Leonies kleine Geschichte
Leonies kleine Geschichte

Wer möchte, kann sich vorstellen: bitte kurz fassen
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_Leonie_

Leonies kleine Geschichte

Post 1 im Thema

Beitrag von _Leonie_ »

Hej,

Minä olen Leonie. - Ich bin Leonie.

[Hinweis; Ich kann gerade noch nicht sagen was ich hier alles schreibe, daher gebe ich denen die das lesen eine eindeutige TMI-Warnung]
Ich weiß nicht mal ob es überhaupt jemanden interessiert, jedenfalls ist das hier ein Teil meiner Geschichte.

Wo soll ich anfangen? Mein Name ist Leonie und ich bin 26 Jahre alt. Mit meinen 26 Jahren fühle ich mich einfach nur alt. Sehr alt.
Vermutlich liegt das ganze daran, dass ich das Gefühl habe ziemlich viel meiner Lebenszeit verschwendet zu haben.

Wie kommt es dazu? Ich habe bereits sehr früh, ca. mit 12, bemerkt, dass ich meine Lebenszeit lieber als Frau verbringen möchte. Diese Gedanken, diese Vorstellung, diesen Wunsch habe ich immer abgekapselt und tief in mir begraben; ohne Erfolg. Im laufe der Jahre wurde dieser "Wunsch" immer größer und schwerer zu unterdrücken. Das ganze hat mich als Teenager sehr unglücklich gemacht, weil ich nicht zu mir stehen konnte habe ich mir einen großen Teil meiner Jugend vermiest. Dadurch bin ich zu einem einzelgängerischem jungen Erwachsenem geworden - bis ein paar Ereignisse mein Leben zum positiven verändert haben.

Mit 23 habe ich die ersten richtigen Freunde gefunden, tolle Leute die es geschafft haben mir zu helfen mich zu ändern, mich zu öffnen. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch immer ein zynisches A********, aber weit weniger schlimm als vorher. Dank dieser Leute habe ich angefangen Abends wegzugehen, auf Konzerte zu gehen, mal Tanzen zu gehen - einfach Spaß zu haben. wenn ich mich daran zurück erinnere muss ich lächeln, ich war zum ersten mal Ansatzweise glücklich.

Mit 24 kam dann die erste Freundin, eine Erfahrung die mir gezeigt hat wie schön das Leben sein kann. Ich nehme an, dass jeder dieses schöne Gefühl kennt das man hat wenn man verliebt ist. Es hat nicht gehalten, aber was solls. Wichtig ist nur das was ich daraus lerne.

Nachdem die Beziehung auseinander gegangen ist habe ich noch einen Sprung nach vorne gemacht, erster guter Job, eigene Wohnung, viel Zeit mit Freunden und Hobbys und trotzdem blieb tief in mir der Wunsch nach Veränderung bestehen. Ich habe angefangen Informationen Rund um das Thema Transgender&Co, es lies mich nicht mehr los. Nachdem ich in einem Blog von Phytoöstrogenen gelesen hatte, hatte ich den "tollen" Einfall es damit mal zu Probieren. Ohne Erfolg. Ich habe das ganze dann relativ schnell wieder gelassen und mich mit meinem "Problem" an meinen Arzt gewandt. Mein Arzt hat mich dann an einen Psychologen verwiesen. Nach zwei Sitzungen hat mir der Psychologe gesagt, dass er sich demnächst bei mir melden würde um weitere Termine abzumachen. Auf die Rückmeldung warte ich noch heute :lol:

Das ganze habe ich als Zeichen gesehen es auf sich beruhen zu lassen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt wieder eine Freundin (mit der ich jetzt noch zusammen bin), und ich war halbwegs glücklich. Halbwegs.
Ich habe mich meiner Freundin anvertraut und ihr erklärt was ich fühle, wie es mir geht...
Besonders schwer war dieser Punkt zu erklären, ich möchte mich von der Persönlichkeit her nicht großartig ändern nur weiter öffnen, mehr ich sein, ich möchte die gleiche Person bleiben, nur mit dem zu mir passendem empfundenem Geschlecht. Meine Freundin bleibt bei mir, und sie unterstützt mich. (Nachhilfe bei den Themen Makeup, Styling, Kleidung etc (so) )
Und nach einem langen inneren Kampf habe ich mich dazu entschlossen mein Leben in den Griff zu kriegen.

Nach überraschend kurzer Suche habe ich einen Hausarzt gefunden dem ich vertrauen kann, als ich ihm mein Problem schilderte hat er gegrinst, eine Visitenkarte gezückt und mir die Kontaktdaten einer ganz tollen Psychologin gegeben.

-Einige Zeit später-

Während ich das hier schreibe warte ich gespannt auf die ersten Blutwerte die mein Hormonlevel zeigen...

Ich hoffe mich hier mit anderen rund um das Thema austauschen zu können, vllt. hilft mir das ja doch nochmal ein wenig weiter.

Alles in allem kann ich sagen, dass ich so glücklich bin wie noch nie, von gewissen Selbstzweifeln mal abgesehen. (Aussehen etc.)


Leonie
Theresa-Annalena
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Re: Leonies kleine Geschichte

Post 2 im Thema

Beitrag von Theresa-Annalena »

Hi Leonie,

herzlich willkommen hier im Forum.
Es scheint als ob Du genau weißt was Du willst.
Viel Glück dabei und jede Menge Spaß.

LG
Tessa.
Hat die Blume einen Knick, war der Schmetterling zu dick.
Wenn alle Stricke reißen, warst Du zu schwer für die Schaukel.
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Re: Leonies kleine Geschichte

Post 3 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt »

Hallo Leonie,

wir haben uns ja schon im Chat kurz gelesen, aber auch hier nochmal herzlich willkommen und viel Spaß in diesem tollen Forum.

Liebe Grüße
Michelle
Brauchst Du Hilfe oder einfach jemanden zum quatschen? Schick mir 'ne PN!

Weihnachtsmarkt ist das Wacken für Büroangestellte!
Céline
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Re: Leonies kleine Geschichte

Post 4 im Thema

Beitrag von Céline »

Hi Leonie,
Herzlich Willkommen hier und viel Spaß
LG
Kelly
"Sprache und Worte können mich nicht verletzten...nur der Mensch und seine Absicht dahinter"
C.B.
_Leonie_

Re: Leonies kleine Geschichte

Post 5 im Thema

Beitrag von _Leonie_ »

So, ich habe in Vorbereitung auf meine anstehende Psychologischer Behandlung mal etwas ausführlicher über mein Leben geschrieben. Vllt liest das ja jemand und hat noch einen guten Tipp oder etwas was ich ergänzen könnte... Der ganze Text soll mir auch als Grundlage dienen.

1. Von der Geburt bis zur Einschulung

Wenn ich mich an meine frühe Kindheit erinnere (Kindergartenzeit), dann erinnere ich mich vor allem ein eine weitestgehend glückliche Kindheit. Zu diesem Zeitpunkt im Leben war mir der Unterschied zwischen den Geschlechtern noch nicht bewusst, ich hatte noch keinen Bezug dazu und daher hatte es keine Relevanz für mich.

In dieser Zeit habe ich am liebsten mit einem Mädchen gespielt das mich lange durch mein Leben begleitet hat. Außer mit diesem Mädchen habe ich mit kaum jemandem oft gespielt, ich war still und zurückhaltend, und Erzählungen nach habe ich viel geweint.

Dieses Mädchen hat quasi nebenan gewohnt, so kam es, dass ich viel Zeit mit ihr verbracht habe. Meistens wurde bei ihr gespielt, mit "Mädchenspielzeug" (Puppen etc.), außerdem wurde viel gemalt und es wurden zu Spielzeugen Geschichten erfunden. Gegen diese Weise des Spielens habe ich nie eine Abneigung gespürt, es war für mich normal und hat mir Spaß gemacht. Nach einiger Zeit habe ich mir von meinen Eltern ein eigenes Puppenhaus gewünscht, an die Nachfrage meiner Mutter ob ich mir sicher sei erinnere ich mich noch genau. Um es kurz zu machen - Ich habe keins bekommen.

Ansonsten ist mir aus dem Kindergarten noch eine weitere Sache in Erinnerung geblieben, die Kisten mit den Anziehsachen. Ich erinnere mich nicht mehr genau, es war wohl ältere Kleidung die von uns Kindern zum verkleiden und spielen genutzt werden konnten, mein Favorit waren dabei meist Kleider und Ohrringe...

Eine weitere Erinnerung die für mich noch heute intensiv ist, ist die folgende: Meine Mutter steht vor dem Spiegel im Schlafzimmer und macht sich zurecht, ich wollte das auch unbedingt. Nach längerem quengeln hat meine Mutter nachgegeben und mir Lippenstift aufgetragen, ich war unsagbar glücklich.

Ohne das später einsetzende Bewusstsein für die Unterschiede zwischen den Geschlechtern, ohne ein ausgeprägtes Bewusstsein für das eigene Geschlecht war ich ein glückliches Kind.


2. Grundschulzeit

Die ersten Jahre der Grundschule waren toll, das Mädchen aus dem Kindergarten mit dem ich mich so gut verstand war in meiner Klasse und wir verbrachten weiterhin viel Zeit miteinander. Das Spielen lief noch so ähnlich ab wie vorher, im Garten, in der Sandkiste, mit Ihren Spielzeugen. Auch heute find eich die Erinnerungen daran noch toll.

In diesem Alter wurde es (bestimmt durch die Eltern) Zeit für das Erste Hobby - Fußball. Ich verbinde damit keine schönen Erinnerungen und es hat mir keinen Spaß gemacht. Neben meiner Angst vor Bällen war ich von meinem verhalten her einfach ruhiger und weniger aggressiv als die anderen Jungen, da dazu auch noch meine Spielweise schlecht war wurde ich schnell zum Außenseiter und landete in der Hackordnung ganz unten. Ich habe mich auf dem Fußballplatz nie wohl gefühlt, bin nicht gerne dorthin gegangen. Gesagt habe ich das lange nicht.

Mit den Lehrern bin ich gut klar gekommen, auch meine Leistungen in der Schule waren gut.

Ca. in der dritten Klasse ist dieses Mädchen mit ihren Eltern fortgezogen, für mich und auch für sie damals ein Drama. Außer ihr hatte ich keinen mit dem ich gerne etwas gemacht habe. Ich habe mich dann mit einem anderen Jungen "angefreundet" um überhaupt jemanden zum spielen zu haben.

Alles in allem war ich auch in der Grundschule noch ein glückliches Kind, die Geschlechter spielten noch keine Große Rolle und die meiste Zeit habe ich noch mit der Freundin die ich hatte verbringen können. Bei ihr fühlte ich mich gut. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass eine negative Veränderung meines Lebens eintrat als sie fortgezogen ist. Für mich war die Welt nun nicht mehr nur noch gut.


3. Schulzeit bis zur Pubertät

Irgendwann in diesem Abschnitt meines Lebens muss ich dann wohl endlich gelernt haben wo genau die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen sind, das es Jungen und Mädchen gibt war klar; nur was genau das bedeutet, für das Jetzt und für die Zukunft, dass war lange nicht klar.

Ich war viel allein, meist habe ich jetzt mit diesem Jungen aus meiner Klasse gespielt den niemand wirklich mochte, genau wie mich. Es begann sich so anzufühlen, als ob ich aus einem Grund nicht dazu gehöre, einen Grund den ich damals noch nicht kannte.

Wenn in der Schule Gruppenarbeiten anstanden und ich in einer Mädchengruppe landete freute mich das, es fühlte sich für mich immer wärmer, geborgener an. Ich konnte mich dort viel besser als Teil der Gruppe identifizieren als in einer reinen Jungengruppe.

Das Wöchentliche Fußballtraining wurde langsam zur Tortur, ich war schon aus Prinzip der, der an allem Schuld ist, der der als Letzter gewählt wird. Den Fußballsport habe ich mir etwas bis zu meinem zwölften Lebensjahr angetan bevor ich den Mut hatte meinen Eltern zu sagen das es nichts für mich ist. Dort nicht mehr hin zu müssen hat mich glücklich gemacht.

Meine Leistungen in der Schule begannen sich zu verschlechtern, ich fühlte mich einfach anders, konnte nicht aus mir raus und isolierte mich selbst.

Mit meinen Eltern gab es jetzt auch öfter Probleme, oft genug drehte sich der Streit dabei um die Schule.

Mit Mädchen hatte ich außerhalb der Schule zu diesem Zeitpunkt kaum noch etwas zutun, der Wunsch wieder mit Mädchen etwas machen zu können war da, und er war groß. Der Wunsch wieder das Gefühl von Zugehörigkeit zu haben, und doch hatte ich gleichzeitig auch große Angst vor Ablehnung.


4. Pubertät und frühes Erwachsenen Leben

Eine Zeit meines Lebens an die ich mich wirklich nicht gern erinnere.

Ich wurde mit der Zeit wirklich unglücklich, ich fühlte mich nicht richtig und konnte nicht sagen wieso. Mit der langsam einsetzenden Vermännlichung konnte ich nichts anfangen. Ich wurde schnell aggressiv, meist habe ich mir dabei selbst wehgetan oder mich sonst wie bestraft. Für was genau war Situationsabhängig, wenn etwas nicht so gelaufen war wie ich es wollte zum Beispiel.

Mit dem langsamen entdecken der eigenen Sexualität bekam ich erstmals einen deutlichen Anhaltspunkt dafür was bei mir anders war. Ich stellte fest, dass ich mich als Mädchen betrachtete und nicht als Jungen. Zu diesem Zeitpunkt war ich etwas 12 oder 13 Jahre alt, und ich wusste noch nicht was diese Feststellung für mich bedeuten würde.

Umso älter und damit auch männlicher ich wurde umso mehr hasste ich es wenn man Bilder von mir machte, ich konnte mich nicht mit dem was darauf zu sehen war identifizieren, ich konnte irgendwann nicht mehr richtig in den Spiegel schauen da ich nicht mag was dort zu sehen ist, ich fühlte mich falsch.

Ich begann, mich nach dem duschen immer schnell wieder anzuziehen weil ich den Anblick meines Penis nicht toll fand, so musste ich ihn nie lange sehen.

Die Selbstbefriedigung mit der man irgendwann in diesem Alter anfängt konnte mir nichts geben, es hat sich nicht gut angefühlt.

Unter den anderen Jungen in der Schule fühlte ich mich fehl am Platze, es gab 2 oder 3 die mich toleriert und ab und an etwas mit mir gemacht haben, aber nicht mehr als das.

Zu dieser Zeit begann ich sehr viel Zeit mit Computerspielen zu verbringen, ich hatte dabei nichts mit anderen Menschen zutun die mich weil ich bin wie ich bin ablehnen könnten, und ich musste nicht so furchtbar viel nachdenken was genau bei mir anders ist. Außerdem war es eine gute Gelegenheit um meine empfundene Weiblichkeit bei Seite zu schieben.

Mir war in der Pubertät klar, das ich anders bin, mir wurde auch klar worin diese Andersartigkeit begründet lag. Ich sah mich als Mädchen/Frau.
Der Wünsch nach außen sichtbar wie ein Mädchen zu leben war vorhanden, aber ich habe mich nicht getraut. Ich wollte "normal" sein, nicht auffallen. Je länger ich mir meiner Gefühle bewusst war umso trauriger wurde ich deswegen, oft meinte ich als Teenager es wäre besser wenn ich nie geboren wurden wäre. Gleichzeitig wuchs im Laufe der Zeit der Wunsch Frau zu sein immer mehr, ich bekam Träume in denen ich auf irgendeine Art und Weise zu einer wurde, sei es durch Magie, Medizinische wunder oder das mich eine Art Gott gefragt hat was ich denn nun sein möchte. Dieser Wunsch weiblich zu sein war damals und ist auch heute nichts sexuelles, es der Gedanke eine Frau zu sein erregt mich nicht. Es ist einfach nur der Drang nachdem was ich für mich als richtig empfinde.

Ca. mit 14 begann ich mich über das Thema Transsexualität zu informieren, die Möglichkeiten aus einem Jungen ein Mädchen zu machen beeindruckten mich, nur sprechen konnte ich darüber mit niemandem. Ich las einmal von einer Option der Hormonbehandlung für Minderjährige, das war das was ich unbedingt wollte. Ich habe mich nur nicht getraut mich zu offenbaren und dadurch diese Chance vertan.

Ich wurde älter, männlicher und unzufriedener, meine Leistungen in der Schule ließen weiter nach, und ich schaffte die elfte Klasse nicht. Meine Zeit verbrachte ich noch immer am Computer oder an meiner Egitarre.

Zu dieser Zeit (etwa mit 18) hatte ich meinen ersten Freund, keine sehr schöne Erfahrung. Ich dachte lange, dass hinter dem Wunsch nach Weiblichkeit Homosexualität stecken könne, frei nach dem Motto, wenn ich mich selbst als Frau sehe muss ich wohl Männer mögen; falsch. Ich mag keine Männer, und der Sex ist auch nicht gut.

Ich begann mir die Haare wachsen zu lassen und schnitt sie erst wieder mit 20 ab, das bereue ich bis heute.

Ich wechselte von der Technischen Oberstufe in die Höhere Handelsschule, Technik liegt mir einfach nicht, mit Mathematik werde ich nicht warm und ohne räumliches Vorstellungsvermögen war ich verloren. In der Klasse fühlte ich mich nicht wohl, der Anteil der Männer lag bei 100%.

In der HöHa fand ich endlich wieder Anschluss, ich fand schnell zwei Freundinnen mit denen ich meine Zeit verbringen konnte, Ich fühlte mich mit den beiden an meiner Seite endlich wieder etwas wohler und nicht mehr so allein. Ich wurde angenommen, das Thema Transsexualität habe ich trotzdem nie angeschnitten.

Etwa zu dieser Zeit wurde ich wegen meines Wunsches nach Weiblichkeit, der Chance als Frau leben zu können, panisch. ich begann mir Sorgen zu machen wie männlich ich am Ende der Pubertät wohl sein würde. Zu diesem Zeitpunkt war ich schmal, hatte lange dunkle Haare und keine sehr tiefe Stimme, auch wenn mir meine eigene Stimme schon immer wahnsinnig tief vorkam.

Eine besonders ausgeprägte Sorge war die vor Haarverlust, und hatte das Gefühl einiges an Männlichkeit vertragen zu können ohne unterzugehen, nur nicht das. Ich stand oft vorm Spiegel und habe kontrolliert wie sich die Geheimratsecken entwickeln.

Mit meinen Eltern lief es nicht mehr sonderlich gut, es musste eine Entscheidung über meine berufliche Zukunft gefällt werden, währenddessen hatte ich ganz andere Dinge im Kopf und auf dem Herzen die mich beschäftigt haben.

Da ich direkt im Anschluss für die HöHa nichts gefunden hatte musste ich zum Wehrdienst bzw. in meinem falle zum Zivildienst. Ein Moment, eine einzelne Sekunde bei der musterung ist mir dabei in Erinnerung geblieben, und aus heutiger Sicht ffreue ich mich über die Erkenntnis. Ich musste einen Fragebogen ausfüllen und ganz oben mein Geschlecht angeben, dabei könnte ich wählen zwischen: Männlich, Weiblich, Transsexuell. Ich wusste ganz tief in mir, dass Transsexuell die richtige Antwort für mich ist, angekreuzt habe ich aber letztendlich Männlich. Für mich war das ein erster, winziger Schritt hin zur Akzeptanz meiner selbst.

Drei Monate nach der Musterung musste ich meinen Dienst auf dem Bauhof meiner Stadt beginnen, versprochen wurde mir ein wenig Arbeit in den Parks der Stadt, kein Problem für mich, etwas das ich gerne mache. Bekommen habe ich im Winter 09/10 Baumfällarbeiten bei Tiefschnee und -15-°C. Die anderen Menschen dort waren alles "echte" Männer, ganze Kerle. Habe mir dort extrem unwohl gefühlt. Nach 6 Monaten war es für mich Psychisch so schlimm, dass ich nicht mehr konnte. Ich bekam Herzrasen, und musste Wochen Beruhigungsmittel nehmen weil ich nicht mehr klar gekommen bin. Ich war drei Monate krank.

Nebenbei habe ich noch in einem Drogeriemarkt etwas Geld dazu verdient, dort fühlte ich mich sehr wohl. Meine Aufgabe bestand darin die Regale aufzufüllen. Das Team bestand ausschließlich aus Frauen und mit denen hatte ich keine Probleme.

Im März 2010 bekam ich eine Zusage auf eine meiner vielen Bewerbungen, ich bekam einen Platz an einer Akademie für Steuerrecht.

Die meisten der Leute dort Waren etwa in meinem Alter, und Frauen. Ich fand schnell Anschluss an eine Gruppe und auch eine Freundin habe ich schnell gefunden. Ich hatte wieder jemanden mit dem ich meine Zeit verbringen konnte.

Zu dieser Zeit hatte ich meinen zweiten Freund, von dem keiner etwas wusste. Es hat wieder nicht geklappt und mir endgültig gezeigt, dass Männer einfach nichts für mich sind. Ich stellte also fest, dass ich mich selbst als Frau sah, aber nicht auf Männer stand.

Meine Leistungen waren wirklich gut, meine Eltern waren mit mir zufrieden und ich fand mein Leben eine Zeitlang wieder okay, nicht gut, aber immerhin okay. Trotzdem schlummerte da noch etwas in mir.

In dieser Zeit habe ich eine Sache richtig gemacht, ich ging zum Arzt und ließ mir für meine Haare Finasterid verschreiben. Die Pubertät war durch und ich war nicht besonders männlich. Auf diese weise versuchte ich eine weitere für mich schädliche Wirkung von Testosteron zu verhindern. Ich nahm mir so selbst die Angst vor weiterer vermännlichung, in diesem Falle durch Haarverlust.

Ich fand mich langsam damit an nie als Frau leben zu können, auch wenn der Wunsch nach wie vor da war. Ich versuchte mich für meine Männlichkeit zu begeistern, machte viel Sport um einen tollen Körper zu bekommen - ohne Erfolg. Ich sehe zwar als Mann nicht schlecht aus, fühle mich aber trotzdem nicht wohl. Ich wollte trotzdem noch viel lieber als Frau leben.

Meine Zeit an dieser Steuerakademie verging wie im Fluge und ich landete im Öffentlichen Dienst.


5. August 2013 - Heute

Etwas war mir noch nicht aufgefallen, mein bester Freund. Ich habe ihn Irgendwann bei meiner Arbeit in einer Behörde kennengelernt und er hat mein Leben wirklich zum positiven verändert. er hat mich fürs Kochen begeistert und mir gezeigt wie viel Spaß es macht Abends wegzugehen, er hat mir gezeigt, dass das Leben auch Spaß machen kann.

Im September 2013 traf ich mich wieder mit dem Mädchen das ich noch aus meiner Kindergartenzeit kannte. Ich war zum ersten mal richtig verliebt. Mit ihr durfte ich auf einer Parkbank unter einem gelben Ginko meinen ersten Kuss erleben. :D

Leider verschwand sie wieder so schnell wie sie gekommen war, was mich in ein neues tief stürzte. Immerhin hatte etwas gelernt, ich mag Frauen. Trotzdem hatte ich wieder diese Gedanken das es besser wäre wenn es mich nicht gebe, der Konflikt zwischen meinem tatsächlichem Geschlecht und dem was ich fühlte nahm zu.

Auf der Arbeit lief es nicht so gut und ich durfte eine Strafversetzung erleben.

Meine direkten Arbeitskollegen sind tolle Leute, die meisten in meinem Alter, und weiblich. Ich verbringe auch meine Freizeit gerne mit denen und es haben sich sogar richtige Freundschaften gebildet. Ich fühle mich unter den Mädels gut.

Bis 2015 wurde ich trotzdem immer unglücklicher mit meinem Leben, bis diese (mittlerweile Frau) aus dem Kindergarten wieder auftauchte. Wir waren noch immer ineinander verliebt und kamen zusammen, sie war meine Erste Freundin. Mit ihr durfte ich dann auch mein erstes mal erleben.

Und es hat mir nicht gefallen, der Akt an sich ist einfach nichts für mich. Genau wie Selbstbefriedigung. Was ich genossen habe war die Nähe zu ihr die Intimität.

Es lief nach ein paar Monaten nicht mehr rund und sie hat die Sache wieder beendet, irgendwas zerbrach dabei wohl in mir. Liebe tut weh, insbesondere die erste. Ich habe ein paar Monate gebraucht um damit umgehen zu können.

Von meinem besten Freund bekam ich ende 2015 den Rat endlich erwachsen zu werden und bei meinen Eltern auszuziehen. Nach kurzer Suche fand ich dann die Wohnung, ich fand sie schon bei der ersten Besichtigung super toll. Auf einmal war ich allein und frei.

In meinem Kopf war das Thema noch immer ein großes Thema und es nahm fortlaufend mehr Platz ein bis ich eigentlich an nichts anderes mehr gedacht habe. Ich informierte mich und versuchte es eine Weile lang mit Phytoöströgenen, bis ich es wieder lies. Ich offenbarte mich meinem Arzt der mir empfahl die Hilfe eines Psychologen in Anspruch zu nehmen. So landete ich bei Dr. XXX (Psychologe). Ich erzählte ihm im großen und ganzen all das was ich hier geschrieben habe, meine Gefühle, mein Leben, einfach alles. Ich fühlte mich nicht richtig ernst genommen und mir wurde gesagt, meine Situation sei nicht so schlimm, eine Therapie hat er mir trotzdem empfohlen. Er versprach sich bei mir für Folgetermine zu melden - Was er nie getan hat. Ich sah es als Zeichen und hörte auf den Weg zu meinem wahren ich zu gehen. Ich versuchte es wieder zu unterdrücken, aber ich konnte nicht. Ich bekam sehr schnell wiederkehrende Albträume, Schlafstörungen und eigentlich war ich nur noch sauer oder traurig. Auch das ich eine neue Freundin hatte änderte daran nichts.

Ich setzte mich also wieder mit dem Thema auseinander, ich konnte nicht mehr. Ich verschlang wieder jede Information die ich finden konnte und versuchte es bald wieder mit den Phytoöstrogenen, ich wollte unbedingt erreichen auch nach außen hin eine Frau zu sein. Ich lies es bald wieder und besorgte mir richtige Hormone und Antiandrogene, ich nahm sie und redete wieder mit meinem Arzt.

Er war natürlich nicht begeistert und riet mir davon ab. Trotzdem hat er eingewilligt mich zu überwachen. Auf das Ergebnis der ersten Blutuntersuchung warte ich momentan noch.

Ich kümmerte mich wieder um einen Termin bei einem Psychologen, der ist jetzt in weniger als zwei Wochen und noch dazu bei jemandem der sich mit dem Thema Transsexualität auskennt. Ich habe nur Angst davor nicht ernst genommen zu werden, dass meine Gefühle als merkwürdiger Fetisch abgetan werden.

Mein Ziel für mein Leben ist das folgende, ich will glücklich sein, mit den Gefühlen einer Frau im Körper einer Frau.

Meiner Freundin habe ich alles erzählt, sie unterstützt mich, auch wenn sie nicht mehr mit mir zusammen sein kann. Nebenbei mache ich noch Stimmtraining, habe gelernt mich zu schminken und ich habe mir die ersten Frauensachen gekauft. Sie stehen mir und ich fühle mich gut darin, es fühlt sich wie Zuhause an.

Dann kam ein Moment den ich gefürchtet habe, ich habe mich bei meinen Eltern geoutet. Mittlerweile glaube ich sogar, dass diese Angst begründet war.

Bei dem Gespräch waren meine Eltern sehr verhalten, stellten kaum Fragen. Zwei Tage später wollte ich fragen wie es ihnen geht und wurde abgeblockt. Meine Mutter wollte nicht mit mir reden und mein Vater meinte, dass sie mal schauen wann sie sich bei mir melden.

Nachdem ich mich zwei Tage lang irre befreit gefühlt hatte, gut geschlafen hatte, gingen meine Schlafstörungen wieder los.

Etwas gutes ht das ganze aber, das Outing meinen Eltern und meinen zwei besten Freunden gegenüber hat mich befreit, ich fühle mich leichter. Mir zeigt das eins, mein Herz hängt daran, an diesem Weg. Ich bin jetzt hoffentlich auf dem richtigen Weg angekommen, auf meinem Weg.
exuserin-2017-01-24

Re: Leonies kleine Geschichte

Post 6 im Thema

Beitrag von exuserin-2017-01-24 »

Hallo Leonie,

willkommen hier im Forum. :) 26 herrjeh, was wär ich froh wenn ich von da noch mal starten könnte :lol: Viele von uns gehen die richtigen Schritte erst so ab 40-50, was sollen wir denn sagen? Du hast noch so viel vor Dir, sei froh darüber und genieße es. (smili)

Gruß Gia
Alisha
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Re: Leonies kleine Geschichte

Post 7 im Thema

Beitrag von Alisha »

Hallo Leonie,
auch von mir ein herzliches Willkommen.
Als ich deine "Geschichte" las, bekam ich etwas Gänsehaut. Du bist 26 Jahre alt- das ist etwa das Alter, in dem ich endlich angefangen habe meine Gefühle für mich selbst zu akzeptieren. Wenn ich deinen Text richtig interpretiere, bist du tief im Herzen und in deiner Seele weiter und vor allem sicherer als manch andere hier- z.B. ich :-/
Falls auch dich Musik berührt und Kraft gibt, möchte dir gerne "meinen" Lieblingsinterpreten empfehlen!

https://www.youtube.com/watch?v=VS4fyxuFZvA

Ja, ich habe schon viel geweint zu diesem Lied.
Dieser Weg, wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer..... viele lieben Dich, viele hassen- aber dieses Leben bietet so viel mehr!!!
Lg Alisha
Christine DarkJoker
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Re: Leonies kleine Geschichte

Post 8 im Thema

Beitrag von Christine DarkJoker »

Hi Leonie

Das ist eine sehr bewegende Geschichte. Es freut mich das du eine Freundin hast die dich unterstützt das ist sehr wichtig finde ich.
Schade das deine Eltern derzeit dich so abblocken aber ich denke mit der Zeit werden Sie es verstehen, zumindest wünsche ich dir das von Herzen.

Ich wünsche dir viel Glück auf dein jetzt richtigen Weg.

Liebe grüße Christine
Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten
_Leonie_

Re: Leonies kleine Geschichte

Post 9 im Thema

Beitrag von _Leonie_ »

Alisha hat geschrieben: Do 12. Jan 2017, 19:41 Hallo Leonie,
auch von mir ein herzliches Willkommen.
Als ich deine "Geschichte" las, bekam ich etwas Gänsehaut. Du bist 26 Jahre alt- das ist etwa das Alter, in dem ich endlich angefangen habe meine Gefühle für mich selbst zu akzeptieren. Wenn ich deinen Text richtig interpretiere, bist du tief im Herzen und in deiner Seele weiter und vor allem sicherer als manch andere hier- z.B. ich :-/
Falls auch dich Musik berührt und Kraft gibt, möchte dir gerne "meinen" Lieblingsinterpreten empfehlen!

https://www.youtube.com/watch?v=VS4fyxuFZvA

Ja, ich habe schon viel geweint zu diesem Lied.
Dieser Weg, wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer..... viele lieben Dich, viele hassen- aber dieses Leben bietet so viel mehr!!!
Lg Alisha
Ich danke dir für deinen netten Worte, als Heavy-Metal-Fan gefällt mir Xavier Naidoo nicht so wirklich :D Trotzdem danke für den Vorschlag.
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