möchte unter obiger Überschrift sporadisch Berichte von mir oder genauer
Mel's Unternehmungen gemeinsamen mit Frau und bester Freundin hier einstellen.
Ich hoffe, die/den ein oder andere-n damit ermutigen zu können, wobei hier
nicht nur Schönfärberei betrieben werden soll. Die Schilderungen sollen vielmehr
die Geschehnisse so wiedergeben, wie sie sich abgespielt haben.
Und bitte erwartet nun keine Räuberpistolen, medienwirksame Auftritte oder
gar weltbewegende tiefschürfende Erkenntnisse daraus... wobei ich an das Ende
meiner Berichte mitunter schon ein kleines Resümee ziehe.
Es dürfte sich im Laufe der Jahre auch schon so einiges an Berichten aus meiner Tastatur angesammelt haben,
vielleicht lässt sich dies ja rückwirkend unter einem eigenen Titel nochmal zusammenführen?! (Anne-Mette
So, hier nun mein erster Bericht unter dieser Überschrift:
Wie schon des Öfteren erwähnt und den regelmäßigen Lesern des Forums auch bekannt,
lebe ich meine optisch sichtbare Weiblichkeit nur sporadisch in der Öffentlichkeit aus.
Und wenn dies denn geschieht "¦ immer in Begleitung meiner besten herzallerliebsten Freundin ïŠ
Nachdem der letzte Auftritt nun schon einige Monate zurück lag (ich berichtete im August davon,
Titel: En femme - und dann passierts = Boßeln bei Hamburg), hatte ich nun einen
Spätsommertag im September für unseren nächsten Ausflug auserkoren, als Ziel war erstmalig
eine Stadt innerhalb des ehemals selbst vorgegebenen Bannkreises von 80-100km rund um unseren
Wohnort vorgesehen, es ging nach Husum.
Bannkreis deshalb, weil ich im nachbarlichen Umfeld nicht geoutet bin und wir möglichst ausschließen wollen,
bei unseren Ausflügen guten Bekannten über den Weg zu laufen. Wohl wissend, die Welt ist manchmal ein Dorf
und wenn es denn doch mal so kommen sollte, eben weil meine Frau neben mir erkannt wird, "¦. dann ist das so!!
Und wenn ich nun nur vom Erkennen meiner Frau spreche, dann nicht aus der Selbstüberschätzung
heraus, dass ich über ein so gutes passing verfüge, dass ich darunter nicht als Mann erkennbar wäre,
sondern eben dem Umstand geschuldet, dass über meine Frau zu dem Wesen neben ihr (Kerl in
weiblicher Hülle) eine Verbindung zu mir hergestellt werden kann/könnte.
Also besagter Tag war ein Mittwoch, der 07.September, und laut Wetterprognose sollte schon
frühmorgens die Sonne scheinen, "¦ was sie natürlich nicht tat!
Es war bewölkt, Temperatur so um die 12-°C und sah eigentlich eher nach Regen aus. Also erst mal
Frühstück und Lagebesprechung mit meiner Frau.
Wir hatten diesen Mittwoch schon im Vorfeld als einzigen in Frage kommenden Freundinnen-Tag identifiziert,
u.a. da wir die Wohnung/Bad unseres in Urlaub befindlichen Sohnes und Schwiegertochter in Flensburg
als "Umkleide-/Schminkraum" nutzen wollten und diese in 3 Tagen aus ihrem Urlaub zurückkehren sollten.
Meine Frau schaute mich beim Frühstück an und meinte daraufhin, dass wir das Ganze besser
abblasen sollten, da mein Gesicht nicht den Eindruck erwecke, dass sich dies zu einem gelungenen
Mel-Tag entwickeln könne! Und die Erfahrung (Berlin Okt. 2012) habe doch gezeigt, dass "auf Kraft"
gar nix ginge und sie mich vor einem erneuten Negativerlebnis bewahren möchte.
Damals allerdings übermüdet, unzureichendes passing (Schminken, falsche Outfitzusammenstellung)
und vor allen Dingen voller Selbstzweifel sowie mangelndem Selbstvertrauen, das nach 2-3 kritischen
Blicken der Mitmenschen ganz im Keller war (ich berichtete hier ausführlich).
Aber an diesem Mittwoch war es anders, schon aus der Erfahrung heraus wusste ich meine
Gefühlslage besser einzuordnen und ich schlug meiner Frau vor, erst mal alles=mich vorzubereiten
und dann in die Wohnung der Kinder zu fahren, um dann dort zu entscheiden.
Um es abzukürzen"¦. mit Beginn der äußeren Verwandlung in Mel in der Wohnung des Sohns erhellte
sich der Himmel und parallel dazu mein äußerlich sichtbarer Gemütszustand, so dass gegen 1230Uhr
2 adrette, wenn auch etwas reifere
Dort erwartete uns dann tatsächlich bestes Wetter, Sonnenschein bei 23-°C im Schatten und ganz
wichtig: Windstille
Es war so warm, dass wir unsere Sommerkleider - wider Erwarten - ohne Jacke präsentieren konnten
und wir legten nach einem ersten kleinen Spaziergang durch die Innenstadt eine Pause in einem
Straßencafe am Hafen ein.
.
Obwohl unter der Woche waren die Stadt und Lokale gut besucht und so setzten wir uns
zu einem jüngeren Paar mit an den Tisch.
Nach leckerem Apfelstrudel mit Vanilleeis und Cappuccino setzten wir unseren Bummel durch den
Hafenbereich mit seinen kleinen Boutiquen und Souvenirshops fort. Als Schuhwerk zu meinem
gewählten Etuikleid wären eigentlich meine cremefarbenen Peeptoes mit 10cm Absatz erste Wahl
gewesen, aber in Kenntnis der historischen Pflasterung in Husum verbot sich dies und ich musste
auf etwas stabiler ausgelegte (nagelneue) Sandaletten mit 7cm-Trichterabsatz ausweichen.
Wir verbrachten den ganzen Tag in der Stadt, bummelten durch die Geschäfte und gönnten uns am
späteren Nachmittag ein Eis vom Italiener, das wir auf einer Parkbank genüsslich verspeisten. Kaum
hatten wir dort Platz genommen, gesellten sich ein paar ältere Damen zu uns (ebenfalls älteren
Damen
Aufenthalts. Die Damen kamen aus dem Münsterland und waren Teil einer Busreisegesellschaft.
Es waren keinerlei ungewöhnliche Reaktionen ob meiner Person festzustellen, auch nicht während
der Konversation, obwohl ich meine Stimme bis auf die Lautstärke eigentlich kaum bis gar nicht
verändere. Meine Frau saß rechts von mir, die anderen Damen zu meiner Linken.
Wir waren richtig guter Dinge, genossen unseren Mädel-Tag in vollen Zügen und ausgelassen wie
wir waren, mussten auch ein paar Selfies geschossen werden. Und beim Betrachten
eines dieser Fotos (seht ihr hier)
entfuhr mir dann zu meiner Frau gewandt ein relativ lautes :
"Na wie geil ist das denn geworden?!!" Die Dame zu meiner Linken zuckte regelrecht zusammen,
vermute aber, weniger ob des genutzten Begriffs g..l ,sondern vielmehr in Wahrnehmung meiner
Stimmlage und daraus resultierender Schlussfolgerungen!!
Aber kurz darauf setzten wir mit den Damen unsere Konversation fort, die dann mit einem
Gruppenfoto der mittlerweile rund um uns versammelten Reisegesellschaft und ihrem
nachfolgenden Aufbruch endete.
Wir bummelten noch etwas durch die Stadt und überlegten, wo wir unser Abendessen einnehmen
könnten. Da es dafür aber noch zu früh war (1700Uhr), entschlossen wir uns spontan, noch nach
Klein-Amsterdam in SL-H zu fahren"¦ eben Friedrichstadt, nur ca. 15km von Husum entfernt.
Am Auto angekommen war ich froh, nach nunmehr 5 Stunden und davon einige Kilometer
Fußmarsch in den nagelneuen Sandaletten, diese gegen meine eingetragenen, deutlich bequemeren
Keilsandaletten eintauschen zu können. Diese hatte ich vorsorglich mal eingepackt und im Wagen
für diesen Fall der Fälle deponiert.
Meine Zehen sahen lecker aus, zumal ich eine zehenfreie Strumpfhose zu meinem Outfit gewählt
hatte und somit die Riemchen der Sandaletten ihr Werk auf den blanken Zehen hemmungslos verrichten
konnten.
Na ja, wie heißt es so schön, wer schön=Frau sein will, muss leiden können!!
Also, nun neu besohlt machten wir uns von Husum auf nach Friedrichstadt, wo wir ebenfalls
nochmals durch die verkehrsberuhigte Innenstadt mit ihren Kanälen (Grachten) bummelten, um
anschließend auf dem Marktplatz im Biergarten des Restaurant La Trattoria unser Abendessen
einzunehmen.
Auch hier waren alle Plätze gut besucht und beim Gang durch die Reihen bemerkten wir schon den
ein oder anderen Blick, was aber wohl auch meiner Größe (knapp 190cm) wie auch unserem Outfit -
wir in Sommerkleidern (!) , die anderen Gäste, mutmaßlich in Mehrzahl Touristen, in Jeans, max 3/4
Hosen und wärmerer Oberbekleidung (tw. Jacken) dort sitzend - geschuldet sein dürfte.
Dennoch suche ich kurz darauf die Toilette auf, um neben einem Bedürfnis auch mein Äußeres
nochmal einer Prüfung zu unterziehen. Aber wie mir meine Frau schon versichert hatte, es war noch
alles in Ordnung und wir genossen im Anschluss eine sehr leckere Pizza. Der Abend endete dann mit
der Rückfahrt nach Flensburg, wo wir gegen 2130Uhr an der Wohnung unseres Sohnes eintrafen.
Resümee:
Meine Frau wie auch ich waren der Auffassung:
Dieser Tag war "¦. SPITZE!
Meine Batterien waren nun - nach wochenlanger Abstinenz vom Ausleben meines weiblichen Ichs in
der Öffentlichkeit - wieder aufgeladen und ich würde aus dem Erlebten die nächste Zeit zehren
können.
JAA, auch wenn Transsexuelle u.a. uns oftmals nur müde belächeln oder uns als Hobby-Transvestiten
einstufen, auch unsereins sieht sich in seiner/ihrer Gefühlswelt einem seelischen Druck ausgesetzt,
der sich ab und an (auch öfter) Luft verschaffen muss!
auf das eigene Ego / die Psyche und damit auch unmittelbar auf das direkte Umfeld / Familie /
Mitmenschen aus, sei es durch Deprimiertheit, Übellaunigkeit, Unkonzentriertheit, mangelnde
Leistungsbereitschaft und sonstige negative Begleiterscheinungen.
Und NEIN, das Ausleben meiner weiblichen Seite dient dabei nicht der Befriedigung sexueller Gelüste
o.ä., gleichwohl möchte ich nicht in Abrede stellen, dass dies bei anderen auch Teil einer wie auch
immer gearteten partnerschaftlichen Beziehung sein kann.
Und nochmals NEIN, in der Rolle als Frau suche ich nicht die Nähe zu Männern, mein sexuelles
Empfinden bleibt unverändert auf Frauen gepolt.
Die Akzeptanz oder noch besser Anerkennung / Wahrnehmung als Frau oder vereinzelt auch mal ein
Lob des Gegenübers gleich welchen Geschlechts ob meiner femininen Erscheinung werden
hingegen dankend angenommen.
Ich bin glücklich, eine so tolle verständnisvolle Frau an meiner Seite zu haben, die mich in all meinem
Handeln und Tun voll unterstützt, beste Freundin und Beraterin ist und wir gemeinsam diesen Weg
so gehen können. Möchte aber betonen, dass ich auch ebenso gerne Mann bin und mit diesem
Dasein als Teilzeitfrau (Bigender) wohl meinen Status Quo definiert habe.
Dies beendet meine heutige Berichterstattung und ich hoffe nicht gelangweilt zu haben,
euch allen noch eine gute Woche,
LG Mel (und Frau)
P.S.: Wollte eigentlich noch 2 Bilder beifügen, lies das System aber leider nicht zu