da ich dieses Jahr eigentlich nur bzw. in letzter Zeit wieder mehr, mitgelesen habe — hier mal was es von mir neues gibt.
Tja wie sieht es aus?
An der Arbeitsstelle, welche ich zuletzt befristet hatte erhielt ich die Rückmeldung, dass ich uneindeutig rüber komme. Weder Mann noch Frau. Kurz nachdem ich dort angefangen hatte, kam mal eine Kollegin auf mich zu, fragte mich warum ich immer geschminkt bin und wollte halt mal so insgesamt etwas genauer nachfragen. Die anderen hätten schon gefragt ob ich schwul sei. Das halbe Jahr lief echt total super. Es wurde zwar schon immer mal genauer hingesehen und gelegentlich kommentiert. Manchmal wurde ich als Andrea, meist als Andreas angesprochen — schliesslich wurde ich so eingestellt. Für mich war es super. Es zählte die Leistung. Es stimmt vielleicht wirklich — je weiblicher umso besser sollte diese sein?
Psychologisch war ich bis Anfang 2016 bei einem Paar wo er gewisse Fähigkeiten bezüglich Vorleben/Jenseits/Entscheidungen vor der Geburt hat. Jedenfalls war hier das Ergebnis, dass in meinem Körper, neben meiner auch die Seele meiner ungeborenen Schwester ist/sei und dann war. Ich fühlte mich danach freier. Konnte einen grösseren Abstand zu meiner weiblichen Seite gewinnen. Jedoch nur auf Zeit.
Durch den Kontakt zu vorgenannter Arbeitskollegin wechselte ich im Herbst zu deren Psychologin. Diese unterstützte mich bislang ganz gut. Trotzdem hatte ich zuletzt den Eindruck, kaum vorwärts zu kommen. Sie ist der Überzeugung, dass es sich um Traumata vor der Geburt und danach handelt. Diese müssten geklärt werden. Dann könne ich wirklich sicher die Entscheidung treffen, als was/wie ich zukünftig leben will. Dazu muss ich mich, meinen Körper erstmal richtig fühlen können. Vielleicht kriege ich das irgendwann mal hin.
Beziehungstechnisch ist es schwierig geblieben. Mal ist es Ok und akzeptiert. Wie ich auf die Arbeit gehe ist ihr zum Glück ziemlich egal. Privat kracht es da schon öfter. Da wurde ich nach aufbauendem Gespräch mit meiner Psychologin bei der nächsten anstehenden Familienfeier von meiner Frau erst so richtig ausgebremst. Sie steht aber trotzdem hinter mir und verteidigt mich dann sogar. Auch dies gab es auf einer anderen Feier, wo ein älteres Ehepaar meinte, dass es früher sowas nicht gegeben hätte usw. Komisch das es mir da so die Sprache verschlug.
Optisch sind die Haare nun knapp schulterlang. Mit der neuen Friseuse läuft es na ja. Ich kann halt nicht so mit ihr darüber sprechen. Dafür habe ich nun einen Termin bei der Friseuse meiner Enthaarungspezialistin. Mal sehen wie dies wird. Zumindest weiss sie dass ich eine weibliche Frisur will. Ich denke dies wird ganz gut werden. Der Bart ist nach gut einem Jahr nun ziemlich weg. Am Kinn und der Oberlippe sind immer noch einzelne Bereiche. Am Hals und den Backen sind nur feinste Haare wie bei jeder Frau sichtbar. An den Beinen hatte ich insgesamt nun drei Behandlungen. Das Ergebnis sind grössere Lücken und sonst ganz weiche Resthaare. Fünf Behandlungen stehen mir hier noch ca. bevor. Mit Rücken, Brust, Bauch, Bikinizone etc. sieht es ähnlich aus. Bezüglich Klamotten sind eigentlich nur die Hemden männlich geblieben. Da werden sich nun noch ein paar Tops mit hinein schleichen. Der Vorschlag meiner Psychologin im Januar auf der nächsten Arbeitsstelle noch weiblicher zu erscheinen gefiel mir gleich.
Was mir aktuell noch im Kopf herum geistert ist der Endokrinologe. Mal schauen ob ich dies bis zum Start in den neuen Job wenigstens mit einer Beratung angehen kann.
Die Stimme? Wenn ich im Auto so mitsinge bin ich über die Mickeymouse schon einigermassen hinweg. Das war es aber auch schon. Da muss ich noch viel üben.
So weit so gut.
Viele Grüsse
Andrea-Yvette