welches nun eine Tessa mehr hat
mit meinem Thread hier möchte ich euch etwas mehr über
mich sagen bzw. wie es bei mir begann.
Ich selbst nenne mich Tessa (eine Kurzform von Theresa)
weil ich den Namen sogerne mag. Und mein Nachchname steht für
eine Leidenschaft von mir: schöne Schuhe.
Im realen Leben bin ich Anfang vierzig und habe eine kleine liebe Familie
die mir viel bedeutet. Ich stehe privat als auch beruflich mitten im Leben.
Jedoch wird dort jeden Tag das Alphatier erwartet,
was ich "pflichtgemäß" erfülle. Mein Umfeld ist klar "kategorisiert" und lässt weder mental noch
real "Abweichler" zu, was ein Outing für mich derzeit undenkbar
macht. Die wenigen Situationen welche Berührungspunkte zum Thema erlauben
(z.B. Bericht im Fernsehen) werden ohne Ausnahme verhöhnt und verspottet. Ich befinde
mich hier also diesbezüglich in einer Höhle des Löwen, wenn ihr wisst was
ich meine.
Viele Jahre lang habe ich alles immer mit mir selbst ausgemacht
was meine "weibliche" Seite angeht, um den Supergau zu verhindern.
Dabei durchlebe ich "Phasen" in denen Tessa hervordringt und ihren Platz vordert.
Manchmal ist sie aber auch ganz weit weg. Manchmal bin froh darüber wenn sie weg ist,
manchmal fehlt sie mir dann auch.Ich denke es ist eine Gratwanderung zwischen Verdrängen
und der Suche nach einer Freiheit sein Leben auch mit ungewöhnlichen Farben zu füllen.
Was mir im Laufe der Zeit aufgefallen ist, ist das wenn es mir mal nicht so gut
geht, Tessa auftaucht und mir Kraft gibt, auch wenn ich sie nicht frei leben darf.
In diesen Phasen werde ich dann "innerlich" weiblicher in meinen Einstellungen,
was zu Verwirrungen meiner Frau führt (sie richt es förmlich
Umsomehr muss ich dann bewusst gegensteuern was mir aber immer schwerer fällt.
Es wäre ein leichtes wenn sich das alles nur im Kopf abspielen könnte,
denn -Die Gedanken sind Frei- wie ein altes Lied behauptet.
Doch wenn Tessa in mir ihren Raum fordert, will sie Einkaufen gehn und ihr gefällt
so viel...,, sie will die Dinge spühren, sich im Spiegel sehen. Doch wann und wo,
wenn die Familie und Kollegen mich allzeit umgeben. Ich habe keinen Raum für mich selbst.
Brauche ich den eigentlich wenn ich "normal" wäre? Ist nicht die Familie Raum genug?
Ich habe im Laufe der Zeit gelernt das sich Tessa im realen Leben bewegen
will und ich das nichtverhindern kann. Manchmal beginnt eine dieser Phasen damit,
das ich eine schöne Jeans sehe oder ein paar Schuhe und dann kommt Tessa...
Ihre Lieblingsstücke bewahre ich in zwei großen Taschen an einem (sichern?) Ort auf,
um nicht entdeckt zu werden. Manchmal schäme ich mich für mein Verhalten so sehr und dann muss
alles weg in die Kleiderspende.Danach geht es mir für kurze Zeit besser weil die Last
der Geheimhaltung weg ist und ich wieder "Normal" bin, mich wieder unter Kontrolle habe...
Spätestens am Tag danach weicht die Entlastung und ich falle in ein Loch,
weil Tessa eben nicht weg ist. Tessa musste so bestimmt schon 20mal ausziehen ().
Es ist schon sehr schwierig das zu beschreiben. Ich befinde mich immer auf der Suche
nach einer Lösung die weibliche Seite auf den Kopf zu beschränken und hoffe
darauf das es mit der Hormonveränderung im Alter besser wird. Aber ich spüre meine
beginnende Midlife-Crisis in der auch die über 20 Jahre immer verdrängte Tessa ihre
Antworten vordert. Das Tessa im realen Leben / Umfeld nicht entdeckt wird ist eines
der wichtigsten Dinge um Tessa überhaupt mal "freizulassen". Momentan komme ich mit
der Situation immer schwerer klar, und gehe auch das Risiko ein mich hier im Forum zu
äußern, um Hilfe und Rat zu finden und das es anderen ähnlich geht die mir sagen
können es ist alles halb so schlimm... (ist es das?)
Wie alles begann:
Wenn ich zurückdenke und den Anfang suche, fällt mir da der große
Kleiderschrank auf dem Dachboden meiner Großeltern ein.
An diesem Ort spielten wir als Kinder oft Verstecken.
Der Kleiderschrank aber war nun nicht wirklich das beste Versteck
(dort wurde natürlich als erstes geschaut), aber ich wählte
den Schrank immer wieder, weil es dort etwas Besonderes gab...
Das besondere an diesem Ort, waren ein paar schwarze Crashlackstiefel
mit megahohen Plateau und Blockabsätzen aus den 60igern/70igern.
Beim Verstecken im Schrank berührte man zwangsläufig die Stiefel.
Ich mochte das, es gefiel mir. Ich war damals 8 oder 9 Jahre alt,
und konnte diese Empfindungen sicherlich nicht zuordnen.
Eines Tages und ich denke heute, das es das Initialerlebnis war,
zog ich die Stiefel im Schrank an. Wie immer wurde gesucht und
ich flog natürlich aufgrund des schlechten Versteckes sofort auf.
Doch dann passierte etwas: Ich kletterte aus dem Schrank und stand das
erste mal in meinem Leben auf hohen Absätzen. Da Kinder in der Regel
völlig unvoreingenommen sind (damals jedenfalls) nahmen sie es gar nicht
weiter war, denn "DER" gestiefelte Kater oder "DER" Pirat hatten ja auch welche
an.
Natürlich waren sie mir viel zu groß und brachten mich des öfteren
zu Fall
Dachboden aufgeräumt wurde und meine Eltern alles Überflüssige
ausrümpelten. Den Rest könnt ihr euch denken. Ich war über Tage
traurig und wenn man mich fragte warum, so antwortete ich nicht.
Danach folgte eine Zeit für mich, in der ich zum "Männlichsein" erzogen
wurde mit all den typischen Klischees die bei mir in vollem Umfang zur
Anwendung kamen. Der Kleiderschrank entschwand langsam aus meinen
Gedanken und das Testosteron begann an meinem Körper zu arbeiten...
Fortsetzung folgt.