Fortsetzung
nicole.f hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 23:22
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 21:25

Sicherung und Verbesserung der Gesundheitsversorgung

Das trifft regional gewiss zu aber brauche ich dafür einen BVT?
Ja, brauchst Du! Denn das SGB, das dies maßgeblich regelt, ist Bundesrecht, nicht Landesrecht. Genau wie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (MDS) ein Bundesverband und kein Landesverband ist, die AWMF eine Bundesvereinigung ist und keine Landesvereinigung. Alle diese und noch mehr fragen, wenn sie überhaupt die Zusammenarbeit mit Trans* Vertreter_innen in Erwägung ziehen, nach deren Relevanz oder gar Legitimation auf Bundesebene. Genau dafür brauchen wir einen BVT*, der auch breit getragen wird, denn ansonsten werden wir dort und andernorts wieder einmal ignoriert. Man spricht und bestimmt über uns, aber ohne unsere Beteiligung. Das ist völlig inakzeptabel.
Wenn es Landesrecht werden soll (wenn ich die Antwort richtig verstehe), dann willkommen Flickenteppich. Reicht es nicht, das wir in Sachen Schule solche gravierenden Unterschiede haben? Für mich drängt sich der BVT zu sehr ins Bild. Er soll doch erst einmal laufen lernen. Die DGTI hat dagegen meine volle Unterstützung, genau wie TransMann, ... . Wenn es ins Gesetz soll dann doch bitte ins TSG.
nicole.f hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 23:22
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 21:25

Wahrung der Menschenrechte auch für Asylsuchende

Ist das in Deutschland nicht normal?
Nein, ist es nicht. Gerade LSBT Geflüchtete und Asylsuchende haben andere und/oder weitergehende Asylgründe als andere. Verfolgung auf Grund von sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität ist noch einmal etwas anderes als politische Verfolgung. Ein LSBT Hintergrund macht aus sonst vermeintlichen "sicheren" Herkunftsländern dann nämlich auf einmal doch Todesfallen. Daher ist es unbedingt notwendig, auch deren Recht auf Asyl hier hervorzuheben und einzufordern und auch ihre besonderen Bedarfe - so sollten LSBT Geflüchtete bspw. nicht mit ihren Landsleuten in Unterkünfte gezwungen werden, da ihre Verfolgung oft nicht nur politisch, sondern nicht zuletzt auch kulturell begründet ist.
Es ist ein Verein im Aufbau. Aber man will gleich überall mitmischen. Man kann irgendwie nicht genug bekommen. Das wird nichts Halbes und nichts Ganzes. Wenn man sich dem Thema in Bezug auf Asylanten annimmt, wie erfolgt dann in Zukunft die Überprüfung?
nicole.f hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 23:22
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 21:25

Stärkung von Selbsthilfegruppen, Netzwerken und Vereinen

Was wird aus SHGs, Vereinen, ... die den BVT nicht anerkennen? Auch der BVT brauch eine fundamentale Basis, sonst bleibt er eine Luftblase.
Dann hast Du das Prinzip noch nicht verstanden, tut mir leid. Der BVT* will und soll doch gerade eben die lokalen Strukturen nicht ersetzen! Er soll auf Bundesebene alles dafür tun, damit die lokalen Strukturen gestärkt und im Bund vertreten werden, nicht umgekehrt. Anerkennen muss den BVT* keine Gruppe oder Mensch, der dies nicht möchte. Was heißt überhaupt anerkennen? Der BVT* ist keine Bundesführung oder soetwas. Es ist eine offene und partizipative Struktur, in der sich jede_r einbringen kann und soll! Je mehr darin mitarbeiten, desto stärker ist der Verband. Der Verband soll nichts lokal bestimmen, sondern auf Bundesebene eine Vertretung darstellen, die in und gegenüber unter anderen zuvor genannten Strukturen unerlässlich ist.
Den Wunsch wie es laufen soll habe ich verstanden. Was nützt ein Verband, wenn keine SHG oder Verband mitmachen möchte? Oder nur die wenigsten der betroffenen? Im Moment ist es zum Großteil nur Wunschdenken. Und kritische Fragen / Meinungen nicht erwünscht.
nicole.f hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 23:22
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 21:25

Abbau der Psychopathologisierung und Stigmatisierung

Nach was soll dann in Zukunft behandelt und operiert werden?
Uralte Frage, s.o. die Frage der Gesundheitsversorgung und noch etwas weiter oben die Frage nach der Vä/Pä. Das wurde schon mehrfach hier im Forum vor- und rückwärts diskutiert und es geht daran einfach kein Weg vorbei. Lies mal die internationale Literatur und schau Dir mal internationale Politik an. Der Zug ist schon längst abgefahren, dieses Rad stoppst Du nicht mehr, es wird hier ankommen, spätestens in ein bis zwei Jahren, wenn der ICD-11 in Deutschland gültig wird. Die Frage lautet schon lange nicht mehr, ob die Psychopathologisierung wegfallen muss oder nicht, sondern wie wir damit umgehen werden. Die Lösung kann es dann bestimmt nicht sein, deren Wiedereinführung zu fordern.
Ob es schon diskutiert wurde oder nicht steht jetzt nicht zur Debatte. Daher falsche Antwort im ersten Teil von dir. Ihr wisst nicht was wir hier für einen Luxus haben. Wenn es kommt wie in vielen Ländern, dann wird es für die Betroffenen nicht besser sondern schlechter und teurer. Ich rede aus eigenen internationalen Erfahrungen. Mir fehlt bis heute eine ordentliche Antwort wie nach ICD-11 eine OP abgerechnet wird die, dem heutigen ICD-10 F64.0 entspricht. Wer garantiert, dass die Krankenkassen die Kosten für Therapien, OPs, Medikamente, Untersuchungen tragen? So lange es keine klare Aussage diesbezüglich gibt kann ich in dem Punkt nicht überzeugt werden. Es ist einer der Kernpunkte meiner Bedenken an der gesamten Reform. Für mich zählen nur Fakten. Ich bin der Meinung es geht zu Lasten der Betroffenen aber das will keiner hören.
nicole.f hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 23:22
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 21:25

Vertretung in der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld

Die soll doch bitte unabhängig bleiben und nicht durch einen BVT gesteuert werden.
Bitte? Ich glaube da hast Du nicht verstanden, was der Satz meint. Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ist eine vom Bund finanziell gut ausgestattete Stiftung, die mit ihren Mitteln Projekte zur Wiedergutmachung der Verfolgung und des Leids durch die Nazis an Homosexuellen während der NS Zeit leisten sollen. Die MH-Stiftung besteht aus zwei Organen, dem Kuratorium und dem Fachbeirat.
Vielen Dank für die Klarstellung. Ich bin auch nur ein Mensch, der auch Fehler machen kann. Also ist der BVT überflüssig. Dafür kann man ja die MH-Stiftung in sich ausbauen.
nicole.f hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 23:22
Jaqueline hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 21:25

Ausbau des Antidiskriminierungsrechts.

Aus meiner Sicht ist es heute schon so wie es ist ausreichend. Wo sind die Lücken?
Ach ja? Dann versuche mal -§5 TSG einzuklagen, wenn Du wegen eines Zwangs-Outings Deinen Job verloren hast. Nur ein Beispiel... Oder versuche mal als nicht-binäre Trans* Person irgendein Persönlichkeitsrecht geltend zu machen. Keine Chance. Entweder Du passt Dich dem cis Heteronormativ an oder Du wirst negiert, Du existierst einfach nicht, soetwas wie Dich gibt es "hier" nicht. Die Liste ist ausbaufähig, aber das soll ich ja nicht

Ich sehe eher, das -§8 TSG zum Schutz erweitert werden sollte. Schlimmer ist Mobbing oder Bossing und da gibt es heute schon theoretisch Schutz.[/quote]
nicole.f hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 23:22
Weißt Du, meckern ist immer so leicht. Man pickt sich ein paar Dinge raus, kümmert sich um nichts, informiert sich nicht, fragt auch nicht nach, aber drischt mal fleißig drauf los. Mindestens 50% Deiner Punkte wurden schon so oft hier diskutiert, daran konnte man eigentlich nicht vorbeigehen. Da frage ich mich dann schon, warum kommt das hier nun schon wieder hoch? Ich kann mir das nur so erklären, dass das entweder nicht gelesen oder nicht verstanden wurde. Ersteres ist Ignoranz und einfach verwerflich, wenn man anschließend eine Meinung dazu abgeben möchte. Wenn man es nicht versteht aber dann inhaltlich zum eigenen Verständnis nicht nachfragt, dann ist das schlicht...
Ich bin diese Reaktionen gewohnt, die sich nicht die Mühe machen, darüber nachzudenken warum jemand anderer Meinung ist. Mir driftet manches in eine Traumwelt ab und das möchte ich nicht auch wenn es mich nicht mehr trifft.
nicole.f hat geschrieben: Mo 13. Feb 2017, 23:22
Das größte Problem in unserer Community ist das, was Daenerys auch bereits ansprach, die kurze Verweildauer der "aktiven" Leute in der Szene. Was folgt ist, dass diese Szene voll ist von Halbwissen. Nur leider ergibt zweimal Halbwissen kein ganzes Wissen, es bleibt halb. Ich gebe offen zu, dass auch ich noch viel zu kurz dabei bin, um ein vollständiges Bild zu haben - immerhin gut drei Jahre, aber ich bin mir darüber bewusst, dass ich noch immer viel zu wenig weiß und viel zu lernen habe. Mein Bücherschrank quillt über mit Literatur zu dem Thema, die noch gelesen werden möchte. Daher habe ich größten Respekt und Demut vor denen, die schon 10 Jahre und mehr auf dem Gebiet aktiv tätig sind. Es stünde vielen gut zu Gesicht, sich etwas zurück zu nehmen und sich zuerst einmal besser zu informieren, bevor sie lautstark losplärren oder haltlose Positionen vertreten. Sinnvolle inhaltliche Fragen zu stellen ist keine Schande, sondern ein Zeichen von Respekt. Infragestellungen hingegen sind meist ein Zeichen von uninformierter Ablehnung.
Wann immer ich Zeit habe bin ich noch aktiv. Wer weiss schon alles? Den zeige mir. Bücher sind geduldig. Das Leben spielt draußen und nicht im Buch. Ich halte nichts von vorgebackenen Informationen. Sie sind nicht unabhängig. Daher, wenn mich ein Thema interessiert dann lese ich mehrere Quellen. Ich würde dem BVT nicht blind vertrauen.
Wo ist eigentlich die Satzung des BVT? Ich habe sie nicht gefunden. So lange ich die nicht sehe ist der Verband nicht existent für mich.
So, jetzt noch ein Wort zum Schluss. Ich bin froh das keiner weiß was morgen ist. Mit gestalten sollten alle. Sich auf nur eine Institution verlassen ist ein Fehler. Daher BVT, nein danke.
Wenn sich jemand provoziert fühlt, dann sorry. Ich bin es gewohnt meine Meinung zu sagen.
Ganz liebe Grüsse
Jaqueline