spannend..... erst dachte ich, dass in dem Thema nix drin ist. Aber nun.........
So ähnlich habe ich lange Zeit ein Bild von Helmut Newton beschrieben. Es hat den Titel 'They are coming' und zeigt vier nackte Frauen, die auf die Kamera und damit auf die Betrachter_innen zugehen. Ein Bild, das vier starke Frauen zeigt, könnte man sagen. Habe ich auch gesagt; und sehe es heute ziemlich anders.die starken Frauen, die ganz und gar weiblich sind und genau damit unendlich stark
Was für eine Stärke ist es, um die es dabei geht? Physische Stärke ist es ja wohl nicht. Über die psychische Stärke weiss man, weder bei den oben genannten Beispielen (Cardinale usw.) noch bei den Fotomodellen von Newton, nichts genaues. Die kann es also auch nicht sein.
Es muss, ist meine Sicht, um eine 'Stärke' gehen, die auf die Wirkung von Reizen, Signalen, von irgendetwas auf mich selbst zurückgeht. Etwas, das erst in der Absorption eines Bildes, d.h. der 'Wirkung' einer Person, entsteht, aber nicht von sich aus existiert.
Mit der Nacktheit der Modelle in Newtons Foto hat es nichts (jedenfalls nicht nur) zu tun. Newton, der olle Könner, hat nichts weiter gemacht, als eine Absorption seines Bildes geschickt anzuregen (die körperlichen Gegebenheiten der abgebildeten Damen tun ihres dazu). Der gleiche Vorgang funktionierte aber auch mit vollkommen bekleideten Frauen. Für mich war Jaqueline Bisset (eine englische Schauspielerin, die ich nie naggich gesehen habe) lange Zeit die 'ganz und gar weibliche, starke Frau'. Aber auch deren Stärke muss in meiner Wahrnehmung entstanden sein und kann keine universelle, immer und auf jede_n wirksame Kraft sein, die in der Person selbst liegt. Meine Beste findet jedenfalls absolut keine solche Stärke an Frau Bisset. Und es gibt auch cis-selbstidentifizierte Männer, denen es so geht. Es gibt vermutlich immer auch 'Frauen', die von sehr vielen anderen Menschen als attraktiv, ganz und gar weiblich und als stark angesehen werden, auf einen selbst diese Wirkung aber nicht haben (oder umgekehrt); nichts universelles also.
Ich bin heute ziemlich sicher, dass diese Art der 'wahrgenommenen Stärke' einiges mit sexueller, persönlicher, partnerschaftswunschbezogener oder auch anhimmelnder Attraktivität, aber relativ wenig mit einer diesen Personen immanenten 'Stärke' zu tun hat. Diese Stärke entsteht erst in der Wirkung auf einen anderen Menschen und taugt daher (ist meine Meinung) nicht als Frauenbild, sondern ist eher ein Teil dessen, was hier neulich jemand als Funktion des 'Reptiliengehirns' beschrieb.
Als Gegenargument würde vermutlich bald kommen, dass es ja gar nicht um die Attraktivität der Person als Partner_in oder Sozialstatuserhöherin geht, sondern der Wunsch selbst so zu sein bestimmend ist. Diesen Wunsch kenne ich auch. Ich würde mich bestimmt nicht beschweren, wenn ich morgen aufwache, ganzkörperlich so aussehe wie Mrs. Bisset (nun ja, gern so wie sie aussah, als sie etwas jünger war
Ich weiss es nicht. Mein gutes altes 'Frauenbild' hat über die Jahre unter all den Unklarheiten jedenfalls dermassen gelitten (mein Männerbild übrigens auch), dass ich es mir und anderen heute lieber erspare überhaupt eines zu haben (sorry Mrs. Bisset).
Habt es gut ihr Menschen; Männer, Frauen. Alle.
Marielle
mit Phantasie und Frauenbild.