Was, warum, wozu?
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Lebensplanung, Standorte
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Joa
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Was, warum, wozu?

Post 1 im Thema

Beitrag von Joa »

Was, warum, wozu?
Das sind die Fragen, die mich umtreiben und vielleicht nicht nur mich.
Was bin ich? Transgender. Aha. Und was bedeutet das für mich? Lust und Last. Lust, weil es schön ist, zarte und weiche Stoffe auf glatter Haut zu spüren, weil es immer noch aufregend ist, aus der Reihe zu tanzen, als Mann im Rock. Last, weil es anstrengend ist, dieses Gegen-den-Strom- Schwimmen, mit all den Zweifeln und den Blicken irritierter Zeitgenossen, so dass ich mir manchmal eine App wünsche auf dem Seelentablet, eben mal draufgedrückt und das Normalsein würde fröhlichen Einzug halten, vor allem wenn's knirscht im Beziehungsgebälk. Das ist bei mir gottlob nur selten der Fall, nicht zuletzt deswegen würde ich den Knopf auch nicht drücken.
Warum bin ich so? Da dreht sich dann das Karussell der Ursachenforschung. Sind pränatal ein paar Hormone aus dem Ruder gelaufen?- Kurzer Blick auf mein Verhältnis Zeigefinger zu Ringfinger, na bitte, könnte schon sein und dann hat sich meine Mutter als Nachwuchs immer einer Tochter gewünscht. Wie soll das auch spurlos an mir vorbei gegangen sein. Postnatal dann in Strumpfhosen gepackt und mit diesen und sicher noch anderen unerwähnten weil unbewussten Zutaten in den Pubertätsofen geschoben. Was ist herausgekommen- vielleicht nicht zwangsläufig, aber bei mir: Transgender.
Wozu bin ich so? Da stellt sich mir die Frage nach dem Sinn. Die Antwort darauf zu finden ist, denke ich, ungleich schwieriger. Wollte ich in mit dieser Gemengelage geboren werden? Eine Glaubensfrage, klar, meine Antwort für mich ist "Ja". Und da ich dieser Überzeugung bin, will ich auch die Verantwortung dafür übernehmen, also auch so zu sein und zu leben. Vielleicht hat man mit 60 die eschatologische Perspektive schon mehr im Blick, auf jeden Fall will ich mir am Ende nicht vorwerfen müssen, aus Angst vor der Verurteilung durch Andere an mir vorbei gelebt zu haben.
Ich finde auch, dass die Zeiten so sind, dass gar nicht genug Menschen ihrer inneren Stimme folgen können, gerade wenn sie sie gegen Konventionen steuert. In einem klugen Artikel fand ich die Aussage, dass Normen wichtig sind, sie geben Orientierung und Halt. Genauso wichtig sind aber die , die diese Normen in Frage stellen und Grenzen überschreiten. Sie bringen nämlich Bewegung und Leben in das gesellschaftliche Ganze.
So sehe ich mich, als Mann (oder was auch immer), der öffentlich Röcke und Strumpfhosen trägt, mit Geschlechtsgenossen, die sich eher die Niagarafälle in einem Fass runter treiben ließen als im Rock über einen belebten Platz zu marschieren. Und deswegen finde ich aus dieses Forum so wichtig, als Plattform der Solidarität und zum gegenseitigen Mut machen für alle hier, die sagen "so bin ich und das ist verdammt gut so"
Joa
))):s
Franka
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Re: Was, warum, wozu?

Post 2 im Thema

Beitrag von Franka »

Hallo Joa,

da ist unsere Entwicklung wohl sehr ähnlich, wie wohl bei den Meisten hier. Allerdings möchte ich nicht unbedingt als Mann im Rock mein Leben bestreiten. Daher gehe ich den Weg über Hormone.
Natürlich lassen sich 50 Jahre männliche Sozialisation und männliches Körperwachstum nicht so schnell rückgängig machen, daher werde ich mein Ziel auch nie vollkommen erreichen.
Aber wenigstens etwas angleichen, was mir die Sache einfacher macht. Ob ich 100% Frau bin? Keine Ahnung, habe ja nie gelernt, wie eine Frau zu fühlen und zu denken. Ich denke ein Rest Mann wird immer in mir zurückbleiben.
Was, warum, wozu? Darauf kann ich auch keine Antwort geben. Ich habe aber auch echt keine Lust mehr darüber nachzudenken. Ich bin lieber stolz auf das, was ich bisher erreicht habe, auch mithilfe dieses Forums.
Und freue mich daran, wenn auch andere endlich den Weg zu sich finden und sich trauen ihn auch auszuleben.

LG Dahlia
Wir bekommen mit unserer Geburt das Leben geschenkt, doch viele von uns haben noch nicht einmal das Geschenkpapier abgemacht.
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Re: Was, warum, wozu?

Post 3 im Thema

Beitrag von Svetlana L »

dahlia hat geschrieben:Ob ich 100% Frau bin?
Ich frage mich da immer, was ist 100% Frau oder 100% Mann? Und vor allem, wer definiert sowas? (Sind nur rhetorische Fragen und bedürfen daher keiner Antwort!)
Ich bin sehr dafür, dass innerhalb der Gesellschaft dieses System der Zweigeschlechtlichkeit endlich mal durchbrochen wird. Wenn das klappt, dann wären wir schon einen riesigen Schritt weiter. In meinen Augen gibt es einerseits zwischen (von mir aus) 100% Frau und 100% Mann so unendlich viele Variationen und andererseits würden wahrscheinlich auch viele cis-Frauen und -Männer die 100%-Hürde verfehlen. In diesem Sinne würde ich mir mehr den Trend zur Uneindeutigkeit in Geschlechtsdefinitionen wünschen.
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Svetlana

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Re: Was, warum, wozu?

Post 4 im Thema

Beitrag von Lina »

@Ich bin sehr dafür, dass innerhalb der Gesellschaft dieses System der Zweigeschlechtlichkeit endlich mal durchbrochen wird.

Ist z.T. auch, aber es wird ja kaum die Mehrheit berühren.

@Wenn das klappt, dann wären wir schon einen riesigen Schritt weiter.

Glaubst du wirklich? Was denkst du, würdest dann passieren. Oder anders: Woran würdest du erkennen, dass es so weit ist?
NanaVistor
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Re: Was, warum, wozu?

Post 5 im Thema

Beitrag von NanaVistor »

ich habe mich das nie gefragt, wieso ich so bin wie ich bin
diese, ich nenne es mal so, Leidenschaft, hat sich langsam entwickelt und dann immer weiter intensiviert
ich hab das immer so genommen, wie es und ich, immer war
wieso, weshalb, warum, war und ist dabei immer vollkommen uninteressant, sowie einer Definition dessen ebenfalls

lg
Nana
Auch Vordenker müssen nachdenken.
Svetlana L
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Re: Was, warum, wozu?

Post 6 im Thema

Beitrag von Svetlana L »

Lina, da hast du mich falsch verstanden bzw. ich habe mich nicht deutlich genug ausgedrückt. Mir geht es nicht darum, dass sich jetzt jede_r Bürger_in irgendwo zwischen den beiden Extremen 100% Frau und 100% Mann verorten muss. Mir geht es in erster Linie um Akzeptanz (und explizit nicht um Toleranz!) der verschiedensten Lebensmodelle und das berührt in meinen Augen sehr wohl auch die Mehrheit.

Wie man diese Veränderung "messen" kann? Keine Ahnung, vermutlich gesamtgesellschaftlich im Rückgang von homo- und transphoben Übergriffen und der_die Einzelne spürt das vielleicht, dass er_sie nicht mehr ständig auf der Straße angegafft und angemacht wird. Ich weiß aber natürlich auch, dass eine solche Veränderung einen Zeitraum umfasst, den man nicht in Monaten oder Jahren, sondern eher in Generationen messen muss. Aber gerade darum finde ich es auch so wichtig, das wir Flagge zeigen; und zwar nicht nur morgen zum IDAHOT sondern am besten jeden Tag.
Hawadehre
Svetlana

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Joa
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Re: Was, warum, wozu?

Post 7 im Thema

Beitrag von Joa »

Hallo,
Nochmal Joa. Heute ist ja der Internationale Tag gegen Homo- und Transphobie. In einem Artikel der Münchner Abendzeitung titelte diese in einem Bericht über eine Demo zu dem Anlass "Hoffähige Feindseligkeit" . Es wird über eine Zunahme von Feindseligkeiten und Übergriffen berichtet, nicht zuletzt durch das von der AfD erzeugten Minderheiten-feindliche Klima. Leider, liebe Svetlana, gibt es also keine Entwarnung. Das heißt nicht, dass wir als Transgender jetzt als Permanentdemonstranfen durch die Gegend laufen sollten, für mich heißt es allerdings sehr wohl, dass ich in einem Gesellschaftlichen Kontext stehe, für den ich so gut ich kann Verantwortung trage und unter anderem auch in diesem Bewusstsein mein Transgendersein nach außen trage. Als Transgender sind wir per se kein besseren Menschen, nur ein bisschen bunter. Und das ist ja auch nicht schlecht in Zeiten, wo das braune Grauen droht.
L.G.Joa
Wer die Welt bunt will, muss den Pinsel in Farbe tauchen.
Exuserin-2016-074-06

Re: Was, warum, wozu?

Post 8 im Thema

Beitrag von Exuserin-2016-074-06 »

Joa hat geschrieben:Hallo,
Es wird über eine Zunahme von Feindseligkeiten und Übergriffen berichtet, nicht zuletzt durch das von der AfD erzeugten Minderheiten-feindliche Klima. Als Transgender sind wir per se kein besseren Menschen, nur ein bisschen bunter. Und das ist ja auch nicht schlecht in Zeiten, wo das braune Grauen droht.
Dagegen hängen die AfD Anhänger diese Entwicklung den Moslems an, die zu uns kommen. Ich habe zwar keine empirischen Beiweise, von wem mehr Gefahr ausgeht, aber was ich bisher gelesen habe, bezüglich Übergriffe, waren oft Araber daran beteiligt. Siehe den Angriff auf den Grünen Politiker in Travestiekleidung oder wo 2 Transsexuelle auf offener Straße mit Steinen beworfen wurden.
ManjaV. hat geschrieben:Vielleicht sind alle Transgender bzw Crossdresser etc. Vorreiter der Evolution!?!?
So funktioniert Evolution nicht. Crossdressing ist eine Neigung und nichts determiniertes wie Körperbehaarung. Giraffen mit langen Hälsen haben sich auch nur deswegen durchgesetzt, als die Vegetation in der unteren Fauna keine Blätter mehr hergab und sich zufällig Giraffen mit längeren Hälsen an den Baumkronen bedienen und somit ihr Überleben sichern und ihre Gene weitergeben konnten. Wenn Frauen es zunehmend attraktiv finden, dass Männer sich feminin anziehen, dann könnte man schauen ob von Generation zu Generation sich etwas tut und ob diese Neigung tatsächlich angeboren oder erworben ist. Aber solange die Mehrheit der Frauen, männliche, starke Männer bevorzugen, bleibt es ein Mischverhältnis und Crossdresser bzw. androgyne Männer in der Unterzahl. Um das zu beschleunigen, müssten Frauen behaarte, männlich aussehende Männer von der Selektion ausschließen. Das werden sie aber nicht tun.
Dolores59
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Re: Was, warum, wozu?

Post 9 im Thema

Beitrag von Dolores59 »

ManjaV. hat geschrieben:ich bin mir sicher, dass das Thema über kurz oder lang als Teil der Evolution gelten könnte. Gesellschaftlich wie biologisch. Gesellschaftlich verschwimmen ja nu schon oft die Geschlechterrollen, biologisch sind Änderungen in jede Richtung möglich. Vielleicht sind alle Transgender bzw Crossdresser etc. Vorreiter der Evolution!?!?
...und irgendwann gibt es keine klar definierten Mann-Frau rollen mehr - lediglich die zur Vortpflanzung wichtigen Organe sind dann eben so oder so verteilt...
jetzt bin ich mal gespannt
LG Manja
Evolution findet nicht statt.
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
(Psalm 139,14)
Exuserin-2016-074-06

Re: Was, warum, wozu?

Post 10 im Thema

Beitrag von Exuserin-2016-074-06 »

sondern?
Beatrix
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Re: Was, warum, wozu?

Post 11 im Thema

Beitrag von Beatrix »

Evolution findet nicht statt.
Oh,ein Pastafari !
Gelobt sei das heilige FSM.

LG
Beatrix
Nachdem Gott mich geschaffen hatte, sagte er: "Ups, da ist mir doch
ein Fehler passiert. Na egal, den müssen andere wieder ausbügeln. :-)"
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