Kapitel 53: Hildegard Knef hatte unrecht: "Bei uns wird's rote Rosen regnen" (es kommt etwas anders).
Hildegard Knef hatte mit ihrem Rote Rosen Lied einen Hit in den späten 60er Jahren, aber wie so oft müssen wir erkennen, dass Schlagerlyrik etwas anderes ist als die reale Welt, denn diese ist manchmal ziemlich unromantisch und kalt. Deshalb werden heute die Leser und Leserinnen enttäuscht sein, die erwarten, in diesem Kapitel etwas über super-schöne Gefühle beim Sex zwischen Valerie und Gunnar lesen zu dürfen. Genau hier wird es schwierig für mich als Erzähler, denn ich schreibe hier keinen Lore-Roman. Früher habe ich euch wohl mal versprochen, ein wenig Glanz und Glitter mit einfließen zu lassen in die Erzählung, auch ein wenig Träumerei, das stimmt. Aber märchenhaften Sex kann ich euch nicht bieten. Ihr habt euch bisher brav an die Hand nehmen und führen lassen und ihre netten kleinen Abenteuer, und nicht zu vergessen, manche ihrer seltsamen Kapriolen miterlebt. Ihr habt kurz mal gesehen, was sie dort alles tat und erlebte und euch erzählen lassen, wie sie sich dabei fühlte und wie sie so zurechtkam in einer ihr eigentlich sehr fremden Welt, nämlich der Welt der Frauen.
Diese Welt der Frauen war es ja auch immer, die Valerie explorieren wollte, worauf sie neugierig war, und wo ihre Erkundungtrips sie hinführten. Ihr erinnert euch noch an Valeries erstes Abenteuer mit einem realen Mann dort in diesem Frankfurter Hotel, und wie sie sich an diesem Party-Abend aus purer Neugierde entschloss, diesen geilen Rammler Karl-Heinz mit aufs Zimmer zu nehmen
um sich von ihm durchvögeln zu lassen in dieser Nacht. Drei- oder viermal hat er es ihr besorgt, damals. Aber was war eigentlich ihre Motivation, warum hat sie ihn rangelassen, was wollte sie fühlen oder spüren? Und man muss dabei auch bedenken: Der Typ war zwar jung und hübsch, aber intellektuell eigentlich nicht ganz ihr Niveau, Also: was wollte sie?
Richtig: Es war die pure Neugierde gewesen, sie war halt schon immer ein neugieriges Mädchen und damals im Hotel wollte sie eben wissen, wie es sich für eine Frau anfühlt (und äußerlich war sie an diesem Abend eine verdammt attraktive Frau), wenn ein junger Mann mit ihr Sex hat, sie bespringt, sie fickt, es ihr besorgt, in sie hinein ejakuliert, in sie abspritzt, sie schnackselt, und was es sonst noch für Ausdrücke gibt für diese Sache, die vielleicht zehn Minuten dauert, vielleicht auch mal zwanzig, wenn es hoch kommt.
Heute jedoch, mit Gunnar in ihrem Bett, war die Sache anders, völlig anders. Neugierde war jetzt keine mehr da, überhaupt nicht. In ihrem Kopf war Leere, als sie dort vor ihm bäuchlings auf der Matratze lag. Vorgedehnt hatte sie, beim Nachmittagsspaziergang mit einem Mini-Plug im Hintern, und jetzt hatte sie den großen Plug im Po, mit genügend Vaseline, in Erwartung der Dinge, die da kommen würden. Aber da war keine Spannung, und kaum Geilheit bei ihr.
Worauf sollte sie noch neugierig sein? Valerie wusste inzwischen recht genau, wie sich ein männlicher Penis im Po anfühlte, egal ob das jetzt ein künstlicher Dildo ist oder ein natürlicher Schwanz. Sie kannte recht gut das Gefühl, penetriert und ausgefüllt zu sein von einem Männerschwanz. Ob es ihr immer ein Hochgefühl verschaffte, ist eine ganz andere Frage.
Man könnte jetzt einfach unterstellen, ja sie mochte das Gefühl, als Transe einen Penis im Po zu haben, dort hinten ausgefüllt zu sein, die Kraft und die Stöße des Mannes zu spüren, seinen heissen Atem in ihrem Nacken. Unterstellt man dieses, könnte die Geschichte so weitergehen dass sie an diesem Abend ihren Gunnar eben verführte, so wie Frauen das tun, um nach der Liebesnacht dann glücklich einzuschlafen in seinen Armen, später mit wilden und süßen Träumen.
Leider, wir wissen das, ist das Leben kein Ponyhof und der reale Sex unter zwei Bio-Männern eben etwas anderes als der Sex zwischen Biomann und Biofrau. Valerie war ja, bei all ihren immer etwas widersprüchlichen Eigenschaften doch im Grunde stets ein ehrliches Mädchen gewesen, auch ehrlich zu sich selbst. Und wenn sie ihre Gefühle gegenüber Gunnar jetzt sortierte, dann wurde ihr zweierlei klar: Erstens war sie nicht mehr neugierig auf seinen Schwanz. Neugierig worauf? Sie kannte das Gefühl, wusste, wie sich das Teil anfühlte. Zweitens: Warum hatte sie dann die Plugs benutzt? Warum hatte sie ihren Anus vorgedehnt? Die Antwort war: Gedankenlosigkeit, oder eben deshalb, weil sie diese Sex Toys eben besaß und dem Gunnar etwas Nettes bieten wollte, weil sie ihm Gefallen wollte mit dem wenigen, was sie einem Mann eben bieten konnte als Transe, nämlich mit ihrem Po, ihrem Arsch, um es mit Luthers Worten zu sagen. Und warum wollte sie ihm gefallen? Weil sie ihren Gunnar gern mochte. Deshalb und aus keinem anderen Grund. War es also Liebe? War Liebe der Grund?
Vielleicht ja, vielleicht nein. Fragen über Fragen, und wer kennt die Antwort? Ich als Erzähler könnte euch jetzt anlügen und euch ein Kapitel raushauen mit wilden Stories vom abgehobenen und intergalaktischen Supersex zwischen den beiden. Mache ich aber nicht. Auch beschriebe ich keine der Stellungen, die die beiden ausprobierten. Für Stellungen müsst ihr Fachliteratur konsultieren, es gibt genug davon. Märchen dieser Art gibt es hier nicht, kann ich nicht, ist nicht drin. Also weder intergalaktischer heisser Sex und auch keine innigen Gefühle danach. sorry.
Wie er dann aber war, der Sex am Samstagabend dort oben in der kleinen Dachgeschosswohnung? Ganz nett, würde Valerie sagen, aber nichts Extremes. Höchstens beim Busen-Rubbeln habe sie gute Gefühle verspürt und auch das Gefühl, sich ihrem Lover hinzugeben, das habe ihr etwas gebracht, willenlos zu sein, das sei schön gewesen für sie. Warum sie so denkt? Klar, eine Transe wie Valerie hat keine Vagina und weil sie eben keine komplette Frau ist, fühlt sie auch beim Sex anders. Die beiden müssen eben beim Sex noch viel lernen. Dort wo Gunnar sich wohlfühlt, zum Beispiel wenn sein Penis tief drin steckt in ihrem Po, dort spürte Valerie im Grunde nicht sehr viel, höchstens dass dann oft das unpassende Gefühl aufkam, sie müsse aufs Klo, also nicht Angenehmes. Und das, was sie so mochte, nämlich in den Arm genommen und an den Brustwarzen gerubbelt zu werden (denn dort hatte sie ihre erogenen Zonen) dort war er wiederum völlig ahnungslos, also beide waren Anfänger, blutige Anfänger sozusagen.
Eines wird deutlich: Dem Nachmittag, der anfangs so romantisch verlaufen war mit dem Spaziergang im Zoo und mit anschließendem Kaffee und Kuchen in ihrer Wohnung, endete zwar nicht unschön oder etwa im Streit, aber ihre realer Sex, zu dem es dann doch noch kam, war schon noch entwicklungsfähig, steckte noch in den Kinderschuhen, sozusagen. Zwar hatte er sie später noch mit allem Drum und Dran schließlich doch noch a tergo gevögelt und nach einigen heißen Minuten, die ihr sehr lang vorkamen, seinen Samen in ihren Po ejakuliert, was jedoch nur ihm Erleichterung verschaffte, ihr dagegen überhaupt nicht. Typisch auch, wie sie darauf reagierte und gleich danach in ihrem kleinen Bad verschwand, um dort sein Ejakulat aus dem Po zu spülen. Er kriegte das natürlich mit und war darüber ein klein wenig irritiert. Aus beiden Reaktionen ist zu sehen, Valerie und auch Gunnar müssen noch viel lernen in der Liebe, und auch in dieser Beziehung wird es nicht von Anfang an nur rote Rosen regnen, wie die Knef damals so schön (aber verlogen) in ihrem Lied sang.
Besten Gruß, Valerie
Fortsetzung am nächsten Sonntag. Die nächsten Kapitel beschäftigen sich mit Valeries Arbeitswelt, wo ein paar dunkle Wolken aufziehen.