Stimmtraining
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nicole.f
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Re: Stimmtraining

Post 1 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Jein, ein wenig schon. Bei Queer-Mittelrhein gibt es auch Infos dazu:
http://queer-mittelrhein.de/finde-deine ... he-stimme/
Das basiert auf dem Programm von Andrea James aus den USA "Finding your female voice".

Unter dem Strich ist Logopädie (=Stimmtraining) das effektivste Mittel, um eine Feminisierung der Stimme zu erreichen. Selbst nach operativen Eingriffen, wie bspw. einer Glottoplastik, ist immer auch eine Logopädie indiziert. Grund hierfür ist hauptsächlich, dass neben der reinen Stimmhöhe, die durch eine Operation verändert werden kann, noch einige weitere Faktoren eine wesentliche Rolle beim Erkennen einer Stimme als "weiblich" erheblich sind, z.B. Prosodie[1] und Resonanz. Diese kann man praktisch nur mittels Logopädie trainieren. Persönlich halte ich die Kontrolle der Resonanz für die annähernd wichtigste Eigenschaft, alles weitere macht es dann rund, doch ohne Resonanzkontrolle ist alles andere fast vergebens. Zur Resonanzkontrolle dienen dann die "Twäng" Übungen, so wie sie auch in dem Begleitheft[2] beschrieben sind.

Training ist dann auch eines der Schlüsselworte dabei. Der Apparat zur Tonerzeugung ist ein komplexes Gebilde aus Bändern und Muskeln. Genau wie es für viele andere Tätigkeiten nötig ist, so ist auch hier ein intensives und regelmäßiges Training absolut entscheidend über den Erfolg, also üben, üben, üben. Hat man dann einmal ein bestimmtes Ergebnis erreicht, verselbstständigt es sich im Alltag. Es wird dann natürlich und selbstverständlich und weitere Übung braucht es dann nicht mehr. Eher im Gegenteil wird das zurückfallen in die alte Stimme zunehmend schwerer; es klappt noch, aber nicht mehr mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie es zuvor einmal war, man muss sich schon konzentrieren.

Also für diejenigen, die es mal probieren wollen, schaut Euch mal die Seite von Queer-Mittelrhein und dort vor allem das Begleitheft an. Dazu die Videos von Andrea James auf YouTube, dann hat man bereits eine gute Idee, was man tun kann und genug Stoff für eigene Übungen. Beim Üben im Selbststudium achtet auf Eure Stimme, damit Ihr sie nicht überlastet! Die Stimmbänder und der Apparat sind recht empfindlich. Sobald eine Heiserkeit eintritt, auf jeden Fall Pause machen. Auch Schmerzen sollten nicht auftreten. Eigentlich sind alle negativen Veränderungen Warnzeichen, die einen zur Vorsicht mahnen sollten. Wenn man etwas auf sich achtet, kann nicht wirklich etwas schief gehen.

Logopäden sehen diese Art von Training und auch die Methode von Andrea James etwas kritisch, aber bisher hat mir auch noch kein_e Logopäd_in gesagt, dass es schädlich sei. Es könnte allerhöchstens sein, dass man sich Dinge angewöhnt, die man sich später wieder abgewöhnen muss. Nuja, ist dann eben so. Dauerhaft Schädigungen sind aber wohl, solange man auf besagt Anzeichen wie Heiserkeit und/oder Schmerzen achtet und dann auch stoppt, nicht zu erwarten.

Viel Vergnügen also :)
Und nicht entmutigen lassen, es braucht wirklich viel Übung und entsprechend auch viel Zeit. Ist eben so. Aber es ist auch der einzige gute Weg, wenn man nicht von Natur aus mit einer passenden Stimme oder Begabung gesegnet ist.

Liebe Grüße
nicole

[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Prosodie
[2]
http://queer-mittelrhein.de/wp-content/ ... _v1.01.pdf
Ich bin trans* - und das ist gut so!
Homepage: http://www.dpin.de/nf
Blog: http://www.dpin.de/nf/category/trans/
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