Hallo Claudia,
eigentlich wollte ich nichts mehr dazu schreiben, aber du bist mit deiner Darstellung ganz nah am leben dran. Ich habe gleiches auch erlebt, bin nun schon 62 und trage die Problematik auch lebenslang in mir seit dem Kindergarten. Ich bin auch verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Vor ca. 5 Jahren habe ich für mich zugelassen, nachdem ich im Internet überhaupt einiges über Transsexualität gelesen habe, dass ich auch davon betroffen bin. Das war mangels Informationen vorher mir selbst gar nicht so bewusst und dass das etwas ganz normales ist. Nach 33 Jahren Ehe habe ich mich meiner Frau gegenüber geoutet, wie es doch so neudeutsch heißt. Wir sind immer noch zusammen und es ist immer eine Frage, was die Partner aus so einer Situation machen. Meine Frau war geschockt, obwohl sie von meinen weiblichen Seiten wusste und sie eigentlich auch für angenehm hält - aber sie will einen Mann und keine zweite Frau neben sich im Haushalt. Bei aller Toleranz anderen Menschen gegenüber sagt sie, dass sie hier bei diesem Thema extrem intolerant ist; sie möchte es eigentlich nicht, dass ich in Frauenkleidung in der Öffentlichkeit auftrete und im näheren Umfeld schon gar nicht. Das ist die eine Seite, dafür hat es sich durch Salamitaktik ergeben, dass sie akzeptiert, dass ich zur Selbsthilfegruppe gehe; ich trage weibliche Unterwäsche mit BH und Miederhöschen, trage Schmuck, Ohrringe und so hat sich ein gewisses Gleichgewicht eingestellt. Sie kennt meine Kleider, weiß wie ich als Frau aussehe, sie möchte es nicht sehen, aber toleriert es, wenn ich anderenorts en femme bin. Ich nutze meine persönlichen Freiräume derart, dass sie möglichst wenig Kontakt mit meiner Weiblichkeit hat. Insofern leben wir mit einem gewissen für beide verträglichen Status Quo, wie ich das so nenne.Bei der Arbeit kennen mich auch alle als Frau und es wird so akzeptiert, bestimmt wird da auch getuschelt... Meine Familie steht meinen weiblichen Gefühlen und wünschen konsequent ablehnend gegenüber - aber es geht trotzdem mit einer aktiven Zurückhaltung auf beiden Seiten. dass das nicht immer leicht ist, kann sich jede/r denken. Den ganzen Weg hin zur GAOP kann ich so leider nicht gehen, ohne dass die Familie auseinanderbricht und es ist die Grundfrage, was jeweils noch als erträglich gesehen werden kann und wie es möglich ist, viele weibliche Aspekte in mein Leben zu integrieren und da geht einiges, außer mit dem Kopf durch die Wand. Es geht eben nicht alles im Leben; aber das Leben ist lebenswert und viel zu schade, um es nicht genießen zu können.
Liebe Grüße, Ulrike-Marisa
...das Leben ist ein Spiel, aber es gibt Regeln...