"Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft"
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Olivia
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"Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft"

Post 1 im Thema

Beitrag von Olivia »

Veranstaltungshinweis:

14.11.2016, Stuttgart, 19.00 Uhr Hospitalhof:

"Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft."

Vortrag von Christine Zunke
ab08
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Re: "Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft"

Post 2 im Thema

Beitrag von ab08 »

Oje, oje, oje --> Trump, Pegida, Reichsbürger, besorgte Eltern und nun zur Abwechslung mal das Thema.
Wir leben in einer Zeit postfaktischen *) Denkens...
Bin mal gespannt, wann Physik und Mathematik dran sind.
Je weniger jemand weiß, desto angesehener/berühmter wird er/sie heute :lol:

*) Wissenschaft, Experimente, intensives Lernen, Fachkompetenz haben da keine Chance.
Ein Studium, in dem es um Fakten geht bringt da nix.
Einfach phantasievoll irgendwas erfinden, Märchen erzählen, das bringt Anerkennung und Bewunderung.
vgl. Hans Christian Andersen "Des Kaisers neue Kleider"- https://de.wikipedia.org/wiki/Des_Kaisers_neue_Kleider
Zuletzt geändert von ab08 am Mo 31. Okt 2016, 11:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Olivia
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Re: "Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft"

Post 3 im Thema

Beitrag von Olivia »

Hallo,

um nicht falsch verstanden zu werden, folgende Info zu der Veranstaltung:

"Frauenhirne - Wie ideologischer Unsinn zur wissenschaftlichen Tatsache wird


Montag, 14. November 2016 | 18.30 Uhr | Hospitalhof, Stuttgart

Anfahrt unter: http://www.hospitalhof.de/service/anfahrt/

dass Frauen anders sind, ist allgemein bekannt. Und dass dies nicht gesellschaftliche, sondern natürliche Ursachen habe und die soziale Verschiedenheit der Geschlechter eine Folge der biologischen Unterschiede sei, möchten viele gern glauben. Insbesondere in der Neurophysiologie werden bestimmte Verhaltensweisen durch geschlechtsspezifische Ursachen im Gehirn erklärt. So wird ein weibliches Gehirn konstatiert und vom männlichen unterschieden.

Wie kommen solche naturwissenschaftlichen Forschungsergebnisse überhaupt zustande? Und welche Konsequenzen haben sie für die gesellschaftliche Diskussion um die Gleichstellung der Geschlechter?

Im Vortrag von Dr. Christine Zunke, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg wird exemplarisch am Beispiel des Buches von S. Baron-Cohen "Vom ersten Tag an anders. Das weibliche und das männliche Gehirn" gezeigt, wie das vorgegebene Resultat der sozialen Geschlechtsdifferenz sich schon in den Prämissen der Forschung findet. Wie Ursache und Wirkung des Wechselspiels von Handlung und gemessener Hirnaktivität sich verkehren und wie schließlich aufgrund nicht-geschlechtskonformen Verhaltens einzelner Proband_innen die Genderzugehörigkeit des Gehirns sich vom Sexus des Körpers trennen muss, um das Dogma des spezifisch weiblichen Verhaltens aufrecht erhalten zu können.

Im Anschluss wird Manuela Rukavina, Vorsitzende des Landesfrauenrat Baden-Württemberg die politischen Auswirkungen und Herausforderungen der Gleichstellungspolitik kommentieren. In der anschließenden Plenumsdiskussion sind Sie herzlich eingeladen die Themen weiter zu diskutieren.

Das Programm mit allen Angaben findet sich unter http://www.fes.de/de/veranstaltung/vera ... il/205654/"
ab08
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Re: "Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft"

Post 4 im Thema

Beitrag von ab08 »

Tut mir leid, liebe Olivia,

ich halte das für geschickt verpackten Blödsinn. Denn auch wenn es manchen Ideologen, die inzwischen sogar Lehrstühle ergatterten, nicht passt:
Es gibt die Fachrichtung der Neurobiologie, mit ihren jahrzehntelangen Forschungen und eindeutigen Ergebnissen
vgl. z.B. Dick Swaab http://www.droemer-knaur.de/ebooks/7904 ... ser-gehirn

Beispiel zum besseren Verständnis: Ich bin überzeugt, dass ich ein weibliches Gehirn habe.
Nun bin ich operiert. --> Mir "fehlt" jetzt nix. Es ist für mich in keiner Weise ein "Verlust"...
Sondern, ganz im Gegenteil: Ich bin endlich komplett. Der Körper sieht nun sauber aus und fühlt sich so an.
Für Leute, die mit der Bemerkung einer Frau, die immer eine war, aber dies nicht zeigen konnte, nichts anfangen können:
-> Stellt Euch einfach vor, Ihr hättet eine juckende, hässliche Warze, die endlich operativ sauber entfernt wurde...
Das Gehirn bestimmt eben das Geschlecht eines Menschen. :wink:

Liebe Grüße
Andrea
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Olivia
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Re: "Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft"

Post 5 im Thema

Beitrag von Olivia »

Hallo Andrea,

natürlich ist es eine Selbstverständlichkeit, zu diesem Thema unterschiedlicher Auffassung zu sein. Selbstverständlich kannst Du dazu auch der Auffassung sein, es handelte sich um "geschickt verpackten Blödsinn". Man/frau kann aber auch anderer Meinung sein oder zumindest über das Thema diskutieren. Dass vieles gesellschaftliche Ursachen hat, ist kein neuer Aspekt sondern wird seit langem problematisiert, auch von sehr ernsthaften und ernst zu nehmenden Menschen...

Aber: Eine meiner bescheidenen Meinung nach interessante Veranstaltung der "Friedrich Ebert Stiftung in Kooperation mit Emanzipation und Frieden e.V. und dem Evangelischen Bildungswerk Hospitalhof Stuttgart" in die Nähe von "Trump, Pegida, Reichsbürger, besorgte Eltern" zu stellen, halte ich für nicht angemessen.

Liebe Grüße von Olivia
Marielle
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Re: "Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft"

Post 6 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo zusammen,

die Kritik an der Vorstellung von 'weiblichen' und 'männlichen' Gehirnen richtet sich dagegen, dass sämtliche bisherigen Forschungen und Studien von vorn herein davon ausgehen, dass es ein biologisch bestimmtes und streng binäres Geschlecht im Kopf gibt und das daraus immer wieder Herleitungen und Zuweisungen von 'geschlechtsgerechter' Entwicklung und Handlung für einzelne Menschen (Individuen) gemacht werden, obwohl sich die Ergebnisse immer nur als statistische Mittelwerte stimmig interpretieren lassen. Einzelwerte zeigen regelmässig grössere Abweichungen vom jeweiligen 'eigenen' Mittelwert, als die beiden Mittelwerte überhaupt auseinanderliegen. Solcherlei dumme! Interpretationen sind, spätestens dann wenn sie zur Kennzeichnung und Beurteilung von Individuen herangezogen werden (und das werden sie), gefährlicher Humbug.

Bisher ist (nach allem was ich weiss) noch niemandem der voraussetzungsfreie! Nachweis der Existenz von Geschlecht jenseits der Fortpflanzungsfunktion gelungen. Und, ich bitte schonmal um Entschuldigung, grade die diesbezügliche Arbeit von Herrn Baron-Cohen* (obwohl nicht zu verwechseln mit dem niveaulosen Komiker gleichen Namens), ist nach den Kriterien wissenschaftlichen Forschens ein WITZ!

In einem alten SPIEGEL-Interview sagte er selbst über seine Ergebnisse:

"Aber wohlgemerkt, ich spreche nicht von Individuen, sondern vom Durchschnitt".

Aha .... Das hält ihn aber nicht davon ab, auch folgendes zu behaupten:

"Eine Frau fragt: "Wie fühlt sich das an?" Ein Mann fragt: "Wie funktioniert das?" Ausnahmen sind möglich, aber statistisch gesehen sind Frauen mit Talent zum Fliegen nun mal seltener als Männer.""

Immerhin, es gibt Ausnahmen. Die vergisst er aber sofort wieder, um definitv und ohne jeden Zweifel binär kategorisieren zu können:

"Meine Theorie besagt, dass dies nur Ausprägungen eines viel größeren, kategorischen Unterschieds sind, den wir bei der Betrachtung der Geschlechter bisher völlig vernachlässigt haben: Männer denken in Systemen, Frauen erfassen die Welt mit Hilfe der Empathie, also der Kunst, sich in andere hineinzuversetzen."

Damit hat sich seine Voraussetzung bestätigt (war ja nicht anders zu erwarten). Frauen können eben doch nicht einparken und Männer nicht zuhören; schon klar. Fragt sich bloss, wo die wissenschaftliche Prüfung des Phänomens der "Ausnahmen" abgeblieben ist. Ob er sich die von Dr. Haupt hat erklären lassen? :mrgreen:


Habt es gut

Marielle

* auf eines seiner Bücher nimmt der von Olivia verlinkte Vortrag Bezug
As we go marching, marching, we bring the greater days
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Re: "Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft"

Post 7 im Thema

Beitrag von ab08 »

Danke liebe Gabi,

den Begriff "postfaktisch" begegnete mir erstmals bei Jan Böhmermann.
Er charakterisiert leider die heutige Zeit https://de.wikipedia.org/wiki/Postfaktische_Politik

Um nicht missverstanden zu werden. Ich finde neue Aspekte gut, begrüße neue Forschungsrichtungen.
Nur... wenn gleichzeitig etablierte Wissenschaft wie hier die Neurobiologie angegriffen wird, werde ich misstrauisch.
Noch dazu betrifft die Unterstellung, die das Threadthema ausdrückt, mich persönlich: Ich hab nämlich ein weibliches Gehirn!
---> Da werde ich zur Furie.
Ähnlich wie mir nach meinem Bekenntnis zum korrekten Geschlecht vor über 8 Jahren gesagt wurde: Psychisch und körperlich nicht in der Lage zu unterrichten.
Die nächsten 8 Jahre bis zum Ruhestand war ich keinen Tag krank und erledigte meine Arbeit gewissenhaft und erfolgreich!
Unter anderem wollte ich auch zeigen, dass die Behauptung falsch war. (Ein Gegenbeispiel macht eben auch den ausgefeiltesten Beweis zunichte.) :wink:

Liebe Grüße
Andrea
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Re: "Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft"

Post 8 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Andrea,

es geht doch nicht um die Frage, wie mein oder dein jeweils einzigartiges Gehirn tickt. Das ist in allerweitesten Grenzen meiner bzw. deiner eigenen Feststellung bzw. den wirksamen Möglichkeiten unserer Hirne überlassen und wahrscheinlich in Teilen tatsächlich vorgeburtlich determiniert.


Was an den Thesen, die u.a. von Baron-Cohen vertreten werden, kritisiert wird ist, dass daraus kategorische Zuweisungen oder Erwartungen abgeleitet werden, deren allgemeine Gültigkeit bereits widerlegt ist, die aber massiv gegen einen neutralen Blick auf alle Menschen, unabhängig vom zugewiesenen Geschlecht, wirken. Es handelt sich bei diesen Thesen um den Versuch, auf Grundlage der bis dato unbewiesenen Annahme, dass es Geschlecht auch jenseits der Fortpflanzung gibt, Unterschiede zwischen (genau zwei) Geschlechtern zu postulieren, die ihrerseits die grundlegende Annahme der These stützen sollen. Das ist sich selbst im Kreis drehender Nonsens und wird m.E. mit jedem Recht kritisiert.

Du hast selbst den wissenschaftlichen Grundsatz, nach dem ein Gegenbeispiel eine These hinreichend widerlegt, angeführt. Ich zitiere mich aus einem Beitrag, vom 6.Juni 2014 hier, selbst, wofür ich mich entschuldige; ich bin nur zu faul, dasselbe nochmal zu tippen:

"...ist nach dem wissenschaftlichen Grundsatz, dass ein einziges Gegenbeispiel eine These hinreichend widerlegt, völliger Unfug. Es gab Irma Grese, es hat sowohl Ulrike Meinhof als auch Andreas Baader gegeben, auch Helene und Albert Schweitzer gab es und es hat Mahatma Ghandi gegeben. Die Liste liesse sich weiter fortführen. Es gibt, soviel ich weiss, keine Zweifel an der jeweiligen Zugehörigkeit dieser Menschen zu einer der Funktionsgruppen (Anm: Mann und Frau in der Fortpflanzung); 'Leitbildgemäss' haben sie sich nicht verhalten oder sie haben, obwohl unterschiedlichen Funktionsgruppen zugehörig, das gleiche getan."

All diese Bespiele hindern u.a. Baron-Cohen nicht daran, weiterhin zu behaupten, dass es einen (Zitat) "kategorischen Unterschied" gibt, anhand dessen man Mann und Frau hinreichend genau auseinanderdividieren kann (obwohl er selbst diese Beispiele als "Ausnahmen" kennt und benennt). Wenn es diesen kategorischen Unterschied gäbe, müsste er aber in beide Richtungen zuverlässige Aussagen über das 'Geschlecht' und die 'zugehörigen Eigenschaften' eines einzelnen Menschen erlauben. Das ist aber offensichtlich und nach einfachem Augenschein unmöglich. Ich weiss nicht recht, ob das postfaktisch ist, kontrafaktisch ist es allerdings eindeutig. Würde die Astronomie genauso arbeiten, würde sich die Sonne in unserer Vorstellungswelt immer noch um die Erde drehen. Ich persönlich halte das Gerede über diese angeblich wissenschaftlichen Ergebnisse (Thesen!) für entweder dummes oder aber interessengeleitetes Geschwätz, weil all diese Thesen! bisher nicht über die Reproduktion von Stereotypen hinauskommen und trotzdem vehement als 'wissenschaftlich' vertreten werden.*

Ich bin daher etwas irritiert darüber, dass grade du einer solchen These das Wort redest, nach deren Aussage dem Menschen als Individuum die Selbsterkenntnis, die Selbstbestimmung, abgesprochen und durch eine kategorische, mithin fremdbestimmende, Unterscheidung ersetzt wird.


Unabhängig davon wünsche ich dir eine gute Verheilung aller Schnitte und Nähte (Heilung nicht, weil sie Krankheit impliziert :wink:) und das du bald wieder ganz fit bist.

Habt es gut

Marielle



*) PS: Wenn das stimmt, was Lobo und The Economist laut dem verlinkten WP-Text als 'postfaktisch' benennen, dann sind grade die Thesen von Baron-Cohen postfaktisch, nicht die Kritik daran.

Im Jahr 2012 fasste der Spiegel-Kolumnist Sascha Lobo diesen Ansatz in der Forderung zusammen: "Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber niemand hat das Recht auf eigene Fakten." Er umschrieb post-truth politics als eine wahrheitsunabhängige Politik, in der Meinung und Tatsachen verschwimmen und in der ganz nebenbei die Errungenschaften der Aufklärung auf der Strecke blieben.

.... Beweise, Widerspruchsfreiheit und die Wissenschaft seien eine politische Macht in einem normalen politischen Diskurs. Inzwischen würden diese Kategorien jedoch eine zunehmende Anzahl Menschen im öffentlichen Diskurs nicht mehr interessieren. Es gebe eine Verschiebung hin zu einem Verständnis von Politik, bei welchem Gefühle Fakten übertrumpfen würden.
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ab08
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Re: "Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft"

Post 9 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo Marielle,

danke für Deinen Beitrag.
Wir haben da vermutlich in erster Linie Kommunikationsprobleme, die sicher auch an verschiedenen Lebenswegen/Studiengängen liegen.

Mich störte zunächst die reißerische Überschrift
---> "Baron-Cohen" kenn ich nicht/neben dem Komiker finde ich im Netz: Simon Baron-Cohen, Professor of Developmental Psychopathology, University of Cambridge and Fellow at Trinity College, Cambridge --> Wenn es der ist, stell ich fest, dass ich mich mit Psychopathologie nie beschäftigte, es sicher ein komplexes Gebiet ist und ich daher kein Urteil fällen kann. Im Idealfall mach ich es stets so: gründliches, umfassendes Studium eines Themas, dann Diskussion. In den seltenen Fällen, wo ich mich anders verhielt, fiel ich auf die Nase.
Zitat "dass daraus kategorische Zuweisungen oder Erwartungen abgeleitet werden, deren allgemeine Gültigkeit bereits widerlegt ist,"
Wenn das so ist, geb ich Dir Recht. Ich kenne aber die Unterlagen nicht (Welche Zuweisungen, wie die Kritik/Widerlegung aussieht). Alles nicht mein Fachgebiet.

Wenn ich mich aber auf etwas beziehe "Gegenbeispiel", dann kenn ich mich aus.
Wer bei einer These ein Gegenbeispiel angibt, zeigt damit, dass diese These so nicht stimmt.
In meinem Fall wurde über mich einfach was behauptet. Durch mein Tun zeigte ich, dass diese Behauptung falsch war.
(In der Mathematik nennt man sowas einen Widerspruchsbeweis - Übrigens eine übliche, recht simple Beweismethode)

Vollständigkeit, Widerspruchsfreiheit ... darum geht es in den Wissenschaften, wo ich zu Hause bin, seit über 2000 Jahren.
Das ändert sich zumindest im klassischen Grundkonstrukt nicht bzw. kaum (Mathematik)
Allerdings werden ständig bekannte Tatsachen durch neue Erkenntnisse erweitert und ergänzt.
Dabei ändern sich Sichtweisen z.B. klassische Physik(Newton) --> Einstein, Quantenphysik(Feynman) etc. aber das Alte/Bewährte bleibt in der Regel erhalten.
Ich brauche Fakten, überprüfbare Erkenntnisse --> Wo das fehlt, mach ich nach kurzer Zeit nicht mehr mit!

Die Denkstrukturen, in denen wir zu Hause sind, unterscheiden sich erheblich *) ---> Ergo Kommunikationsschwierigkeiten
Danke für Deine Genesungswünsche!! Natürlich sind Zweifel wichtig und im Grunde unvermeidlich.
Aber, als mir das Beispiel "Entfernung eine Warze" einfiel, wußte ich, dass die Entscheidung richtig war. :wink:

Liebe Grüße
Andrea

*) Bei langen sprachlich komplexen Argumentationsketten steig ich z.B. geistig aus. Mathematiker haben ohnehin ein gestörtes Verhältnis zur Sprache.
Deshalb wurden ja Logikrechnungen erfunden. Der Sprachsalat wird in Buchstaben umgeschrieben mit denen man rechnen kann. ("Kategorien") So werden komplexe Probleme vereinfacht bzw. gelöst.


___________________
Zitat "Ich bin daher etwas irritiert darüber, dass grade du einer solchen These das Wort redest, nach deren Aussage dem Menschen als Individuum die Selbsterkenntnis, die Selbstbestimmung, abgesprochen und durch eine kategorische, mithin fremdbestimmende, Unterscheidung ersetzt wird."
Das war mir nicht bewußt! :oops: Für mich gibt es weiterhin nur ein "Geschlecht", das sich als Kontinuum darstellt - http://gendersensibel-unterrichten.alp.dillingen.de/
Dort verortet sich jeder einzelne Mensch selbst. --> Bzgl. männliches bzw. weibliches Gehirn, da liefert die Neurobiologie Hinweise auf einzelne Faktoren, mehr nicht.
Nachtrag:
Nach den Einzelheiten, die Du beschreibst, bin ich sicher, dass ich, wenn ich mich überhaupt damit beschäftige, allem populärwissenschaftlichen von Baron-Cohen aus dem Weg gehe. Umgekehrt beschäftige ich mich sicher auch nicht mit Personen, die sowas angreifen und auf die Weise nur die Spirale weiter drehen.
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Re: "Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft"

Post 10 im Thema

Beitrag von Olivia »

Hallo,

zum Thema ein Zitat:

""¦Selbstverständlich wäre die ganze Sache sinnlos, wenn wir davon ausgingen, die Frau unterläge einer schicksalshaften physiologischen, psychologischen oder ökonomischen Bestimmung. Deshalb wollen wir zunächst die Einstellungen der Biologie, der Psychoanalyse und "¦ zum Thema Frau erörtern. Anschließend werden wir anhand von Beispielen zu zeigen versuchen, wie die "weibliche Realität" sich konstituiert hat, warum die Frau als das Andere definiert wurde und welche Konsequenzen dies aus der Sicht der Männer hatte. "¦"

Simone de Beauvoir, "Das andere Geschlecht", letzter Absatz der Einleitung.
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Re: "Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft"

Post 11 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Hallo!
Nur mal angemerkt.
Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die Unterschiede bei männlichen und weiblichen Gehirnen festgestellt haben wollen.
Es gibt aber auch Untersuchungen die keine Hirnorganischen Unterschiede feststellen. Lediglich die unterschiedliche Nutzung des Gehirns ist festgestellt und das muss keine Hirnorganischen Ursachen haben.
Ansonsten Unterschiede in der Hirngröße sind nicht Geschlechtsspezifisch.
Auch sollte der Vollständigkeit halber das "Bauchgehirn" nicht unberücksichtigt bleiben, da gerade bei Frauen die Intitution nicht unwesentlich bei Entscheidungen ist.
Um den Darm befindet sich ein Nervenzellengewebe, welches die Hirnleistung vergleichbar der von einem Hund erbringt.
Hier wird die Verdauung gesteuert aber auch die Erinnerung gespeichert.
LG Verena
Solange Du in Dir selber nicht zuhause bist, bist Du nirgendwo zu Haus.

Die Natur ist Wakan Tanka. Leider haben das nur Wenige verstanden.

Maka Ke Wakan Die Erde ist heilig
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Re: "Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft"

Post 12 im Thema

Beitrag von ab08 »

LaraC hat geschrieben:Wenn du das sagst, meinst du vermutlich: Ich identifiziere mich selbst als weiblich, "fühle weiblich". Da diese Identität/dieses Gefühl in meinem Gehirn verankert ist, habe ich ein weibliches Gehirn.
Hallo Lara,

ein klares Ja, Du vermutest richtig. Danke! (Übrigens habe ich auch männliche Anteile, aber die sind eben deutlich kleiner)
Herzlichen Dank auch für Deine für mich verständliche Erläuterung der Ideen von Baron-Cohen etc.

Die Neurobiologie ist sicher wichtig, denn sie liefert Ergebnisse. Das finde ich gut.
Diese Einzelergebnisse als "Begründung" für Theorien zu benutzen ist Spekulation und hat mit Wissenschaft nix zu tun.
Danke, dass Du mir das Konstrukt dieser Charlatanerie so plastisch verdeutlichst und meine Verständnisschwierigkeiten beseitigst.

Liebe Grüße
Andrea )))(:
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Re: "Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft"

Post 13 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,

ich halte die Gehirngeschlechtstheorie für den plausibelsten Ansatz zur Erklärung von Transsexualität. Derzeit ist das aber nur eine Frage von Glauben oder nicht Glauben.

Denn derzeit ist wenig belegt, es gibt nur ein paar Studien, die diesen Ansatz stützen. Andere wiederum kommen zu anderen Schlüssen. Mein Eindruck ist, dass die diesbezügliche Forschung noch einen weiten Weg vor sich hat.

Deshalb halte ich es auch für voreilig beim Thema Frauenhirne von "Unsinn in der Wissenschaft" zu sprechen. Und ich finde die Ideologisierung dieses Themas für wenig hilfreich. Das etwas anders ist, bedeutet ja noch lange nicht, dass dann das eine dem anderen unterlegen sein muss. Solche Überlegungen gehören für mich, wie es Reinhard Mey ausgedrückt hat, auf den Schuttabladeplatz der Zeit.

Dazu kommt, dass wenn belegt sein sollte, dass es diesen Unterschied gibt, es immer noch um einen Durchschnitt geht. Über einzelne Personen sagt das wenig aus.

Diese These reflexartig aus ideologischen Gründen zu verwerfen ist für mich genauso überkommenes Denken, wie das krampfhafte Festhalten an gesellschaftlichen Rollenbildern und -normen. Höchste Zeit für wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn und Aufklärung.

Liebe Grüße

Anke
Sentio ergo sum. - Ich fühle, also bin ich.

Les femmes sont fortes quand elles sont feminines. (Coco Chanel)

https://www.transcuisine.com

Youtube: https://www.youtube.com/channel/UCQc7XaiWBuzchBQTnGRv80g
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Re: "Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft"

Post 14 im Thema

Beitrag von Marielle »

Ideologie auf allen Seiten..... könnte man meinen.

Vielleicht ist das zum Teil sogar wirklich so. Es geht schliesslich um nichts weniger als die Deutungshoheit über das Sein und Handeln von Menschen; Philosophie vs. Neurobiologie. Es stehen Jahrhunderte des Denkens und Disputierens über menschliches Sein und Tun gegen die neuen Bilder aus Hirnscannern, die (irgendwelche) Signale aus den Köpfen der Menschen sichtbar machen. Und am Ende steht die Frage: Haben wir einen freien Willen oder haben wir ihn nicht?

Ich weiss es nicht. Aber ich möchte bis zum endgültig unwiderlegbaren Beweis der absoluten Unfreiheit, der völligen Entscheidungsunfähigkeit aufgrund des Fehlen eines freien Willens, davon ausgehen dürfen, dass ich selbst die Herrschaft über mich und mein Handeln und die Beschreibung meiner Selbst habe.

So grundlegend die Frage nach dem Vorhandensein oder Fehlen eines freien Willens ist, so grundlegend ist auch die Frage, wie man bis zur unwiderlegbaren Antwort auf diese Frage mit menschlichem Sein und Handeln umgeht. Stellt man auf Glauben und Hoffen ab? Auf die einfache Lösung, dass es eines Tages heissen wird: "Du hast eh keine Wahl, weil du keinen eigenen, freien Willen hast." oder zieht man die mühsame Möglichkeit in Betracht, dass es, zumindest bis zum (eventuell unmöglichen) Beweis des Gegenteils, doch einen freien Willen gibt, der vielleicht (eher: wahrscheinlich) nicht alle theoretisch möglichen Entscheidungen, aber zumindest eine retro-reflektierte Position zu sich selbst zulässt, d.h. einen eigenen, frei wählbaren oder zumindest korrigierbaren Umgang mit den eigenen Determinationen ermöglicht?

Ich kann nicht anders, als letzteren Weg bis auf Weiteres für den 'vernünftigeren' zu halten. Er bedeutet Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, an manchem auch selbst 'schuld' zu sein, aber er bedeutet auch, dass ich mich selbst gestalten darf, kann und auch muss. Egal wie mühsam das ist: Es ist eine Chance, die ich nicht an diejenigen verschenken werde, die versuchen, aus keinen Fakten endgültige Schlüsse zu ziehen.


Ich habe es gut, habt ihr es auch gut

Marielle
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Re: "Frauenhirne. Unsinn in der Wissenschaft"

Post 15 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo Marielle,

Zitat "Philosophie vs. Neurobiologie"
Diesen Gegensatz sehe ich nicht und den kann es auch nie geben, wenn Philosophie das bleibt, was sie ist,
die Krone/ höchste aller Wissenschaften, die über allen anderen, normalen Wissenschaften herrscht.

Das Problem entsteht, wenn sich die Philosophie(bzw.die Theologie/Religion) in den Arbeitsalltag normaler Wissenschaften
und meist dann überdies in den Alltag der Menschen einmischt. (UDSSR/Marxismus, Nordkorea, Iran, Saudiarabien...)

Egal, was eine frei forschende Naturwissenschaft herausfindet, der freie Wille bleibt natürlich trotzdem erhalten. *) :wink:
"Die Gedanken sind frei" - https://www.youtube.com/watch?v=Gn7W3GDsLhE

Ganz liebe Grüße
Andrea,

die Deine ursprünglichen Argumente, dank Lara's Hilfe, inzwischen verstand.

*) Die Frage der Existenz eines freien Willens stellt sich mir nicht...
Genau wie sich mir die Frage meiner eigenen Existenz nicht stellt -> Cogito ergo sum! -->Auf Deutsch, weil ich bin(denke), habe ich einen freien Willen.
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