Moinsen,
interessantes Thema! Das Kopfkino lässt sich leider nur schwer abschalten. Obwohl ich schon über sehr viel Erfahrung als Frau verfügte, ging es doch wieder los, als ich mein Leben als Frau startete. Und das ging über Monate bis es endlich wieder still in meinem Kopf wurde. Irgendwann spielte das dann einfach keine Rolle mehr, das ich nicht als Frau geboren wurde.
Ich habe da mal ein interessantes Spielchen mit meiner Frau gespielt. Z.B. Transmänner, an denen ich überhaupt nichts weibliches (mehr) entdecken konnte, "enttarnte" sie schnell als geborene Frau. Und das nur von Fotos her. Also Stimme, Körpersprache usw. ganz außen vor. Und das, wo das Testosteron viel schnellere und massivere Änderungen am Körper produziert als Östrogen.
Die Frage, die ich mir gestellt habe lautet: Wie wichtig ist mir das? Meine männliche Herkunft wird mir ab und zu ins Bewußtsein gerufen, wenn ich von fremden Frauen angelächelt werde. Einfach so. Ein kurzer Blickkontakt, gefolgt von einem anerkennendem Lächeln. Nicht mal ein paar Sekunden und schon bin ich "aufgeflogen". Trotzdem werde ich richtig von Fremden eingeordnet, da mein Erscheinungsbild dem einer Frau entspricht. Und das ist das, was für mich zählt. Das man mich als Frau sieht und behandelt.
Sicher gibt es auch gesegnete Exemplare von uns. Klein, dünn, volles Haar, androgyne Stimme. Bei denen kommen dann vielleicht sogar Profis ins Grübeln

Aber wenn man sich selbst mit seinen Problemzonen auseinandersetzen will, findet man irgendwann kein Ende mehr. Irgendeine Baustelle bleibt immer. Und seien es große Hände oder breite Schultern. Aber da mache ich mich schon lange nicht mehr verrückt...
Um mal ein Detail herauszupicken. Mir war eine passende Oberweite sehr wichtig. Proportional war das Wort was ich häufig dafür verwendete. Die Proportionen von Oberweite, Körpergröße und Gewicht sollten passen. Und über genau dieses Thema habe ich damals sehr lange mit eine lieben (Bio)Freundin gesprochen. Ich war mit meinen externen Silikon-Ersatzteilen nicht besonders zufrieden. Obwohl teuer und gut klebend, hielten sie im Sommer mehr schlecht als recht und so richtig gut anfühlen, taten sie sich auch nicht. Durch mein Übergewicht hatte ich schon damals einen Brustansatz. Meine Freundin klärte mich auf, das es doch viele Frauen mit kleinen Brüsten gäbe und nicht jede würde sich dann Silikonbrüste machen lassen. Man kann auch mit kleinen Brüsten eine Frau sein, glücklich sein. Und seit diesem Gespräch liegen meine Silis ungenutzt im Schrank. Sie hat mir diesen "Makel" den ich für mich selbst sah, ausgeredet. Wo ich ihr heute noch für dankbar bin.
Oder eine weitere Baustelle, meine Nase. Sie ist ziemlich breit und groß geraten, männlich eben. Inzwischen habe ich aber so viel Bio-Frauen gesehen, mit deren Nasen ich um keinen Preis der Welt hätte tauschen wollen, das mir auch dieser "Makel" nun völlig egal ist...
Also entspannt euch und genießt das Frau-sein. In der Regel werden wir zwar als nicht geborene Frau enttarnt, aber doch entsprechend unserer Aufmachung behandelt. Zumindest nach meiner Erfahrung. Und falls nicht, wird der- oder diejenige entsprechend zurechtgewiesen
Grüße
die Anja