Ich bin ziemlich überrascht
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Johanna Dornal
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Ich bin ziemlich überrascht

Post 1 im Thema

Beitrag von Johanna Dornal »

Liebe ForumsteilnehmerInnen,

ja, ich bin doch sehr überrascht. Da denke ich zwei Jahre lang, daß meine Frau sich auseinandersetzt mit mir als Partner(in). Das spielte sich auch ein, sie war immer interessiert an meinem Anderssein und arrangierte sich, so gut es eben ging. Wir waren immer im Dialog, ich nahm sie stets mit in meiner Entwicklung. Mehr und mehr gewöhnte sie sich an Johanna.
Nun aber kam eine für mich überraschende Wendung. Nicht, daß sie plötzlich nicht mehr mit mir gehen wollte, oder sie einen Sinneswandel gehabt hätte. Nein, sie sprach das erste Mal über ihre wahren Gefühle in unserer Beziehung.
Ich dachte immer, wie schwer es für die Partnerin ist, mit einem Menschen wie mir zu leben, die einzelnen Entwicklungsschritte mitzugehen. Schwer genug für die Ehefrau zu sehen, wie immer mehr der Mann an ihrer Seite reduziert wird.
Doch das was sie dann sagte, war für mich total überraschend.
Ihr Problem ist nicht etwa, daß sich ihr Leben so verändert. Sondern, daß sie damit ein Problem hat, daß sie eine Konkurrentin in mir sieht. Sie fühlt sich nicht mehr weiblich genug, und hat das Gefühl, daß ich sie in den Schattern stelle, weil sie eben wenig Sinn für Schminken und weibliche Kleider hat. Sie sagte mir gestern abend, daß sie neidisch auf Johanna ist.
Ich weiß jetzt gar nicht, wie ich mit dieser Situation umgehen muß.
Das ist absolut neu für mich, weil ich immer dachte, es wäre eher die Tatsache, daß ich überhaupt Transgender bin und das auf Dauer eine Belastung für eine Beziehung sein würde.
Liebe Grüße
Johanna :?
Christine DarkJoker
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Re: Ich bin ziemlich überrascht

Post 2 im Thema

Beitrag von Christine DarkJoker »

Hallo Johanna

Deine Situation kommt mir in einigen Punkten bekannt vor. Meine Frau ist auch oft Neidisch auf meine Figur und die Kleidung die ich tragen kann und Sie eben nicht auf Grund ihrer Größe.

Allerdings kann ich dir nicht mit den Problem helfen das deine Frau dich als Konkurrenz sieht, da ich nur Teilzeit Crossdresse.

Grüße Christine
Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten
Anke
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Re: Ich bin ziemlich überrascht

Post 3 im Thema

Beitrag von Anke »

Liebe Johanna,

diesen Effekt kenne ich ebenfalls, auch wenn er in meiner Beziehung weniger ausgeprägt ist. Aber ab und zu kommt das hoch. Erst neulich, als ich mir ein Pantsuit gekauft habe. Sie würde das auch sehr gerne anziehen, aber ihr steht das überhaupt nicht und sie hat offen zugegeben, dass sie neidisch ist.

Nun ja, die gute Nachricht für dich ist doch, dass sie mit deinem Transsein kein Thema hat. Damit hast Du eine große Baustelle weniger. Ich freue mich da sehr für dich.

Bei der neuen Konkurrenz-Situation kommt es jetzt darauf an, wie ihr damit umgeht. Weiblichkeit hat viele Gesichter, ihres ist eben anders, als deines.

Was das Thema, wir stellen uns gegenseitig in den Schatten, angeht, da gehen wir sehr offen damit um. Wenn wir gemeinsam weg gehen, dann stimmen wir uns vorher ab, was wir anziehen. Damit wir beide gemeinsam strahlen und wirken. Wir helfen uns auch gegenseitig, was Kleidung und Make Up angeht. Bei letzterm habe ich sie mittlerweile deutlich überholt und wenn ich etwas neues gelernt habe, dann zeige ich ihr das.

Mit anderen Worten, wir arbeiten da miteinander und das mildert den Konkurrenzeffekt ganz erheblich. Und das würde ich dir auch anraten. Geht gemeinsam auf das Thema zu und seht, was ihr damit macht.

Dazu noch ein zusätzlicher Aspekt. Es gibt doch bestimmt vieles, um das Du deine Frau beneidest. Bei mir und meiner Partnerin ist das so. Vielleicht sagst Du ihr das mal, vielleicht hast Du ja auch schon.

Auf jeden Fall glaube ich, dass Du da ein schönes Weihnachtsgeschenk bekommen hast.

In diesem Sinn frohe Weihnachten und ein schönes Fest für dich.

Anke
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Re: Ich bin ziemlich überrascht

Post 4 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Meine Liebste empfindet es eher als Entlastung. Das liegt aber auch daran, dass sie ebenfalls genderqueer ist. Sie kann ihre kerlige Seite ausleben, ich meine weibliche. Sie fühlt sich weniger gedrängt, weiblich sein zu müssen. Interesse an schminken, Kleidern, Röcken, Heels hat sie eh nicht. Das überlässt sie mir und mag mich schick aufgedresst.
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Re: Ich bin ziemlich überrascht

Post 5 im Thema

Beitrag von Kornelia »

Auch ich war gestern ziemlich überrascht als meine Frau sagte,zieh das Kleid morgen doch noch mal an.

LG

Kornelia )))(:
Endlich lebe ich mein Leben,denn es ist mir nur einmal gegeben!
ChristinaF
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Re: Ich bin ziemlich überrascht

Post 6 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

War bei uns ganz ähnlich. Doch mit der Zeit legte sich diese Eifersucht wieder völlig. Also den Tag nehmen wie er kommt, weiterleben und sich weiter entwickeln. Eben ganz eins sein mit der neuen Rolle/Person/Geschlecht.
LG
Christina
nicole.f
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Re: Ich bin ziemlich überrascht

Post 7 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Liebe Johanna,
diese Entwicklung ist nicht ganz ungewöhnlich. In unserer Gesellschaft wird Weiblichkeit nach wie vor einem großen Teil von Äußerlichkeiten abhängig gemacht. Das "Anlegen" dieser Äußerlichkeiten bei einem anderen Menschen erzeugt dann eine Infragestellung der eigenen Weiblichkeit - das passiert durch andere Frauen, doch wenn es dann die eigene Partnerin ist, wird das ganze noch problematischer. Hinzu kommt oft auch noch das Gefühl, dass "der Partner" dies nur macht, weil sie für "ihn" nicht weiblich genug sein könnte. Das ist nicht leicht zu überwinden und braucht vor allem Zeit.

Wie gut ist das Englisch Deiner Partnerin? Wenn es einkgermaßen gut ist, würde ich ihr gerne ein Buch einer Partnerin empfehlen, die für sich das alles gut durchdacht und aufgeschrieben hat: My Husband Betty. Sehr nett zu lesen.

Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
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Johanna Dornal
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Re: Ich bin ziemlich überrascht

Post 8 im Thema

Beitrag von Johanna Dornal »

Hallo Nicole, Danke für den Tip. Meine Frau stammt aus dem Baltikum, per se schon ein Problem, dies alles zu verstehen. Das macht es noch schwerer.
Ich bin in so einer bescheuerten Situation, mich zu entwickeln, ohne sie aus dem Auge zu verlieren. Ich muß meinen Weg finden, weiß aber auch, wie verdammt schwer es für sie ist, zumal sie aus einem konservativ geprägten Kulturkreis kommt. Das erschwert alles noch dazu. Ich kämpfe an zwei Fronten. Ich möchte sie auf keinen Fall verlieren. Aber die letzten Monate waren so von Veränderungen gezeichnet, die uns beide etwas, meine Frau vor allem, belasten. In letzter Zeit habe ich das Gefühl, daß meine Frau therapeutische Hilfe braucht, weil sie nicht mehr Schritt hält, in meiner Entwicklung. Ich stelle mir vor, wie ich mich fühlen würde, wenn sie mir sagen würde, daß sie als Mann leben wollte. :-?
Nina_68
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Re: Ich bin ziemlich überrascht

Post 9 im Thema

Beitrag von Nina_68 »

Hi,

Ich glaube ein Problem ist auch, dass meine Frau sich natürlich in Ihrer Jugend entwickelt hat. Ich bin eher immer noch in der Ausprobierphase. Im Ergenbnis: Gestandene Frau trift pupertierende Stubentranse!
Den Rest kennen die meisten von Euch.

Lg

Nina
Kornelia
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Re: Ich bin ziemlich überrascht

Post 10 im Thema

Beitrag von Kornelia »

Hallo,
meine Frau überraschte mich gestern als sie im Internet bestellte und mich fragte ob ich denn auch etwas brauche?
Aber ja antwortete ich und so konnte ich mir 2 Nachthemden und ein Set Slips aussuchen,was glaubt ihr wie schön das war ))):s ))):s ))):s ))):s

LG

Kornelia )))(:
Endlich lebe ich mein Leben,denn es ist mir nur einmal gegeben!
Lex

Re: Ich bin ziemlich überrascht

Post 11 im Thema

Beitrag von Lex »

Hallo,

ich hab nicht viel Ahnung von Beziehungen, und erstrecht nicht von Liebe. Aber ich denke, wenn sie in dir weiterhin eine Partnerin und einen Anker in ihrem Leben sieht, der sie hält und stützt, und mit ihr durch alle Lebenslagen gehen kann, dann braucht sie auch keine Konkurrentin. Ich weiß, dass das kitschig klingt. Aber ich glaube, dass ist es, was Frauen gerne haben. Jemand, auf den man sich verlassen kann. Ich hab mir das immer sehr schwer vorgestellt. Eine Freundin haben... und ihr erklären müssen, was man ist. Andererseits sehnt sich da irgendwas in mir nach etwas anderem. Hauptsache nicht mehr einsam...

Ich denke, du musst ihr klar machen, dass "Johanna", also du, genausowenig eine Konkurrenz ist, wie du es in deiner jetzigen Verfassung bist. Und warum sollte sie sich weniger weiblich fühlen? So hart es jetzt klingt, sie wird immer mehr Frau sein als du. (Das ist echt nicht böse gemeint, sondern nur eine Tatsache. Man kann sein Y-Chromosomen leider nicht löschen. So sehr man es auch verabscheut... ) Mach ihr klar, dass du sie liebst. Und ihr genauso beistehen wirst, wie sie dir jetzt beisteht. Und redet mehr miteinander, gerade jetzt. Damit du merkst, wenn es ihr schlecht geht und entsprechend reagieren kannst. Augen auf, nutz deinen Instinkt. (Hab ich gestern schonmal wo geschrieben.) Viel reden. Zeig ihr, dass du da bist und zwar auch für sie. (Junger Vadder, ich red schon wie "die Bunte"...) Eine Transition ist für alle hart. Man muss auch darauf achten, dass es den anderen nicht zu viel wird, und erklären, unterstützen und Hilfe anbieten. Sonst zerbricht das soziale Gefüge.

Ich hoffe, ich unwissendes Gör konnte helfen, wie gesagt, das war reine Westentaschenpsychologie, mehr nicht. Ich selbst habe und hatte nie eine Freundin (und werd nie eine haben und einsam sterben), und kenne mich eigentlich nur mit der Trauerbewältigung von Körben aus... aber wenn man was aus meinem Gequassel herausziehen konnte, dass weiterhilft, dann ist das ja schonmal die halbe Miete.

MfG

Lex
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