Gruppen - Treffen - Organisationsformen
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Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
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Anne-Mette
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Gruppen „ Treffen „ Organisationsformen

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

an manchen Tagen stelle ich mir die Frage, ob es überhaupt sinvoll ist, sich zu engagieren und in Gruppen zu organisieren.
Dabei denke ich nicht nur an den Versuch, ein Partnerinnen-Treffen zu etablieren (Treffen für Partnerinnen)

Mir fallen weitere Fragen ein:

- was würdest Du von einer (Selbsthilfe) Gruppe erwarten?
- was darf/sollte in einer Gruppe nicht passieren?
- können/sollten mit einer Gruppe auch politische Ziele verfolgt werden, oder geht es nur um "Zusammensein" ?
- gibt es "gemeinsame Ziele", für die sich ein Engagement lohnt?
- hast Du eher positve oder eher negative Erfahrungen mit Gruppen gemacht?

Sicherlich fallen euch (und mir) auch noch weitere Fragen ein.

Gruß
Anne-Mette
Michelle_Engelhardt
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Re: Gruppen „ Treffen „ Organisationsformen

Post 2 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt »

Wenn ich in eine neue Gruppe komme, erwarte ich erstmal gar nix, denn wer nichts erwartet, wird auch nicht enttäuscht. Ich wäre jedoch angetan, wenn ich mit den Gruppenmitgliedern auf einer Wellenlänge wäre. Wenn ein Austausch zustande kommt, von dem möglichst alle Gruppenmitglieder profitieren. Ganz übel wären Diskriminierungen innerhalb der Gruppe oder auch ein herablassendes Verhalten von "Fortgeschrittenen" gegenüber "Anfängern".

Ob politische Ziele verfolgt werden können/sollen hängt wohl entscheidend von der Zusammensetzung der Gruppe ab. Eine Gruppe die überwiegend aus TS besteht, wird vermutlich eher an politischen Zielen interessiert sein, als eine Gruppe passionierter Windelträger oder SM-Freunde.

Das es für "uns" hier als Gruppe gemeinsame Ziele gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt, ist wohl unbestritten. Das lesen wir hier täglich im Forum.

Mir persönlich hat solch eine Gruppe in meiner Anfangsphase sehr geholfen und heute, wo ich schon ein Stückchen weiter auf dem Weg bin, helfe ich gern wenn mich jemand fragt oder wenn ich sehe, das es hier und da noch hakt.

LG
Michelle
Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir 'ne PN!

Weihnachtsmarkt ist das Wacken für Büroangestellte!
Michi
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Re: Gruppen „ Treffen „ Organisationsformen

Post 3 im Thema

Beitrag von Michi »

Ich sehe das in etwa so wie Michelle. Offen für Neues sein, und keine hohen Erwartungen stellen.

Dementsprechend ist es mir auch nicht wichtig, mich als TV nur mit TVs zu treffen. In Leipzig ist ein buntes Puplikum, auch Transfrauen und Transmänner, und altersmäßig von 17 bis 70.
Da fühle ich so wohl, dass ich möglichst kein Treffen auslasse, auch wenn ich u.U. die Einzige "meiner Art" bin. :wink:

Was mir jedoch bei meinen Versuchen in diversen Foren, andere Mädels zum Besuch von Stammtischen zu bewegen, immer wieder aufgefallen ist:

Es werden vielfach hohe Ansprüche gestellt und erwartet, dass die Stammtisch-Veranstalter ein tolles und abwechslungsreiches Programm bieten.
Gleichzeitig soll es auch möglichst nichts kosten, und man möchte sich nicht festlegen, ob und wann man überhaupt mal zu einem Treffen kommt.
Erst wird oft gejammert, dass ja nichts sei, wo man mal hingehen kann. Und dann kommen bei konkreter Ansprache tausend fadenscheinige Ausreden, warum es nicht geht.
Machmal hat man den Eindruck, dass es denen am liebsten wäre, wenn der Stammtisch Hausbesuche machen würde, oder ihnen einen kostenlosen Fahrdienst anbietet.

Und meine Beobachtungen aus der Praxis:

Der ist Stammtisch in Chemnitz ist recht gut besucht, nicht zuletzt deswegen, weil sich da ein Teil der Organisatorinnen gern mal für die Allgemeinheit zum Affen macht.
Im Gegensatz dazu ist es in Leipzig, zumindest was TVs betrifft, deutlich ruhiger. Dort geht es uns vor allem um das Zusammensein und nette Gespräche.
Aber das scheint manchen schon zu viel Selbstbeteiligung zu sein. Zumindest weiß ich nicht, wie ich es anders nennen soll.


Liebe Grüße
Michi
Zuletzt geändert von Michi am So 12. Mär 2017, 12:53, insgesamt 1-mal geändert.
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
Marielle
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Re: Gruppen „ Treffen „ Organisationsformen

Post 4 im Thema

Beitrag von Marielle »

Guten Abend zusammen,

die aus meiner Sicht wesentliche Frage ist:
- können/sollten mit einer Gruppe auch politische Ziele verfolgt werden, oder geht es nur um "Zusammensein" ?

Eine Metapher, die ich vor Jahren von einem klugen Kopf erzählt bekommen habe, habe ich damals nicht in ihrer ganzen Bedeutung verstanden. Heute weis ich, dass es einen ent-scheidenden* Unterschied macht, ob man in der Heuler-Station oder in der Nationalparkverwaltung für das Wattenmeer engagiert ist.

Beide, die Station und die Verwaltung, arbeiten für das Wohlergehen der Robben im Wattenmeer. Aber die Methoden und die Möglichkeiten haben, ausser dem Ziel, nichts, gar nichts, miteinander zu tun. Beide Engagements sind gleichermassen wichtig. aber sie sind unmöglich gleichzeitig zu leisten. Dem entgegen steht der Unterschied zwischen individuellen Bedürfnissen und gemeinschaftlichen (gesellschaftlichen) Möglichkeiten, weil letztere für das Individuum erst verhandelbar sind, wenn es für sich selbst einen anerkannten Stand gefunden hat.

Der Heuler braucht Liebe, Fürsorge und Heringe, das Wattenmeer braucht einen ganzen Plan, der manchem an mancher Stelle weh tun wird, weil er kompromitiert, weil er ein Kompromiss sein muss.


Habt es gut

Marielle



*) ent-scheidend im Sinne von trennend, differenzierend,
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
Aubergine
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Re: Gruppen „ Treffen „ Organisationsformen

Post 5 im Thema

Beitrag von Aubergine »

Hallo zusammen,
Anne-Mette hat geschrieben: Fr 10. Mär 2017, 21:40
an manchen Tagen stelle ich mir die Frage, ob es überhaupt sinvoll ist, sich zu engagieren und in Gruppen zu organisieren.
Dabei denke ich nicht nur an den Versuch, ein Partnerinnen-Treffen zu etablieren (Treffen für Partnerinnen)
Im Gegensatz zu Michelle interpretiere ich engagieren und organisieren ebenfalls getrennt, aber in umgekehrter Aktion.
Sich zu engagieren geht m.E. erst mal von der eigenen Person aus. Wenn ich an einem Thema Interesse habe, wenn mir etwas wichtig ist bzw so wichtig wird, dass ich das Gefühl habe vielleicht ein Sandkorn bewirken zu können, dann beginne ich, mich zu engagieren. Wenn ich dann dabei Zuspruch finde, Unterstützung und natürlich auch Anerkennung bzw Bestätigung, dass ich damit richtig liege, dann könnte sich das weiter Entwickeln zur Organisation.

Dabei steht - bei mir zumindest - nun keinerlei politische Absicht dahinter. Es geht vielmehr um Hilfestellung und Unterstützung von denen, die vielleicht Hilfe brauchen.
Anne-Mette hat geschrieben: Fr 10. Mär 2017, 21:40
- was würdest Du von einer (Selbsthilfe) Gruppe erwarten?
Da beginnt für mich schon der gewaltige Unterschied, denn m. E. hat ein Stammtisch nichts mit einer Selbsthilfegruppe zu tun. Natürlich kommt auch hier die Selbsthilfe zum tragen, aber nur auf der Basis aus ungezwungenen Gesprächen ohne vorgegebene Themen. Bei uns liegt es aber nicht am Bier, sondern einfach an den Momenten, welche Gespräche zustande kommen.
Es kommt natürlich auch darauf an, welche Teilnehmer den Stammtisch besuchen. Als Beispiel kann ich nur unseren Stammtisch nennen, der gerade gestern Abend wieder statt gefunden hat. Wir sind eine kleine Gemeinschaft mit sehr verschiedene Facetten von Transgendern. Man könnte sagen von der Stubentranse auf dem ersten Ausflug bis zur Person mit GAOP und vieles dazwischen. Erfreulicher Weise sind auch Partnerinnen dabei und es werden immer mehr.

Mit einer kleinen Teilnehmergruppe von 7 Personen waren wir gestern zusammen und die Gespräche, die da zustande gekommen sind, haben mir und sicher auch allen andern das Blickfeld wieder um einiges erweitert.
Das ist nicht immer so und das muss es auch nicht. Der Grundgedanke ist, sich einfach mal en femme oder normal mit andern ungezwungen zu einem gemütlichen Abend mit Essen und Trinken und netten Gesprächen zu verbringen.
Das die Chemie der Teilnehmer stimmen muss ist dabei Voraussetzung und das ist bei uns der Fall.
Jeder wird bei uns offen aufgenommen und erst mal in Smalltalk einbezogen, damit sie sich auf keinen Fall bedrängt fühlt.
Dass es Teilnehmer gibt, die sich bei uns nicht wohlfühlen, weil sie einfach anders ticken hat es auch schon gegeben, aber ich denke das liegt oft an der Einzelperson und nicht an der Gruppe. Das beweist, dass immer wieder "Neue" wiederkommen, weil da die Chemie stimmt. Leider liegt es manchmal auch an der Entfernung, dass die regelmäßige Teilnahme verhindert.

Von einer Selbsthilfegruppe würde ich eine Moderatorin erwarten, die selbst vom Thema betroffen ist und sehr damit vertraut und nicht nur, wie jetzt z. B ich, Partnerin ist.
Anne-Mette hat geschrieben: Fr 10. Mär 2017, 21:40
- können/sollten mit einer Gruppe auch politische Ziele verfolgt werden, oder geht es nur um "Zusammensein" ?
- gibt es "gemeinsame Ziele", für die sich ein Engagement lohnt?
- hast Du eher positve oder eher negative Erfahrungen mit Gruppen gemacht?
Die Frage stellt sich für mich, was ist ein politisches Ziel? ist es schon die gemeinsame Teilnahme an einem CSD, was sich aus so einem Stammtisch mal schnell ergeben könnte? Dann würde ich dazu ja sagen.
Ansonsten geht es in erster Linie wirklich nur um Zusammensein mit Leuten, die mich verstehen, die mir zuhören, denen ich zuhöre und bei denen ich mich wohl fühle und wenn mir danach ist, ich mich auch mal gehen lassen kann(bezogen auf die Gemütslage), und trotzdem Zuspruch und Unterstützung erfahre.

Ob daraus einmal gemeinsame Ziele entstehen in welcher Richtung auch immer, kommt vermutlich immer auf die Gruppe an.

Ich kann nur von unserem Stammtisch sprechen und als "nur Partnerin", dass es bisher keine negativen Erfahrungen gab und die Positiven mich und auch andere Teilnehmer immer wieder überraschen. Nun sind wir auch ein junger Stammtisch, den es erst seit Oktober 16 gibt, aber ich hoffe, dass dies auch in Zukunft so bleibt.

LG Aubergine
Dir geht's nicht gut? Du fühlst dich mies? So was kommt schnell mal vor.
Geteiltes Leid ist halbes Leid, ich leih dir gern mein Ohr.
Michi
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Re: Gruppen „ Treffen „ Organisationsformen

Post 6 im Thema

Beitrag von Michi »

Hallo Gabi,

ich finde finde es überhaupt nicht egoistisch, dass man von einer Gruppe Hilfe erwartet.

Wer Hilfe braucht, sollte immer Unterstützung erwarten dürfen. Das ist für mich Teil dessen, was Menschlichkeit ausmacht.

Egoistisch wird es doch erst, wenn dauerhaft ein auffälliges Mißverhältnis zwischen Nehmen und Geben besteht.


Liebe Grüße
Michi
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Re: Gruppen „ Treffen „ Organisationsformen

Post 7 im Thema

Beitrag von Lina »

Genau diese Frage habe ich auch gestellt als mal die Rede von der Gründung einer neuen Organisation die rede war.

Viel zu wenig wird das genutzt, was einfach auf der Hand liegt: Das Internet und das Forum. Darüber kann man sich organisieren und konzertiert raus gehen und die Entscheidungsträger ansprechen - wenn man die Politik mit beeinflusssen will. Ich meine immer noch, dass das viel bewegen kann. Manche Gruppen werden zum Selbstzweck und gehen reichen zu wenig aus und tun was. Da ist ein informelles Netzwerk manchmal effizienter. Da können Leute zusammenfinden und Aktionen ins Leben rufen, ohne, dass die erst mal Bürokratisch druchgekaut werden müssen.

Da wird es erst mal nicht das Thema sein, erst mal so viele Fördergelder zu kriegen, dass die Initiatorinnen erst mal ein Büro haben und festangestellt sind, um diese Gelder zu verwalten, bevor dann Jahre später jemand erfährt, was die sonst so tun.
Ulrike-Marisa
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Re: Gruppen „ Treffen „ Organisationsformen

Post 8 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin zusammen,

...Informationen aller Art auch zu unseren Themen gibt es im Internet und ganz viel auch hier im Forum.
Eine Gruppe hat da schon eine andere Aufgabenstellung, die allerdings von den persönlichen Gegebenheiten der Gruppenteilnehmer abhängt. Da gibt es ganz viele verschiedene Aspekte, was eine Gruppe leisten kann, sein sollte u.v.m. Für viele - so denke ich auch in unserer offenen Gruppe in Flensburg - ist eine Gruppe so eine Art von Familie; dazugehören ist das eine, ungezwungen mit gleichgesinnten anderen Menschen sprechen und einfach da sein und die Zeit genießen (da gehöre ich zu.. :wink: ).
Eine Gruppe kann natürlich auch einen politischen Auftrag haben, die Schwierigkeit ist da wohl meist, dass wenn organisatorische Arbeiten anfallen, die Personaldecke dünn wird, da sich wohl eher weniger Gruppenmitglieder so weit engagieren wollen und können, dass etwas nach außen getragen werden kann. So geht es mir auch; die Arbeit in den verschiedenen Vereinen im Vorstand und umfangreiche häusliche Aufgaben und sonstiges zeitintensives privates Tun und privater Restriktionen hinsichtlich öffentlicher Auftritte lassen bei mir kaum mehr nutzbare Spielräume - der Kalender ist voll und für mich ist daher der familiäre Aspekt der Gruppe im Vordergrund. Sicher kann auch eine offene Gruppe, wo jede/r Betroffene willkommen ist, auch öffentlich wirksam werden durch Beteiligung an Aktionen aber was ist da werbewirksam für die Gruppe? Mut gehört auch noch dazu, sich irgendwo hinzustellen und sich zu präsentieren. Im Einzelfall hat es bei uns ja auch schon geklappt; wir haben mitgemacht - Anne-Mette hats geplant und vorbereitet...
...nur so ein paar wenige Gedanken von mir zum Thema...

Beste Grüße, Ulrike-Marisa
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