiegelt, obwohl ich mich noch als der Autor Nikolai Fritz fühlte, als ich das schrieb.

Also nun soll es so etwas wie ein Tagebuch werden. Wie schreibt man ein Tagebuch? Wo und wie soll ich anfangen? Thema: Nicole genießt jetzt wie Michaela das Leben? - Wenn ich so weit wäre, dann wäre das sicherlich schön. Ich bin zwar zielstrebig auf dem Weg dort hin, aber noch lange nicht angekommen. Als Mann habe ich mich immer gefühlt wie auf einem falschen Planeten zur falschen Zeit in einer falschen Galaxie. Irgendwie ein außerirdisches Wesen, an dessen Raumschiff ein wichtiges Teil kaputt gegangen ist, sodass es nicht wieder starten kann. Soll ich also erst einmal von meiner Galaxie schreiben, wo meine Seele zu hause ist? - Ich denke nicht. Wer so etwas lesen möchte, kann sich meine Romane antun, die ich hoffentlich bald alle veröffentlicht bekomme.

Wo soll ich also anfangen? Mit meinem Gummipuppen-Fetisch und der damit beginnenden Selbstfindung? Oder schon früher? - Ich denke, was vor meiner Selbstfindung geschehen ist, haben hier alle ähnlich unangenehm erlebt und wollen deshalb nicht wirklich etwas darüber lesen. Wir wollen uns ja schließlich gegenseitig Mut machen und nicht gemeinsam jammern. Also werde ich mit meiner Selbstfindung beginnen. Dabei sind dann Nicoles Galaxie die Wünsche und Träume, die ich - so gut es jetzt noch möglich ist - in die Realität umsetzen möchte.

So viel erst einmal.

Liebe Grüße
Nicole
JanaH
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Re: Nicoles Galaxie

Post 2 im Thema

Beitrag von JanaH »

(ap) Das ist doch mal ein Anfang
Nicole Fritz
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Re: Nicoles Galaxie

Post 3 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Kapitel 1; Nicole Rubberdoll und die Elfe Miria

Für mich ist es nun vollkommen neu, mich selbst als die Person zu zeigen, die ich wirklich bin oder als die ich mich fühle. Da ist zunächst einmal ein Bild im Kopf, ein Ideal, das ich irgendwie in die Realität umsetzten möchte. Dann ist da aber dieser ziemlich kaputte Körper, der von dem Mann übrig geblieben ist, der ich einmal sein sollte. Aus dieser Situation entstand sicherlich zunächst der Wunsch meinen Frauenkleider-Fetisch in eine lebende Gummipuppe verwandeln zu wollen, die wie eine schöne junge Frau aussieht. Wie so etwas aussehen kann, ist hier zu sehen. Ganz so schräg wie auf einigen der Fotos sollte es bei mir zwar nicht werden, aber die Bilder vermitteln einen Eindruck davon.

Dass ein solches "Ganzkörper-Kondom" ziemlich viel Geld kostet, brauche ich sicher nicht besonders zu erwähnen. Also experimentierte ich erst einmal ohne Latexanzug herum. Dann schaffte ich eine preiswerte Maske aus Latex an. Die war aber bei weitem nicht so schön, wie sie auf dem Foto bei Ebay aussah. Unter der Maske war es feucht, heiß und stickig. Überall drückte es. Vor allem an den Augen war das unangenehm. Also müsste man sich doch mit so einem Latexanzug wie in der Sauna fühlen - und dazu vielleicht noch eingeengt oder eingeklemmt. Und wie wäre es draußen auf der Straße? Da würden doch alle nur gaffen, wie hier in diesem Video. Wollte ich so etwas? Mit einer Maske würde mich aber keiner erkennen. Das Bedürfnis mich zu verstecken war sehr groß. Ich müsste mich nur irgendwo weit weg von meinem Dorf draußen zeigen. Wo sollte ich mich aber dann umziehen? Irgendwie gefiel mir die ganze Sache immer weniger. Als Fetisch reizte es mich zwar sehr, aber die hohen Kosten für den Latexanzug und eine gut aussehende Maske aus Silikon ließen mich lange zögern. Zudem kam der Gedanke mich in Frauenkleidern draußen zu zeigen wohl immer mehr auf. Ich konnte mich auch nicht entscheiden, ob ich als "nackte" (Sex-)Gummipuppe einen preiswerteren roten oder schwarzen Latexanzug tragen soll oder einen teuren Hautfarbenen und normale Frauenkleidung darüber. Dabei muss der Anzug eine Maßanfertigung sein. Normale Größen passen mir nicht.

Was bei diesen Experimenten schließlich heraus kam, sieht in etwa so aus:

DCFC0167_1.jpg
Hier noch eine Anmerkung zu Latex und Masken: Der Übergang zu BDSM ist fließend. Eine Maske schränkt Gesichtsfeld und Atmung ein. Das steigert - wie auch die glatte Oberfläche eines Latexanzugs - die sexuelle Erregung. Der nächste Schritt wäre eine Maske mit Nasenschläuchen oder Knebeln. Wenn man beispielsweise bei Ebay oder Aliexpress nach solchen Sachen stöbert, stößt man auf ein riesiges Angebot. - Bei einigen der "Rubberdolls" habe ich jedoch den Eindruck, dass sie sich einfach nur nicht outen und hinter der Maske verstecken wollen. So richtig als Frau fühle ich mich mit einer Maske jedenfalls eher nicht. Es ist mehr das männliche (hetero-)sexuelle verlangen nach der schönen Frau, die ich im Spiegel sehe, und dieses zeitweilige aufregende Gefühl eine vollkommen andere Person zu sein. Wenn ich dann Maske und verhüllende Kleidung ablege, ist alles vorbei. Dann bin ich wieder diese Witzfigur, die ich nicht leiden kann.

Während ich so experimentierte und dabei immer öfter den ganzen Tag ganz oder auch nur teilweise in Frauenkleidern verbrachte, stellte sich ein vorher nie gekanntes Wohlgefühl ein. Gleichzeitig stöberte ich als Gast immer wieder hier im Forum herum. Das war der Anfang meiner Selbstfindung. Vorher wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass ich irgendwie trans* sein könnte. Das Bild von der Frau, die ich gerne sein wollte, änderte sich. An die Stelle der lebenden Gummipuppe trat immer mehr das Bild der schönen Elfe in meinem Roman, Miria, der Tochter des Drachenreiters. Und dieses sieht so aus:

Miria1.jpg
Also veränderte ich mein Aussehen als Frau immer wieder, damit es dem Bild der Elfe Miria näher kam. Inzwischen hatte ich mich im Forum angemeldet und mit dem zweiten Teil meiner Vorstellung so etwas wie einen Hilferuf abgesetzt - auf den ich viele hilfreiche Antworten bekam - danke. Nun konnte ich auch die Fotos im Forum betrachten und ich begriff so langsam, dass meine Erscheinung als Frau mehr alltagstauglich werden sollte. Bis zu meinem Coming Out dauerte es dann nicht mehr lange. Die ersten Versuche, bei denen ich mich in Behindertentoiletten in eine Frau verwandelte, waren im Simmerner Globus-Markt und in unserem Naturfreibad. Als Nicole bin ich allerdings erst viel später ins Wasser gegangen, da ich im Geiste meine Perücke davon schwimmen sah. Dann lief ich zunächst en femme in unserer Siedlung und im Wald herum, und schließlich fuhr ich auch so in die Stadt. So wurde aus dem Fetisch nach und nach eine Teilzeitfrau. Während dieser Phase wollte ich als Frau in etwa so aussehen:

DCFC0154_1.jpg
[Bild: DCFC0154_1.jpg]

Inzwischen wurde es Hochsommer. Ich war das erste mal bei der Selbsthilfegruppe in Koblenz. Unter meiner Perücke fühlte ich mich schon den ganzen Tag wie in einem Schnellkochtopf, während ich die Stadt erkundete. Und was ist völlig selbstverständlich das erste Thema bei einer Selbsthilfegruppe sofort nach dem Kennenlernen? - Bartepilation!? Nun hieß es: bei dunklen Haaren kann man lasern, wenn sie aber weiß sind, geht nur Nadelepilation. Also wollte ich zeigen, wie weiß meine Haare bereits sind, und nahm die Perücke ab. Die Haare kämmte ich in etwa so zurecht, wie ich sie jetzt trage. Nur waren sie da noch viel kürzer. Darauf meinten alle: Das sieht doch viel besser und natürlicher aus als mit dieser blöden Perücke. Also stopfte ich die Perücke in meine Tasche und setzte sie für die Rückfahrt nicht mehr auf.

Zu hause schaute ich in den Spiegel und dachte: Mit den weißen Haaren sehe ich doch aus wie meine Oma! Ich möchte zwar eine Frau sein, aber doch nicht meine eigene Großmutter. Was also tun? Wieder eine Perücke aufsetzen oder Haare wachsen lassen und färben? Letzteres wird sowieso langfristig die einzig vernünftige Lösung sein. Und auch als Mann kann ich ja lange gefärbte Haare haben. Aber wie lang wachsen meine Haare noch? Wie ist es da mit dem Bild der schönen Elfe? Eine meiner billigen Langhaar-Perücken hatte ich schon komplett verschlissen. Sie war so verfilzt und verheddert, dass ich sie wegwerfen konnte. Wenn Perücke, musste also langfristig etwas hochwertiges und teures - am besten wohl mit Echthaar - angeschafft werden. Also was wollte ich? Einfach mit meinen eigenen Haaren Nicole sein oder dem Bild der schönen Elfe so weit wie möglich entsprechen? Einige heiße Tage gaben schließlich den eigenen Haaren den Vorzug. Als neue Farbe wählte ich dunkelbraun.

Am Tag nach dem ersten Färben schaute ich morgens in den Spiegel. Wie? Hatte ich jetzt die ganze Nacht meine kurze dunkelhaarige Perücke auf gelassen? Dass ich das Abschminken vergesse, passiert ja manchmal, aber jetzt so etwas? Lässt da vielleicht Alzheimer grüßen? Ich zerrte daran. Die "Perücke" war fest gewachsen. Das war für die Nachteule Nicole irgendwie zu viel im frühen Morgen vor dem ersten Kaffee. Inzwischen genieße ich es, wenn ich morgens im Spiegel die noch vom Schlaf zerknitterte Nicole sehe und nicht diesen weißhaarigen blöden Hampelmann. Dann möchte ich auch den ganzen Tag als Nicole verbringen - also wenigstens ein Kleid anziehen, auch wenn ich zu hause bleibe. Silikonbrüste brauche ich dann nicht unbedingt, und ein Stoppelbart stört auch nicht weiter, wenn ich mich einfach nur als Nicole fühlen möchte.

Nun fragte ich mich: Wenn ich jetzt schon immer den ganzen Tag als Frau zu hause herum laufe, für wen soll ich dann eigentlich noch im Mann-Modus raus gehen? Ich steckte plötzlich in einem völligen Gefühlschaos - meine zweite Pubertät. An den heißen Tagen zog es mich und meinen Cousin ins Freibad. Anfangs sagte er immer: Wenn Nicole ins Freibad will, dann soll sie alleine gehen. Also ging ich noch zwei mal mit ihm im Mann-Modus schwimmen. Da hatte ich noch einen alten Badeanzug, der im Schrank meiner Mutter hing, obwohl er ihr viel zu groß war.

DCFC0026_1.jpg
Der passte mir knapp, aber mein Cousin meinte, dass ich darin schrecklich aussehe. Als ich schließlich einen neuen Badeanzug gekauft hatte, ging ich endlich mit ihm zusammen als Nicole schwimmen. Das letzte mal war ich bei der Bundestagswahl 2017 im Mann-Modus draußen, da ich befürchtete, dass man mich als Frau mit meinem alten Ausweis möglicherweise nicht wählen lassen würde - war wohl alles wieder nur Kopfkino. Jetzt habe ich jedenfalls einen neuen Ausweis mit aktuellem Foto.

So langsam sollte ich vielleicht mein Profil ändern. Teilzeitfrau stimmt nicht mehr so richtig. Aber was bin ich jetzt? Androgyn? Transvestit? Transfrau? Crossdresser? So genau weiß ich das immer noch nicht. Jedenfalls ziehe ich Männersachen nur noch für schmutzige Arbeiten an - ganz einfach weil ich keine alten abgetragenen Frauensachen habe. Und für ein kleines Nicole-Gefühl sind dann immer wieder BH und Silikonbrüste darunter. Also ist der Mann bei mir abgemeldet. Falls ich eine vollständige Transition machen will - wofür ich in meiner derzeitigen Situation keinen Grund sehe - kann ich also sagen, dass der Praxistest bereits angefangen hat. Sonst versuche ich jetzt wie Michaela einfach nur als Nicole das Leben zu genießen.

Damit endet das erste Kapitel zu Nicoles Galaxie.

Eure Nicole
Nicole Fritz
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Re: Nicoles Galaxie

Post 4 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Kapitel 2; Modellflug

Draußen ist es kalt. So richtiges trübes Sauwetter, das depressiv macht. Als Nikolaus hätte ich es mir sicherlich mit meinen besten Freunden gemütlich gemacht: Jim Beam, Jack Daniels und Johnny Walker. Soll sich aber nun Nicole auch wieder voll laufen lassen? Was hätte also Nikolaus ohne Alkohol gemacht? - Vielleicht hätte er an einem neuen Flugmodell gebastelt. Wie oft war aber überhaupt noch ein Modell in der Luft, seit es Nicole gibt? - Das war nicht oft. Ab und zu flog einmal ein kleiner Quadkopter im Garten oder meine Funcub von Multiplex über dem Acker neben unserer Siedlung.

Auf dem Flugplatz meines Modellfliegervereins war ich zuletzt im Sommer 2016 vor meinem Coming Out. Dann dachte immer wieder daran, dort einmal en femme hin zu gehen. Aber wie reagieren die Kameraden in einem doch recht konservativ geprägten Modellfliegerverein? Dort gibt es nur eine junge Frau, die ein Modell steuert. Alle anderen Frauen sind da nur irgendwie Anhängsel - zum Kuchen Backen oder Kaffee Kochen. Und dann taucht ein "verschollener" Kamerad plötzlich als Frau wieder auf. Irgendwie wollte ich mir das in diesem Sommer nicht antun. - Aber vielleicht im nächsten Frühjahr?

Nun gibt es ja da diesen Acker am Waldrand. Da brauche ich nur die Akkus aufzuladen, nehme ein Modell (mit Elektro-Antrieb; bei einem Verbrenner wäre schnell die Polizei da) und lasse es fliegen. Wenn der Acker im Herbst abgeerntet ist, kann ich sogar vom Boden aus starten. Sonst geht nur ein Start aus der Hand und am besten eine Bauchlandung ohne Fahrgestell. Aber ohne die Kameraden vom Modellflugplatz ist es irgendwie langweilig. Nun ist es draußen ungemütlich und ich schaue mir die wenigen Videos an, die mein Cousin von der Fliegerei aufgenommen hat. Hier sind zwei davon:





Was war es eigentlich, das Nikolaus zum Modellfliegen brachte? - Sicherlich ist da das mit dem Beruf als Ingenieur verbundene technische Interesse. Ein Flugzeug ist ein sehr komplizierter Apparat, der beim kleinsten Fehler in der Konstruktion oder Ausführung nicht flugfähig ist und nach dem ersten Start abstürzt (das Delta im ersten Video habe ich übrigens komplett selbst konstruiert und gebaut; und es fliegt, wie man sieht). Aber da ist noch mehr. Da war immer dieses Verlangen aus der Männerrolle zu entfliehen. Oft wäre ich am liebsten einfach davon geflogen. Das bin ich sogar zwei mal: einmal nach Moskau (der Heimat meiner damaligen Partnerin) und einmal nach St. Petersburg. Doch nach einer Woche landete mein Flieger jedes mal wieder in Düsseldorf. Und mit vielen Leuten in einem großen Flugzeug kommt das Gefühl von Freiheit nicht so richtig auf.

Ein "richtiges", also Mann tragendes Flugzeug und die dafür erforderliche Lizenz als Pilot kosten viel Geld. Lohnt es sich also, dass man sich dafür "krumm und buckelig" arbeitet? Und wenn man dann schließlich das Geld zusammen bekommt, hat man keine Zeit mehr zum Fliegen. Da ist es einfacher und viel preisgünstiger ein Modell fliegen zu lassen und im Geiste damit durch die Luft zu schweben. Nicole verspürt nun nicht mehr dieses Verlangen aus ihrer Rolle zu entfliehen. Also warum sollte sie dann noch davon fliegen wollen? Trotzdem ist Modellfliegen ein schönes Hobby.

Mal sehen, wie es damit weiter geht.

Eure Nicole
Michelle_Engelhardt
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Re: Nicoles Galaxie

Post 5 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt »

Liebe Nicole,

hab vielen Dank für die interessanten Einblicke in Dein Leben. Ich bin schon sehr gespannt auf eine Fortsetzung und insbesondere auch auf Nicoles weitere Entwicklung.

Liebe Grüße
Michelle
Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir 'ne PN!

Weihnachtsmarkt ist das Wacken für Büroangestellte!
Michel
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Re: Nicoles Galaxie

Post 6 im Thema

Beitrag von Michel »

Hallo Nicole,
Ich finde es sehr schön, das du Ordnung geschaffen hast, jetzt macht es richtig Spaß dich näher kennen zu lernen. Ich wünsche mir sehr, das wir mehr von dir lesen dürfen.
Weiter würde ich mir sehr wünschen, wenn unsere Nicole über alle Seiten aus ihrem Leben berichtet, denn dann kann ich mir besser ein Bild von dem Menschen machen, der über sich schreit.
Ich möchte gerne wissen, was geht in ihm vor oder besser gesagt welche Gefühle spielen eine Rolle wenn es ihr gut geht und welche Gefühle wenn es ihr mal schlecht geht.
Von den schönen Seiten im Leben wird ja hier mehr als genug geschrieben.
Mich interessiert immer der Mensch, der hier über sich schreibt und emotional seine wahren Gefühle rüber bringt.

Nicole mache bitte weiter so, du bist auf dem richtigen Weg.

Ganz liebe Grüße
Michaela
Manchmal lässt man jemanden gehen und bekommt sich selbst Stück für Stück zurück.
Simone 65
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Re: Nicoles Galaxie

Post 7 im Thema

Beitrag von Simone 65 »

Nicole , danke für den schönen Bericht. Vieles kann ich nachvollziehen. Sogar dein Hobby mit dem Modellfliegen . Bei mir ist es das Mottoradfahren . Dieses Jahr habe ich nur 500 Kilometer geschafft . Ich bin Simone .
Die Gefühlswelt kann ich nicht , du vielleicht beschreiben . LG Simone.

Bitte schreibe weiter .
Ich weiss ,ich bin ein Mensch und nur Das zählt.
Ich bin nur ein kleines Licht , aber ich leuchte .
Alle Menschen sollen mich sehen .
Brigitta
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Re: Nicoles Galaxie

Post 8 im Thema

Beitrag von Brigitta »

Hallo Nicole,
(moin)
auch ich möchte mich dafür bedanken, dass Du uns Deine "Galaxie" näher bringst.
Aus anderen Beiträgen habe ich Dich als interessante Persönlichkeit kennengelernt,
mit dieser Selbstdarstellung verstehe ich einige Deiner Aussagen noch besser.
:()b
Zwar kann ich Deine 'Gummipuppenleidenschaft" nicht nachvollziehen,
Dein Modellflughobby schon eher, aber ich finde es so oder so aufregend,
zu erfahren, wie andere mit ihren Neigungen und Gefühlen zurecht kommen.
Das hilft mir, mich selbst zu verstehen, zumindest ansatzweise ...
(na)
Liebe Grüße
Brigitta ))):s
Nicht jede Frau kann eine Gazelle sein. (Elena Uhlig)
Nicole Fritz
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Re: Nicoles Galaxie

Post 9 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Simone,

früher bin ich auch Motorrad gefahren - bis ich vor ca. 20 Jahren einen schweren Unfall hatte. Ich war irgendwie neben der Spur und bin auf einer meiner Hausstrecken einfach aus der Kurve geflogen. Danach hatte ich Angst, dass sich so etwas wiederholt, und ich dann vielleicht im Rollstuhl lande (den Tod hätte in in Kauf genommen). Ich habe mich dann auf kein Motorrad mehr gesetzt, was mir sehr schwer gefallen ist. Vielleicht sollte das Modellfliegen so etwas wie ein Ersatz dafür werden.

Und so sah mein letztes Motorrad - oder mein japanischer Drache - aus:
http://images.mcn.bauercdn.com/upload/9 ... scale=down

LG Nicole
Nicole Fritz
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Re: Nicoles Galaxie

Post 10 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo allerseits,

ich habe zwei weitere Kapitel zu "Nicoles Galaxie" fertig gestellt. Sie zu schreiben ist mir schwer gefallen. Ein Mann redet ja nicht über seine Gefühle. Und als Frau stehe ich noch ziemlich am Anfang.

Im Moment setzt mir das nasse, trübe Herbstwetter zu. Hier im Hunsrück ist schon der erste Schnee gefallen. Nicole kommt zu selten raus, und in meinem "Loch" weiß ich oft nicht, ob ich Männlein oder Weiblein bin. Da ist eben viel Zeit zum Grübeln und Zweifeln. Möchte nun Nikolaus zurück? - Ich denke eher nicht. Ich fühle mich einfach nur irgendwo zwischen den Geschlechtern. Und damit muss ich jetzt klar kommen.

An Klamotten für den Winter gibt es nun einiges. - Ich sollte mal ein paar Fotos machen. Aber mit Selbstauslöser mag ich es nicht, und mein "Kameramann" hat wieder keine Lust. Der hat das mit Nicole wohl immer noch nicht ganz begriffen.

Die Weihnachts-Deko überall in den Geschäften erinnert mich daran, dass für mich als Heide das Julfest zur Wintersonnenwende bald ansteht (das ist das mit dem beleuchteten Tannenbaum und dem Jületamte*). Dazu soll es wieder eine Weihnachtsgans geben. So wünscht es mein Cousin - also Platz in der Tiefkühlung schaffen und her mit dem Vieh, so lange es noch welche davon gibt.

* Weihnachtsmann auf schwedisch - der ist mehr Kobold als unser Nikolaus.

Dann habe ich schon seit längerem vor unserer evangelischen Gemeinde und dem Pfarrer zu zeigen, dass es bei Gottes Schöpfung nicht nur Einfalt, sondern auch Vielfalt gibt. Wenn aber Nicole sonntags endlich wach wird, ist der Gottesdienst wieder einmal längst vorbei. - Irgendwie schade. Aber Wecker stellen - nein danke.

So viel also zum Herbst und dem anstehenden Julfest. Nun geht es erst einmal mit "Nicoles Galaxie" weiter.

Liebe Grüße
Nicole
Nicole Fritz
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Re: Nicoles Galaxie

Post 11 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Kapitel 3; Soziale Kontakte

In irgend einem Beitrag hier im Forum bin ich auf ein Phasenmodell gestoßen. Eigentlich halte ich von sochem theoretischen Kram nicht viel, aber es passte irgendwie. Danach hätte ich eine Fetisch-, Erkennungs-, Offenbarungs- und Zweifelphase bereits hinter mir, und es müsste jetzt eine Verzweiflungsphase beginnen, auf die schließlich eine Begleitungsphase mit einem Psychotherapeuten folgen soll. Ich zweifle zwar immer wieder, aber so verzweifelt wie vor meinem Coming Out bin ich jetzt bei Weitem nicht.

Was mich beschäftigt, ist ein Weg aus meiner sozialen Isolation. Als ich vor etlichen Jahren irgendwie froh war meinen nur noch nervigen Job endlich los zu sein, zog ich mich in das Ferienhaus meiner Eltern im Hunsrück zurück. Meine Freunde aus Essen waren nun im Ruhrgebiet recht weit weg. Also telefonierten wir nur noch mehr oder weniger häufig. Das Thema war immer das selbe. Keiner verstand, warum ich nicht in mein altes Leben zurück wollte. Man bat mir immer wieder "Hilfe" an, die ich immer heftiger ablehnte. Schließlich wollte ich über dieses Thema nicht mehr reden. Also wurde ich am Telefon immer unfreundlicher, damit keiner mehr anruft. Ich erzählte, dass ich nun Parawissenschaftler und Schriftsteller sei. Ich schrieb viel, aber das blieb alles auf meiner Festplatte.

Nach einiger Zeit gab meine Mutter ihre Wohnung in Essen auf und zog zu mir in das Ferienhaus. Also war ich wieder der "kleine" Nikolaus. Dann kündigte sich eine Finanzkriese an. Ich hatte mein Erspartes in Wertpapieren angelegt und fürchtete große Verluste. Also verkaufte ich meine Aktien und kaufte dafür das Haus mit Grundstück eines Nachbarn. Da zog dann der Freund meiner Mutter als Mieter ein. Also war ich - wenn ich nicht gerade wieder schrieb - für Mama und ihren Freund da. Einige Jahre später ging Mamas Freund in ein Altenheim. Meiner Mutter ging es gesundheitlich immer schlechter. Sie bekam immer weniger Luft, was sie als Spätfolge einer Lungenerkrankung während des Krieges ansah. Eine genaue Untersuchung und eine Therapie lehnte sie ab. Zur Behandlung ließ sie sich von mir regelmäßig nach Bad Münster am Stein zur Saline bringen.

Mir war ziemlich schnell klar, dass es Lungenkrebs sein musste. Es hatte Knoten in der Brust gegeben. Da waren Metastasen in der Lunge nicht abwegig. Aber meine Mutter wollte sich auf keinen Fall behandeln lassen. Also unternahm ich nichts. Dann kam sie plötzlich auf die Idee, dass mein Cousin in das leer gewordene Haus einziehen sollte. Sie sah, dass ich einsam und verzweifelt war. Ich hätte sicherlich einen zahlungskräftigeren Mieter gefunden, wollte mich aber nicht wirklich um diese Sache kümmern. Bald war mit meinem Cousin alles klar und er zog dort ein. Wenige Monate später starb meine Mutter - mit fast 90 Jahren.

Und mit ihr starb alles, wofür der "kleine" Nikolaus noch gelebt hatte. Alles war plötzlich sinnlos: die beiden Häuser mit Garten, das Auto und die vielen Sachen, die mir meine Mutter zurück ließ. Für wen war das noch gut? Ein Kind als Erben gibt es nicht - nur die "buckelige" Verwandschaft, die reich genug ist. Jahrzehnte lang wurde mir eingeredet, dass ich mich um diesen ganzen Krempel kümmern müsste. Für wen eigentlich? Für Nikolaus, diesen Hampelmann, den ich nicht leiden kann? Und was jetzt?

Ich begann über meine Situation und meine Gefühle zu schreiben, verlegte aber die Handlung in eine fiktive Vorzeit mit Elfen, Zwergen und Drachen. Es wurden drei Romane: "Der Drachenreiter", "Die Rache einer Elfe" und "Mirias Reise". Dann folgte eine populärwissenschaftliche Darstellung meiner (para-)physikalischen Theorien. Im Frühjahr 2017 startete ich eine Veröffentlichung der ersten beiden Romane und des Paraphysik-Buches bei Amazon und anderen Anbietern. Der "Drachenreiter" wurde veröffentlicht. Dann fand man angeblich Rechtschreib- und Grammatikfehler, was vorher niemanden interessierte. Also konnte es nur mein ziemlich anarchischer Inhalt sein, den man nicht veröffentlichen wollte.

Mit meinem Coming Out wurde meine Schreiberei erst einmal uninteressant. Bei "Mirias Reise" fehlt immer noch der Schluss. Als Konzept in Stichworten ist er fertig, nur ich bekomme das irgendwie nicht in vollständige Sätze gefasst - Schreibblockade. Für Nicole ist das Reich der Drachen und Elfen schrecklich weit weg. Sie schreibt lieber hier im Forum etwas, wo es auch gelesen wird. Und nach unerwünschtem Inhalt in den anderen beiden Büchern - nach dessen Entfernung ja der Sinn entstellt würde - mag sie auch nicht suchen. Viel wichtiger ist die Frage, wie sie nun aus der sozialen Isolation heraus kommt, in die sich Nikolaus zurück gezogen hat.

Einem befreundeten Pärchen, das immer wieder Briefe geschickt hatte, schickte ich irgendwann im Sommer einen Brief, in dem ich ihnen mitteilte, dass ich jetzt Nicole bin. Eine Antwort gibt es bis jetzt nicht. Wahrscheinlich macht die Kunde von der Transe jetzt bei meinen alten Freunden die Runde. Ich will gar nicht wissen, was da geredet wird. Da halte ich es mit Udo Lindenberg: ".. aus, vorbei und furchtbar lange her.

Ich brauche unbedingt neue Kontakte. Also suchte ich nach einer Selbsthilfegruppe und fand sie in Koblenz. Dort fahre ich jetzt einmal im Monat hin. Das ist nicht viel. Zudem ist Koblenz recht weit weg. Also kam ich auf die Idee eine eigene Selbsthilfegruppe in Simmern zu gründen. Das habe ich dann mit KISS in Mainz angeleiert (siehe hier bei Plz 55469). Ende Januar wird es das erste Treffen geben. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Ich befürchte, dass ich nur wenige betroffene Hunsrücker zu einem (anonymen) Coming Out hinter dem Ofen weg bekomme. Auf dem Land hält man vieles streng geheim, obwohl es meistens alle schon längst wissen.

Sonst gehe ich so oft wie möglich nach Simmern und stöbere in den Geschäften. Dabei komme ich immer wieder mit verschiedenen Leuten zum Thema Trans* ins Gespräch. Das ist zwar kein Ersatz für ein intaktes soziales Umfeld, aber wenigstens eine Abwechslung. Ein längeres Gespräch hatte ich mit einer Frisörin in Koblenz. Ich war einfach in den Laden gegangen und hatte gefragt, was ich mit meinen Haaren anstellen könnte. Während des Gesprächs gab sie mir auch nützliche Tipps zur Haarpflege. In Simmern hatte ich bereits einen Frisörladen aufgesucht und wurde ziemlich knapp abgefertigt. Da sieht man den Unterschied zwischen Stadt und Land.

Irgendwie sollte ich mich bei meiner Nikolai-Fritz-Seite beim Book-Rix-Verlag auch mal melden und erklären, dass Nikolai Fritz jetzt Nicole Doll heißt. Aber wird Nicole überhaupt noch Bücher schreiben? Wenn nicht, würde es ja genügen, wenn alle vorhandenen Manuskripte veröffentlicht werden, und es beim alten Namen bleibt. Vielleicht hält mich genau diese Frage davon ab dort etwas zu unternehmen. Zudem müsste ich irgendwie Werbung für Nikolai Fritz und seine Bücher machen. Einige Versuche in verschiedenen Foren habe ich Anfang des Jahres bereits gestartet. Das gestaltet sich schwierig, da man es nicht gerne sieht, wenn man nur Werbung macht, statt sich wirklich aktiv im Forum zu beteiligen. Wenn ich das hier machen würde, hätte mich Anne-Mette bestimmt schon freundlich darauf hingewiesen. Ich habe auch überhaupt keine Lust mehr mich als Nikolai Fritz in irgendwelchen Foren interessant zu machen - oder soll ich als Nicole Doll etwas über Nikolai Fritz schreiben? - Vielleicht wird ja so etwas daraus. Dann könnte ich auch erklären, warum sich Nikolai Fritz nicht mehr meldet. Makabre Idee: Die Bücher verstorbener Autoren verkaufen sich doch besser!?

Eure Nicole
Nicole Fritz
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Re: Nicoles Galaxie

Post 12 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Kapitel 4; Gefühle und Partnerschaft

Als Mann hatte ich das Thema Partnerschaft schon lange abgeschlossen. Wenn ich zur sexuellen Befriedigung eine Frau haben wollte, wurde ich einfach selbst zur Frau. Wozu sollte ich mich also um etwas bemühen, was sowieso nie funktionierte? Und jetzt als "Transe"? Wie soll das gehen?

Dann sah ich die Fotos von Simones Hochzeit. So ganz unmöglich ist es ja wohl doch nicht. Als Heide kann ich zwar auf das Sakrament der Ehe großzügig verzichten, aber eine Partnerschaft mit einer Frau wäre trotzdem schön. Warum hat es denn mit dem Sex nie geklappt? - Es war doch, weil ich mit der Männerrolle nicht klar kam und einfach nur Angst hatte, dass es mit Familie und Kindern in einer Katastrophe enden könnte. Deshalb war ich komplett gehemmt und es funktionierte nicht.

Jetzt, in meinem Alter, spielen Familie und Kinder keine Rolle mehr - weder für mich noch für meine potentielle Partnerin. Und wenn ich mich komplett nackt ausziehe, bin ich immer noch ein Mann. Es müsste also meine Partnerin "nur" damit klar kommen, dass ich in Frauenkleidern herum laufe. Und meine Rolle als Mann beim Sex? Warum soll es nicht funktionieren, wo doch jetzt diese Angst nicht mehr da ist?

Und damit sind wir bei unserer Gesellschaft und ihrem Rollendenken. Mein Cousin hat sich ja schon daran gewöhnt, dass man uns als schwules Pärchen ansieht. Aber wie käme das mit einer Partnerin rüber? Würde man mich eher als Frau oder als verkleideten Mann ansehen? Wäre es dann vielleicht statt eines schwulen ein lesbisches Pärchen? - Na, ja. Die "richtige" unpassende Schublade würden diese "Bauern mit ihrem großen Trecker" (meine Schublade :P ) bestimmt finden. Aber lassen wir die "Bauern" doch denken, was sie wollen. Wichtig wäre doch nur, dass meine Partnerin damit klar kommt.

Wie sehe ich nun meine potentielle Partnerin? - An eine Frau für Familie und Kinder denke ich schon lange nicht mehr. Also müsste diese Partnerin lediglich den Körper einer Frau haben - mit allen äußeren Geschlechtsmerkmalen. Ich stehe nun mal auf Frauen. Und wenn diese Frau früher einmal ein Mann war? Eigentlich ist es doch egal. Es kommt doch auf den Menschen an. Und Sex mit einem Mann? An so etwas mag ich überhaupt nicht denken. Das ist sicher auch der Grund, warum ich mich nicht ganz als Frau fühle und eine vollständige Transition ablehne. Wieder so ein schräges Bild:
Ich bin komplett in eine Frau verwandelt und übernehme dann mit einem angeschnallten Dildo als Lesbe die männliche Rolle. Erst weg mit dem Ding und dann wieder dran? Darauf kann ich doch wirklich verzichten!

Also bleibt das Ding dran! - Aber größere eigene Brüste hätte schon gerne. Große Brüste fühlen sich einfach nur gut an - auch wenn es nur Silikon im BH ist. Weibliche Hormone wirken aber der männlichen Rolle beim Sex entgegen. Und eine operative Maßnahme? - also Brüste aus Bauchfett aufbauen oder Implantate? Beim Gedanken an Silikon in meinem Körper, bekomme ich ein unangenehmes Gefühl. Und wie echt sehen Brüste aus Bauchfett aus? Und wer bezahlt so etwas eigentlich? Bei einem entsprechenden psychiatrischen Gutachten müsste das zwar die Krankenkasse, aber zu diesem Thema sind mir in der Selbstilfegruppe schon Horrorgeschichten zu Ohren gekommen. Also möchte ich mich mit diesem Thema jetzt gar nicht beschäftigen. Ähnlich ist es mit dem Thema Bart-Epilation.

Für mich ist erst einmal der Weg aus der sozialen Isolation wichtig. Dabei würde eine Partnerschaft natürlich sehr helfen - obwohl ich mir das jetzt nicht wirklich vorstellen kann. Auch wenn Gedanken an das Verändern meines Körpers immer wieder aufkommen, denke ich, dass ich einen Schritt nach dem anderen machen sollte. Dann wird es sich zeigen, welche Veränderungen es an meinem Körper für die neue weibliche Rolle noch geben wird. Dass ich für meine Partnerin komplett in die Männerrolle zurück wechsle, kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen.

Ich denke, So klar wie hier habe ich mich in meinem ganzen Leben zum Thema Partnerschaft noch nie geäußert. Ich konnte es nicht, da ich selbst nicht wusste, was mit mir los ist. Ob es dann besser funktioniert hätte, sei dahin gestellt.

Eure Nicole
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Re: Nicoles Galaxie

Post 13 im Thema

Beitrag von JanaH »

Hallo Nicole

fühle Dich einfach nur gaaanz lieb gedrückt

Jana
Tatjana_59
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Re: Nicoles Galaxie

Post 14 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 »

Hallo Nicole,

vielen Dank für deine Geschichte, Dein Leben, Deine Misere, wie auch immer es nennen möchte, Dein innerstes hier öffentlich nach außen zu tragen finde ich sehr mutig.
Danke nochmal!
Ich schließe mich Janas Worten an, fühl dich auch von mir gedrückt.

LG Tatjana
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Brigitta
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Re: Nicoles Galaxie

Post 15 im Thema

Beitrag von Brigitta »

Hallo Nicole,
)))(:
von der Offenheit, mit der Du hier Dein Leben, Deine Gefühle und Dein Dilemma beschreibst, bin ich wirklich überwältigt!
Ich wünschte, ich könnte Dir irgendwie helfen, Deine Situation zu verbessern; aber ich weiß nicht wie ...
Doch, ...
Für mich ist erst einmal der Weg aus der sozialen Isolation wichtig.

... danach glaube ich, dass Du schon auf dem richtigen weg bist, denn Du hast erfasst, was Dir fehlt ...
... soziale Kontakte und Abstand von Deiner gewohnten, eingefrorenen Umgebung!
(flo)
Vielleicht, nein, hoffentlich ergibt sich dann auch eine Partnerschaft, die Dir doch do fehlt ...
... ich wünsche es Dir von ganzem Herzen!
(ki)
Liebe Grüße
Brigitta ))):s
Nicht jede Frau kann eine Gazelle sein. (Elena Uhlig)
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