Hallo zusammen,
aus gegebenem Anlass möchte ich den Thread noch mal nach oben holen ...
Ich hasse es, dass ich gerade bei negativen Sachverhalten immer wieder richtig liege, was meine Einschätzungen betrifft.
Wenn für die Regierung alles glatt läuft, wird am 21.6. zusammen mit anderen fragwürdigen Regelungen ein Vermummungsverbot im Auto beschlossen. Wenn man bedenkt, dass gerade erst entgegen aller ursprünglichen Beteuerungen der weitreichende Zugriff auf unsere biometrischen Passbilder beschlossen wurde, und die PKW-Maut mit umfassender Videoüberwachung gegen Maut-Sünder auf dem Plan steht, kann diese Regelung nur der regelmäßigen automatisierten Identifizierung von Fahrzeugführern dienen, und ist damit ein wesentlicher Baustein zur flächendeckenden Überwachung aller Bürger. Und wer deswegen nicht mehr mit dem Auto fährt, der wird eben auf Bahnhöfen u.ä. identifiziert und verhaltensüberwacht. Am Bahnhof Südkreuz startet schon bald der Testbetrieb. Aktuell werden für den Test Statisten rekrutiert, die zudem mit Transpondern ausgestattet werden sollen, um die Treffergenauigkeit der Überwachungssoftware messen zu können.
Aber weiter zum Vermummungsverbot ...
Gemäß der Bundesdrucksache
424-17 auf (Seite Nr. 25-26) scheint es zwar erst einmal nicht ganz so dramatisch, wie anderweitig im Netz dargestellt:
https://www.teltarif.de/freisprechen-si ... l?page=all
https://peter-pernsteiner.de/bundestags ... nenbrille/
Dennoch hat die Formulierung ihre Tücken:
(Einfügung -§ 23 Absatz 4 StVO)
Die Vorschrift gewährleistet geschlechtsneutral die Erkennbarkeit der das Kraftfahrzeug
führenden Person während der Verkehrsteilnahme. Verdecken oder Verhüllen bedeutet,
-25- Drucksache 424/17
dass das Gesicht mit seinen ausschlaggebenden Zügen wie Auge, Nase, Mund nicht mehr
erkennbar ist. Damit fallen weder reine Kopfbedeckungen, die das Gesicht freilassen (z. B.
Hut, Mütze, Kappe, Kopftuch, Perücke) unter das Verbot, noch eine Gesichtsbemalung, -
behaarung oder etwaiger Gesichtsschmuck (z. B. Tätowierung, Piercing, Karnevals- oder
Faschingsschminke), noch die Sicht erhaltene oder unterstützende Brillen (z. B. Sonnenbrille),
die nur geringfügige Teile des Gesichts umfassen, im Wesentlichen aber die Erkennbarkeit
der Gesichtszüge nicht beeinträchtigen. Unter das Verbot fällt damit das Tragen
von Masken, Schleiern und Hauben, die das ganze Gesicht oder wesentliche Teile des
Gesichts verdecken. Dies stellt auch kein Übermaß dar, schließlich sind solche Gesichtsbedeckungen
jederzeit ohne großen Aufwand auf- und absetzbar.
Entscheidend ist die Formulierung "im Wesentlichen aber die Erkennbarkeit der Gesichtszüge nicht beeinträchtigen." Diese schafft einen erheblichen Spielraum für Interpretationen, ob also eine Sonnenbrille oder andere Gegenstände und Hilfsmittel nur geringfügige oder doch schon wesentliche Teile des Gesichtes bedecken. Man denke z.B. auch an in unseren Kreisen empfohlene Schminktechniken, die das Gesicht optisch sehr stark verändern können, und damit die Identifizierung erheblich erschweren. Auch meine Perücken reichen schon recht weit ins Gesicht, und meine schicke Sonnenbrille kann ich dann ebenfalls nicht mehr tragen, obwohl große Gläser gerade beim Autofahren gut gegen seitliche Blendung schützen. (Schließlich kommt die Sonne nicht immer gerade von vorn.)
Davon abgesehen bleibt abzuwarten, ob die Änderung in diesem Wortlaut beschlossen wird, oder in letzter Minute noch eine (verschärfende) Veränderung vorgenommen wird. So ungewöhnlich und neu ist das ja nicht. (
Änderung zum Meldegesetz 2012 in letzter Minute drastisch verschärft.)
Mir ist schon klar, dass jetzt wieder auf mich eingehackt wird, denn es kann ja nicht sein, was nicht sein darf.
Dennoch lasse ich es mir nicht nehmen, auf die Tatsachen hinzuweisen, und Sachverhalte nicht so isoliert zu betrachten, wie man sich das wünscht.
Meine bisherigen Erfahrungen gaben mir da leider schon viel zu oft Recht,
und ich denke mir deshalb meinen Teil ... gemäß dem Zitat von Aldous Huxley:
Wer so tut, als bringe er die Menschen zum Nachdenken, den lieben sie.
Wer sie wirklich zum Nachdenken bringt, den hassen sie.
Nachdenklich
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.