klar hatten wir das Thema schon. Aber es ist ja für (viele von) uns ein zentrales Thema. Ich denke, das berührt die Schuld- bzw. Schamfrage. Wäre es für uns "normal", als Frauen aufzutreten, gäbe es die Frage nicht. Wir würden es einfach tun. En homme fragt mich ja auch keiner, warum ich Herrenkleidung trage.
Oder anders gesagt, ich trage Frauenkleidung, weil ich sonst nackt wäre und frieren würde ...
Seth schrieb:
"Teilzeitfrauen und TV genießen es evtl einfach, einmal in die "andere" Kleidung und die andere Rolle zu schlüpfen."
Das ist nicht falsch, aber nach meiner Erfahrung ist es trotzdem eine Art "Zwang" oder "innere Notwendigkeit" mal so und mal anders aufzutreten. Aus meiner Sicht haben sie dabei genau so wenig Einfluss darauf wie TS. Es gehört halt zur Persönlichkeit.
Übrigens heißt "die Gründe nicht erklären können" nicht, dass es keine Gründe gäbe. Wir können sie nur (noch ?) nicht erkennen. Meine Modellvorstellung geht davon aus, dass das Gehirn, unabhängig vom Geschlecht, etwas ähnliches ist, wie ein Legobaukasten. Ob aus den Steinen ein Haus oder ein Auto wird, bestimmt der Erbauer. Die Steine sind die gleichen. Der "Erbauer" besteht beim Menschen im wesentlichen aus drei Teilen: Hormone (auch die der Mutter), Gene und Prägungen/Erfahrungen. Die Hormonproduktion ist wiederum von körperlichen Gegebenheiten abhängig.
So ist ein Teil festgeschrieben, ein Teil relativ gering und ein Teil mäßig beeinflussbar. An anderer Stelle wurde Simone de Beauvoir mit den Worten zitiert: "Die Frau ist in dem Maße weiblich, wie sie sich als solches empfindet." Demnach könnte die Frage auch lauten, woher denn die Empfindungen kommen, die wir mit Weiblichkeit verbinden (was übrigens nicht heißen muss, dass sie weiblich sind ...) ?
Ich denke, bei mir hat der Wunsch mich weiblich zu geben damit zu tun, dass ich seit jeher mit Männlichkeit nicht viel verbinden kann und auch nicht will. Es passt in einigen wichtigen Teilen für mich nicht. Einiges konnte ich in der Zwischenzeit für mich annehmen, aber da sind auch "untypische" Eigenschaften, die ich nicht missen will. Natürlich kann ich diese Teile auch als Mann leben, aber ich habe mich an meine geistige "Zwitterhaltung" gewöhnt. Vieleicht ist sie auch so fest verankert, dass sie ein fester Bestandteil meines Wesens ist. Diese "Zwitterhaltung" möchte ich, soweit sie mir zweckmäßig erscheint, nach außen leben. Es ist Teil meiner Kommunikation. Man kann nicht "Nicht-Kommunizieren". Jede Kleidung ist Teil der Kommunikation. Somit könnte man auch fragen, was ich mit der Kleidung ausdrücken möchte. Das könnte ein Schritt auf dem Weg zum "warum" sein.
Grüße
Vicky
