Programmtip ZDF-Sendung "Aspekte" vom 17.03.2017
Programmtip ZDF-Sendung "Aspekte" vom 17.03.2017

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
Antworten
Astrid
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 396
Registriert: Mi 22. Jan 2014, 17:58
Pronomen:
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Programmtip ZDF„Sendung "Aspekte" vom 17.03.2017

Post 1 im Thema

Beitrag von Astrid »

Die ZDF-Sendung Aspekte befasste sich am 17.03.2017 mit dem Thema "Phänomen Transgender - Wie elastisch ist unser Geschlecht?".
Unter anderem kommen der Journalist und Transmann Milo Schilasky sowie Mari Günther von der Beratungsstelle "Queer Leben" im Interview zu Wort.
Wie ich finde recht interessant und sehenswert.

Noch abzurufen in der ZDF-Mediathek unter:

https://www.zdf.de/kultur/aspekte/phaen ... r-100.html

https://www.zdf.de/kultur/aspekte/mari- ... g-100.html

https://www.zdf.de/kultur/aspekte/bilde ... w-100.html

Liebe Grüße - Astrid
Lea92
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 251
Registriert: Di 13. Sep 2016, 21:20
Geschlecht: beide
Pronomen:
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Programmtip ZDF„Sendung "Aspekte" vom 17.03.2017

Post 2 im Thema

Beitrag von Lea92 »

Ich hab das Gefühl, dass dieser Milo, was allerdings viele Menschen tun, sehr stark von sich auf andere schließt, indem er sagt, dass er "einer neuen Generation Transmenschen" angehört, die medizinische Maßnahmen ablehnt und, dass diese nur der Anpassung an das binäre Geschlechtersystem dient. Er selbst mag es für sich so empfinden, dass er so ohne jede Maßnahme als glücklicher Mann leben kann, aber das geht eben nicht jedem so. Ich bin zwar selbst nicht transsexuell, aber im Zuge meiner Selbstfindung, da ich mich beiden Geschlechtern zugehörig fühle, hatte ich ziemlich viel Kontakt zu transsexuellen. Und da konnte ich immer wieder beobachten, dass das körperliche Leid losgelöst vom gesellschaftlichen Leidensdruck zu sehen ist. Ein gutes Beispiel ist ein Freund von mir, ein Transmann, den ich durch Zufall kenne, nicht weil ich den Kontakt zu Transmenschen gesucht habe, sondern weil ich ihn kannte, als er noch als Frau gelebt hat. Er lehnt das binäre Geschlechtersystem für sich auch ab. Und er kann sich gut vorstellen, sein Leben lang auch Röcke und Kleider zu tragen, weil Kleidung für ihn nichts über das Geschlecht aussagt. Dennoch strebt er medizinische Maßnahmen an, weil der Körper einfach nicht zu dem Menschen passt, als der er sich fühlt. Das hat nichts damit zu tun, dass die Gesellschaft erwartet, dass Männer eine flache Brust und einen Penis haben. Er fühlt sich selbst, wenn seine weiblichen Merkmale nicht erkennbar sind, einfach unwohl damit. Ist alles gut, wenn der Milo das nicht braucht. Aber zu sagen, das sei ein Phänomen der neuen Generation, geht für mich eindeutig zu weit. Was man sagen kann, ist, dass die neue Gesetzeslage so etwas gottseidank ermöglicht. Aber es wird noch in 100 Jahren Transmenschen geben, die ohne OP nicht glücklich werden. Selbst, wenn die Gesellschaft jeden Menschen dann nur noch nach seinem empfundenen Geschlecht beurteilen wird.
Körper ganz Mann, Kopf halb Mann, halb Frau, doch auch eine halbe Frau braucht auch Freiheiten und will sich gelegentlich mal zeigen.
Astrid
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 396
Registriert: Mi 22. Jan 2014, 17:58
Pronomen:
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Programmtip ZDF„Sendung "Aspekte" vom 17.03.2017

Post 3 im Thema

Beitrag von Astrid »

Ok, das mit der "neuen Generation von Transmenschen" mag etwas anmaßend anmuten. Aber ich verstehe es so, daß er damit eine neue Gruppe von Transmenschen meint, die sich heraustraut und den Mut aufbringt, sich offen zu ihrer Transidentität zu bekennen und zu leben, ohne dabei vollständig den gesellschaftlichen Erwartungen an das jeweilige gelebte Geschlecht zu entsprechen. Denn auch diese Menschen, zu denen ich mich selbst auch zähle, haben ihre ganz spezifische Art von Problemen, die in den Medien, meiner Meinung nach, noch viel zu selten thematisiert werden.
Daher hat mir an dieser Sendung gerade die Tatsache gefallen, daß hier auch mal eine Transperson zu Wort und Bild gekommen ist, die ganz offensichtlich von der öffentlichen Erwartungshaltung abweicht.

In der Zeit meines Coming-Outs an meinem Arbeitsplatz hatte ich ein Gespräch mit einem Kollegen, der mir einen langen Vortrag davon hielt, welche Berichte er schon im Fernsehen über transidente Menschen gesehen hat. Immer wieder ging es um geschlechtsangleichende Maßnahmen und um optisch möglichst nahe Anpassung nach dem Motto: "Den konntest Du von einer richtigen Frau kaum unterscheiden". Auch eine andere Kollegin fragte mich später mal, wann es denn "bei mir soweit wäre".
Nach solchen Gesprächen fühle ich mich oft in meiner Art, meine Transidentität zu leben, unendlich minderwertig und dann brauche ich erst wieder eine bestimmte Zeit des Nachgrübelns über mein eigenes Dasein als Transperson, um wieder genug Selbstbewußtsein zu entwickeln, zu dem zu stehen, was ich tue und was ich bin.

Ich denke, es ist einfach nur wichtig, daß bei der medialen Thematisierung von Transidentität, eben auch mal andere möglichen Facetten davon berücksichtigt werden. Und daß dies in der Aspekte-Sendung mit diesem Interview geschehen ist, hat mich persönlich sehr gefreut.

Liebe Grüße - Astrid
Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 27496
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: W
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Forum-Galerie: gallery/album/1
Hat sich bedankt: 205 Mal
Danksagung erhalten: 2410 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Programmtip ZDF„Sendung "Aspekte" vom 17.03.2017

Post 4 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

ich will nicht meckern )))(:

Ihr wisst, jetzt kommt ein ABER (smili)

"Neue Generation" finde ich sehr vereinnahmend.
Die Individualität geht verloren - wird sogar verleugnet.
Deshalb komme ich auch immer mehr zu dem Ergebnis, dass "Trans*" und "Transmenschen" (für mich) als Bezeichnung für eine vielfältige Gruppe von Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Lebenszielen nicht/selten passt.

Leider treten fast immer die selben Menschen in Erscheinung, die uns erklären, was Transsexualität und Transsidentität (ihr Trans*) bedeuten.
Sie gewinnen ein zu großes Gewicht, weil sie nicht nur öffentlich im TV auftreten, sondern auch mitarbeiten in den Schaltzentralen der Deutungsmacht und vieles an den Änderungen am TSG mitschreiben, die wir lange erwartet haben.
Wir können sicher sein: leider werden sie die Sicherungsmaßnahmen für die "Macht der Behandler" so mit einbauen, dass sie nicht geschmälert wird.

Gruß
Anne-Mette
Frauke
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 136
Registriert: So 11. Okt 2015, 10:22
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Programmtip ZDF„Sendung "Aspekte" vom 17.03.2017

Post 5 im Thema

Beitrag von Frauke »

Lea92 hat geschrieben: Mi 22. Mär 2017, 12:20 Ich hab das Gefühl, dass dieser Milo, was allerdings viele Menschen tun, sehr stark von sich auf andere schließt, indem er sagt, dass er "einer neuen Generation Transmenschen" angehört, die medizinische Maßnahmen ablehnt und, dass diese nur der Anpassung an das binäre Geschlechtersystem dient. Er selbst mag es für sich so empfinden, dass er so ohne jede Maßnahme als glücklicher Mann leben kann, aber das geht eben nicht jedem so. Ich bin zwar selbst nicht transsexuell, aber im Zuge meiner Selbstfindung, da ich mich beiden Geschlechtern zugehörig fühle, hatte ich ziemlich viel Kontakt zu transsexuellen. Und da konnte ich immer wieder beobachten, dass das körperliche Leid losgelöst vom gesellschaftlichen Leidensdruck zu sehen ist...
Du beschreibst sehr schön den Unterschied zwischen Transgendern und Transsexuellen. Mir ist bewusst, dass dieses manche nicht verstehen oder nicht verstehen wollen. Aber Transexuelle haben ein Problem mit ihrer Körperlichkeit, nicht mit dem binären Geschlechtersystem. Einfach gesagt: Innen und Außen passen nicht zusammen. Damit sind diese Menschen keine alte Generation, sondern es gibt sie ganz aktuell und in allen Altersgruppen und dürfen nicht einfach ausgeblendet/ausgegrenzt werden.
Astrid hat geschrieben: Mi 22. Mär 2017, 13:52 Ok, das mit der "neuen Generation von Transmenschen" mag etwas anmaßend anmuten. Aber ich verstehe es so, daß er damit eine neue Gruppe von Transmenschen meint, die sich heraustraut und den Mut aufbringt, sich offen zu ihrer Transidentität zu bekennen und zu leben, ohne dabei vollständig den gesellschaftlichen Erwartungen an das jeweilige gelebte Geschlecht zu entsprechen...
Gibt es überhaupt diese neue Generation von Transmenschen (eine eigenartige Wortschöpfung)? Von Identitätsproblemen betroffene Menschen haben sich auch früher schon heraus getraut. Nur im Falle von Transsexuellen eben als Frauen und Männer mit mehr oder weniger gutem Passing.

Anne-Mette hat geschrieben: Mi 22. Mär 2017, 14:50..."Neue Generation" finde ich sehr vereinnahmend.
Die Individualität geht verloren - wird sogar verleugnet.
Deshalb komme ich auch immer mehr zu dem Ergebnis, dass "Trans*" und "Transmenschen" (für mich) als Bezeichnung für eine vielfältige Gruppe von Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Lebenszielen nicht/selten passt.

Leider treten fast immer die selben Menschen in Erscheinung, die uns erklären, was Transsexualität und Transsidentität (ihr Trans*) bedeuten.
Sie gewinnen ein zu großes Gewicht, weil sie nicht nur öffentlich im TV auftreten, sondern auch mitarbeiten in den Schaltzentralen der Deutungsmacht und vieles an den Änderungen am TSG mitschreiben, die wir lange erwartet haben.
Wir können sicher sein: leider werden sie die Sicherungsmaßnahmen für die "Macht der Behandler" so mit einbauen, dass sie nicht geschmälert wird.
Dem kann ich mich nur anschließen. Es gibt nicht den einen Trans*-Begriff, welcher für alle passt. Die Problem sind für die einzelnen doch sehr differenziert. Und es gibt eben eine spezielle Untergruppe, die das schon angesprochene körperliche Problem haben. Das hat doch nichts damit zu tun, dass diese gesellschaftliche Erwartungen erfüllen wollen. Nein, sie versuchen für sich eine Übereinstimmung zwischen Körper und Geist zu finden.
Antworten

Zurück zu „Crossdresser- und Transgender-Café“