Wer bin ich wirklich?
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Lebensplanung, Standorte
Karoline

Wer bin ich wirklich?

Post 1 im Thema

Beitrag von Karoline »

In den letzten Monaten hat sich bei mir einiges verändert. Vor etwa einem Jahr hätte ich mich selber ohne jeden Zweifel als Crossdresser bezeichnet. Nun merke ich das meine Empfindungen darüber hinaus gehen. Früher habe ich mich auf wenige Tage im Monat beschränkt, in denen ich mich in mein weiblichers Alter Ego verwandelte. Es mußte der ganz große Auftritt sein, mit Abendmakeup, tollem Kleid usw.
Seit dem Frühling verwandle ich mich nahezu täglich in Karoline. Meine Kleidung wurde alltagstauglicherer und das Makeup dezenter. Es war einfach schön den Feierabend als Frau zu verbringen. Doch ich spürte immer mehr, das es Selbstbetrug ist, mich noch als Crossdresser zu bezeichnen.

Auf einer Veranstaltung mit Galadinner und Tanz im Sommer brach es heraus, ich wäre am liebsten weggelaufen. Ich sah die Frauen in ihren Kleidern, beneidete sie und hätte am liebsten ihren Platz eingenommen. In meinem Bauch krampfte sich alles zusammen. Schließlich verließ ich die Veranstaltung zum frühstmöglichen, sozialverträglichen Zeitpunkt.
Einige Wochen später bin ich zu einer Beratungsstelle gegangen und habe erstmals über meine vermutete Transsexualität gesprochen. Danach begann eine Zeit zwischen Euphorie, endlich meinen Weg gefunden zu haben, und dem Zweifel einen Selbstbetrug zu begehen.
Ich begann eine körperliche Bestandsaufnahme. Es war eher der Versuch eine Ausrede zu finden, das es hoffnungslos sei, je als Frau zu leben. Ich hatte meinen Körper sehr vernachlässigt, ihn nicht gemocht und mich vollkommen auf meine intellektuellen Fähigkeiten beschränkt. Allerdings fiel die Bestandsaufnahme gar nicht mal so schlecht aus, es war also nichts mit der Ausrede. Für Mitte, Ende Vierzig sind es nur wenige Falten, das Gesicht ist nicht zu kastig, eher oval, bei den Haaren müßte man einige umtopfen und da wo eigendlich eine Taille sein sollte, gabs einen Rettungsring.
Dem konnte jedoch abgeholfen werden mit einer Diät, der Ersten in meinem Leben. Eigentlich ist es keine Diät, sondern eine bewustere Ernährung. Dabei habe ich fast zehn Kilo Gewicht verloren und fühle mich sehr viel wohler. Es war ein weiterer kleiner Schritt, aber wieder einer, bei dem ich mich noch immer nicht festlegen mußte. Nach dem die Kilos gepurzelt waren, sind mir meine Hosen und Röcke auf die Knie gefallen, ich hatte zwei Kleidergrößen eingebüßt.
Die Männerhosen habe ich schnell und lustlos eingekauft. Eine schwarze Herrenjeans passte, dann gab es die gleiche nochmal in blau. Dazu noch schnell ein paar Stoffhosen gekauft und ich war fertig.
Für neue Röcke habe ich mir hingegen sehr viel Zeit genommen und noch Pullover gekauft, weil ich nicht passendes hatte zum Kombinieren. Es machte richtig Spaß neue Kleidung zu kaufen und am Ende hatte ich viel mehr gekauft, als vorher beabsichtigt.

Über Weihnachten konnte ich schließlich zur Ruhe kommen, mir über meine Empfindungen im Klaren werden und darüber nachzudenken, wie es weitergehen soll. Ich bin jetzt wohl soweit eine Psychologin aufzusuchen.

Liebe Grüße,
Karoline
Simone 65
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Re: Wer bin ich wirklich?

Post 2 im Thema

Beitrag von Simone 65 »

Hallo Karoline. Ich sehe du bist schon seit 2013 angemeldet. Deine Gedanken , deine Gefühle kann ich richtig nachvollziehen. Warum bricht es jetzt raus ? Bei mir kann ich es nicht sagen. Dein Weg , bist du Dir sicher? Ich bin noch im Zweifel . Ich möchte so gerne Frau sein . Ich wünsche Dir das du dein Weg gefunden hast.
Liebe Grüße Simone
Ich weiss ,ich bin ein Mensch und nur Das zählt.
Ich bin nur ein kleines Licht , aber ich leuchte .
Alle Menschen sollen mich sehen .
Plisseedreher70
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Re: Wer bin ich wirklich?

Post 3 im Thema

Beitrag von Plisseedreher70 »

Hallo Karoline,
hallo Simone,
meistens ist es ein langer Prozess um rauszufinden, wer bin ich und wer will ich sein.
Gerade seit ich diesem Forum "beiwohne", habe ich mich gefragt, ob ich bisher alles richtig gemacht habe und kam zu dem Schluss: ich glaube ja! Mir reicht es, schöne Kleider tragen zu können, wenn auch weitgehend nur versteckt und werde dabei auch von niemanden ausgebremst. Karoline..., was du da von Festlichkeiten geschrieben hast und das Leiden, keine schönen Kleider tragen zu können, das habe ich auch schon schmerzlich erfahren müssen. Ich habe das wie ein Stich ins Herz empfunden. Aus diesem Grund meide ich seit Jahren Hochzeiten und Ähnliches...ist nun mal leider so!
Liebe Grüße,
Plissi
Bin Mann, bleibe Mann, aber festliche Glanzkleider überziehen ist für mich berauschend!
ChristinaF
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Re: Wer bin ich wirklich?

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Beitrag von ChristinaF »

Hallo Karoline,
es ist wirklich ein lang anhaltender und auch dauernder Prozess, sich einzugestehen, dass hinter dem CD mehr steckt. Und es ist gut, dass du zu dir ehrlich bist und alles reflektierst. Bei den meisten der userinnen hier wars ja genauso. Ebenso bei mir. Jahre langes zaudern, verdrängen gar selbst belügen vor der Wahrheit. Und dann nach Zeiten die Erkenntnis, dass man TS ist und die Angleichung zur Frau das Höchste ist. Hier ärgere ich mich heute noch, dass ich so viele Jahre Zeit verschwendet habe. (ag)
OT.
Ich finde, dass du wirklich passabel aussiehst und sehr gut als Frau durchgehen kannst. Und Frau hat ja genügend Mittel(chen) zur Hand das und dies zu kaschieren. Sei es durch hübsche Kleidung oder gar Diät(en). Möglich ist alles.
So steh zu dir und deiner Entscheidung und sei auch dir gegenüber ehrlich.
LG
Christina
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Re: Wer bin ich wirklich?

Post 5 im Thema

Beitrag von Lina »

Hallo Karoline,
ich will keineswegs bestreiten, dass du tatsaechlich TS bist. Jedoch binich weniger fuer Bezeichnungen als fuer eine genauere Definition von dem, was wir TUN.
Was mich aber etwas beunruhigt ist, das fast alles, was du beschreibst, sich auf die Kleidung bezieht.
Angennommen du wuerdest jetzt das Gutachten haben, das besagt, dass du TS bist. Das wuerdest du bestimmt bekommen, denn in den Gutachten steht fast immer dasselbe und die Leute sagen fast immer dasselbe.
Was wuerde dann passieren? Was wuerdest du machen? Mit wem wuerdest du sozialen umgang haben oder haben wollen? Wie willst du;dass die dich sehen? Was tust du, damit die dich so sehen?
Darum geht das Leben ja ueberhaupt. Was bringt dir da eine Diagnose als TS?
Das sind wahrscheinlich Fragen, die du nur beantworten kannst, wenn du es ausprobierst. Gut, mach genau das ...
ab08
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Re: Wer bin ich wirklich?

Post 6 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo Karoline,

ob Du transsexuell bist, oder nicht, das kannst nur Du selbst beantworten.
Transsexuell bedeutet, dass Du eine Frau bist*), und deswegen (eventuell für immer) als Frau auftreten, leben willst.
Mein Psychiater/Erstgutachter meinte damals bei unserem ersten Treffen:
"Ist Ihnen klar, was sie erwartet? - Auswandern nach Australien wäre leichter!"

-> Das es lang dauert, kommt oft vor. (z.B. bei mir)
-> Kleidung spielt anfangs oft auch eine große Rolle. Aber es geht im Grunde meist nur darum, als Frau akzeptiert zu werden.
(Anfangs / 2007 bis circa 2011/ legte ich viel Wert auf Kleidung/extreme Kaufwut -> Heute nach der GAOP ist mir Kleidung weit weniger wichtig.)

Es bleibt bei der Frage "Bist Du eine Frau?"
Das kann durchaus sein, auch wenn Du äußerlich anders aussiehst und lange als Mann gelebt hast.
Es muss aber nicht sein. -> Die Antwort kennst nur Du!

Liebe Grüße und alles Gute
Andrea

*)Anmerkung: Die Formulierung bezieht sich auf "M->F".
Im anderen Fall "F->M" würde ich schreiben, dass Du ein Mann bist. Transsexuelle Männer sind genauso Männer, wie transsexuelle Frauen wie ich Frauen sind.
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
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Re: Wer bin ich wirklich?

Post 7 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo Karoline,

ich finde die Bemerkungen von Lina sind sehr wichtig. Es geht nur begrenzt um Kleidung, auch wenn das ein wichtiger Aspekt ist. Du stellst die Frage, wer Du wirklich bist.
begann eine Zeit zwischen Euphorie, endlich meinen Weg gefunden zu haben, und dem Zweifel einen Selbstbetrug zu begehen.
Ich denke, hier liegt das größte Problem, das auch mir nicht unbekannt ist. Es sind bei mir Phasen, in denen mir Trans nicht viel bedeutet und genau da beginnen meine Selbstzweifel. Wenn ich zu einer Psychologin gehen würde, käme es mir zunächst auf die Frage an, wie ich denn erkennen kann, wer ich wirklich bin und wie ich die Leiden mit meinen inneren Kämpfen lösen kann. Kernfragen wären z.B.

- Betrüge ich mich selbst und wenn ja, an welcher Stelle ?
- Verdränge ich Teile meiner Empfindungen und Gefühle ?
- Wie komme ich auf den Weg, mich in meiner Gesamtheit wahr zu nehmen ?
- ...

Eine Bemerkung von Lina kann ich aber nicht folgen.
Mit wem wuerdest du sozialen umgang haben oder haben wollen? Wie willst du;dass die dich sehen? Was tust du, damit die dich so sehen?
Darum geht das Leben ja ueberhaupt.
Ich denke nicht, dass es darum geht. Das würde bedeuten, dass wir unser Leben nach anderen ausrichten würden. Die zwangsläufige Folge ist dann ja gerade, dass wir Teile von uns verdrängen. Es geht aus meiner Sicht zunächst darum, dass wir mit uns selber im Reinen sind. Das kann aber zur Folge haben, dass sich unsere sozialen Kontakte verändern. Arno Gruen nennt das "autonom sein". Ich bin davon überzeugt, dass wir einen konsequenten Weg nur dann befriedigend gehen können, wenn Empfinden und Handlungen zusammen passen.

Deshalb ist Deine Eingangsfrage wichtig und entscheidend.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Karoline

Re: Wer bin ich wirklich?

Post 8 im Thema

Beitrag von Karoline »

Hallo,

danke für die vielen Antworten.
Mein erster Post hat sich sehr auf die Äußerlichkeiten und Kleidung bezogen. Diese Veränderungen konnte ich machen, ohne eine wirkliche Entscheidung treffen zu müssen. Ich konnte mich wieder einmal erfolgreich vor einer Entscheidung drücken. Auf diese Weise mogele ich mich schon lange durch. Der Gedanke transsexuell zu sein ist schon seit Jahren da. Wobei ich jetzt nicht einer Therapie vorgreifen möchte.
Abgehalten hatte mich auch die Angst vor gesellschaftlicher Ausgrenzung, Angst das mein ganzes Leben zusammenbricht, das ich es nicht durchstehe.

Bitte versteht den folgenden Abschnitt nicht falsch. Ich möchte nicht angeben, aber vielleich hilft er mich zu verstehen.
In meinem Leben hatte ich noch nie kämpfen oder mir etwas richtig erarbeiten müssen. Erst vor wenigen Jahren habe ich erfahren, das ich hochbegabt bin. Ich bin darauf nicht stolz, sondern es ist einfach so. Nur wusste ich vorher damit nicht umzugehen. Ich habe mich nie angestrengt, war einfach nur faul, und bin trotzden glatt durch Schule, Studium und anschließender Promotion gekommen. Das hört sich erstmal toll an. Bei allen anderen Dingen, die einer Anstrengung oder Übens bedurft hätten, wie ein Instrument zu lernen oder beim Sport einigermaßen Erfolg zu haben, nur auf dem Niveau der Kreisklasse, habe ich nach kurzer Zeit abgebrochen, es gab ja so viele Dinge, die ich ohne jede Mühe erreichen konnte. Wenn es zu größeren Auseinandersetzungen bei der Arbeit kam, habe ich mich einfach wegbeworben.

Ich weiß einfach nicht wie es ist für ein Ziel zu kämpfen. Bisher bin ich weggelaufen oder ausgewichen. Seit Jahren mache ich es. Das sind nicht gerade die besten Voraussetzungen. Deshalb habe ich große Angst diesen Weg zu gehen. Andererseits wäre es auch möglich, das ich eine Kämpferin bin, nur habe ich es noch nie probiert.
Mir ist in den letzten Monaten klar geworden, dass ich meine Defizite überwinden muss und die Entscheidung nicht ewig weiter aufschieben kann. Mein jetziges Leben, das man als "eat, work, crossdress, sleep" bezeichnen kann, möchte ich nicht so auf Dauer fortführen. Ich habe mich endlich dazu durchgerungen meinen Weg zu finden, wie er auch sein mag.

Liebe Grüße,
Karoline
Simone 65
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Re: Wer bin ich wirklich?

Post 9 im Thema

Beitrag von Simone 65 »

Entschuldige bitte , ich hatte hier meine Gedanken aufgeschrieben,.( gelöscht)
Liebe Grüße Simone
Ich weiss ,ich bin ein Mensch und nur Das zählt.
Ich bin nur ein kleines Licht , aber ich leuchte .
Alle Menschen sollen mich sehen .
ChristinaF
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Re: Wer bin ich wirklich?

Post 10 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Die gleichen Gedanken hatte ich so früher auch. Und ich denke, dass die meisten hier ähnlich dachten oder noch denken.
Vielleicht helfen dir, deinen Weg zu finden, tiefe und ehrliche Gespräche. Ob nun mit Therapeuten, in SHG oder gar hier im Forum.
Ich hoffe, dass du deinen richtigen Weg findest und ihn dann gehen kannst und willst.
Liebe Grüße
Christina
Lina
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Re: Wer bin ich wirklich?

Post 11 im Thema

Beitrag von Lina »

Karoline hat geschrieben: Do 26. Jan 2017, 00:31 Hallo,

,,,

Ich weiß einfach nicht wie es ist für ein Ziel zu kämpfen. Bisher bin ich weggelaufen oder ausgewichen. ,,,
Liebe Grüße,
Karoline
Ich wünschte ich hätte es so leicht gehabt - Intelligenz ist keine Garantie, dass man in allem sofort Erfolgreich ist.
Aber das Erste hat ja auch nicht viel mit der Sache zu tun. Es verlangt ja niemand, dass du irgend was in einem bestimmten Tempo machen musst.
Das Zweite hat eher was damit zu tun.

Eine mögliche Vorgehensweise für dich Könnte z.B. so sein: Einige Wochen Urlaub machen. Ausprobieren, was es überhaupt heißt, die soziale Rolle als Frau einzunehmen. Dabei erstens festlegen - wie willst du überhaupt aussehen. Ausprobieren, was das im Alltag bedeutet. Verschiedene Challenges täglich einplanen, wie ganz Leichte - einkaufen gehen im Supermarkt, bis anspruchsvollere wie "an diesem Tag werde ich 3x komplett Fremde irgend etwas fragen" bis hin zu "Leute kennen lernen in irgend einer Veranstaltung" - ein VHS-Kurs, ein Themen-Stammtisch, oder so einer von diesen Treffen, wo Leute einfach ihre Fremdsprachen üben, oder so was. Irgendwann wirst du zumindest mehr über dich selbst wissen, so viel ist sicher.
Gut geplant kannst du viel in 3 Wochen reinkriegen.
Karoline

Re: Wer bin ich wirklich?

Post 12 im Thema

Beitrag von Karoline »

Hallo Lina,

danke für deine Antwort. Daran mich im Urlaub an die Rolle als Frau heranzutasten habe ich auch schon gedacht und es haben ja schon einige hier im Forum gemacht. Außerhalb des normalen Umfelds ist es sicherlich einfacher. Und wenn ich es komplett verbocke, kennt mich da keiner (smili).

Nach der ersten Euphorie werde ich das Tempo erstmal ein wenig drosseln und die Dinge ruhiger angehen lassen.

Danke für Eure Unterstützung!
Liebe Grüße,
Karoline
Simone 65
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Re: Wer bin ich wirklich?

Post 13 im Thema

Beitrag von Simone 65 »

Hallo Karoline. Ich sehe du kommst aus dem Breisgau . Ein Vorschlag , komme nach Karlsruhe zum Transtalk. Im Hotel Santo kannst du als Mann kommen im Hotel bleiben und als Mann gehen. Im Keller ist ein italienisches Restaurant , oben ist die Cocktailbar. Es wird ein schönen Abend. Und du als Frau , die Anderen helfen Dir.
Wenn du dich traust gehen wir zusammen am Samstag in die Stadt. In Karlsruhe sollte dich keiner kennen. Und weiss Du, zu zweit ist Es viel leichter. Am Abend spielt dann das Klavier und du kannst Dir Musik wünschen. Am Sonntag frühstücken wir gemeinsam und du fährst als Mann wieder nach Hause.
Oder wenn Du Freitag nicht kannst. Komme nach Mühlacker bei Pforzheim. Dort ist es ruhiger . Da gibt es auch ein Hotel ,, Das scharfe Eck ". Du kannst auch dort als Mann kommen. Auch dort wird dir geholfen . Am Samstagnachmittag können wir shoppen gehen.
Schreibe eine Pn wenn du Interesse hast.
Liebe Grüße Simone

Oder ich bin ganz frech und nehme Dich mit , auf einer meiner Reisen. (smili)
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Re: Wer bin ich wirklich?

Post 14 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo Karoline,

ich kann sehr gut nachvollziehen, was Du schreibst.
In meinem Leben hatte ich noch nie kämpfen oder mir etwas richtig erarbeiten müssen.

Andererseits wäre es auch möglich, das ich eine Kämpferin bin, nur habe ich es noch nie probiert.
Das sind Stichworte, die ich ganz ähnlich empfunden habe. Wenn man nur Erfolge zu verbuchen hat, fehlen einem die Rückschläge, an denen man arbeiten muss und die einen wachsen lassen. Aber irgendwann holt es die meisten dann doch ein. Bei mir waren es verbockte Beziehungen, an denen ich lernen musste. das war heftig. Ein anderer Punkt zur "Selbsterziehung" war das Durchhalten in meinen Hobbys in dem ich mir selbst gestellte Aufgaben auf möglichst hohem Niveau fertig stellen wollte. Das war teilweise sehr mühsam und eintönig. Am Ende empfand Ich das als sehr befriedigend. Etwas geschafft zu haben, was mir viel Mühe bereitet hat und Rückschläge aushalten und neue Wege suchen musste, hat mich persönlich sehr geprägt. Das Geschaffene habe ich dann auf Ausstellungen präsentiert.

Entscheidend waren aber die schon genannten verbockten Beziehungen. Da hatte ich dann wirklich zu knabbern und es war eine ganz schön harte Zeit, als ich erkennen musste, wie viel ich an mir selber arbeiten musste, um u.a. meine Arroganz und Selbstgefälligkeit abzulegen, damit ich mir meine innere Einsamkeit eingestehen und nicht mehr durch Selbstgefälligkeit überspielen musste. Das konnte ich ja ganz prima, da mir ja so vieles gelang. Dahinter kann man sich prima verstecken.

Und was hat das mit Trans zu tun ? Zunächst erst einmal wenig. Aber Schuld und Scham über Trans und die dazugehörigen Ängste, die Du auch beschreibst, gehört ebenfalls zu meinem Leben. Das ist z.T. auch heute noch so. Aber die oben beschriebenen Entwicklungen zu mehr Hartnäckigkeit und Demut haben mir auch hier viel geholfen. Mein Leben im Allgemeinen und auch im Thema Trans ist viel ruhiger und sicherer geworden. Die Frage nach dem "wer bin ich" ist dabei eine der schwersten Fragen. Ein wichtiger Ratgeber sind mir dabei meine Gefühle geworden. Und wenn ich sie nicht gleich deuten kann, nehme ich mir die Zeit, um sie zu ergründen. Sie zu verstehen, ist mir sehr wichtig geworden.

War bedeutet denn der scheinbar unwiderstehliche "Drang" zum Dressen ? Dabei ist nicht das Dressen im Vordergrund, sondern der Drang. Für mich bedeutet Drang in erster Linie, dass mir etwas massiv fehlt. Das muss nicht weibliche Kleidung sein, auch wenn sie viel zur Entspannung beiträgt. Das kann auch eine Aufforderung sein, mehr auf mich zu achten. Wie oft habe ich schon gelesen, dass andere TG sich weiblich kleiden wollen, wenn sie von außen großen Stress verspüren ? Ich habe viel in mir, was man mit Weiblichkeit beschreiben könnte. Was liegt da näher, darin innere Ruhe zu finden, auch wenn der Anlass außerhalb liegt ?

Ich denke, es hilft, diese Dinge zu differenzieren. Gelebte Weiblichkeit, so wie ich sie verstehe, ist für mich wichtig. Sie zu vernachlässigen, führt bei mir zu inneren Druck. Aber es gibt auch andere Gründe für Druck, die nicht oder nicht direkt mit meiner Weiblichkeit zu tun haben.

Es geht vielleicht auch nicht so sehr um das Kämpfen, sondern vielmehr um Aufmerksamkeit für sich und die eigenen Bedürfnisse.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
ab08
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Re: Wer bin ich wirklich?

Post 15 im Thema

Beitrag von ab08 »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 1. Feb 2017, 09:34 Es geht vielleicht auch nicht so sehr um das Kämpfen, sondern vielmehr um Aufmerksamkeit für sich und die eigenen Bedürfnisse.
Danke, liebe Vicky,

genau das ist der Punkt:
Wir sollten uns selber und unsere eigenen Bedürfnisse nicht vernachlässigen!!
LG Andrea
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