Hallo nifi,
zunächst möchte ich Dich zu dem Mut beglückwünschen, Dich hier vor vielen, wenn auch anonymen Menschen mit Deiner Lebens- (und z. T. ja auch Leidens)geschichte zu "outen"
Je mehr ich über alles nachdenke, desto stärker wird meine Überzeugung: Die größten Mauern sind nicht um uns herum, die größten Mauern sind
in uns d'rin!
Sprich: wir merken, dass wir "anders" sind als andere - und dieses "anders sein" empfinden wir nicht als Gewinn, sondern wir zweifeln an uns selbst: warum können wir nicht so sein wie andere, nicht so "normal"? Was "stimmt" mit uns nicht? Oder, wie Du es formuliert hast: sind wir KRANK??
Und das, meine ich, ist schon einmal der ganz falsche Ansatz! Mir fällt da immer ein altes Lied von André Heller ein:
http://www.songtexte.com/songtext/andre ... 8052f.html
Ich finde, besser kann man es kaum auf den Punkt bringen!
Freilich ist die oft erlebte Ablehnung der Umwelt auch ein großer Stolperstein für die Erkenntnis, dass es keine Rolle spielt,
was wir sind, sondern nur,
wer wir sind! Will sagen, Charakter und Verhalten sollten die einzigen Kriterien sein, nach denen wir Menschen beurteilen, nicht aber "unveräußerliche" Merkmale, und dazu gehört die sexuelle Identität (auch eine im Verlauf des Lebens wechselnde) doch ebenso wie die Augenfarbe: beides können wir uns nicht aussuchen!
Aber wenn wir uns nicht zuerst "im Kopf" von falschen Wertvorstellungen befreien, dann werden wir uns umso schwerer damit tun, damit selbstbewusst und gefestigt auch "äußeren" Widerständen zu begegnen und Herausforderungen zu meistern. Wer nicht an selbst glaubt, hat es schwer, andere zu überzeugen, dass
sie an
ihn glauben!
Der größte Irrtum der "Mehrheitsgesellschaft" ist zu glauben, dass von der Norm abweichende sexuelle Identität/Orientierung "widernatürlich" wäre: das ist schon rein logisch Blödsinn, denn alles, was ist, ist Natur, also ist auch alles, was existiert, quasi per definitionem "natürlich". Hätte die Natur (alternativ: Gott) nicht gewollt, dass es Trans- und Intersexuelle gibt, dann wären sie niemals "geschaffen" worden. Der Rest ist Konvention, Kultur, Tradition usw., das ist aber eben menschengemacht und liegt nicht "in der Natur der Sache".
Man könnte einwenden. auch Krankheiten sind natürlich, dennoch etwas, was keiner will. Aber Krankheiten führen zu Leid, Schmerz und Qual, sie beeinträchtigen unser Leben und und unsere Gesundheit. Nichts davon trifft auf die sexuellen Identität zu: diese wird uns nur dann zur Belastung, wenn wir sie unterdrücken müssen und daran gehindert werden, sie auszuleben. Sexuelle Identität kann niemals "krank" sein, sondern eine Variation unter vielen, nicht besser oder schlechter wie andere (natürlich gilt dies nicht uneingeschränkt, insbes. nicht für sozialschädliche Formen wie Pädophilie o. ä.: Hier endet die Freiheit des Einzelnen an der Würde der Anderen und ich darf meine sexuelle Identität/Neigung niemals zu Lasten Dritter ausleben! Aber das steht ja hier nicht zur Debatte.)
Ich wünsche Dir die Stärke und die Kraft, Dich zu dem Menschen zu bekennen, der Du "tief in dir drin" sein willst, und diese Stärke und Kraft mögen Dir helfen, damit einen mitunter steinigen, aber letztlich doch "alternativlosen" Weg zu gehen
LG N.