"Die Männer" oder "die Frauen" sind mMn nicht der richtige Ansatz. Wenn ich gängige Theorien der Psychologie richtig verstehe, wird unser Verhalten wesentlich von den verinnerlichten Normen geprägt, die wir in früher Kindheit erfahren haben. Das wird quasi als verinnerlichte Funktion im Unbewussten eingebaut, ohne das wir uns wehren können. Wir reagieren grundsätzlich auf Basis dieses Wertesystems. Auch scheinbar bewusste Entscheidungen basieren darauf. Dies wird aus der Tatsache gefolgert, dass das Gehirn schon deutlich vor eine bewussten Entscheidung aktiv wird. Der freie Wille ist so gesehen, nichts als Selbstbetrug. Einfluss nehmen können wir nur durch einen Prozess, der auf das Wertsystem im Unbewussten einwirkt. Und da gibt es wirkungsvolle Mechanismen, die das zu verhindern suchen. Somit ist jede weitere Entwicklung mit einigem Aufwand verbunden. Geschlossene Gesellschaftsstrukturen wie Familie, Clans, Nationalitäten, Religionszugehörigkeiten etc. die auf gleichen Grundsätzen aufbauen, sind besonders konservativ.
Oder anders gesagt, wir verändern nichts ohne Anlass. Somit geben wir das an unsere Kinder weiter, was wir selber gelernt haben. Das ist der Ursprung des biblischen Satzes:
... der die Missetat der Väter heimsucht an den Kindern bis ins 3. und 4. Glied.
Gehen wir jetzt noch vom alttestamentarischen Bild der Geschlechter aus, in denen Frauen offiziell nicht viel zu sagen hatten, kann man sie guten Gewissens in dem Satz ebenso angesprochen sehen. Wenn ich also von meinen Eltern misshandelt wurde, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich das in ähnlicher Form weiter gebe. Nehme ich mich als Beispiel für das Prinzip, passt das sogar ganz gut. Erst nach der Trennung von meiner Frau begann ich mit den Reflexionen über mich selber, die, wie ich vermute, zu deutlichen Veränderungen geführt haben. Heute bedaure ich, dass mir das nicht früher gelungen ist ...
Entscheidend ist also das, was wir unseren Kindern und unserer Umgebung mitgeben. Und inwieweit wir uns mit anderen, vor allem fremden Menschen auseinander setzen. Das ist auch der Kern der Integration, die übrigens niemals eine Einbahnstraße ist. Das ist auch der große Denkfehler von Seehofer, Pegida, AfD und Co.