Hallo Michelle, Nabend zusammen,
"xenocaputokinooptische" Nicht mal Google kennt dieses Wort......
Das ist ein Quatschbegriff mit ernstem trans-Hintergrund. Als der Beitrag noch ein Entwurf war, wurde er mal als ernstes Wörtchen geboren. Ich find ihn aber witzig und bin eh so langsam der Ansicht, dass ich diesem Thema möglichst nur noch mit Humor begegnen sollte.
Zusammengebastelt isser aus
xeno = fremd- ; (Xenos = der Fremde)
Caput = der Kopf
Kino = Kino (Raum für Filmvorführungen)
optisch = mittels Licht übertragen, sichtbar
Reputation = das Ansehen einer Person
Der Quatschbegriff meint also die gefühlte, abwertende Wirkung (auf die eigene Reputation) eines vermuteten Films, der im Kopfkino (caputokino) eines Fremden (xeno) über andere Fremde (auch xeno) laufen könnte. Das Drehbuch dieses Films beruht auf nichts weiter als der von aussen (optisch) sichtbaren Information über jemanden.
Zum Beispiel so:
Jemand sieht mich mit Bart, Rock und Pumps in der U-Bahn sitzen (oder über eine Brücke gehen, wenn die Geschichte im Ausland spielt). Dieser Mensch weiss nichts weiter über mich, als dass ich grade in der U-Bahn sitze, Pumps, Rock und Bart trage und was er sonst noch
(optisch) sehen kann; eine Handtasche aus der ein Trans-Pinguin rausguckt, ein besticktes Top, stark behaarte Arme, rasierte Beine, ein Blumen-Tattoo, die Halskette, das bunte Armband, breite Hände usw.. *
(siehe Fussnote)
Der Fremde
(xeno) weiss also ungefähr nichts über mich und meine Selbstbestimmung. Und auch ich hab in dem Moment absolut keine Ahnung, was in seinem Kopf
(Caput) vorgeht. Ich
könnte mir aber vorstellen, dass er einen Film im Kopf hat
(Kino), in dem Menschen mit behaarten Armen und in Pumps halbnackt um ein Feuer tanzen, schmutzige Lieder singen und rothaarige Jungfrauen opfern (
Himmel, hat der 'ne Phantasie
).
Obwohl ich ganz sicher weiss, dass ich das mit den Jungfrauen nicht tue und auch nicht tun will,
könnte ich mir wegen des möglichen Kopfkinos des Anderen aber vielleicht trotzdem Sorgen um mein Bild in der Öffentlichkeit machen. Wer will schon gerne für jemand gehalten werden, der Jungfrauen opfert? Ich rasiere mir also den Bart ab und auch die Arme werden rasiert. Ich setze mir eine Perücke auf, schminke mich und schicke den Trans-Pinguin in die
Wüste Antarktis. Das alles in der Hoffnung, dass andere Leute in einer anderen U-Bahn dann einen ganz anderen Film im Kopfkino haben, wenn sie mich sehen. So einen wie die Waschmittel-Werbung von damals vielleicht; treusorgend, sauber, adrett (
und mit 'nem leicht penetranten Geruch nach chemisch imitierter Frische).
Das kann man so machen und es ist auch OK. Der Clou daran ist aber: Der Kopfkinofilm des Fremden hätte schon kaum eine vernünftige Informationsbasis und obendrein weiss ich selbst absolut gar nichts über diesen Film. Vielleicht gibt es ihn, vielleicht nicht. Vielleicht kommen darin weder Jungfrauen noch ich selbst vor. Womöglich starrt der Fremde einfach nur so Löcher in die Luft und denkt leise schluchzend an den letzten Kontoauszug. Dann wären seine finanzielle Schieflage und meine Fehleinschätzung über einen nie gelaufenen Film der Grund dafür, dass ich mich anders verhalte, als ich es eigentlich möchte. Na super, da geh ich doch lieber gar nicht erst ins Kopfkino.
Richtig kurios wird die Sache, wenn ich mir nicht selbst Gedanken über das Kopfkino des Fremden mache, sondern eine dritte Person
(auch xeno) dies tut, die zufällig auch in dieser U-Bahn sitzt. Diese Person könnte sich dann zusammenphantasieren, dass die Sicht des Fremden auf meine Person (also die Sache mit den Jungfrauen) irgendetwas mit ihr selbst und ihrer Reputation
(Reputation) zu tun hätte. Und wenn sie dann, wegen ihrer Fehlinterpretation des vermeintlichen Kopfkinos des Fremden, das wiederum auf keiner vernünftigen Information über mich basieren würde,
mir ein normiertes Äusseres verpassen will, ist die Sache komplett dem Wahnsinn anheimgefallen.
Wenn der Fremde auch noch aus Hollywood käme, sähe man Im Abspann des Films die Reste der individuellen Selbstbestimmung, umtanzt von rothaarigen Jungfrauen, auf dem Altar der Normierung verglühen und in die Nase stiege ein Geruch, der irgendwie an Persil erinnert.
Fazit: Ich stülpe mir keine Normierung über, nur weil ich zufällig in der gleichen U-Bahn sitze wie ein Typ, der kein Kopfkino, sondern ein notleidendes Girokonto hat. Und schon gar nicht lass ich mich durch die Fehlinterpretation nicht gelaufener Filme durch Dritte normieren, zumal ich nicht sicher sein kann, ob diese Person nicht doch des Nächtens, ganz adrett, um ein Feuer tanzt und die freie Selbstbestimmung oder gleich die Jungfrauen, opfert. Man weiss es ja nicht.
Habt es gut
Marielle
*) Na? Wer hat jetzt welchen Film im Kopf?
