Mit Ablehnung umgehen
Mit Ablehnung umgehen

zu den Themen Crossdressing, Transgender, Transident...
Antworten
Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 27536
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: W
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Forum-Galerie: gallery/album/1
Hat sich bedankt: 205 Mal
Danksagung erhalten: 2424 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Mit Ablehnung umgehen

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

ich lese nicht nur "im Internet", sondern auch diverse Printausgaben von Zeitungen und Zeitschriften.
Früher freute ich mich, wenn mein Vater DIE YACHT gekauft hatte und sie nach seiner Mittagspause (er kam tatsächlich jeden Tag zum Mittagessen) zurückgelassen hat.
So konnte ich die Zeitschrift bis zu seinem Feierabend ausführlich studieren, träumte mich mit den Weltumseglern in die Südsee und studierte sogar die Gebrauchtbootanzeigen für den Fall "dass ich mal im Lotto gewinne" (da ich fast nie spielte, war die Chance nicht besonders hoch, aber meinen Träumen hat es nicht geschadet).

Nun lese ich nicht mehr DIE YACHT, sondern bringe, wenn sie nicht gerade unter Magersucht gelitten hat und mir ein Thema interessant erscheint, die BRIGITTE mit.
Auch die kann ich meistens studieren, bis die werktätige Bevölkerung Feierabend hat (smili)

Im aktuellen DOSSIER der BRIGITTE geht es um "Wie wir mit Ablehnung besser umgehen".
Es gibt viele Gründe, jemanden abzulehnen oder abgelehnt zu werden. Viele von "uns" erfahren erst einmal, noch bevor sie ein Wort sagen können, eine GRUPPENABLEHNUNG; denn trans- und intersexuelle Menschen machen anderen Leuten u.U. Angst und sie wissen nicht, wie sie "mit solchen Menschen" umgehen sollen.
Dabei müsste man "uns" nur zuhören; denn wenn es zu einem Gespräch kommt, dann könnten wir viele Vorurteile ausräumen.

Trotzdem: viele von "uns" erfahren Ablehnung und Zurückweisung. "Diskriminierung fängt in der kleinsten Gruppe, der Familie an", habe ich vor einiger Zeit gelesen.
"Wir" wollen ja nicht nur "allgemein" anerkannt und wertgeschätzt werden; sondern viele wollen ALS anerkannt werden: als Frau, als Mann, als gute Mutter...
Oftmals trifft gerade dieses "ALS" auf Widerspruch, wenn mein eigener Anspruch nicht mit dem Bild meines Gegenüber zusammenpasst.
Da kann ich mich 1000-fach "als Frau" fühlen mit meinem schönen Sommerkleid, wenn jemand an der Bedientheke sagt und auf mich zeigt: "der Mann da war vor mir!"

Gut - ich wollte einfach gerne einen Anstoß dazu geben, dass "uns" das Thema auch (fast) jeden Tag beschäftigt.

Gruß
Anne-Mette
ab08
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2160
Registriert: So 12. Feb 2012, 14:43
Geschlecht: Frau (TS bzw. IS)
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Nürnberg
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Mit Ablehnung umgehen

Post 2 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo Anne-Mette,

Zitat "Dabei müsste man "uns" nur zuhören;" Oh wie Recht Du da hast. :lol:

Zitat "der Mann da war vor mir!"
->Sowas seh ich inzwischen emotionslos. In dem Fall würde ich mich umschauen, ob ich irgendwo den Mann sehe, den die Dame meint...
Falls man mich (z.B. am Telefon) falsch angespricht, verbessere ich konsequent. Wenn ich gute Laune habe, erläutere ich "Ach wissen Sie, ich bin halt transsexuell..."

Inzwischen bin ich überzeugt, wir müssen halt damit leben...
Albert Einstein zweifelte zu Recht an der Unendlichkeit des Universums, sein zweiter Punkt stimmt aber definitiv! :wink:
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."

Liebe Grüße
Andrea

P.S. Aus dem Unterricht in der Psychiatrie weiß ich. -> Ablehnung / Zurückweisung hat oft mit Uninformiertheit oder Dummheit zu tun.
Bisweilen verstecken Menschen zudem ihre geistige Begrenzheit hinter fehlendem Interesse "Ist ja nicht weiter wichtig / nur ein Randproblem..."
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
Magdalena
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2733
Registriert: Di 4. Feb 2014, 10:17
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Dresden
Hat sich bedankt: 416 Mal
Danksagung erhalten: 524 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Mit Ablehnung umgehen

Post 3 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Hallo,

schwer Anerkennung zu finden ist oft im näheren Umfeld. Da stoße ich eher auf Unverständnis. Dagegen, je nach dem wie ich selber auftrete, ist der Umgang eher entspannt. Ja ich werde als das gesehen, als das ich zu erkennen bin. Und ich habe da in letzter Zeit keine negativen Reaktionen erlebt.

Viele Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.
Lina
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 4370
Registriert: Di 25. Jan 2011, 00:34
Pronomen:
Hat sich bedankt: 52 Mal
Danksagung erhalten: 190 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Mit Ablehnung umgehen

Post 4 im Thema

Beitrag von Lina »

Völlig richtig Magdalena.

Die Leute denken wirklich nicht viel darüber nach - die reagieren einfach. Die haben alle angelernte und instinktive Auswahlkriterien die entweder Mann oder Frau ergeben. Wenn die meisten dieser zu "Frau" passen, wird ihre Reaktion auch entsprchend. Von einigen hast du wahrscheinlich auch dann später Bemerkungen wie, "ich weiß ja, dass du ... aber ich könnte mir dich gar nicht anders vorstellen", oder so was Ähnliches.

Die Meisten kommen aber nicht mit dem Wechsel klar.
Astrid
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 396
Registriert: Mi 22. Jan 2014, 17:58
Pronomen:
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Mit Ablehnung umgehen

Post 5 im Thema

Beitrag von Astrid »

Ich denke die meisten Reaktionen unserer Mitmenschen, die wir als falsch oder ablehnend empfinden, beruhen zum größten Teil schlicht auf Unwissenheit.
Trotz der mittlerweile in den Medien häufigen Berichte und Artikel über Transsexualität frage ich mich, wieviele Menschen, die noch nie im direkten Kontakt zu einer Trans*person gewesen sind, sich wohl tatsächlich ernsthaft und intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt haben. Ich schätze es werden nicht viele sein. Und dann stehen sie plötzlich vor dieser Situation und müssen die schnelle Entscheidung treffen: Wie rede ich diese Person an? Und dann kommt einfach das zum Tragen, was Lina beschreibt.

Und wenn man dann noch bedenkt, wie riesig das Spektrum der geschlechtlichen Identitäten ist und auch sieht, daß ja schon allein in der Community selbst nur oberflächliche Einigkeit herrscht, wann ein bestimmter Mensch wie angesprochen werden soll, wenn man das ganze Gezerre um Begrifflichkeiten mitverfolgt, bei denen wir selbst uns schon bei jeder Verwendung auf dünnem Eis bewegen, was wollen wir dann erst von unseren Cis-Mitmenschen erwarten?

Ich persönlich begegne solchen "Verfehlungen" mit Nachsicht. Die Leute müssen eben auch erst noch lernen, wie ich selbst es auch mußte und noch muß. Aus diesem Grund finde ich es wichtig, daß Kinder schon in der Schule darüber informiert und aufgeklärt werden. Die Thematik muß in den Lehrplan.

Einen letzten Rest an tatsächlich und ganz bewußt unbelehrbaren und ignoraten Mitmenschen wird es allerdings immer geben. Dagegen ist eh kein Kraut gewachsen. Da hilft nur standhaft bleiben und weiterhin aufrecht durch die Welt gehen.

Liebe Grüße - Astrid
Inga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3851
Registriert: Mo 19. Jul 2010, 00:32
Pronomen:
Hat sich bedankt: 118 Mal
Danksagung erhalten: 207 Mal
Kontaktdaten:

Re: Mit Ablehnung umgehen

Post 6 im Thema

Beitrag von Inga »

Hi,

ach, das berichtete Erlebnis erinnert mich einmal an eine Kauf einer neuen Perücke in einem Fachgeschäft. Ich konnte dort diverse Exemplare in den unterschiedlichsten Farben und Schnitten ausprobieren. Ich wurde hervorragend bedient und beraten. Ich unterhielt mich prächtig mit der Bedienung sozusagen über Gott und die Welt. Doch vermied sie es, mich mit Herr oder Frau anzureden - übrigens gekonnt. Bis sie die Rechnung ausschrieb und nach dem Namen fragte. Ich sage "Frau Inga ... " und schon war das Eis gebrochen.Ich wurde als Frau angeredet und natürlich beim Gehen als Frau verabschiedet.

Jetzt stellt euch vor, ich hätte trotz meiner Allüren erwartet, als Mann behandelt gesehen zu werden. Wie unpassend wäre eine Anrede "Frau ... " gewesen.

Liebe Grüße
Inga
Antworten

Zurück zu „Meldungen, Literatur, Filme, Theater, Tanz, Fernsehsendungen“