Wie erkläre ich es meinem Kind? Und wann?
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Intersexuelle Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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VanessaL
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Wie erkläre ich es meinem Kind? Und wann?

Post 1 im Thema

Beitrag von VanessaL » Fr 31. Mär 2017, 12:41

Hallo Ihr Lieben,

ich greif mal die Idee auf und möchte Euch um Eure Meinungen und Erfahrungen bitten, wenn es um das Thema geht ...

"Wie sage ich es meinem Kinde"

Das Outing beim Partner ist durch (ob mit Trennung oder Ohne) und es steht die Frage im Raum, ob und wann man die Kinder einbezieht.

Gibt es eine gutes oder ein schlechtes Alter dafür?
Gibt es den richtigen Moment?
Macht man es direkt oder schleichend?
Ist es überhaupt anders als mit dem Partner? Dem Berufsumfeld?
Wer kann von den Gefühlen seiner Kinder berichten?
Sollte man sich Hilfe dafür nehmen?
Ist es ein Unterschied, ob ich Transsexuell bin oder "nur" Crossdresser?

Vielen Dank schon jetzt für Eure Beiträge ...

Liebe Grüße
Vanessa
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Re: Wie erkläre ich es meinem Kind? Und wann?

Post 2 im Thema

Beitrag von Anja » Fr 31. Mär 2017, 12:57

Hallo Vanessa,

mit den Kindern würde ich es genauso halten wie mit dem Partner! Je früher, desto besser!
Meine Frau weihte ich gleich zu Anfang unserer Beziehung in meine weibliche Seite ein.
Unsere Kinder kennen mich von Geburt an als Frau.

Grüße
die Anja
*staatlich geprüfte Frau*

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Re: Wie erkläre ich es meinem Kind? Und wann?

Post 3 im Thema

Beitrag von Angela Langenbach » Fr 31. Mär 2017, 13:04

Hallo

Ich war mal über 8 Jahre mit einer Frau zusammen, sie hat mich "so" im Internet kennengelernt.
Sie hat eine Tochter, damals etwa 8 Jahre alt. Und diese hat es recht schnell erfahren.
Zugegeben... in der Zeit wurde der Onkel zur Tante und lebte auch ganz als Frau. Von daher gab es keinerlei Berührungsängste gegenüber "Angie", wie die beiden mich gerne nannten.

Die kleine Jessi hat draußen nirgens einen Hehl daraus gemacht oder es an die große Glocke gehängt, es war für sie irgendwie "normal".
Da wir eine "Fernbeziehung" führten, war ich nur wochenweise bei den beiden. Und jedesmal war die kleine Jessi gespannt, ob Angie auch mit in meinem Gepäck ist.

Natürlich, sie war ja nun etwas "vorbelastet", und es gibt auch kein Patentrezept, jedes Kind (und auch dessen Erziehung) ist (in jedem Alter) individuell.
Dennoch glaube ich, dass wir uns einfach zu viele Gedanken machen. Ich denke bei Jessi war es ein gutes Alter. Sie sah die ganzen Zusammenhänge, Ängste, Bedürfnisse noch nicht so verbissen und hinterfragte manches eher locker und vielleicht auch unbewusst...!?

Es besteht sicher auch die Gefahr, dass solch ein Schuß nach hinten losgeht... :shock:
Aber wenn man es nicht "jetzt" wagt, wann dann ???
Und hat ein Kind nicht auch das Recht, von vorn herein reinen Wein eingeschenkt zu bekommen ???

(Bitte jetzt keine Kommentare zu Kindern und Alkohol :lol: )

Herzliche Grüße
Angela
Mein neues Tagebuch: https://angelalangenbach.wordpress.com
Betreiberin von www.en-femme.de und www.transgender-coaching.de
aktiv im www.projekt-en-femme.de und Stammtisch in Hildesheim

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Re: Wie erkläre ich es meinem Kind? Und wann?

Post 4 im Thema

Beitrag von VanessaL » Fr 31. Mär 2017, 13:12

Hallo Anja,

das hört sich super gut an und es erleichtert natürlich vieles, wenn alle hineinwachsen können .... aber gilt das so auch für einen Crossdresser? Gerade, wenn es sich "später" entwickelt hat, sind da sicher schon Zweifel bei dieser Entscheidung und zusätzlich muss auch die Partnerin/Ehefrau ja der gleichen Meinung sein ...

Bin gespannt was noch so kommt ...

Liebe Grüße
VanessaL
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Re: Wie erkläre ich es meinem Kind? Und wann?

Post 5 im Thema

Beitrag von VanessaL » Fr 31. Mär 2017, 13:22

Hallo Angela,

vielen Dank für den gute Beitrag ...ich denke Du hast mit vielem Recht.
Lass mich jedoch die Anmerkung machen, dass bei leiblichen Kindern mit Sicherheit die Verlustängste viel größer sein werden, als bei "fremden" Kindern.
Und gerade die Verlustängste sind aus meiner Sicht ja die größte Hürde, einen bestimmten Schritt zu gehen.
Hinzu kommt: wenn sich das Kind abwenden sollte, zu wem steht der Partner? Wird er nicht dadurch auch gezwungen sich für eine Seite zu entscheiden? Mehr oder weniger?

Liebe Grüße
Vanessa
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Re: Wie erkläre ich es meinem Kind? Und wann?

Post 6 im Thema

Beitrag von Tara » Fr 31. Mär 2017, 13:45

Hallo Vanessa,

ich befinde mich in einer ganz ähnlichen Situation. Gemeinsam mit meiner Frau überlege ich seit nunmehr zwei Monaten, wie wir unserem inzwischen neunjährigen Sohn beibringen sollen, dass sein Pappa sich schon immer als Frau gefühlt, vor kurzem endlich seine Identität gefunden hat und nun seine Weiblichkeit zunehmend ausleben möchte.
Meine beste Freundin hat zum Thema Offenheit einen knallharten Spruch parat:
Alle Probleme innerhalb der Familie oder solche, die die Familie betreffen, und länger als 24 Stunden bestehen, müssen auf den Tisch.
Alles andere mündet in Heimlichkeiten, die ohnehin irgendwann aufgedeckt werden und dann zu bösen Szenen und Vorwürfen führen.

Bzgl. des Alters meinte mal irgendein Psychologe, dass es am besten wäre, einen Zeitpunkt vor dem Eintritt der Pubertät zu wählen. Danach wären Kinder im Allgemeinen ohnehin derart gegen die Eltern eingestellt, dass die Chance auf Akzeptanz, mit Konfliktstoff aus dieser Richtung fertigzuwerden, geringer sei als davor.

Die Situation, ob schleichend oder direkt, mit Hilfe oder ohne hängt m.E. sehr vom Charakter des Kindes und vom familiären Umfeld ab (z.B. Geschwister, andere nahe Verwandte, zu denen ein besonderes Vertrauensverhältnis besteht).

Bei der Unterscheidung TG/TS oder TV/CD kann ich nur von mir ausgehen: Ich bilde mir zumindestens ein, dass ich es als TV/CD in Zuwiderhandlung gegen den Rat meiner Freundin verheimlichen würde. Aber - leider oder zum Glück - gibt es diese Option für mich nicht, weil das Weibliche meine Identität ist und die kann ich jetzt niemals mehr verleugnen. Das wäre, wenn ich das Frausein als 'exotisches Hobby' betreiben würde, für mich etwas vollkommen anderes.

Soweit die Theorie ...

In meinen 'Tagebuchblättern' habe ich in einem anderen Thread beschrieben, wie mein Junge auf meine totale Gesichtsrasur reagierte. Damals wurde mir schlagartig klar, dass er mich immer und unter allen Umständen als seinen Pappa lieben und akzeptieren würde. Das ist sein Charakter und unsere erzieherischen Bemühungen scheinen vielleicht auch nicht ganz nutzlos gewesen zu sein.
Doch er lebt nicht im Vakuum ... Schule und Hort bieten - ungeachtet oder gerade wegen - des kirchlich geprägten Umfeldes ein gigantisches Gewalt-und Mobbing-Potential, das sich unter keinen Umständen gegen unser Kind richten soll. Wie so oft in diesem Lande sind es die Opfer, die letztlich kein Gehör mehr finden und nach wiederholter Klage auch Lehrern und Erziehern gleichgültig werden.

Bei uns liegt das Problem nicht im Charakter des Kindes, sondern in der Aggressionsbereitschaft der Umgebung. Ich habe inzwischen etliche Argumente vom 'Kopfkino' zu unterschiedlichsten Fragestellungen gelesen. Aber spätestens dann, wenn er verprügelt und psychischem Terror ausgesetzt wird, ist Schluss mit der rosafarbenen Brille namens 'Kopfkino'.

Nun käme man vielleicht auf die Idee, ihn über alles in Kenntnis zu setzen, ihn aber vor der Verbreitung der Tatsache zu warnen. Das würde dann jedoch einen riesigen psychischen Druck aufbauen, dem er nicht lange standhalten könnte. Spätestens dann, wenn er sich seiner Lieblings-Erzieherin im Hort anvertraute, wüssten es automatisch sprichwörtlich 'alle'.

Darum schwanken meine Frau und ich stetig zwischen den beiden Varianten der Totalverheimlichung, da ich mich am Wohnort keinesfalls outen will, und der Aufklärung ohne 'Redeverbot'. Da ich nicht vorhabe, jemals en femme in seiner Schule oder im Hort zu erscheinen, würden keine realen Angriffspunkte entstehen, sodass bei Bekanntwerden nichts weiter existierte als heiße Luft.

Momentan tendieren wir erneut zur zweiten Variante, weil wir dann wenigstens innerhalb der kleinen Familie Ehrlichkeit hätten. Es ist uns vollkommen klar, dass irgendwann die Schlafzimmertür aufgeht und unser Sohn fassungslos beobachtet, wie sich eine fremde Frau in aufreizender Kleidung mit seiner lieben Mama vergnügt - und weit und breit wäre kein Papa in Sicht ...

LG
Tara
Selbstdiagnose MzF-TG - und was nun ... ?

Anne-Mette
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Re: Wie erkläre ich es meinem Kind? Und wann?

Post 7 im Thema

Beitrag von Anne-Mette » Fr 31. Mär 2017, 14:02

Moin,

es gibt natürlich "Knackpunkte" und Wendepunkte im Leben eines Kindes, die besondere Aufmerksamkeit erfahren sollten.
Mag es mit kleinen Kindern - und überwiegend im privaten Rahmen - ganz gut laufen, so kann es, beginnend mit dem Kindergarten und später in der Schule zu
Konflikten kommen, die "von außen" an das Kind herangetragen werden.
Schon in den Kindergartengruppen wird verglichen: der Fritz hat gar keinen Vater! - die Isabelle hat zwei Väter, der Hugo hat einen "komischen Vater (der zieht Röcke an und will Wilhelmine genannt werden, obwohl mein Vater gesagt hat, er heißt Hugo, weil das in seinem Ausweis steht...

Ein Knackpunkt ist sicherlich auch die Einschulung; denn da wird schon geguckt "wie sehen die anderen Familien aus?"

In der Schule kann es zu Mobbing und zu Bedrohungssituationen kommen, wenn das Kind als Stellvertreter für Mutter/Vater herhalten muss.
Das erfordert einen sensiblen Umgang mit der Situation und man wird sich immer wieder die Frage stellen, was man seinem Kind zumuten kann.

Ganz abgesehen davon werden ältere Kinder sich viele Fragen stellen, die mit ihrer eigenen Identität und der Identität der Familienmitglieder zu tun haben.

Gruß
Anne-Mette

VanessaL
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Re: Wie erkläre ich es meinem Kind? Und wann?

Post 8 im Thema

Beitrag von VanessaL » Fr 31. Mär 2017, 14:06

Hallo Tara,

vielen Dank für Deinen Beitrag ... insbesondere über die 24h - Regelung muss ich noch einmal intensiver nachdenken.
Sehr gut finde ich auch den Gedanken über das Umfeld des Kindes und die sich daraus ergebene soziale Stellung ...

Deiner Definition zwischen CD/TV und TS kann ich nicht ganz folgen, aber das gehört ja auch nicht hier her ..

Ich würde mich freuen, wenn Du uns auf dem Laufenden hält ... insbesondere wenn die Entscheidung zwischen den beiden Wegen "gefallen" ist ... und was sich daraus ergeben hat. Mein Sohn ist 16 und kommt in zwei Monaten aus den USA zurück (Highschooljahr). Davor werde wir uns wohl auch noch einmal intensiver mit dem Thema auseinandersetzen müssen ...

Liebe Grüße und vielen Dank für Deinen Beitrag

VanessaL
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Tara
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Re: Wie erkläre ich es meinem Kind? Und wann?

Post 9 im Thema

Beitrag von Tara » Fr 31. Mär 2017, 22:11

Hallo Vanessa,

dein Dank hat mich jetzt eben etwas aufgebaut, nachdem ich mich recht niedergeschlagen fühlte.
Wir waren zu einer abendlichen Schulveranstaltung und unser kleiner Halunke war ebenfalls bei einer Vorführung mit dabei. Doch inmitten von knapp hundert 'normalen' Menschen bin ich von meinen Komplexen überschwemmt worden und konnte mich kaum auf die Darbietungen konzentrieren. Ständig musste ich daran denken, dass ich meinem Kind nicht die Standard-Vaterrolle bieten kann, wie all die anderen bärtigen, bäuchigen, dickarmigen, biertrinkenden, rasierwasserausdünstenden, tätowierten Männer. Er muss sich schon damit abfinden, dass sein Papa ohnehin nicht ins gängige Schema passt - und dann auch noch das: Er ist noch nicht mal ein richtiger Mann.
Schau dir die Bilder im Thread 'Tara's erster Rock' an: So sieht keine(r) aus, die/der mit eigenen Händen drei Häuser gebaut und 20 Jahre lang Kraftsport betrieben hat. Ich habe als Mann nie 'dazugehört' und stehe als TG erst recht im Abseits. Immerhin verstehe ich jetzt, warum das alles so ist, wie es ist, aber welche Worte ich eines Tages wählen soll, um es meinem Kind zu erklären, weiß ich noch nicht.

Vielleicht könnte ich ihm einfach ein Trans*Märchen vorlesen, so ähnlich, wie hier eines im Forum gepostet wurde. Ich wette, dass er schon fühlt, wer am Ende der unglückliche Prinz ist, der dann zur Frau verzaubert glücklich wird ... Kinder besitzen ein enormes Gespür für Wahrheiten, das Erwachsene vor lauter Lügen längst verloren haben. Leider ist dein Junge schon zu alt für Märchen, sonst wäre das vielleicht ein interessanter Weg, eine Offenbarung einzuleiten. Aber dafür ist deiner selbständig und reif, sodass du vermutlich eine Menge Verständnis erwarten kannst, wenn euer Verhältnis gut ist.

Mit der "Definition" CD/TV und TG meinte ich, dass ich den Willen, mich meinem Sohn anzuvertrauen, daraus schöpfe, dass ich mich ihm gegenüber nicht länger selbst verleugnen möchte. Würde ich die Weiblichkeit als eine Art 'Hobby' empfinden, das ich emotional unter Kontrolle hätte, wäre dieser Wille vermutlich nicht vorhanden, sondern die Bereitschaft, in diesem Fall dann doch gewisse Heimlichkeiten zuzulassen. Doch es geht um meine Identität, die ich auf Dauer nicht verstecken will und kann. Es ist schon schlimm genug, dass ich mir mein 'Outing' am Wohnort und im Job höchstwahrscheinlich aus dem Kopf schlagen muss, sodass wenigstens innerhalb der Familie Klarheit herrschen soll.

Ich bin gespannt, zu was für einem Resultat du nach deinen Überlegungen gelangst und ob du mit deinem Sohn nach seiner Rückkehr darüber reden wirst ...

LG
Tara
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Feldmaus
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Re: Wie erkläre ich es meinem Kind? Und wann?

Post 10 im Thema

Beitrag von Feldmaus » Mi 5. Apr 2017, 08:31

Hallo Vanessa

Ich kann dir nur von unseren Erlebnissen berichten.Als Saskia sich vor 4 Jahren outete war unsere älteste Tochter 15 Jahre und ihre Schwester 11 Jahre alt.
Die Jüngere hatte mit dem Outing keine Probleme. Ihre Aussage: Dann bist du halt eine Frau .Ich hab dich trotzdem lieb.Sie hat es normal aufgefasst und bis heute keine Probleme mit Saskia. Im Gegenteil sie verstehen sich sehr gut.
Die Ältere schon in der eigenen Pubertät hatte viel mehr Probleme damit.Es fiel ihr schwerer, als ihrer Schwester ,Saskia anzuerkennen. Doch auch Sie hat Saskia ohne große Probleme anerkannt, nur ging es nicht ganz so leicht. Saskia und ich haben beide fest gestellt je jünger die Kinder sind ,um so leichter ist die Umstellung.Kleinere Kinder interessieren sich nicht für gesellschaftliche Aspekte. Sie haben dich als Frau genauso lieb wie als Mann/Papa.

Vielleicht konnte ich dir damit helfen. Liebe Grüße Daniela
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar.(Antoine de saint-exupery)

Andrea aus Sachsen
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Re: Wie erkläre ich es meinem Kind? Und wann?

Post 11 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen » Di 11. Apr 2017, 12:18

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Zu dem Thema kann ich auch etwas beitragen:
Als ich vor 5 Jahren begann, meine weibliche Seite (zunächst nur zeitweise) öffentlich auszuleben, war meine Tochter 12 Jahre, und es tobte ein erbitterter Streit mit meiner Exfrau, unter anderem ums Sorgerecht. Da wollte ich mit einem Outing warten, bis etwas Ruhe in der Sache eingekehrt ist. Meine Aktivitäten als Andrea beschränkten sich damals auf die Zeit, in der meine Tochter bei ihrer Mutter (meiner Exfrau) war.
Anders bei meiner Stieftochter (damals 21): Sie wohnte damals ganz in der Nähe und tauchte so gelegentlich auch unangekündigt bei mir auf. Um einem zufälligen Outing zuvorzukommen, vertraute ich mich ihr an. Sie nahm die Sache recht gefasst auf, fand aber wohl doch keine Ruhe und erzählte es ihrer besten Freundin weiter. Diese soll daraufhin gesagt haben: „Ist doch cool, was dein Vater macht!“ Das half meiner Stieftochter, die Sache positiv zu sehen.
Daraus leitete ich eine Empfehlung ab, nach der Kinder (aber auch Erwachsene) ein Outing besser verkraften. Man sollte eine dritte Person, der die Kinder vertrauen und die der Sache positiv gegenübersteht, mit ins Boot nehmen. Erfahrungsgemäß ist eine der häufigsten Fragen nach einem Outing, wer noch davon weiß und was der bzw. diejenige dazu sagt. In Ermangelung einer eigenen Meinung wird diese dann oft erst einmal übernommen. Aber auch danach halte ich diese dritte Person als „neutralen“ Ansprechpartner für die Kinder hilfreich.
Ich hatte daraufhin mit der Psychologin gesprochen, die meine Tochter damals aufgrund des „Scheidungskriegs“ regelmäßig besuchte. Mein Outing sollte im Rahmen einer Sitzung stattfinden. Zu warten, bis „Ruhe“ eintritt, ging nicht mehr. Eine baldige Lösung bezüglich der Scheidung war damals nicht in Sicht und die Gefahr, dass meine Tochter „es“ zufällig entdeckte, wurde immer größer. Alles war vorbereitet, nur der konkrete Termin noch nicht festgelegt.
Doch meine Tochter (inzwischen 14 Jahre) kam mir vorher auf die Schliche, indem sie beobachtete, dass ich oft im Internet in einem Crossdresser-Forum unterwegs bin. Ich hatte seinerzeit hier kurz darüber berichtet: https://www.crossdresser-forum.de/phpBB ... 135#p91972
Im Großen und Ganzen hat sie mein Outing gut verkraftet. Es blieb nur die Angst vor Mobbing, falls das in ihrer Schule publik werden sollte. Das respektierte ich natürlich und hielt mich bei meinen Aktivitäten in unserer Heimatstadt nach wie vor zurück. Doch 1½ Jahre später, als es bei mir immer mehr in Richtung TS ging, war es meine Tochter, die mir die letzte Hürde aus dem Weg räumte, indem sie mir „erlaubte“, an ihrer neuen Schule so aufzutreten, wie ich mich am wohlsten fühle.
Im Nachhinein betrachtet, war die Angst vor Mobbing wohl unbegründet, denn inzwischen kennen mich fast alle ehemaligen und derzeitigen Schulfreundinnen meiner Tochter in der neuen Rolle und haben überhaupt kein Problem damit.
Ich hoffe, ich kann mit meiner Schilderung anderen bei der Ausgangsfrage dieses Threads ein Stück weiterhelfen.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen

VanessaL
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Re: Wie erkläre ich es meinem Kind? Und wann?

Post 12 im Thema

Beitrag von VanessaL » Di 11. Apr 2017, 13:46

Hallo Daniela und Andrea,

auch an Euch schicke ich natürlich meine Dank und den Dank meiner Frau. Wir haben jetzt noch sieben Wochen Zeit uns gedanken darüber zu machen, dann kommt unser Sohn aus den USA zurück und wir müssen entscheiden, ob wir etwas sagen und dann natürlich auch wie. Vielleicht lassen wir aber ein Outing auch bewusst bleiben oder wir "drücken" uns weiterhin davor eine Entscheidung zu fällen ...wir werden sehen ... und müssen es halt auch gemeinsam "stemmen".

Oft denke ich, dass frei von der Leber weg die beste Variante ist .... aber .... naja ... wenn man selber Entscheidungen fällen muss ist das ja auch etwas anderes, als wenn man Ratschläge "nur" geben kann. Das kennen sicher alle ..

Ich würde mich freuen, noch mehr Berichte und Erfahrungen hier zu lesen, denn aus Gesprächen habe ich jetzt doch die unterschiedlichsten Erfahrungen bekommen und es zeichnet sich noch keine "klare" Linie daraus ab ...

Ganz liebe Grüße
VanessaL
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Tina_G
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Re: Wie erkläre ich es meinem Kind? Und wann?

Post 13 im Thema

Beitrag von Tina_G » Di 11. Apr 2017, 21:27

Hallo Vanessa,

diese Fragen hatte ich mir auch mal gestellt, aber die Antwort hat sich dann unfreiwillig ergeben. Im Verlauf unseres Scheidungskrieges (andere Gründe) hatte sich meine Frau Vorteile erhofft, indem sie mich vor den Kindern möglichst negativ darstellt. Sie hatte angedroht meinem älteren Sohn (damals 17) von meinem Crossdressing zu erzählen. Dem bin ich dann zwangsläufig zuvor gekommen. Mit den schlimmsten Befürchtungen hatte ich es ihm erklärt und auch, dass ich ihn damit nicht belasten wollte. Er nahm es sehr gelassen auf und meinte, es sei ihm egal und es habe für ihn keine Auswirkung. Über Details wollte und will er nichts wissen. Mir fiel ein Stein vom Herzen und als er mich daraufhin noch für meine Vaterrolle gelobt hatte, war ich zu tiefst gerührt.

Dem zweiten Kind (damals 13) hatte es meine Frau hingeknallt ohne dass ich davon wusste. Das Kind war tagelang ziemlich verstört und wollte mir nicht sagen was los ist. Nachdem es sich dem älteren Bruder anvertraut hatte, haben wir zu dritt darüber gesprochen. Die Meinung des älteren Bruders wirkte sicherlich auch beruhigend und schließlich nahm es auch das zweite Kind gelassen hin.

Auch jetzt, zwei Jahre später, habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Kindern. Wir sprechen zwar nicht über darüber und ich respektiere ihren Wunsch und zeige mich ihnen gegenüber nicht als Frau. Dennoch ist es für mich jetzt entspannter, da ein unfreiwilliges Zusammentreffen auch kein Drama wäre.

Zusammenfassend würde ich schon empfehlen, es den Kindern zu sagen. Gerade im jugendlichen Alter, haben die zumindest schon von Trans-x gehört und sind meiner Ansicht nach recht liberal eingestellt. Es kostet natürlich schon Überwindung, weil man sich der Reaktion nicht sicher sein kann. Andererseits wäre es aus meiner Sicht schlimmer, plötzlich "ertappt" zu werden.

Ich möchte auf jeden Fall weiterhin vermeiden, dass meine Kinder von anderen darauf angesprochen werden oder irgendwelche Nachteile erleiden. Deshalb wird es auch bis auf weiteres kein Outing geben.

Liebe Grüße
Tina

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