Hallo Claudia,
dem, was du schreibst kann ich leider nicht zustimmen. Ich fahre regelmäßig zum Rosenkränzchen nach Leipzig, und dort trifft sich zeitgleich auch eine Gruppe junger Transmenschen, überwiegend Transmänner, die auf unterschiedlichsten Etappen des "Weges" sind. Ebenso sind noch Transmänner anwesend, die ihre Transition bereits hinter sich haben. Die betreiben den Ausschank, und machen auch Betreuung. Ich habe also den direkten Vergleich.
Claudia hat geschrieben: Mi 7. Jun 2017, 13:27
Leider wird das sehr oft (und gern) übersehen, auch hier im Forum. FzM scheint eine so seltene Art zu sein, dass sie garnicht wahrgenommen wird. Wie oft habe ich hier im Chat erlebt, dass Menschen beim Eintritt alle mit "Hallo Mädels" begrüßt haben, obwohl auch ein bekannter Transmann anwesend war. Für viele scheint es nur die eine Richtung zu geben, schade.
Das resultiert wohl daraus, dass Transmänner in den Foren, in denen "unsereins" unterwegs ist, wirklich die absolute Ausnahme bilden. Wahrscheinlich liegt es schwerpunktmäßig an den behandelten Themen, die für Transmänner nun mal völlig uninteressant sind. Zudem durchlaufen Transmänner nach meiner Beobachtung die Phase der Transition wesentlich(!) schneller als wir, und ziehen sich danach eher aus der Szene zurück, im Gegensatz zu uns, die wir nicht selten Jahrzehnte in der Transition feststecken, so wir denn überhaupt einen kompletten Wechsel anstreben, also sowas wie Dauergäste sind. Das hat auch einen erheblichen Einfluss auf die geringe Beteiligung von FzM-TS zum einem beiebigen Zeitpunkt.
Claudia hat geschrieben: Mi 7. Jun 2017, 13:27
Klar haben es heute Frauen auch einen kleinen Tick einfacher.
Dem muss ich doch entschieden widersprechen. Sie haben es bei diesem sichtbaren Übergang doch deutlich schwerer. Gerade weil Frauen so ziemlich alles anziehen können, werden sie deshalb oft falsch einsortiert. Wenn ein Mensch mit männlichem Körper einen Rock anzieht, wird er zumindest auf den ersten Blick als Frau einsortiert, auch wenn es später beim genaueren Hinsehen Zweifel geben sollte. Eine Frau mit Anzug und Krawatte und Kurzhaarschnitt wird leider doch meist als Frau eingeordnet. Die Vielzahl an Möglichkeiten nimmt der Kleidung viel ihrer Symbolhaftigkeit. Aus geteilter Erfahrung kann ich nur sagen: Für FzM ist es deutlich schwerer.
Tut mir leid, aber hier muss ich dir entschieden widersprechen.
Die MzF-TS legen ein Tempo vor, da kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus! Nach 3 Monaten mit Hormonen sieht man den allermeisten Jungs nicht mehr an, dass sie körperlich mal Mädels waren. Bei meinem ersten Anlauf nach Leipzig dachte ich tatsächlich, ich hab mich komplett im Kalender vertan, und bin in der Schwulen-Gruppe, die sich aber an einem anderen Tag trifft.
Wenn ein Mensch mit männlichem Körper einen Rock anzieht, wird er in den allermeisten Fällen erst mal als Freak einsortiert. Nur in wenigen Ausnahmefällen, in jungem Alter, bei fehlendem Bartwuchs, ausgeprägt schwacher Körperbehaarung und weichen Proportionen besteht eine nennenswerte Chance, als Frau einsortiert zu werden. Üblicherweise bedarf es aber eines erheblichen Aufwands, wie die meisten aus eigener Erfahrung wissen.
Menschen mit weiblichem Körper werfen sich ein grobes Holzfällerhemd über, lassen sich die Haare knabenhaft schneiden, geben sich bissel derb, gebrauchen ein paar ordinäre Schimpfworte oder typische Machosprüche, und das wars. Dann gehen sie sofort als Jungs durch, die pupertäre Spätzünder sind. Im Anzug sieht es nicht viel anders aus. Da fragt man sich höchstens, ob sie grad eine Lehre als Bankkaufmann angefangen haben.
Andersherum ist vor dem Anziehen eines Rocks meist erst mal eine Ganzkörperenthaarung zwingend notwendig, zumindest wenn man - typisch weiblich - etwas freizügig geschnittene Kleidung anziehen will. Sonst wird das "Brust-Toupet" sichtbar, und befellte Beine unter dem Rock enttarnen den männlichen Körper auch sofort. Eine gründliche Rasur im Gesicht ist ebenso unabdingbar, um danach noch eine reichliche Schicht Makeup aufzutragen, und so den Bartschatten halbwegs abzudecken. Dei falschen Proprtionen lassen sich nicht mit legerer Kleidung kaschieren. Da braucht es Polster an Po und Hüften, welche im Gegensatz zu den bei bei FzM nützlichen Schulterpolstern nicht marktüblich sind. Die fehlende Tille kann man in der angestrebten Frauenrolle womöglich mit legerer Kleidung noch vertuschen. Aber die Körperbewegungen sollten gründlich einstudiert werden, denn ein weibliches Bewegungsmuster ist wesentlich komplexer als das männliche. Jegliche Verletzung der erwarteten weiblichen Bewegungsmuster lässt den Eindruck gnadenlos ins männliche kippen. Am besten schweigt man auch die ganze Zeit, um nicht an Tonfall, Wortwahl und Stimmlage erkannt zu werden.
Das, was ich gerade geschrieben habe, resultiert sowohl aus eigenen Beobachtungen als auch aus ausgiebigen Gesprächen mit den betroffenen Jungs und Mädels.
Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.