Jessica (Segen oder Fluch)
Jessica (Segen oder Fluch)

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Jessica.H
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Jessica (Segen oder Fluch)

Post 1 im Thema

Beitrag von Jessica.H »

Nach langem überlegen und lesen hier im Forum habe ich mich nun doch entschieden etwas von mir zu berichten! Weil wen nicht euch wem sonst? Ich habe etliche male so was wie ein Tagebuch geschrieben nur um meine Gedanken und sorgen mal zu Papier zu bringen um sie mir von der Seele zu schreiben aber irgendwie ist das nicht so gelungen, weswegen ich mich auch hier im Forum angemeldet habe. Meine Überraschung war groß als ich die Berichte gelesen habe, soviel was identisch ist. Das hatte ich nicht erwartet.
Das Problem ist immer nur das man doch ziemlich viel von sich preis geben muss, das was man über Jahre im Dunkeln gehalten hat und wovon niemand jemals etwas erfahren soll!!!!

Nun ja fange ich mal mit der Gegenwart an. Im realem Leben heiße ich Daniel und bin 35 Jahre alt. Mann einer Wunderschönen Frau die ich über alles liebe und Vater von 2 Kindern und alle bedeuten mir mehr alles alles andere auf dieser Welt. Wir haben alles was man so braucht. Eigentlich müsste ich der glücklichste Mensch auf dieser Welt sein, doch da ist so ein Gefühl in mir, schon eher ein verlangen das mir was anderes sagt. Ich sitze hier gerade vorm Rechner und während ich das hier schreibe und lese frage ich mich wieso. Ich kann kaum ein klaren Gedankenfassen weil mich das alles doch sehr beschäftigt und belastet dieses Doppelleben wenn man es so nennen möchte.

Angefangen hat alles vor (last mich nicht lügen aber ist doch verdammt lange her) so ungefähr 21 Jahren, da habe ich ab und an mal Kleider und Schuhe von meiner Schwester angezogen. Da war es aber wirklich nur einmal alle halbe Jahr, in der nächsten Stufe habe ich mir dann auch schon mal Schuhe und Kleider gekauft (ganz weit weg und sehr verlegen). Dann wiederum gab es eine zeit da dachte ich das kann es nicht sein und habe alles weggeworfen um es dann etwas später neu zu kaufen. Dieses hin und her ging ein paar Jahre so. Vor fast 15 Jahren habe ich meine Frau geheiratet und wir haben 2 Kinder bekommen. Zu dieser Zeit war alles irgendwie anderes ich kann es nicht genau beschreiben aber ein paar Jahre lange war da nichts kein verlangen nicht ein Gedanke der ein belastete bis eines Tages alles wieder da war wie aus dem nichts, zuerst habe ich die Gedanken weggeschlossen ganz weit weg. Bis vor ca. 5 Jahren und das ist die eigentliche Geschichte. Es tut mir jetzt schon leid wenn ich mal was wiederhole oder zu sehr ins Detail gehe.Aber diese 5 Jahre bis jetzt kommen mir wie eine Ewigkeit vor mit Höhen aber viel mehr Tiefen. Das hier zu schreiben wiederspricht allem was ich die letzten 21 Jahre gemacht habe und ich bin mir auch nicht sicher obe das die Richtige entscheidung ist doch angefangen ist angefangen.

Vor 5 Jahren habe ich den Kleiderschrank meiner Frau für mich entdeckt erst ganz zögerlich weil es es ja auch nur ging wenn ich alleine war, was nicht so oft vorkam! Doch eines Abends meine Frau war mit Freundinnen aus und die Kinder bei Oma habe ich alles gewagt habe mir schicke Sachen angezogen und mich versucht zu schminken. Auch wenn das Ergebnis eher an ein Paradiesvogel erinnerte war es im diesem Moment doch um mich geschehen ich wollte mehr. Ich habe keine Ahnung woran es lag zu dieser Zeit war die Beziehung zu meiner Frau auch nicht so gut aber das ist nach knapp 10 Jahren Ehe und 2 Kindern auch zu erwarten und dafür schlugen wir uns gut.Nun ja ich wollte nicht die Sachen meiner Frau anziehen und benutzen also fing ich an mir selber welche zu kaufen. Worauf ich nicht so recht vorbereitet war waren die Gefühle. Wenn ich in den Spiegel blickte und Daniel sah fühlte sich das falsch an nicht richtig. Mit den Gelegenheiten mich zu Stylen und zurechtzumachen kam mit jedem mal etwas mehr Jessica zum vor scheinen!

Es tut mir leid hier abzubrechen aber ich muss mich erst mal sammeln und das alles verarbeiten und die anderen Pflichten rufen also die von Daniel
Theresa-Annalena
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Re: Jessica (Segen oder Fluch)

Post 2 im Thema

Beitrag von Theresa-Annalena »

Hi Jessica,

vielen Dank für den Einstieg in Dein Tagebuch (flo) .
Bitte weiter so (yes) (yes) (yes) . Das Umfeld (Familie) die
Phasen mit dem "wegwerfen" und dem "verdrängen"
kenne ich 1:1 wie bei Dir beschrieben. Selbst
die Tatsache das das Kinderglück das ganze
"beruhigt" war bei mir ganz genauso. Und wie Du
befinde ich mich jetzt in einer Phase, wo ich
mehr will, als nur auf die Klamotten scharf zu sein.
Genau aus diesem Grunde bin ich ebenfalls hier im Forum,
um mich zu finden und ich bin so froh das es das hier gibt.

PS: die vielen Parallelen machen mir schon ein bischen
Angst, kann aber auch ein systematischer Fehler in der Programmierung
sein (smili).

LG
Tessa.
Hat die Blume einen Knick, war der Schmetterling zu dick.
Wenn alle Stricke reißen, warst Du zu schwer für die Schaukel.
MEL
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Re: Jessica (Segen oder Fluch)

Post 3 im Thema

Beitrag von MEL »

Hallo Jessica,

möchte dich als erstes im Forum willkommen heißen und freue mich, dass Du diesen Mut aufgebracht hast.

Ich bin überzeugt, dass dies und der Beginn dieses Tagebuchs für dich ein wichtiger Schritt hin zur Selbstfindung
sein kann. Du hast ja schon geraume Zeit im Forum gelesen und wirst dabei festgestellt haben,
dass sich die Lebensläufe in vielerlei Hinsicht ähneln, teilweise überschneiden bis deckungsgleich sind,
aber immer ein individuelles Einzelschicksal betreffen!

Und dann eines Tages dieses Erkennen, seine Neigung eben nicht in den Tiefen der Psyche vergraben zu können
und sie dann niemals mehr hervortritt, das diese Wahrnehmung einen dann psychisch doch extrem beansprucht,
das können viele hier gut nachvollziehen. Im Besonderen dann, wenn da eine Familie, eben Frau und Kinder mit
involviert sind.
Da stimmte bisher das gesellschaftliche Klischee der glücklichen, mustergültigen Familie,
die vielleicht so ganz dem deutschen Idealbild unserer heutigen Zeit entspricht ... und dann
erkennt der Mann und Familienvater, dass er eine nicht unterdrückbare weibliche Seite in sich trägt.

Aber, die Gesellschaft schreibt nicht das Drehbuch deines Lebens, da bist und bleibst immer noch
DU selbst verantwortlich, auch wenn der Prozess an sich nicht immer nur Pralinen bereit hält.

Und dies alles immer nur im stillen Kämmerlein - ohne fremde Hilfe, Zuhörer=Leser, Fürsprache, Experise, etc. - mit
sich selbst auszumachen, führt dann oftmals in eine Sackgasse mit ungewissem Ausgang.

Also, setze den begonnen Weg fort, schreib nieder was dich bewegt oder bedrückt, suche vielleicht
auch den direkten Austausch, sei es mittels pn oder bei einer Selbsthilfegruppe/Stammtisch und setze dich
dabei nicht unter Zeitdruck und versuch Ruhe und Übersicht zu bewahren.

Drück dir die Daumen, dass Du deine Bestimmung und deinen Weg findest,
das Forum wird dir mit manch gutem Rat und Empfehlungen zur Seite stehen,
aber Tempo und Richtung bestimmst du unter Einbindung aller familiärer,
beruflicher und gesellschaftlicher Aspekte allein.

Liebe Grüße

Mel
Jessica.H
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Re: Jessica (Segen oder Fluch)

Post 4 im Thema

Beitrag von Jessica.H »

Vielen dank für die Worte. Das bedeutet mir echt viel! Ich überlege schon seit ich angefangen habe das zu schreiben ob ich weiterschreibe es ist echt nicht leicht! Ich habe einerseits das bedürfnis weiter zu schreiben und andererseits habe ich das gefühl ich betrüge meine Familie! Die Frage ist nur wenn betrüge ich nun wirklich! Ich bin ratlos und habe angst mit einer falschen entscheidung und/oder tat alles zu verlieren sei es was ich bin oder sei es meine Familie.

liebe Grüsse Jessica :?
Jessica.H
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Re: Jessica (Segen oder Fluch)

Post 5 im Thema

Beitrag von Jessica.H »

Mit jedem mal wo ich zu Jessica werde steigt auch das verlangen. Aus anfänglich einmal alle 3 Monate wurde ganz schnell das verlangen es öfter zu tun. Meine Gedanken beschäftigen sich zum großen teil nur noch damit was ich anziehe wenn ich zu Jessica werde und was ich noch so brauche. Der Gedanke jedes mal wieder in die Männerklamotten zu schlüpfen und auf der Arbeit so zu tun als sei ich der Mann schlecht hin macht mich Krank. Da ich im Handwerk Arbeite darf ich keinerlei schwäche Zeigen. In der kurzen Zeit wo ich Jessica bin Fühle ich mich frei und auch nicht!! Es ist fast als wenn man weint und lacht zur selben Zeit! Das befreiende Gefühl ist wundervoll doch der Gedanke daran meine Frau oder Kinder zu enttäuschen im selben Moment macht ein fast wahnsinnig. Bin ich nicht Jessica kann ich fast nur daran denken zu Jessica zu werden und bin ich Jessica verzweifel ich fast daran alle zu enttäuschen also meine Familie. Also flüchtete ich mich in die Arbeit, den wenn ich beschäftigt bin denke ich an nichts anderes! Und ich habe viel gearbeitet, auf der Arbeit und zuhause nur um das verlangen und die Gedanken zu betäuben, was auch eine Zeitlang gut funktioniert hat. Also zu mindestens wen man auf Arbeiten,Schlafen,Arbeiten usw. steht. Das alles schlaucht sehr und als das Verhältnis zu meiner Frau schlechter wurde und wir so gut wie keinen Intimen Kontakt mehr hatten gab ich dem verlangen immer mehr nach! Das soll jetzt nicht so klingen als wäre meine Frau schuld aber unser Beziehungstiefstand war in dem Punkt nicht gerade hilfreich. Sie zock sich immer mehr zurück und das gleiche tat ich auch! Ich kaufte immer mehr Kleidung, Schminke usw. das ging auch eine ganze weile gut und ich genoss meine paar Stunden doch das verlangen wurde mehr und ich fing an Fehler zu machen. Bestellungen wurden nach hause geschickt, sie kam früher von der Arbeit so Kleinigkeiten sie hat nie direkt was gesehen oder so aber bemerkt hat sie es doch! Irgendwie habe ich mich immer wieder aus der schlinge gewunden und weitergemacht als wäre nichts gewesen. Irgendwann ging es mit unserer Beziehung wieder etwas bergauf und ich fühlte mich wieder schlechter wenn ich mal wieder Jessica war. Zu der zeit war es aber immer noch nicht möglich oft zu Jessica zu werden noch hatte ich da schon einen Namen. Also lebten wir so 2 Jahre vor uns hin bis ich ein etwas größeren Fehler machte und sie mir unterstellte ich würde Fremd gehen. Nach einer etwas beklemmenden Aussprache wo ich versucht habe ihr alles zu erklären was mich bewegt und beschäftigt sagte sie mir ich solle machen was ich möchte solange ich für sie Daniel bleibe. Das war für den Anfang ein recht Positives Ergebnis.Zuvor dachte ich immer alles würde besser werden wenn sie es wüsste aber ich musste schnell herausfinden das das nicht der Fall sein sollte. Ich bin schon sehr glücklich das sie mich nicht verlassen hat, aber was von nun an folgen sollte war nicht besser. Egal was man machte sie unterstellte mir immer das selbe. Es muss für sie auch mehr als schwer sein das will ich nicht beschönigen oder verdrängen doch das macht es nicht besser. Einerseits möchte sie es nichts wissen und andererseits will sie es Kontrollieren. Inzwischen habe ich mir ein kleinen Raum fertiggemacht wo ich meine Sachen lagern kann. Am Anfang reichte es mir sich nur umzuziehen dann machte ich Fotos dann Videos. Inzwischen fahre ich nachts los und gehe irgendwo in der City spazieren, ich war vor gut einem Jahr schon mal Tagsüber Schoppen was fürs erste mal einfach super war außer meiner Kleidung Ich war nicht overdressed das nicht nur zusammen passte es auch nicht so recht ich sah wohl aus wie naja ich viel auf nur auf eine andere Art und weise. Ich bin mir nicht sicher ob man mich als Mann identifiziert hat oder nicht es gab kein Gelächter oder geglotze was dann ja schon recht positive ist. Aber dieses Erlebnis ist bis jetzt das ein zigste und ich traue mich bis jetzt nicht mehr unter Leute. Ich habe einfach Angst das ich auffliege und alles ans licht kommt. Jetzt Sitz ich hier wieder und lese das was ich geschrieben habe und könnte noch mehr ins Detail gehen, ich denke darüber nach was ich geschrieben habe, fühle mich schlecht weiß nicht was ich tun soll oder wie es weitergehen kann.
Anne-Mette
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Re: Jessica (Segen oder Fluch)

Post 6 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

Du hast doch das Posting weiter oben so schön in Absätze eingeteilt, dass man es gut lesen kann )))(:

Gruß
Anne-Mette
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Re: Jessica (Segen oder Fluch)

Post 7 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-09-08 »

Hi Jessica,

auch von mir ein nettes Hallo.

Wenn ich deinen Bericht so lese erkenne ich mich eindeutig selbst wieder.

Habe sogar mal einen Bericht verfasst mit dem gleichen Titel.

LG Jenny66
exuserin-2017-01-16

Re: Jessica (Segen oder Fluch)

Post 8 im Thema

Beitrag von exuserin-2017-01-16 »

Hi Jessica,
wie es weitergehen kann ? Relativ einfach du machst es wie so viele von uns, die den schweren Weg gegangen sind oder noch gehen. Suche dir eine Selbsthilfegruppe in deiner Nähe, rufe dort an meistens ist da jemand dabei der ein Beratungsgespräch machen wird. Alles erstmal anonym am Telefon. Wenn du Vertrauen hast gehst du dort hin und lernst andere Transgender kennen und wirst staunen wie ähnlich sich die Wege sind. Und du brauchst das nicht mit dir alleine ausmachen. Es braucht erst ein gewisses Maß an Verzeiflung und Ratlosigkeit um sich dort hin zutrauen, aber danach geht vieles leichter. Wenn es keine Selbsthilfegruppe sein soll, in den meisten großen Städten gibt es Transstammtische da ist es sicher lockerer und ungezwungener als in SHg . Mach was draus vom rumgrübeln wird sich nix ändern die Tage mit Verzweiflung immer mehr.
Viel Kraft Uta
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