Vom Lesen zum Schreiben
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Wer möchte, kann sich vorstellen: bitte kurz fassen
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Fabiane
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Vom Lesen zum Schreiben

Post 1 im Thema

Beitrag von Fabiane »

Liebe Frauen und Männer und all die wunderbaren Anderen,

jetzt habt Ihr noch eine Fühlfrau unter Euch, die vom interessierten Lesen zum Schreiben übergegangen ist. Erstmal das: Ich finde es toll, in welcher Offenheit und Tiefe Ihr Euch hier mitteilt und bei den anderen auf Anklang stoßt. :-) Sicher gerät oft ganz schön viel ins Schwingen, weil die Erfahrungen ähnlich sind.
Kurz zu mir: Ich bin jetzt 45, seit 10 Jahren glücklich verheiratet und teilzeitberufstätig. Seit vielen Jahren fühle ich mich in die weibliche Welt hineingezogen, in doppelter Hinsicht: von den Neigungen her (konnte insoweit mit Jungs oder Männern nie etwas anfangen) genauso wie vom Freundeskreis her, der fast ausschließlich ein FreundINNENkreis ist. Schon als Kind bin ich gerne mal in Mamas Kleider geschlüpft. Später blieb der Stimmbruch aus, was mich keineswegs gestört hat - die Stimme ist nur nachgedunkelt. Meine Hände sind schlank, mein Bartwuchs ist (zum Glück) sehr begrenzt. In meinen Zwanziger-Jahren kam das erste eigene Kleid in den Schrank, Strumpfhosen, Ballerinas, schön geschnittene Pullis, Flatterhosen und mehr. Hab erstmals Gender-Diskussionen in mich aufgesogen, Bücher über Androgynie und Geschlechtsrollenzuschreibungen gelesen. Auf dem Bolzplatz gekickt hab ich damals aber genauso begeistert, freue mich heute an Jogis Jungs und früher wie heute an Eisenbahnen. Aber ebenso an tiefen, gefühligen Gesprächen und den (statistisch) eher "weiblichen" Hobbys wie der klassischen Musik, die ich im Orchester mache, oder den Frisuren und dem Frisieren. War und bin in meinen Lebensumwelten oft das Sensibelchen, das die Dinge (positiv wie negativ) ziemlich an sich heranlässt.
Heute denke ich, dass es für uns alle schön ist, möglichst viele Seiten leben zu können. Und möglichst wenige Eigenschaften oder Verhaltensweisen einem Bio-Geschlecht zuzuordnen. Maschinenbau-Ingenieurinnen gibt es längst, gut so. Umgekehrt: Wenn jemand schöne Beine hat, sollte nicht nur SIE sie zeigen dürfen, sondern auch ER — egal, ob er sich dabei als SIE oder ER fühlt. Nur Beispiele... Brigitte Vetter nennt das in ihrem Buch "Transidentität — ein unordentliches Phänomen" das "Sosein"-Dürfen.
Sicher müssen in der Gesellschaft noch ganz schön viel Klischees ab- und Toleranz für Nicht-Mainstreamer aufgebaut werden. Aber irgendjemand muss damit anfangen, und ich glaube, wir alle hier sind auf dem richtigen Weg. Zu mehr Freiheit - ohne diese zu missbrauchen - und zu weniger hemmenden Grenzen. Und damit letztlich zu "kompletterer" Identität und Individualität. Mein Frauenkleiderschrank füllt sich jedenfalls behutsam immer weiter, mein unaufdringlich geschminktes Gesicht zeige ich gerne auch in der Öffentlichkeit. Leider hatte ich bisher noch nicht den Mut, mich meiner Frau gegenüber zu outen. Ich glaube, dass sie viel konservativer denkt und fühlt als ich - wer will es ihr verdenken. Vielleicht finde ich den Dreh zum Gespräch irgendwann. Glaube aber auch, dass sie ohnehin längst "informiert" ist, weil ich gelegentlich vergesse, Klamotten wegzuräumen, und dass sie meine femininen Seiten mit allem, was dazu gehört, stillschweigend akzeptiert... Das (innere und äußere) Frausein macht mich jedenfalls froh und entspannt, es gehört zu mir. Leggings und Longshirt sind zu Hause oft angesagt — wozu übrigens auch Pumps prima passen. Draußen trage ich meist androgyne Klamotten, gelegentlich auch Anzug, ohne dass es mir unwohl darin wird, je nach Anlass eben. Finde mich übrigens auch in dem faszinierenden Buch "Die Frau in mir" von Christian Seidel wieder, auch wenn er als SIE neben vielen schönen auch heftige Schattenseiten erlebt und das Hin-und-Her-Switchen irgendwann wieder beendet. Vielleicht ein Lesetipp für viele von Euch, falls Ihr`s nicht eh schon kennt. Das Vielerlei in der Anrede oben stammt eigentlich von ihm"¦

Jetzt war es doch arg lang für eine Kurzvorstellung. Ich hoffe, Ihr nehmt mir das nicht übel. Wollte halt zum Einstieg einen halbwegs aussagekräftigen Eindruck vermitteln. Würde mich über Feedbacks und einen Erfahrungsaustausch sehr freuen.

Liebe Grüße,
Fabiane
Michaela P.
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Re: Vom Lesen zum Schreiben

Post 2 im Thema

Beitrag von Michaela P. »

Hallo Fabiane,

was zu sagen ist soll gesagt werden. Und du hast gut gesprochen.
Erstmal Herzlich Willkommen hier bei uns im Forum. Gut das du uns gefunden und gemeldest hast. Ja es stimmt. Die vielen anderen Beiträge hier machen jeder für sich Mut, Mut für das eigene weiterkommen, egal in welcher Form und Tempo. Sie haben mir persönlich viel gebracht und tun es auch weiterhin. Jede dazugekommene ist uns eine Bereicherung.
Das mit deiner Frau würde ich deshalb nicht auf die lange Bank schieben. Offenheit in dieser Sache kann schmerzhaft sein und kann schlimm enden, oder befreiend sein und positive Impulse für euch bringen.
Wünsche dir hier noch alles was du dir erhoffst und freu mich schon auf deine Beiträge.

Bis dann deine
Michaela
Fabiane
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Re: Vom Lesen zum Schreiben

Post 3 im Thema

Beitrag von Fabiane »

Hallo Michaela,

lieben Dank für die herzliche Aufnahme und das Mutmachen, das hier im Forum so gut und weit verbreitet ist! (smili) Eine echte Gemeinschaft, die sich mit ihrem Interesse aneinander, ihrer Rückendeckung und ihren Impulsen gegenseitig weiterbringt. Bin froh, Euch gefunden zu haben und möchte auch mit meinen Beiträgen Mut zur Offenheit machen (selbst wenn ich diese Offenheit noch nicht an allen Stellen leben kann, es aber immer öfter tue). Wenn Du magst, erzähl mehr von Dir - oder kann ich an anderer Stelle im Forum etwas dazu lesen? Wenn ja, wo? Typische Neulingsfrage...

Liebe Grüße,
Deine Fabiane
Michaela P.
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Re: Vom Lesen zum Schreiben

Post 4 im Thema

Beitrag von Michaela P. »

Hallo Fabiane,
Danke für deine Antwort. Typische Neulingsanfrage? Ist egal, jeder von uns hat mal angefangen. Wenn du mehr von mir wissen willst dan les mal meine Beiträge in der Rubrik "Körper- Gefühle-Empfindungen" und such nach dem Thread Mini-Outing. Oder schreib einfach eine PN (Persönliche Nachricht).
Und ja, es stimmt, dieses forum sucht so weit ich überblicken kann seinesgleichen im Netz. Wir versuchen uns gegenseitig zu unterstützen und Mut zu machen. Bin ja auch noch nicht lange hier aber ohne all die MitgliederInnen hier wäre ich bestimmt nicht so weit wie ich jetzt bin.
Viel Spaß beim lesen.

Deine
Michaela
Inga
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Re: Vom Lesen zum Schreiben

Post 5 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Fabiane,

jetzt wo du selber schreibst, kann ich es dir auch schreiben:
Sei auch von mir hier im Forum Herzlich Willkommen!

Es ist schön, zu hören, dass du hierher gefunden hast und dir das Mitlesen schon viel gebracht hat. Deine Vorstellung klingt schon interessant. Ich bin schon gespannt auf deine weiteren Beiträge.

Liebe Grüße
Inga
)))(:
MEL
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Re: Vom Lesen zum Schreiben

Post 6 im Thema

Beitrag von MEL »

Hallo Fabiane,

auch von meiner Seite ein herzliches Willkommen und vielen Dank für die sehr aussagekräftige und wohlformulierte Vorstellung!

Ich finde es sehr gut, dass Du mit deinem Wissen und den bisherigen Erfahrungen nun von der lesenden zur schreibenden Zunft
wechselst, so dass auch andere davon profitieren können bzw. man(n)/Frau sich gegenseitig befruchtet.

Was ich mir, bezugnehmend auf deine obigen Schilderungen, nicht so ganz erklären kann, dass Du der Konversation mit deiner
Frau aus dem Wege gehst, obwohl du mutmaßt, dass sie schon längst erahnt hat, was dich umtreibt?!

Desweiteren denke ich, dass Du mit deinem Entschluss, dich nun aktiv im Forum zu beteiligen, gleichzeitig auch eine neue Stufe
deiner weiblichen Aktivitäten hin zu mehr Sichtbarkeit und Erlebbarkeit einläuten möchtest/wirst.
Und dies dann auf Dauer vor der Partnerin/Ehefrau zu verheimlichen wird nicht funktionieren, durch das Verschweigen oder
Ignorieren des Themas wird m.E. zunehmend eine Barriere zwischen euch aufgebaut werden, die irgendwann die Partnerschaft
endgültig entzweien könnte.
Ich kann selbst natürlich am Besten verstehen, welche Ängste da die treibenden Kräfte sind, dies vor der Ehefrau zu verheimlichen,
bin ich doch selbst jahrelang (> 10 Jahre!) der Fehleinschätzung unterlegen, dass meine Frau für meine Besonderheit als
"Teilzeitfrau"/Transgender kein Verständnis haben würde und ich mit einer Offenbarung die Familie ins Unglück stürzen würde!

Alles hier im Forum nachzulesen ( Die Offenbarung - und der Himmel stürzte nicht ein http://www.crossdresser-forum.de/phpBB3 ... 063#p32063 ) neben diversen weiteren auch darauf folgenden Beiträgen von mir/uns.

Was nach nunmehr mehr als 5 Jahren daraus geworden ist, spiegelt gerade mein aktueller Bericht hier im Forum wider,
"Ein tolles Wochenende zu Viert an der Ostsee/Trave - 2 CD-Paare"

Also, lies dich weiter hier ein und bei Fragen ... immer raus damit.

Schönes Wochenende,

MEL
Fabiane
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Re: Vom Lesen zum Schreiben

Post 7 im Thema

Beitrag von Fabiane »

Liebe Mel,

erstmal auch Dir herzlichen Dank für die zugewandte Aufnahme in die Forums-Gemeinschaft! (smili)

Heeeyy, Eure frohe Vierer-Mädelstour an die Ostsee hab ich mit Begeisterung gelesen und sie hat mich innerlich schon ein ganzes Stück weitergebracht - genauso wie die Erfahrungen nach Deinem unfreiwilligen Outing zu Hause. DANKE für diese persönlichen Einblicke und Dein Vertrauen!!! ))):s Ein paar Schlüsselsätze von Dir bringen das auf den Punkt, was ich auch immer mehr spüre und wonach ich mich auch je länger je mehr sehne: z.B. "hat sich auch hier wieder gezeigt, dass mit entsprechendem Selbstvertrauen und optisch ansprechendem Outfit nebst Passing (Alters- und Anlassgerecht) "Frau" sich relativ unbehelligt in der Öffentlichkeit bewegen kann". Das macht Mut, es selbst verstärkt auszuprobieren, und bringt mich weiter. Genau wie die zentralen Sätze, dass es erst drum geht, sich selbst zu finden, sich aber dann keine(r) von uns verstecken muss. Kleiner Exkurs am Rande zum Passing: Ganz oft, wenn ich mein pinkes Hemd unter der schwarzen Weste anhabe, gibt es positive Kommentare...

Was Dein Outing Deiner Frau gegebenüber angeht, kann Deine gute Erfahrung bei mir sicher Schrittmacherdienste leisten. So ein verständnisvolles Annehmen der Situation kann sich jede von uns nur wünschen! (smili) Doch reagieren natürlich nicht alle Partnerinnen gleich. Ich weiß auch nicht, ob es gleich ein Vertrauensbruch ist, wenn ich meine femininen Seiten (kleidungsmäßig) eher versteckt vor meiner Frau lebe. Es kann ja auch ein "Schutz" sein, sie mit diesem für sie völlig fremden Verhalten möglichst wenig zu tangieren. Entscheidend ist für mich, dass wir uns LIEBEN - und das spiegeln wir uns oft genug. Glaube auch nicht, dass ich mich allein durch die (zeitweise) getragene Frauenkleidung oder das Make-up in meinem von ihr geliebten Wesenskern verändere, sondern diese bestimmte, wichtige Wesenszüge einfach unterstreichen. Nebenbei: kleinere Outings gab es bei uns durchaus schon - so, als ich relativ frisch nach dem Kennenlernen mir vor ihren Augen ihren Mascara mal ausgeliehen habe - und das Ergebnis bei uns beiden gut ankam. (smili) Oder als sie mir ein Kleid gebügelt und in den Schrank gehängt hat. Wenn ich mir Beine und Brust rasiert habe, sieht sie es sowieso, und ein noch so gedecktes Make-up fällt ihr mit Sicherheit auch auf. Allerdings haben wir nie viel Worte um "die Frau in mir" gemacht. Ich bin generell ein ziemlich zurückhaltender Mensch, finde mich mit dem Aktivwerden hier im Forum schon erstaunlich extrovertiert - und so läuft mit meiner Frau derzeit fast alles eben in der Stille. Provokante Frage: Muss man immer alles in Worte fassen, oder hat nicht jede(r) Partner/in einen eigenen Intimbereich, so lange an der Liebe und der Partnerschaft nicht gezweifelt wird? Schöner wäre es aber sicherlich, wenn wir unser Sein mit allem, was daszu gehört, in einer frohen Gemeinschaft leben könnten, das gebe ich unumwunden zu. So wie Ihr an der Ostsee. Und damit bin ich wieder am Anfang. Vielleicht schaffen meine Frau und ich ja eine Fortsetzung in der Nordsee, wo wir ab nächstem Wochenende schon zum fünften Mal auf dem traumschönen Amrum Urlaub machen. Zeit für Röcke und Gespräche? Mal sehen. Nee, mal spüren: ob der Zeitpunkt stimmt!

Liebe Grüße bis bald,
Fabiane
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Re: Vom Lesen zum Schreiben

Post 8 im Thema

Beitrag von Fabiane »

Hallo Inga,

dieses Posting geht speziell an Dich. Vielen herzlichen Dank auch für Deine "offenen Arme"! (smili) Es ist echt wundervoll, wie positiv und interessiert Ihr Eure Neulinge hier im Forum aufnehmt! Ich freue mich auf den weiteren Austausch. Werd versuchen, die Forenzweige zu durchzustreifen, um Dich/Euch schon dadurch etwas näher kennenzulernen.

Liebe Grüße,
Fabiane
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