ich war ja verliebt, aber
für die andern ist man anders-«
-»Homo- und Trans*feindlichkeit in
Mecklenburg-Vorpommern-«
Heute wird in den Tageszeitungen in M-V eine Studie vorgstellt, von der Ihr sicherlich auch gerne mehr wossen wollt
Sie steht als PDF-Datei zum Downoad bereit bei dieser Adresse:
http://www.un-sichtbar-mv.de/expertise/
Der Artikel in der SVZ zeigt in vielerlei Hinwicht, dass die eigene Recherche so gut wie gar nicht statt gefunden hat und sich ledigtlich auf reißerische Momente beschränkt, die zum Verstehen der viel zu umfangreichen Materie nicht wirklich Beitragen
Sowohl in der Printausgabe, wie auch in der WEB-Titelseite wird gleich mit einem Typical gehandelt, bei dem ich mir locker vorstellen kann, wie ein nicht geringer Teil der Leser reagieren wird.
Und damit das Ganze noch ein besonderes Geschmäckle bekommt, musste wohl noch ein AfD-Mensch befragt werden, der möglichst irgendwie was mit dem Thema zu tun hat - HURRA, ein Homo! Und desses Statement erfüllt aber auch gleich alle Erwartungen (siehe ganz unten - wie passend!) - dazu auch noch mehr Polizei auf die Straße; es stellt sich die Frage, meint er Personenschutz oder was? Und warum will er nicht, dass das Urübel durch vorbildhafte Erziehung (auch) in dern Schulen angegangen wird.
Und sucht nicht nach eine Einschätzung von Crossdress -- Ob die LOLAs nicht auch noch ein viel zu enge Sicht auf die Wirklichkeit haben?
Quelle: http://www.christel-pruessner.de/__FOTO ... 2-06_a.gifSVZ am 6.Dez.2016
Für die Anderen anders
Erstmals untersucht Studie den Diskriminierungsgrad gegenüber Homo- und Transsexuellen in MV
Schwerin
"Ich bin ein Junge. Ich bin nur in einem weiblichen Körper geboren. Das ist sozusagen meine Hülle", Thieß hieß früher Thea und einer der Protagonisten der gestern in Schwerin vorgestellten Studie zur Homo- und Transfeindlichkeit in Mecklenburg-Vorpommern. Etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung fühlen sich dem gleichen oder beiden Geschlechtern hingezogen, beziehungsweise sind transsexuell. Etwa zwei Drittel hat im Alltag Erfahrungen mit Gewalt machen müssen, mehr als 80 Prozent wurden in der Öffentlichkeit diskriminiert. Insbesondere im ländlichen Raum würde es dabei verstärkt zu handgreiflichen Überbegriffen kommen — in erster Linie angestoßen von Neonazis, verdeutlicht Gender- und Rechtsextremismusexpertin Dr. Heike Radvan. "Der Alltag der Betroffenen ist geprägt von Anfeindungen, Diskriminierung und Ausgrenzung."
Erarbeitet wurde die Expertise vom Verein Lola für Demokratie im Kontext des Projektes "Unsichtbar — Lesben, Schwule und Trans in MV". Sie soll als wissenschaftliche Grundlage für den Landesaktionsplan zur Gleichstellung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Land dienen. "Der Schutz von Minderheiten heißt Schutz von Menschenrechten und ist daher staatliche Aufgabe", sagt Dr. Heike Radvan, Vorsitzende des Vereins Lola. In Interviews beschreiben Lesben, Schwulen und Trans ihre Erfahrungen. Da ist Markus, dessen Mutter wollte, dass er sich "umentscheidet". Was könnten die Nachbarn sagen. Da ist die bisexuelle Canan, die das Tuscheln der Menschen als "sehr unangenehm" beschreibt. "Ich hab mich normal gefühlt, ich war ja verliebt, aber für die anderen ist man anders." Und da ist der syrische Migrant — in der Studie nur "N" genannt, der aufgrund seiner Homosexualität vor vielen Jahren aus seiner Heimat floh und sich fragt: "Warum muss ich immer wieder ins Krankenhaus, anstatt die Neonazis ins Gefängnis?"
In der Regel outen sich die Betroffenen im Jugendalter. Die meisten seien zwölf bis 14 Jahre alt. Deshalb konzentriert sich die Studie in einem zweiten Teil mit homophoben Erscheinungen in Schulen — sei es in Form von Beleidigungen oder Handgreiflichkeiten. Die Suizidraten lägen bei homosexuellen Jugendlichen deutlich höher als bei heterosexuellen. 2001 beging in Parchim ein 13-Jähriger Selbstmord nach homophoben Mobbing, beschreibt Prof. Anne-Christin Schondelmayer, Autorin der Expertise. "In den Schulen fällt auf, dass die Lehrkräfte häufig peinlich berührt sind, wenn sie über Schwule und Lesben sprechen", erzählt sie.
Momentan hält das Land Mecklenburg-Vorpommern 85 000 Euro für Beratungsangebote speziell für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender bereit. Zu wenig sagt Radvan. Aufklärung und die Umsetzung des Integrations- und Demokratiegedankens könne nur erfolgen, wenn entsprechend Bildungsarbeit geleistet würde. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) unterstützt das Projekt, das sich an das Bundesprogramm "Demokratie erleben" angliedert: "Die Studie zeigt, dass Sichtbarkeit auch heute noch gefährlich sein kann. Lesben, Schwule und Trans erleben nicht selten Diskriminierung und Gewalt", bedauert sie.
Holger Arppe von der AfD-Landtagsfraktion und selbst bekennend homosexuell, betont hingegen, dass die Studie an der Realität vorbeiginge: "Mit endlosen Pseudostudien in unlesbarer Gender-Sprache wird nicht eine einzige Gewalttat gegen Homosexuelle verhindert"; kritisiert er. Statt die Geschlechterorientierung frühzeitig im Unterricht zu thematisieren, fordert er mehr Polizisten auf den Straßen — die bei Gewalt eingreifen.
Josefine Rosse