Ich bin tatsächlich etwas stolz auf mich, nachdem ich heute morgen mal wieder einen kleinen Schritt weiter gegangen bin.
Ich bin zwar schon öfter mal en femme unterwegs gewesen - immer allein - und habe mich bisher immer nur sehr zögerlich aus dem Auto gewagt. Oft fahre ich morgens recht früh los - meistens ist Bielefeld, Herford oder Osnabrück das Ziel. Aus Unsicherheit bin ich immer möglichst den Leuten aus dem Weg gegangen, habe meistens hell erleuchtete Plätze gemieden.
Heute morgen war ich allerdings mal etwas mutiger. Wahrscheinlich hat auch das lesen einiger Beiträge hier und bei Transtreff mir teilweise die Bedenken genommen.
Ich machte mich also um ca. 5 Uhr auf den Weg nach Bielefeld - einen Korb mit etwas Kram dabei - ich wollte aussehen wie eine Frau, die ganz selbstverständlich zur Arbeit geht. Nicht weit vom Bahnhof parkte ich mein Auto in einer Dunklen Nebenstraße - unweit von einer Fußgängerbrücke, die über den Ostwestfalen-Damm in Richtung Bahnhof führt. Ich stieg mit Schmetterlingen im Bauch aus dem Wagen - als ich die Beifahrertür öffnete um meinen Korb zu holen kam schon der erste Passant vorbei - er hat mich komplett ignoriert. Gut, es war auch recht Dunkel, also kein großes Kino.
Jetzt schnappte ich mit meinen Korb und machte mich auf den Weg - über die Fußgängerbrücke, durch das sogenannte "neue Bahnhofsviertel.
Dann kam die Treppe zur "Höhle des Löwen" - abwärts ging ich zur grell erleuchteten Bahnhofsunterführung. Unten angekommen sah ich die ersten Leute aus einiger Entfernung - jetzt bloß nicht kneifen. Egal, jetzt oder nie - ich ging im hellen Neon-Licht weiter zur Bahnhofshalle - möglichst unauffällig wirken, wie eine Frau gehen, versuchen, die Bedenken zu vertreiben - "Im Spiegel sah ich noch gut aus - na und? Dann bin ich eben ein Tranny - ist doch nichts besonderes..."
Helles Licht, viele Passanten - viel zu viele um zu kontrollieren wer glotzt, und wer nicht.
Überall Leute, die mich sehen in diesem grellen Licht - Leute, die mir entgegenkommen und mich kurz anschauen - aber kein auffälliges Geglotze - ist mein Passing wirklich gut? Es hat vielleicht ein oder zwei Minuten gedauert, kam mir aber vor wie eine halbe Stunde.
Ich verließ die Bahnhofshalle - immer noch haufenweise Leute, aber etwas dunkler. Ich hatte das Gefühl, daß man mich kaum beachtet und entspannte mich. Der Rest des Weges war ein herrlich prickelnder Spaziergang - die Bahnhofsstraße entlang und zurück über die stark befahrene Hauptstraße - herrlich!:)
Liebe Grüße, Sylvia