Flirting with danger
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Lebensplanung, Standorte
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Valerie Bellegarde
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Flirting with danger

Post 1 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

In meinem alten Institut hatten wir im Besprechungsraum an der Wand diese vergrößerten Fotos als eine Art Wandtapete mit Szenen aus Baustellen in New York im 19. Jahrhundert, so etwa 1880 / 1890. Auf einem davon war die Stahlkonstruktion eines Wolkenkratzers im Bau abgebildet. Gewaltige T-Träger wurden miteinander verschraubt und verschweißt, und auf einem dieser Fotos waren ca. acht Arbeiter zu sehen, die gerade Frühstückspause hoch oben in luftiger Höhe machten. Die hockten ungesichert nebeneinander wie die Spatzen auf einem nur ca. 40cm breiten Querträger, hatten ihre Frühstücksbrote ausgepackt, ließen die Beine baumeln, lachten, redeten und waren richtig gut drauf. Das Ganze wohlgemerkt in hundert Meter Höhe oder mehr, ohne Sicherung oder Schutzhelm, nein sie hatten nur einfache Overalls an, Pullover oder ziemlich abgerissene Hemden, die Schiebermütze aus der Stirn geschoben weil ihnen von der Arbeit heiß war. Bauarbeiter muss damals ein sehr gefährlicher Job gewesen sein. Ein sehr stimmungsvolles und spannendes Foto, das so tituliert war: " FLIRTING WITH DANGER "

Warum ich das hier erzähle? Der Satz "flirting with danger" drückt etwas aus, das man auch über meine Crossdresserei sagen könnte. Nämlich einerseits den flirt, die Lust an weiblicher Kleidung, das Herumspielen mit weiblichen Merkmalen und Attributen, die nicht zu mir als Mann gehören aber dennoch (zeitweise) ungeheuer reizvoll für mich sind, und auf der anderen Seite die Gefahr entdeckt zu werden, aufzufliegen, mit allen wohlbekannten negativen Folgen die ich hier nicht ausbreiten muss. Ich spreche hier ausschließlich für mich und weiß dass die Folgen ebenso katastrophal für mich als Person wären, als wäre ich einer der Arbeiter in 100 Meter Höhe (oben), nämlich der (mögliche) Absturz. Obwohl mir das alles sehr klar ist, und man schließlich ganz einfach sagen könnte "hör doch einfach auf mit deinem Hobby und die Gefahr ist weg", kommt ein Aufhören für mich überhaupt nicht infrage. Ich will immer weitermachen mit Crossdressen, weitergehen, mich in neuen Situationen in der Öffentlichkeit ausprobieren als Frau. Gerade arbeite ich an der Stimme. Gleichzeitig bin ich immer ein (erfolgreicher) Mann gewesen und will es auch bleiben. Eigentlich sehr irrational diese Aussage, und um es vollends verzwickt zu machen: auch Irrationalität passt überhaupt nicht zu meiner Persönlichkeit und schizophren bin ich auch nicht, soviel mir bekannt ist, sondern eher der coole und wissenschaftliche Typ. Wer hat einen Rat?

LG, Valerie
Mina
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Re: Flirting with danger

Post 2 im Thema

Beitrag von Mina »

Valerie, um es ganz kurz zu machen. Rationalität und Wissenschaft sind auch meine Leidenschaften.

Aber trotzdem begebe ich mich allzugerne in den 84 Stock des Rohbaustahlgerüstes und balanciere über die für die Höhe viel zu schmalen T- Träger.

Da bedeutet, ich Dusche mich. Mach meine Frisur, mittlerweile ohne Fiffi und schminke mich weiblich. Dann gehe ich zum Kleiderschrank und ziehe meinen String, die blickdichten Strümpfe und meinen BH mit Einlagen an. Dazu dann ein Tanktop und meine hohen Stiefel.

So genieße ich es dann völlig neutral Frau in allen Attributen zu sein. Das ist nicht sexuell, schlicht nur das Fühlen.

An anderen Tagen kann es ein Kostüm oder Cocktailkleid sein. Je nach Tag und Laune.

Die Baustelle ist aber nie fertig und stehts Wandel ich auf diesen kalten und starren Doppel T- Trägern durch meine Welt. Aber ich fühle mich dann trotz der Höhe und des schmalen Grades wohl. Zuhause.

Wüssten meine Kollegen von meiner wirklichen Identität, könnte ich auch direkt kündigen. Ganz sicher. Auch wenn andere das selbe gedacht haben und es doch anders kam. Bei mir würde es leider so sein.

Das wünsche ich allen. Sich zu Hause zu fühlen.

Liebe Grüße
Mina
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Rose
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Re: Flirting with danger

Post 3 im Thema

Beitrag von Rose »

Liebe Valerie und Mina

Ich habe auch immer das Gefühl das ich auf einer Rasierklinge laufe. Ich arbeite in einer kleinen Stadt und wohne dort. Dadurch das ich in einem Verein bin der viele Aktionen macht, kenne ich sehr viele Menschen. Ich könnte mich auch nicht als Frau auf die Straße trauen da könnte ich gleich auswandern. Auch als Schutz für meine kleine Tochter mache ich das nicht. Wenn ich mich Zuhause zurecht mache fühle ich mich richtig als Frau, bis ebend auf die Körperteile. Da oft unerwartet Besuch kommt, und ich mit meinen Schwiegereltern unter ein Dach wohne laufe ich immer auf einer scharfen Klinge. Auf der einen Seite wohlfühlen zack schnell verduften und umziehen. Meine Frau will auch nicht das es jemand mitbekommt.
Ich denke viele kennen das.
Grüß
Rose
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Re: Flirting with danger

Post 4 im Thema

Beitrag von Mina »

Rose hat geschrieben: So 6. Aug 2017, 07:47 Da oft unerwartet Besuch kommt,
Hahahaha, kenn ich - mein Rekord beim Umziehen an einem Tag liegt bei : 7

Sorry, ich will das nicht ins Lächerliche ziehen aber es hat den Vorteil das man unfassbar schnell lernt sich zu stylen. Für meine Grundmaske/Alltagsschminke brauche ich mittlerweile nur noch 6 Minuten. Würde auch schneller gehen, gäbe es endlich mal schnelltrocknende Wimperntusche )))(: :D

Aber mal zurück zum Ernst. Es ist schon manchmal sehr erschütternd, nicht einfach ohne darüber nachzudenken das Haus zu verlassen oder zur Arbeit zu gehen. Das Haus zu verlassen ist zwar nicht das große Problem, bin bei meinen Nachbaren ja schon geoutet. Trotzdem kann die größte Stadt ein Dorf sein.

Ja, es wäre schön wenn alles einfach wäre und wir in einer Welt leben würden welche auf so etwas gar kein Augenmerk richten würde. Wo alle einfach sie selber sind und andere so normal lassen wie es eben selbstverständlich ist aufs Klo zu müssen.

Bei uns scheint die Sonne heute (so) )))(:

Einen schönen Sonntag Euch (ki)

Mina
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Re: Flirting with danger

Post 5 im Thema

Beitrag von Rose »

Hier scheint auch die Sonne.
Sitze auch mit einer Tasse Kaffee auf der Terasse in den Strahen der Sonne. Und fühle mich zumindest für diese Zeit frei. Als wäre alles normal. Geoutet bin ich nirgends außer hier. Aus Respekt und Rücksichtnahme meiner Frau und Tochter. Selbst ich wüsste nicht ob das gut wäre. Ich werde oft schon blöd angesprochen, weil ich immer sage jeder sollte leben dürfen wie er will. Und das unsere Gesellschaft prüde und verklemmt ist. Das alles einer DIN entsprechen muss. Und auch Freunde und Bekannte man hört ja bei Gesprächen oft wie die über Leute reden, die nicht der DIN entsprechen.
Jeder sollte so leben wie er will.
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Re: Flirting with danger

Post 6 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

Rose hat geschrieben: So 6. Aug 2017, 08:11 Hier scheint auch die Sonne.
Sitze auch mit einer Tasse Kaffee auf der Terasse in den Strahen der Sonne. Und fühle mich zumindest für diese Zeit frei. Als wäre alles normal. Geoutet bin ich nirgends außer hier. Aus Respekt und Rücksichtnahme meiner Frau und Tochter.
Ich kann das alles unterschreiben, das was du über den Respekt und die Rücksichtnahme gegenüber deiner Frau und Tochter sagst. Dass du es lieber mit dir selbst ausmachst. Genauso geht es mir auch. Und es kommt noch der Rücksichtname gegenüber meiner gesellschaftlichen Umwelt dazu. Ich will niemanden draußen unter den Normalos mit diesem meinem "Problem" belasten. Deshalb kein Outing. Ich glaube, nach so vielen Jahren als temporärer Crossdresser gelernt zu haben, dass ein kompletter und dauerhafter Rollenwechsel MzF in meinem Fall weder nötig noch sinnvoll ist. Es gibt auch keinen "Leidensdruck", wenn ich meine Frauensachen mal ein, zwei Monate nicht auspacken kann. Ich sehe das Dressen im echten Wortsinn als ein Rollenspiel, das mir immer wieder sehr viel Spass macht, aber es ist keine Sucht für mich. Mit anderen Worten, ich versuche meiner Männerrolle im Alltag gerecht zu werden (warum auch nicht? sie ist sehr angenehm), aber in Ausnahmefällen (vielleicht ein paar Tage, vielleicht auch mal eine, zwei Wochen lang) in die Rolle einer Frau zu schlüpfen, die ganzen materiellen Möglichkeiten dazu habe ich. Und dabei meine ich, die Frauenrolle mit (fast) allen Konsequenzen. Allerdings wenn ich ehrlich bin, bin ich dabei noch nicht sehr weit gekommen (alle Konsequenzen). Ich spiele da noch rum, ich gehe zwar raus an die Öffentlichkeit, probiere die eine oder andere Umgebung aus, ich ziehe ein paar Blicke auf mich, ich habe auch angefangen mit anderen Leuten zu sprechen, wenn ich en femme draußen bin, allerdings eher mit anderen Frauen, und vor allem mit Frauen meines Alters. (fällt mir bisher noch leichter). Zu Stammtischen gehe ich nicht, das ist es nicht was ich suche. Richtige Beziehungen zu anderen, auch z.B. zu Männern konnte ich noch keine aufbauen, das wäre schon reizvoll. Hier wären wir wieder beim Punkt "Flirten mit der Gefahr". Mal sehen, was die Zukunft noch bringt.

LG, Valerie :()b
Valerie Bellegarde
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Re: Flirting with danger

Post 7 im Thema

Beitrag von Valerie Bellegarde »

Mina hat geschrieben: Sa 5. Aug 2017, 17:25 Valerie, um es ganz kurz zu machen. Rationalität und Wissenschaft sind auch meine Leidenschaften.

Aber trotzdem begebe ich mich allzugerne in den 84 Stock des Rohbaustahlgerüstes und balanciere über die für die Höhe viel zu schmalen T- Träger.

Liebe Grüße
Mina
Liebe Mina,
Da kann ich dir nur eines wünschen, und zwar von ganzem Herzen: Fall da niemals runter, und tu dir nicht weh, fall trotzdem was passieren sollte.

LG,
Valerie
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