hallo kathrin,
vielen dank für deinen interessanten und erhellenden beitrag.
Katrin70 hat geschrieben:was für eine interessante und spannende Frage. Und sie rührt vermutlich auch an die Grundfeste unseres Seins.
da ist es dann wieder: der "
kern", das "
es", die "
grundfeste unseres seins", die suche nach EINER antwort auf alles menschliche.
Katrin70 hat geschrieben:Aber viele von uns verhalten sich weit unauffälliger und versuchen doch einfach nur als Frau wahrgenommen zu werden, weil das ihrem inneren Sein mehr entspricht.
und hier ist das wieder, das verwirrende und verstörende. der versuch, als frau wahrgenommen zu werden, weil das dem inneren sein mehr entspricht. hier taucht sie wieder auf, diese dichotomie, das gegenüber von mann und frau, die rechtfertigung für die grundsätzliche frage: wie ist das frauenbild?
Katrin70 hat geschrieben:Ich hatte beispielsweise ewig Hemmungen als Frau eine Hose zu tragen, weil ich befürchtete dann viel schneller als Mann erkannt zu werden. Aber da nahezu 80% der Frauen im Alltag eine Hose tragen habe ich es dann auch irgendwann versucht und siehe da es klappte. Das hat mich sehr gefreut, da ich damit das Gefühl hatte als ganz "normale" Frau durch die Straße gehen zu können - und eben nicht ein besonders weibliches Stereotyp spielen zu müssen.
danke für genau dieses beispiel. das kehre ich nun einfach mal um und mache es für mich passend. ich hatte ewig hemmungen, als mann einen rock zu tragen, weil ich befürchtete, dann ... ja, was eigentlich? dann aufzufallen. nun ist es als mann schwieriger, einen rock zu tragen, da man im alltag vielleicht 0,0000001 % aller männer im rock sieht. dennoch habe ich es irgendwann versucht. und welch wunder: es klappte, als ganz normaler mann, aber im rock, durch die strasse gehen zu können. nicht ganz und gar so locker, wie ich das hier beschreibe. dahinter stehen nicht mehr so oft wie früher, die befürchtungen aufzufallen. und es sind kaum noch irgendwelche befürchtungen, negativ aufzufallen.
Katrin70 hat geschrieben: Trotzdem trage ich auch weiterhin gerne Röcke und Kleider, aber für den Alltag geht es eben jetzt auch ohne und das entspannt mich sehr und gibt mir Selbstvertrauen als Frau.
auch hier kehre ich für mich deine aussage mal um. ich habe mein spektrum erweitert, es geht im alltag auch jetzt ohne (meint bei mir ohne hose, dafür mit rock). das entspannt mich sehr und gibt mir selbstvertrauen als mensch.
Katrin70 hat geschrieben:Denn ich möchte als Frau ja nicht besonders auffallen, ich möchte einfach sein.
und wieder mal, diese achterbahnfahrt der gedanken. als frau nicht besonders auffallen, wieder diese dichotomie. genau diese dichotomie, die doch mit dem "ich möchte einfach sein" überwunden werden will.
Katrin70 hat geschrieben:Und Reiz Frau zu sein ? Nein, es ist nicht wirklich ein Reiz. Es war eher ein Impuls. Als ich als Kind die Sachen meiner Schwester anzog war das für mich zwar irgendwie anziehend, aber letztlich kam der Antrieb von innen. Warum sollte ich das nicht dürfen ? Es war für mich selbstverständlich.
Und so ist es noch heute. Es ist kein besonderer Reiz als Frau zu sein, eher ein Gefängnis auf das Mann-sein begrenzt zu sein.
das wäre eine irgendwie befreiende auflösung, wenn ich das mann-sein als begrenzung und gefängnis empfinde. aber warum nicht als mann diese grenzen überwinden? warum nicht als mann das feld erobern, das für frauen bereit gestellt wird, kleidung, makeup, schmuck, irgendwelche angeblich typischen verhaltensmuster? warum dann wieder das dichtomische denken in mann/frau? warum dann frau sein wollen, wenn es positiv nicht bestimmt werden kann, wenn kein ziel der glückseligkeit erreicht werden kann? wenn frau-sein keinen wirklichen reiz bedeutet? es verwirrt mich, verstört mich, regt mich auf, ist eine achterbahnfahrt der gedanken und gefühle, wenn ich einfach nur als biologischer mann die rechte und möglichkeiten biologischer frauen nutzen möchte, aber wenn ich den ganzen sozialen gender-klimbim hinter mir lassen möchte. und dennoch taucht es an unvermuteter stelle wieder auf, wie im bermuda-dreieck, ein männer- und ein frauenbild, das angeblich im 21.jahrhundert überwunden sein sollte.
Katrin70 hat geschrieben:Ich finde es wirklich schwierig meine Gedanken gut zu formulieren und hoffe Euch nicht zu sehr verwirrt zu haben.
ja, es ist dir gelungen, deine gedanken gut zu formulieren. aber verwirrung? das thema an sich ist so verworren. es ist wie ein spinnennetz, dem ich mich als fliege wagemutig nähere. und wenn ich mich schon darüber freue, nicht an diesen und jenen spinnfäden kleben zu bleiben, so bleibe ich doch an anderen hängen.
liebe grüsse
martina