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ich hätte nicht gedacht, dass ich diesen Thread noch einmal wiederbelebe. Doch der Stein ist ein klein wenig weitergerollt und der Thread wäre nicht vollständig, wenn ich nicht darüber schreiben würde.
Bevor ich zum eigentlichen Anlass komme, ein kurzer Rückblick auf die letzten beiden Jahre (so lange ist es her, dass ich diesen Thread stillgelegt habe). Mir ist es in dieser Zeit gut ergangen. Mein Umfeld ist weiter stabil und mein Leben hat sich zusehends normalisiert. Über Transsexualität spreche ich kaum noch und auch in meinen Gedanken spielt es kaum noch eine Rolle.
Wie in meinem Burlesquethread zu lesen ist, hat dieses Thema immer größeren Raum in meinem Leben eingenommen. Hinter mir liegen zahlreiche Auftritte, ich habe seit Mai diesen Jahres meine eigene Show und Anfang des Jahres habe ich auch damit begonnen selbst Burlesque zu unterrichten. Mich macht das sehr glücklich und mein Gefühl sagt mir, dass das genau das Richtige für mich ist.
Nun zum eigentlichen Anlass hier zu schreiben. In meiner Entwicklung gab es noch einen Punkt, der eine ganze Weile offen war: die Konfrontation mit der Vergangenheit, meiner Kindheit und Jugend. In dieser Zeit sind sehr viele schlimme Dinge mit mir passiert, die mich beinahe völlig aus der Bahn geworfen hätten. Die Details möchte ich hier gar nicht ausbreiten, doch Stichpunkte sind seelischer Missbrauch, Mobbing (das hieß damals halt noch nicht so) und körperliche Gewalt. Ich habe viele Jahre bzw. ein paar Jahrzehnte gebraucht um damit fertig zu werden.
Irgendwann ist mir klar geworden, dass ich an meinen Heimatort (heißt halt so, fühlt sich in dem Fall aber gar nicht wie Heimat an) zurückkehren muss. Ich wollte im Geiste diese Situation noch einmal durchleben um das alles ab zu schließen und dann hinter mir zu lassen. Letztes Wochenende war es dann so weit. Ich bin mit meiner Partnerin zu diesem Heimatort gefahren und sie hat mich an dem einen Ende aussteigen lassen. Natürlich hat sie mir angeboten mit mir zu kommen, doch da wollte ich alleine durch.
Ich bin dann durch den Ort gelaufen und habe ganz gezielt Stellen aufgesucht, an den mir all diese Dinge widerfahren sind. Erwartungsgemäß hat das dann sofort diese Erinnerungen nach oben gespült, so als ob es erst gestern gewesen ist. Doch ich konnte diese Erinnerungen mit dem Gedanken überwinden, dass ich immer noch da bin, dass ich es endlich geschafft habe und dass ich stärker bin, als all das Schlechte, was mir damals passiert ist.
So ging ich dann von einer Stelle zur nächsten bis mich meine Partnerin wieder eingesammelt hat und wir wieder weg gefahren sind.
Noch beschäftigt mich das, doch ich bin gerade dabei es wirklich ab zu schließen und meinen Frieden zu machen. Ein paar Tage wird es noch dauern, dann ist es geschafft.
Für mich ist das ein wichtiger letzter Schritt in der Transitionen. Transition verstehe ich auch als den Weg zu mir selbst, zu meinem wirklichen "ich". Die früheren Erlebnisse haben mich lange belastet und bestimmt Sie haben mich viele Dinge tun lassen, die ich ohne diese Erlebnisse nicht getan hätte. Auch deshalb war es mir so wichtig, das zu tun. Damit das mich nicht mehr bestimmt und ich endlich frei sein kann.
Liebe Grüße
Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.
Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)
Anke hat geschrieben: Do 1. Aug 2019, 15:37
zurückkehren muss. Ich wollte im Geiste diese Situation noch einmal durchleben um das alles ab zu schließen und dann hinter mir zu lassen.
Mir geht es ähnlich. Als meine Frau Ende 2018 mit mir sehr viel über Vergangenes gesprochen hat, kam es manchmal zu verzögerten Rückmeldungen von mir, da ich mich erst einmal (in meinem Fall gedanklich) auf den Weg in die Vergangenheit machen musste, um mich "von einem anderen Standpunkt aus in der Situation zu betrachten".
Ende August gehe ich aber nicht nur gedanklich, sondern tatsächlich in die Vergangenheit zurück (wenn ich bis dahin nicht vollkommen verzweifelt bin).
Ich bin zu einem Klassentreffen eingeladen, das auf meiner "Heimatinsel" stattfindet.