Was bin ich? Wie kann ich das für mich selbst herausfinden?
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krapfkapf
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Was bin ich? Wie kann ich das für mich selbst herausfinden?

Post 1 im Thema

Beitrag von krapfkapf »

Hallo,

Ich bin Jannik und momentan noch 24 Jahre alt.
Ich bin seit einiger Zeit irgendwie sehr "wankelmütig", was mein Aussehen betrifft. Und mich belastet das sehr. Ich habe mich mal hier angemeldet, um mir zum einen alles mal von der Seele zu schreiben und zum anderen hoffe ich, dass mir durch Einblicke von anderen irgendwie geholfen werden kann.
Kurz zu mir: Ich bin ein 1,73m großer Mann, eher schmal gebaut, rein Körperlich auch eher weniger maskulin (was ich auch gut so finde), lediglich mein Gesicht ist nicht wirklich feminin geworden. Ich bin sehr schlank (63 kg) aber eher etwas unsportlich und hab deshalb auch leichte Taille.
Da ich hauptsächlich im Metal-Bereich unterwegs bin, habe ich ziemlich lange Haare. Generell achte ich sehr darauf, gepflegt zu sein und trage immer mal wieder etwas "ausgefallenere" Kleidung. Ich trage seit zwei Jahren nur noch Röhrenhosen für Frauen (Gr. 36-38), was die Oberteile angeht beläuft es sich eben notgedrungen auf normale Männer T-Shirts (meistens sowieso irgendein Bandshirt).
Soweit so gut. Je nachdem, was ich sonst noch an habe, könnte man mich von hinten oder so glaube ich teilweise wirklich für eine Frau halten. Dazu aber nachher mehr.

Ich versuche mal zu schildern, was so passiert ist, weshalb ich so verwirrt bin:
Ich habe schon immer einen sehr ausgeprägten Stiefelfetisch (Fetisch ist glaube ich nicht das richtige Wort, da ich auch ohne Stiefel sexuelle Befriedigung erfahre, aber es ist schon sehr ausgeprägt). Dabei ist es völlig egal, ob die Stiefel Absätze haben oder nicht, ob schwarz, weiß, blau, grün-gestreift oder sonst was. Das Material ist mir auch relativ egal, da ich aber ebenfalls sehr auf Materialien wie Leder usw. stehe sind mir Lederstiefel natürlich am liebsten. Die einzige wirkliche Bedingung ist aber, dass die Schuhe eben bis kurz vors Knie oder darüber hinaus reichen. Richtige Stiefel eben.
Das habe ich schon als Kind gemerkt, mein genaues Alter weiß ich nicht, aber ich habe das, soweit ich mich erinnern kann.
Da ich mich ja sowieso in der alternativen Szene bewege, kam ich irgendwann dazu, mir mal Springerstiefel zu kaufen. Allerdings nicht ganz hoch, sondern so kurz über die Knöchel (14-Loch). Was für viele normal ist, war für mich schon was besonderes. Ich habe mir dann irgendwann, da mich nasse Füße im Winter immer störten, kniehohe Springerstiefel gekauft (mit 30-Loch). Da war natürlich auch der Gedanke dabei, dass ich dann endlich das Objekt, was ich selbst auf sexuelle Art so faszinierend fand, selbst am Fuß tragen kann. Meine Freundin (eher so aus der Gothic-Szene) fand das sowieso cool. Also war ich damit erstmal zufrieden.

Da Springerstiefel aber doch eher klobige und brutale Treter sind, wollte ich auch was normales. Mangels Auswahl bei kniehohen Herrenstiefeln (deren Grenzwert ja gegen 0 tendiert), haben wir uns dann mal bei Frauenschuhen umgesehen. Dank Schuhgröße 42 meinerseits gab es da noch einige Modelle, auch ohne Absätze. Wir fanden dann ein relativ schlichtes und flaches Modell. Damals hatte ich allerdings noch keine Frauenhosen getragen, weshalb die Stiefel an mir immer relativ schnell blöd ausgesehen haben (im Prinzip waren das damals noch so normale Männerjeans). Also war die Frage: Womit kann ich die Stiefel tragen, damit es nicht lächerlich aussieht? Schon damals hab ich gemerkt, dass ich sehr neidisch auf die Mode von Frauen bin und sowas selbst gerne tragen möchte.
Ab diesem Zeitpunkt kam etwas Verwirrung hinzu. Dass ich generell diese Männlichkeit, wie sie viele "Wikinger" im Metalbereich darstellen, nie so wirklich mochte, wusste ich schon immer. Dass ich vom Gemüt her auch eher der sanftere Typ bin war ebenfalls schon immer so, dass mir feminine Attribute besser gefielen auch. So war ich z.B. immer ganz froh darum, ein wenig Taille zu haben. Und mittlerweile ist mir auch klar, weshalb.
Unbewusst fing ich wegen den Stiefeln an, nach möglichen weiblichen Attributen zu suchen, die ich bei mir selbst einbringen konnte. Im Laufe der Zeit fing ich eben an, enge Hosen zu tragen. Und ich bin auch irgendwie froh darum, denn es gefält mir selbst viel besser. In meinem Freundeskreis sind die Leute sowieso weniger konservativ. Sogar viele Frauen haben mir schon gesagt, dass ich einen schönen Hintern hätte und dass sie neidisch auf meine Beine sind^^
Seit ich mit diesen Hosen herumlaufe, ist das Tragen von Stiefeln kein ganz großes Problem mehr. Mittlerweile trage ich Schnürstiefel von Doc Martens. Ähnlich wie die 30-Loch Springerstiefel und genauso hoch, aber doch eher etwas schlanker geschnitten. Sind ja schließlich keine Gothic-Treter sondern normale Alltagsstiefel für Frauen.

Zusätzlich habe ich ein paar ausgefallenere Kleidungsstücke, wie eine Lederweste für Frauen, die etwas tailliert ist. Zusamen mit einer engen Leder-Röhrenhose und Stiefeln sieht das schon ziemlich cool aus (zugegeben, auch etwas nach Fetisch). Zudem habe ich zwei Mäntel, die ich im Winter gerne trage. Ein normaler Frauenmantel, der aber eher Unisex geschnitten ist, und eine Art Parka, der wieder recht tailliert ist, aber wie ich und viele andere in meinem Umkreis finden, sehr gut aussieht. Also sind mittlerweile die leicht weiblicheren Klamotten auch im Alltag garkein Problem. Lediglich normale Frauenoberteile sind eben schwierig, weil das schnell komisch für mich aussieht.
Zudem stehe ich auch auf Frauenunterwäsche. Meine Freundin hat mir auch schon ein Kleid von ihr mit einem ihrer BHs gegeben und Socken reingetan. Zusätzlich hat sie mich stark geschminkt. Darauf hatte ich dann eine Strumpfhose und Stiefel mit leichtem Absatz. Das war dann mein Faschingskostüm. Mir hat es unglaublich gut gefallen und ich hab mich damit, trotz den etwas verwirrten Blicken meiner Freunde, sehr wohl gefühlt. Mittlerweile wissen die meisten von denen auch, was los ist.
Außerdem habe ich entdeckt, dass ich Absätze zum selbst tragen auch sehr interessant finde. Stiefel oder überhaupt Schuhe mit Absätzen sind aber eher schwieriger im Alltag zu integrieren.

Soweit so gut, wäre da nicht das Problem, dass ich "immer mehr" will. Denn mittlerweile habe ich einen sehr ausgeprägten Wunsch, auch ein paar Overknees zu besitzen. Und das Thema belastet mich sehr, obwohl es ja eigentlich garnichts schlimmes is. Meine Freundin findet auch, dass ich solangsam anfange, es zu übertreiben.
Generell bin ich in meinem Aussehen dadurch sehr unsicher geworden und wünsche mir oft, dass das einfach alles normal wäre.

Ich habe seit etwa anderthalb Jahren zusätzlich immer stärker den Wunsch entwickelt, eine Frau zu sein. Damit ich einfach das tragen kann, was ich tragen möchte. Und da ich Frauen generell einfach schön finde. Ich fühle mich innerlich mittlerweile sehr zu dem weiblichen Körper hingezogen. Allerdings ist das sehr wechselhaft. Es gibt (mal mehr oder weniger selten) auch Tage, da bin ich mit mir wie ich bin eigentlich ganz zufrieden. Die Sache hat irgendwie angefangen, von den Stiefeln überzugreifen und betrifft mittlerweile meinen ganzen Körper.

Ich bin aber da sehr im Zwiespalt mit mir selbst. Der eine Teil findet die Vorstellung, als Frau zu leben, einfach wunderschön. Das würde alle Probleme die ich mit meinem Aussehen dadurch bekommen habe lösen. Außerdem finde ich den weiblichen Körper so schön und hätte selbst auch manchmal gerne Brüste.
Dann gibt es auch die Seite in mir, die denkt, vielleicht wird das alles unkomplizierter, wenn ich mich einfach mal öfter verkleide. Mit meiner Freundin war das problemlos möglich, die fand das auch immer ganz interessant. Allerdings sind wir wohl erstmal getrennt. Und alleine ausleben kann ich das irgendwie nicht, denn sie hätte mich geschminkt und mir Kleidung von ihr gegeben.

Und die letzten Tage ist der Wunsch, wirklich das Geschlecht zu ändern, sehr stark. Was dem im Weg steht, ist irgendwie die Stimme der Vernunft. Denn das ist ein langer und beschwerlicher Weg, und ich bin mir auch unsicher, ob das wirklich der richtige Weg ist? Außerdem möchte ich eigentlich auch irgendwann gerne eine Familie gründen und heiraten.
Ich muss auch dazu sagen, dass ich wirklich überhaupt nicht auf Männer stehe sondern ausschließlich auf Frauen.

Das war erstmal alles. Ich wollte glaube ich noch viel mehr schreiben, aber hab die Hälfte vor lauter Verwirrtheit grade vergessen...
Achja: Bei einigen meiner Hosen sieht man hin und wieder ganz leicht die Kontur des Glieds...gibt es da irgendwie eine gute Möglichkeit, das etwas zu kaschieren?

Liebe Grüße
Jannik
Ines
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Re: Was bin ich? Wie kann ich das für mich selbst herausfinden?

Post 2 im Thema

Beitrag von Ines »

Hallo Jannik,

ich kann verstehen, daß Du völlig verunsichert bist, aber wenn ich mir Deine Zeilen so durchlese, hast Du Dich ja eigentlich schon entschieden. Du möchtest Frau sein, mit Kleidung und Brüsten. Das einzige was Dich wirklich noch davon abhält, so deute ich das, ist Dein Familienwunsch, mit einer Frau. Du glaubst, wenn Du so weiblich daher kommst, wird das nie etwas werden. Es ist natürlich schwierig so eine Partnerin zu finden, aber es gibt sie, wie Du hier beim Durchstöbern des Forums entdecken kannst. Deine Freundin ist doch auch schon einige Schritte mit Dir gemeinsam gegangen.Vielleicht schafft Ihr es doch noch, wieder zueinander zu finden und Deinen Weg zusammen gehen. Ich würde es Dir wünschen.

Liebe Grüße
Ines
krapfkapf
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Re: Was bin ich? Wie kann ich das für mich selbst herausfinden?

Post 3 im Thema

Beitrag von krapfkapf »

Es ist auch so, dass mich mittlerweile immer mehr Merkmale meines Körpers stören. Ich mag meine Behaarung am Körper (die sich Gott sei Dank sowieso mehr oder weniger in Grenzen hält) überhaupt nicht. Mein Penis dagegen ist kein Problem. Ehrlich gesagt hab ich da sogar Angst...was ist denn, wen der weg ist? Wie sieht es dan überhaupt mit Orgasmus bzw. Sex allgemein aus? Geht das überhaupt noch problemlos?

Mein Problem ist, dass ich mir mittlerweile den ganzen Tag Gedanken darum mache. Meine Gedanken schweifen immer wieder zu diesem Thema ab. Und ich kann einfach nichts mehr daran ändern. Es macht mich einfach extrem unglücklich.
Ich bin momenten bei einer psychologischen Beratungsstelle wegen eines anderen Problems, und habe in der letzten Sitzung auch diese Sache angesprochen. Leider haben wir bisher noch nicht viel darüber reden können.

Ich habe einfach ganz starke Ängste in mir. Was werden die anderen Leute bei mir im Studium davon halten? Wie werden meine Eltern/Freunde das auffassen? Geht das überhaupt alles problemlos? Was ist, wenn ich nachher keinen Partner mehr finde? Möchte ich überhaupt, dass ein Kind von zwei Frauen aufgezogen wird, statt von Mama und Papa?

Ich habe soviel Angst vor diesem Weg...manchmal wünschte ich, dass ich das einfach nicht hätte.
Aber momentan merke ich auch, in meinem Studiengang (Maschinenbau) sind hauptsächlich Männer, und mit den meisten davon kann ich mich einfach überhaupt nicht identifizieren.
krapfkapf
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Re: Was bin ich? Wie kann ich das für mich selbst herausfinden?

Post 4 im Thema

Beitrag von krapfkapf »

Hallo Laura,

danke :)

Nunja, mich drängt in der Tat niemand, das ist wahr. Außer natürlich mir selbst. Ich mache mir immer zuviel Stress, dass ich mit 24 ja schon zu alt wäre...

Ich habe mich überlegt, dass ich (wenn mit meiner Freundin alles wieder geklärt ist) mal einen Monat lang versuchen könnte, als "Frau" zu leben. Natürlich nicht durchgehend, aber bei passenden Gelegenheiten würde ich das gerne ausprobieren. Ich vermute nur ganz stark, dass ich mich damit in der Tat wohler und glücklicker fühlen werde. Aber ich schätze, ich muss das einfach herausfinden. Momentan sieht es aber wirklich so aus, dass ich mich mit mir und meinem Körper jeden Tag schlechter fühle und der Wunsch immer stärker wird.

Früher war es so, dass es irgendwie nur sexueller Natur war. Nach Sex/Selbstbefriedigung, egal ob mit Bezug zu diesem Thema oder nicht, war der Drang wieder verschwunden, sozusagen befriedigt. Aber das ist seit einigen Wochen auch nicht mehr der Fall, sondern der Drang ist danach unverändert vorhanden.

Gibt es irgendwo vielleicht eine Übersicht, welche Schritte komplett von Anfang an zu einer Geschlechtsanpassung notwendig sind? Ich kenne mich einfach noch garnicht damit aus und würde gerne mal etwas über das Thema lesen.

Liebe Grüße
Jannik
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