Mikah hat geschrieben: Mi 13. Sep 2017, 21:50
Hallo ihr Lieben!
Ich bin nun auch hier im Forum angemeldet und wollte mich vorstellen: Ich bin Mikah, 23 Jahre alt und seit 3 Jahren in einer sehr glücklichen Beziehung. Unser oberstes Credo ist Vertrauen und Ehrlichkeit, daher hat mir mein Partner schon nach einem Jahr vom Crossdressing erzählt. Doch erst, als er in voller Montur vor mir stand, verstand ich genau, wovon er redete und war komplett überfordert. Leider gab es bei uns nie ein langsames Herantasten für mich und so war meine Reaktion bis jetzt eher, dass ich alles versuchte von mir wegzuhalten. ...
Sah er zumindest gut aus oder muss sie das erst lernen?
Mikah hat geschrieben: Mi 13. Sep 2017, 21:50
Hallo ihr Lieben!
... Langsam geht es mir inzwischen aber besser und so versuche ich mich nun mehr mit "seinem" Thema zu beschäftigen, um für ihn auch so da sein zu können, wie er für mich da war (und natürlich kann ich nicht ewig wegrennen vor diesem Thema, das für mich leider alles andere als einfach ist). Leider finde ich aber bis jetzt nicht wirklich die Begeisterung dafür, die er sich von mir wünschen würde und die andere so schnell dafür finden.
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Begeisterung musst du ja auch nicht empfinden. Ich finde es total süß wie einige Partnerinnen - gerade die, die es akzeptieren, dass der Partner trans ist - sehr oft so weit gehen, dass sie alles dafür tun und sich irgendwie verpflichtet fühlen "sein Thema" oder "seine Neigung" voll zu verstehen, gut zu heißen und in jeglicher Hinsicht zu mögen. Kein Wunder, dass die meisten Partnerinnen - auch du - sich damit überfordert fühlen. Es ist ganz natürlich - sogar allgemein üblich - dass Menschen sich mit nahezu unmöglichen Aufgaben überfordert fühlen.
Aber ganz ruhig - du kannst dich zurück lehnen und entspannen: Niemand sagt, dass du es in jeglicher Hinsicht verstehen und mögen muss. Wenn dein Partner / gelegentlich Partnerin nicht ein komplett egozentrisches Biest ist, dann reicht es völlig, dass du es einfach als eine Tatsache erkennst. OK sie ist trans. Ich verstehe das nicht, tut ihr aber gut, ich mag sie trotzdem, ich mache bestimmt auch selber Sachen die er nicht versteht. Mit der Grundeinstellung werdet ihr wesentlich weiter kommen. Meine Partnerin versteht auch nicht vollständig, dass man so unterschiedliche Seiten haben kann, was Gender Identität betrifft - andererseits mag sie das in einigen Aspekten, versteht aber nicht immer, dass es auch voll visuell erkennbar für alle Ausgelebt werden muss. Für mich ist es wichtig, weil es zu einer ganz anderen Art der Interaktion mit den Mitmenschen führt. Nachdem sie erkannte, dass das auch tatsächlich funktioniert, obwohl sie nicht versteht warum, hat sie es als Tatsache azeptiert, dass es so ist. Ich akzeptiere, dass sie das nicht versteht und sie kann sich entspannt zurücklehnen und einfach die Tatsache erkennen, dass ich auch einen Umgangskreis habe oder auch andere soziale Funktionen habe, wo meine Interaktion mit anderen in der weiblichen Rolle statt findet. So einfach kann es sein!!
Nun gibt es natürlich Pärchen, die irgendwie glauben, dass sie ALLES zusammen tun müssen und ALLES über einander wissen müssen. Vielleicht gehört ihr auch zu denen. Da kann ich nur vorwarnen, dass die Einstellung in min. 80% Fällen irgendwie problematisch wird. In den Fällen, wo der Partner z.B. trans ist, ist es natürlich super, dass er trans ist, weil dann kann man das Problem darauf schieben - dann war er Schuld und man kann friedlich mit sich selbst weiter leben ohne sich zu verändern, weil man nicht weiß, dass die Ursache des Problems eine ganz andere war.
Was nämlich passiert nach mehreren Jahren, wenn ihr meint offensive Ehrlichkeit betreiben zu müssen - ALLES über einander wissen - KEINE Geheimnisse (fast unmöglich, übrigens) ist u.a., dass ihr euch gegenseitig zu Tode langweilen werdet. Wenn die Partner keine Überraschungen mehr bieten, nicht auf eigene Faust raus geht und Dinge erleben worüber sie einander erzählen können, und vielleicht zu neuen ganz überraschenden Erkenntnissen kommen, dann werden irgendwann auch nicht mehr im Stande sein zusammen, was Neues zu entdecken oder erleben. Die werden nämlich sich einbilden sein kannten einander ein- und auswendig aber in Wirklichkeit leben die sich auseinander.
Verstehst du was ich meine? Lehn dich zurück, erlebe es Stück für Stück. Etwas davon wird dir was zusagen, etwas nicht - wie alles im Leben. Dein Partner - manchmal Partnerin - muss auch selber entdecken. Entweder ist sie dazu bereit oder auch nicht - das kannst du eh nicht vorwegnehmen. Du musst nicht in deine Händchen klatschen und sagen - "oh, wie toll, dass mein Freund jetzt auch meine Freundin ist", weil vielleicht ist das auch gar nicht Teil des Pakets. Du könntest statt dessen sagen: "Schön, dass ich jetzt weiß, dass du auch eine weiblichere Seite hast. Was willst DU jetzt mit dieser neugewonnenen Freiheit machen? Und die zweite Frage: Bringt diese neugewonnenen Freiheit MIR was?"
Du kannst auch zig andere Fragen dazu formulieren - Es würde mich überraschen, wenn es unmittelbar Antworten geben würde. Die können aber die Aufmerksamkeit schärfen und Fokus auf die neuen Dinge bringen, die es zu entdecken und erleben gibt. Ob du dann diese Entwicklung ganz, teilweise oder gar nicht mögen wirst, weiß natürlich niemand. Aber wenn man so was immer vorab wissen würde, wäre das Leben eh langweilig.