Kathrin_TV hat geschrieben:Ihr habt natürlich recht: Es geht nicht um Nummernschilder, Schubladen oder o.ä., sondern darum ich selbst zu sein. Habe nur das Gefühl, das mir die Auseinandersetzung mit den Begrifflichkeiten auch hilft herauszufinden wer ich bin.
Gruß
Kathrin
WENN das wirklich so ist, dann ist das auch gut. - Menschen haben natürlich immet instinktiv das Gefühl, dass sie zu irgend einer Gruppe gehören wollen möchten.
Es ist ja auch völlig klar, dass du auch gerne das Gefühl hast, dass du - vielleicht nicht 100%ig bist wie die meisten, aber dann auch nicht so ungewöhnlich, dass nieman anderen findest, der/die irgendwie ähnlich ist. Und solche willst du gerne, zumindest rein intellektuell finden, indem du von anderen erfährst, die sich auch so-und-so-bezeichnen. Liege ich da ungefähr richtig? - Wenn so, dann ist es zumindest eine ganz übliche Art für einen modernen Menschen mit dem Gruppen-instinkt umzugehen. Und dieses Gruppen-Gefühl ist nun mal das, was Menschen zu dem gemacht hat, was sie sind. Sonst wären die vereinzelt von den Säbezahnltigern verspeist worden, bis die armen Säbezahnltiger dann entweder verhungert wären oder die Speisekarte geändert hätten.
So weit betrachtet, danke ich auch, dass du dabei bist, dich mit den Begrifflichkeiten zu beschäftigen, in einer Weise, die sogar nützlich sein kann.
Die Frage, die du dir stellen kannst, ist aber - wie ich auch oben erwähnt habe: Handelt es sich überhaupt um einen Begriff, wo es überhaupt eine allgemeine Einigkeit über die Definition gibt? "Bigender", beispielsweise. An sich ein cooles Wort. Ich könnte sogar darauf kommen mich selbst in gewissen Zusammenhängen so zu beschreiben. Ich habe aber noch keine Garantie, dass die Person, von der du es zum ersten Mal gehört hast, es genau so versteht, wie ich es verstehen würde. Wenn ich mich als was anderes als Transgender bezeichnen würde, dann vielleicht sogar eher "Genderfluid", weil das Wort einfach weiter verbreitet ist. Und was "Transgender" betrifft - da erwähne ich oft zusätzlich "in der ursprünglichen Bedeutung". Warum? Weil es eine ganze Menge komplett sinnlosen diskussionen geführt worden sind, wo einige Leute partout zwischen Transsexuell und Transgender unterscheiden wollen. Nun wenn die in IHRER Kommunikation damit klar kommen (was mir nicht so scheint) dem Wort "Transgender", mit einer Definition zu versehen, wo es sich von TS komplett unterscheiden lässt.
Ich benutze es z.B. immer in der ursprünglichen Bedeutung - also als umbrella-term, als Oberbegriff, wo alle andere T-Begriffe unterkategorien werden.
So was kann übrigens in allen Bereichen vorkommen. Einer meiner Lieblingstexte ist die Antwort auf eine Reklamation, die mein Chef mal schrieb, wo er ganz logisch, schlüssig und juristisch haltbar dafür argumentiert, dass ein Messer aus rostfreiem Stahl auch rosten kann. (Wenn man komplett scheiße damti umgeht.)
Kernpunkt in der Argumentation: Es gibt keine DIN-, ISO-Norm oder sonstige übergreifende Einigung darüber, was "rostfrei" genau bedeutet.
Siehst du was ich meine?
So funktioniert Sprache und Kommunikation nun mal - das ist nun mal das, was ich gut kann. (Studiert habe usw. ...)