Hier muss ich grad mal einhaken.
Marielle hat geschrieben:
Man kann den Protagonisten der Weimarer Republik sicherlich vorwerfen, dass sie die Gegner der Republik nicht mit Stumpf und Stiel aus allen wesentlichen Positionen entfernt haben. Und es ist auch richtig, dass dies einer der Gründe für das Scheitern der Weimarer Republik ist.
Somit gesehen wäre das jede Partei außer die SPD damals (welche stark kommunistisch geprägt war) und die KPD.
Ich wage aber zu bezweifeln, dass dies alle Probleme der Weimarer Republik gelöst hätte und sage auch, dass dies utopisch wäre.
Deutschland war zu diesem Zeitpunkt eine Monarchie, der eine Demokratie aufgezwungen wurde - die Mehrheit des Volkes wie auch die Regierenden wünschten die Rückkehr zu dieser, wie man auch anhand der Wahlergebnisse sehen konnte. Die SPD war nur anfangs regierende Partei, weil die Franzosen, Briten und Amerikaner sie gewähren ließen.
Trotzdem wurden Militärputsche durchgeführt und die Bevölkerung tendierte überwiegend konservative Parteien zu wählen.
Aber: Alle Relativierungen (Weltwirtschaftskrise, Versailler Vertrag usw.) führen nicht daran vorbei, dass die NSDAP ab Ende 1932 die stärkste Partei im Reichstag war. Und zwar als Ergebnis freier Wahlen. Adolf Hitler war der, vom Reichspräsidenten ernannte, aber vom Wahlvolk gewollte!, Kanzler der Republik; er war ihr letzter.
Man kann die Reden nachhören und -lesen, die Hitler und andere hohe NSDAP-Chargen schon vor 1933 gehalten haben. 'Mein Kampf' war zu der Zeit schon mehrere Jahre veröffentlicht. JEDE_R konnte wissen, was die Wahl der NSDAP bedeutete. Es ist also unbedeutend, ob man die Wähler_innen von damals dumm oder nur uninformiert nennt: Fakt ist, dass sie die NSDAP gewählt haben, trotzdem die Folgen absehbar waren.
Jein.
Natürlich konnte man 'Mein Kampf' lesen und hatte auch ungefähr eine Ahnung, dass Hitler bestimmte Maßnahmen während seiner Regierung ergreifen würde.
Letztendlich wählten ihn aber die Menschen, weil er erstens Arbeit versprach und weil er Deutschland wieder zu alter Größe führen wollte - Dinge, welche per se nicht falsch sind und im Fall von Ersterem von der SPD auch heutzutage noch versprochen wird.
Insofern war den Leuten es damals egal, was sie wählten, so lange eine stabilere, neue Regierung an der Macht war, die auch ihre Versprechen hielt.
Daraus abzuleiten, dass Leute den Holocaust vorhersehen konnte halte ich für albern.
Und genau das gilt auch heute. Es ist vollkommen unbedeutend, ob es nun Dummheit, Wahn oder schnöder Egoismus ist, der Menschen dazu bringt, eine Partei zu wählen, deren Führung über Schiessbefehle, Internierungslager und natürliche Ordnungen schwadroniert. Man kann all das, ganz ohne Filter durch irgendwelche Medien, in den Reden und Veröffentlichungen der Partei und ihrer Führung nachlesen. Insofern sind Vorträge zu Theorien über 'gesteuerte' Medien absoluter Unsinn.
Auch hier widerum: Jein.
Ich sage nicht, dass es eine allgemeine Lügenpresse gibt, möchte aber festhalten, dass das Öffentlich-Rechtliche sowie zusammenhängende Sender wie auch Zeitungen beispielsweise bei der US-Wahl schön gezeigt haben, inwieweit es die Medienwelt trifft, wenn nicht die (übrigens falsch) prognostizierte Wahl von Hillary zur Präsidentin nicht stattfindet.
Wenn ein Klaus Kleber ein Päarchen interviewt in den USA, was Deutsch spricht und er dann möglichst das Weite sucht, sobald er feststellt, dass er Trump-Supporter erwischt hat, spricht das durchaus für die Beeinflussung der deutschen Medien auf die Bevölkerung. Der 9.November war für viele Leute plötzlich ein Tag der Überraschung und Heuchelei, während mich das ganze Weltuntergangsherbeireden in der S-Bahn einfach nur genervt hat.
Trump ist zwar nicht meine Lieblingswahl, aber ich gratuliere ihm (wie übrigens auch die Kanzlerin und Horst Seehofer) zu seinem legitimen Wahlsieg
und warte ab, wie er sich schlagen wird. Hierfür haben wir noch knapp 2 Monate Zeit bis wir es wissen.
Die Pressewelt (wie auch einige Politiker, darunter leider auch unser wahrscheinlich Bundespräsident Steinmeier) reagierte dennoch schockiert, obwohl Monate vorher Statistiken bekannt waren, die eher einen Wahlsieg Trumps prognostizierten und auch schon bei den letzten Präsidentenwahlen richtig waren. Es wurde zugunsten der Hillary-Kampagne Informationen unterschlagen, nur um dann festzustellen, dass das Pokern für die Katz war.
Insofern wäre es naiv nicht zu glauben, dass die Medien uns nicht unterschwellig beeinflussen wollen. Trump mag vielleicht nicht der fähigste Kandidat für einen Präsidenten sein, aber ich denke ebenso, dass man ihn hierzulande gerne denunziert, nun da er tatsächlich Präsident geworden ist.
Wer die AfD, Trump, LePen und all die weiteren Vereinfacher wählt, protestiert damit nicht gegen vorhandenen Misstände, hat kein Interesse an einer liberalen, gleichberechtigten und demokratischen Gesellschaft, sondern will genau diese Gesellschaft beschädigen.
Marielle
Nein.
Zum einen scherst du damit verschiedene Parteien und Personen über einen Kamm ohne die Hintergründe zu berücksichtigen,
zum anderen sprichst du hiermit Menschen das Wahlrecht ab, nur weil ihre Wahl nicht deiner Meinung entsprechen. Du unterstellst beispielsweise 50% der Amerikaner undemokratisch zu sein, weil sie sich für Trump und die Republikaner entschieden haben.
Das ist meiner Meinung nach undemokratischer als das, was du auflistest, ohne dir zu nahe treten zu wollen.